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Freitag, 26. September 2008

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Forum:

Wie wird der Roman der Zukunft aussehen?

Der Roman ist seit 200 Jahren so erfolgreich, weil er - so eine Art kleinster gemeinsamer Nenner unseres Forums - dem Menschen gibt, was ihm in seiner "transzendentalen Obdachlosigkeit" fehlt. Was aber wird die Zukunft bringen? Welche Möglichkeiten eröffnen neue Medien wie Internet und E-Book? Spekulieren Sie mit!

Beiträge

27.09.2008 | 15:10 Uhr

Josef Krauth: Die Elektronik ermöglicht endlich wieder,

fast alles zu Romanen zu kennen: Man nehme die Funktion Wortstatistik (also zähle die Häufigkeit der Wörter), ermittle den Mittelwert und die Standardabweichung, lerne diese Wörter auswendig (fast zumindest) und mache noch einen Signifikanztest.

Schneller lässt sich ein Buch nicht lesen, um dann darüber bei der nächsten After-Work-Party zu parlieren, besonders wenn es sich um die gängigen 365-730-Seiten-Wälzer handelt.
Ich empfehle den Herstellern der Lesegeräte (...books wie auch immer) ein doppelseitiges Display, damit die Dame am Nebentisch zumindest noch das angezeigte Deckblatt sieht, wörüber der Herr Nachbar gerade sinniert/statistiert. Den Flirtfaktor sollte man nie vergessen!!!

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27.09.2008 | 22:44 Uhr
Uwe Ebbinghaus schreibt: Wenn sich das mit dem Flirtfaktor ...

herumspricht, ist das e-book nicht mehr zu stoppen. Vielleicht haben sie aber noch einen Erfahrungswert parat: Welche Deckblätter kommen bei der "Dame am Nebentisch" gut an? Lassen abgerufene Statistiken auf der anderen Seite dann die Flamme nicht eher erlöschen?


27.09.2008 | 16:59 Uhr
Olaf Trunschke schreibt: Aus dem E-Book-Antiquariat ...

Eine ähnliche Vision verfolgte tatsächlich vor Jahren die Firma Everybook mit ihrem gleichnamigen Gerät:

»Ein Monodisplay ist kein Buch, sondern eine Tafel. Der letzte Mensch, der von einer Tafel las, war Moses.« (Daniel Munyan, Erfinder des Everybook)
Das klappbare, farbfähige Doppeldisplay des Everybook kam dem Bild des Buches zumindest optisch nahe.



27.09.2008 | 10:39 Uhr

Literarisches Café Wolfgang Brammen: Lassen wir doch den Leser entscheiden

Sollte man nicht als erstes herauszufinden versuchen, was der Romanleser – fern aller literaturwissenschaftlichen Theorien und Thesen – künftig an Lesestoff, an Inhalten bevorzugen wird, bevor man sich über seine möglichen Lesetechniken den Kopf zerbricht?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Roman in der gebundenen, herkömmlichen Form dauerhaft Bestand haben wird. Selbst im rationalen Verwaltungsbetrieb blieb das vorhergesagte papierlose Büro eine Fata Morgana.

In einer Zeit, die zunehmend durch Werteverfall und Bindungslosigkeit geprägt sein wird, sollte das gedruckte Buch, insbesondere der Roman, seine unersetzliche Rolle als intimer, in höchstem Maße befriedender Rückzugsort gegenüber anderen Medien gut und gerne verteidigen können.

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26.09.2008 | 18:24 Uhr

Friedmar Apel: Spontaner, schneller, freier

Der Roman der Zukunft wird im Wesentlichen so aussehen wie von je. Die Magie schön bedruckten und gebundenen Papiers ist konkurrenzlos. Der passionierte Romanleser möchte ein Buch mit ins Bett nehmen, ...

keine kalte Kiste, an der er dauernd herumfummeln muss. Auch inhaltlich und formal wird der Roman bleiben, wie er ist. Nämlich vielfältig und je immer wieder anders.

Das Internet hat einige interessante Basteleien mit Sprache und Schrift ermöglicht, was aber gerade für den Roman formal nicht viel erbracht hat. Die elektronischen Publikationsmöglichkeiten befreien den Romancier allerdings von Bevormundung und umständlichen Prozeduren. Er kann spontaner und schneller auf Zeitumstände reagieren und wird sich mehr unzensierte Einfälle gestatten. Das kann im einzelnen, wie bei Elfriede Jelinek oder Rainald Goetz, erfrischend und erhellend sein, im ganzen wird es aufgewogen durch die exponentiell ansteigende Verbreitung von Obskurantismus und Schwachsinn.

Leser, die ab und zu einmal wieder zu Cervantes, Sterne, Goethe, Hoffmann, Dickens, Flaubert, Proust, Calvino oder Svevo (um ein paar Lieblinge aufzuzählen) greifen, werden die Vorteile solcher Beschleunigung und Reflexionsentlastung gering einschätzen. Denn das Raum und Zeit transzendierende Wunder aller großen Literatur besteht in der unverminderten Gegenwärtigkeit auch der ältesten Texte.

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26.09.2008 | 17:01 Uhr

beate geibel: Ein gewisser Herr Apple

Ich mag Papier, ich mag den Geruch, wie sich Bücher anfassen, das Geräusch, das die Seiten machen, wenn man umblättert und die Schwere, insofern kann ich mir im Moment so garnicht vorstellen, irgendwann einmal mit einem Plastikkästchen im Zug zu sitzen und die Buchstaben aus dem elekronischen Off zu klauben.

Wo ansonsten bei mir zu Hause so ziemlich alles an elektronischem Getier rumsteht, fleissig und mit Lust genutzt wird, von I-pod, über MacBook, Divx-DVD-Player, bis hin zum I-Phone, bin ich, was das Thema Buch angeht, doch nostalgisch.

Der Einzige, der an diesem zugegeben romantisch verklärten Zustand etwas ändern könnte, ist ein gewisser Herr Apple ... bisher sind die erhältlichen Endgeräte einfach zu hässlich und unpraktisch.

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27.09.2008 | 22:32 Uhr
Uwe Ebbinghaus schreibt: ad Karl Kraus: Ihre papierlose Großraumidylle hat ...

einiges für sich, wirft bei mir aber die Frage auf: wie würde man im e-book-Zeitalter eigentlich Bücher verschenken, wie verleihen oder vererben? Mit dem Austausch von Büchern haben seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland ca. 3 Mio. Ehen ihren Anfang genommen. Kann das auch ein Dateitransfer oder ähnliches, womöglich Ungesetzliches, stemmen?


26.09.2008 | 22:35 Uhr
karl kraus schreibt: das "romantisch verklärte" verhältnis

zum buch wird sich im zeitablauf erledigen. der "nachwuchs" geht heute mit displays so selbstverständlich um, wie die "mittelalte" generation mit papier.

der erfolg des ebooks hängt von der gekonnten kombination aus hard- und software ab und da gebe ich ihnen recht: apple könnte es wohl, wenn es denn wollte.
aber natürlich traue ich es auch amazon zu.
ich jedenfalls freue mich auf ein vernünftiges system und werde dann meine wohnung nicht mehr mit büchern verkleinern (die sich derzeit noch überall bei mir stapeln).



26.09.2008 | 14:27 Uhr

Olaf Petersenn: Seit einem Vierteljahr nutze ich ein e-book -

und lese darauf Romane der Gegenwart, vorwiegend solche, die noch nicht erschienen sind und von denen die allermeisten auch nicht erscheinen werden. Ich nutze das e-book also vorwiegend dafür, Manuskripte nun nicht mehr im Ausdruck, sondern digital zu prüfen.

Aus meiner Alltagspraxis kann ich sagen: Der veränderte Datenträger nimmt Einfluss auf das Leseverhalten seines Nutzers, wird aber keine formalen Innovationen des auf ihm abgerufenen "contents" nach sich ziehen, da er ja das traditionelle Buch imitiert.

Auch hier erscheint Schrift auf einer Seite, dank e-ink so druckerschwärzenähnlich wie möglich, auch hier wird geblättert - alles vertraut. Man kann schneller kursiv lesen, springt flotter durch den Text, das Lesetempo zieht an. Das wird aber auf den Roman von morgen keine formalen Auswirkungen haben. Durch das e-book werden sich aber Produktionsabläufe, Distributionswege, Marktstrukturen, Absatzkanäle etc. verändern, und das vermutlich schneller und gravierender, als man jetzt noch denkt.

Die Vorstellung, dass der Roman sich vom Trägermedium Buch löst und künftig als digitaler Datensatz vertrieben, verkauft, weitergegeben und bestimmt bald auch bloß noch kopiert und runtergeladen wird, hat etwas Beunruhigendes. So wird die diesjährige Frankfurter Buchmesse auch im Zeichen der rechtlichen Probleme stehen, die mit der neuen Technologie entstehen.

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26.09.2008 | 13:31 Uhr

Thomas Anz: Adam, Eva und der Wandel der Roman-Arten

1670 charakterisierte der französische Geistliche und Universalgelehrte Pierre-Daniel Huet in seiner "Abhandlung über den Ursprung der Romane" diese als "erfundene Geschichten über Liebesabenteuer ...

in kunstvoller Prosa, zur Freude und zur Belehrung der Leser". Nimmt man noch den Umfang hinzu, durch den sich der Roman von kürzeren Formen des Erzählens erfundener Geschichten unterscheidet, nach Ansicht des englischen Erzählers E.M. Forster mindestens 50.000 Wörter, dann hat man einige der Eigenschaften, die noch heute für den Roman kennzeichnend sind – und wohl auch zukünftig: Erfindung, Liebe, Abenteuer, mehr oder weniger kunstvolle Prosa und das alles zugunsten kognitiver und emotionaler Bereicherung.

Variationsmöglichkeiten und Entwicklungsspielräume bleiben da genug. Mit Geschichten von der Vertreibung aus dem Paradies oder von Adam und Eva lassen sich auch gegenwärtige Erfahrungen modellieren. Die Abschaffung oder Wiederentdeckung alter Romanarten und die Entstehung neuer hört nicht auf. Trauer über verlorenes Glück und die Suche nach neuem, Angst vor Bedrohung oder vor dem Gespenst der Erlebnisleere, das Bedürfnis nach Erinnern und Vergessen, die Suche nach Sinn oder das Unbehagen an falschen Orientierungsangeboten, das Leiden an Stagnation oder Dynamik, traumatische Erfahrungen und unerfüllte Wünsche, die Lust an Entdeckungen, an der Erprobungen neuer Möglichkeiten und an der Bewältigung von Schwierigkeiten – sie bleiben die Antriebskräfte des Phantasierens und Erzählens, doch wechseln ihre Gegenstände und Formen mit den Erfahrungen der Autoren und ihrer Leser.

Erfahrungen mit den technischen Medien gehören dazu. Keine Angst vor den neuen Medien! Sie werden, wie seit hundert Jahren der Film, Thema von Romanen sein, von Romanen inspiriert werden, Möglichkeiten des romanhaften Erzählens sowie des Hörens, Sehens und Lesens von Geschichten erweitern, alte Medien nicht ersetzen, aber ergänzen. Wer konkretere Prognosen wünscht, wende sich lieber an Hellseher und Propheten.

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26.09.2008 | 12:45 Uhr

Martin Lüdke: Gefährdet: unsere Vergangenheit

Mein alter Freund Danto legte einmal inmitten eines schroff bergigen Geländes (Analytische Philosophie der Geschichte) die zarte Blüte einer weitreichenden Einsicht ab: Wenn die Zukunft offen ist, kann die Vergangenheit ...

nicht verschlossen sein.

Das heißt, im Klartext, was alles an Veränderungen kommen wird, betrifft ebenso das, was wir hinter uns haben, von Homer bis Handke, wie das, was vor uns steht, die experimentelle Literatur, die das Netz ermöglicht.

Im Buchhandel dürfte sich der Mainstream verbreitern. Und im Netz, leider, der Schwachsinn. Es wird schwerer werden, die Stecknadeln im größer werden Heuhaufen zu finden. Jelinek, die ihren letzten Roman gar nicht mehr verkaufen wollte, wird, aufgrund ihrer ökonomischen Unabhängigkeit (Nobelpreis), eine Ausnahme bleiben.

Aber Goetz wird bald gar keine Verlage mehr finden. (Vielleicht geht er, der Arzt, dann wieder arbeiten.) Die jungen Autoren, die jetzt in EDIT debütieren, …. Wir werden es sehen. Und der kleine Rest: siehe die Kollegen, da bleibt’s beim Alten: der Roman kann alles, der Roman darf alles.

Gravierender: was nach hinten losgeht. Das, was wir Tradition nennen, wird das noch eine Rolle spielen? Wer, außer den akademischen Fachkräften, wird Wolfgang Matz und Stifter oder Härtling und Mörike samt ihren Artgenossen noch lesen?
Wir werden es sehen.
Mein guter Freund Lec hat uns dafür übrigens die empfehlenswerte Devise hinterlassen: Kopf hoch, wenn das Wasser bis zum Hals steht.

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26.09.2008 | 11:45 Uhr

Felicitas Feilhauer: Die Sprache wird sich verändern

Der Leser nimmt ein Buch und wenn es ihm gefällt, liest er weiter, wenn nicht, nimmt er sich ein anderes. Das wiederum wird in Zukunft leichter werden, wenn das e-book praktisch überall und jederzeit verfügbar ist.

Das gedruckte Buch und seine elektronische(n) Versione(n) werden nebeneinander existieren, jedenfalls so weit im voraus ich zu denken bereit bin. Bücher, die schon immer viel mobil gelesen wurden, im Zug, in den Ferien, werden sichtbare Marktanteile gewinnen. Da einige an der Nahrungskette des Buches Beteiligten meinen, Anrecht auf einen höheren Anteil zu haben, werden die Kalkulationen vermutlich eng.

Der Markt erwartet niedrigere Preise für das e-book, weil die Druckkosten wegfallen. Die Fixkosten werden aber bleiben (Übersetzung, Satz, Lektorat, die gesamte Betreuung im Verlag), und damit der Gestehungspreis des gedruckten Exemplars bei sinkender Print-Auflage steigen. Das kann der Verlag nicht immer über einen höheren Ladenpreis auffangen. Gibt es dann weniger Bücher? Auch nicht so schlimm. Jedenfalls nicht im Unterhaltungsbereich.

Interessanter wird sein, wie sich die Sprache durch elektronische Kommunikation insgesamt verändert. Das tut sie heute schon. Diese Veränderung wird in die Literatur einfliessen - und tut es heute schon. So wie man heute populäre Sachbücher schon anders 'aufbereiten' muss, weil man dem Leser keine langen Textpassagen ohne Bilder zumuten möchte, frage ich mich, wieviele Menschen in 10 Jahren 1000 Seiten Tellkamp überhaupt noch lesen können.

Was wird heute schon nicht mehr archiviert? Autorenkorrespondenzen mit ihren Verlagen, private elektronische Botschaften, Tagebücher, die vielen Autoren späterer Jahre als Quelle für Romane gedient haben.

Ich lasse mich aber gerne überraschen, statt zu viel zu spekulieren.

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26.09.2008 | 10:11 Uhr

Denis Scheck: Das Buch, eine Maschine

Der Roman von morgen ist selbstverständlich der Roman von gestern. Im weiten Raum unserer literarischen Imagination gibt es dafür reichlich Vorbilder, gegen die Kindle & Co. doch recht blass wirken – von Prosperos Zauberbuch bis zum Schlauen Handbuch von Tick, Trick und Track.

Wie das Verlagsgewerbe und den Literaturbetrieb zähle ich auch den Buchhandel letztlich zum Maschinenbau. Warum das so ist, kann Friedrich Kittler, einer der für mich zur zur Zeit anregendsten Denker in Deutschland, bessser begründen: "Computer", schreibt Friedrich Kittler, "Computer unterhalten mit Büchern ... die tiefe Gemeinsamkeit, diskrete Medien zu sein. Einzelzeichen für jeden Konsonanten und Vokal seit etwa 800 vor Christus, blätterbare Seiten seit etwa 100 nach Christus, abgesetzte Absätze seit etwa 1150, bewegliche Lettern seit 1451, standardisierte Formate spätestens seit den DIN-Normen von 1917 - all diese Eigearten des Buches machen es zur symbolischen, kombinatorischen und das heißt eben diskreten Maschine."

Das Buch, eine Maschine - und zwar eine uralte und aufs Raffinierteste evolutionierte im Vergleich zu dem, was wir an Tagebaubaggern und Hochbaukränen im landläufigen Sinne so Maschine zu nennen gewohnt sind, Buchmaschinen also, die eine hochdifferenzierte Evolution hinter sich haben, Atlanten, Telefonbücher, Romane, Bauanleitungen und technische Handbücher, wer nennt die Namen, eine Evolution jedenfalls, die sich durchaus mit der von komplexen Maschinen wie Musikinstrumenten oder Uhren vergleichen kann.

Nur bibliophile Kreationisten können glauben, dass die Entwicklung von Tafel über Rolle aus Pergament oder Papyrus, den Codex bis hin zum Buch, wie wir es kennen, ein für allemal abgeschlossen ist.

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26.09.2008 | 11:33 Uhr
Olaf Trunschke schreibt: »Ein Buch..

• läßt sich im Nu booten; • hat ein kontrastreiches Display mit maximaler Auflösung; • ist aus jedem beliebigen Blickwinkel zu betrachten, auch bei hellstem oder bei schummerigem Licht; ...


• erlaubt raschen, beliebigen Zugriff auf jede Seite;
• bietet in jeder Position sofortiges visuelles und handliches Feedback;
• kann problemlos mit Randbemerkungen versehen werden;
• braucht keine Batterien oder Stromanschluß,
• bleibt immer stoßfest verpackt.
Und welchen dieser Vorteile genießen Sie beim Laptop?«
(Neil Gershenfeld, Wenn die Dinge denken lernen, 1999)



26.09.2008 | 09:35 Uhr

Olaf Trunschke: E-Books oder: Der Aufstand einer untoten Technik.

Derzeit sorgen E-Book-Lesegeräte wieder einmal für Schlagzeilen. Dabei ist die neue Art des Lesens eine alte Geschichte. Generationen von Lesegeräten erfreuen die Sammler von Gadgets. Und auch die Idee selbst hat lange Tradition.

Experimente vor über zehn Jahren zeigten: Es gibt zwar Literatur im Netz, aber keine nennenswerte Netzliteratur. Hyperfiction und Cyberromanzen sind bis heute weitgehend Fiktion. - Die Romane der Generation Google heißen Onlinegames, auf Platz 1 der Bestsellerliste: »World of Warcraft«.

Hypertext & Hypermedia - die genialen Visionen von Ted Nelson sind in Wikipedia und überhaupt im Web 2.0 zur Wirklichkeit geworden. Zu »Literary Machines« wurden Computer, Notebooks und E-Book-Reader nicht: Der Computer blieb ein Papier-Simulator.

Einen Essay zum Thema gibt es im Netz: »Per Anhalter durch die Gutenberg-Galaxis«. Geschichte und Visionen des Elektronischen Buches ...

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26.09.2008 | 11:34 Uhr
Olaf Trunschke schreibt: Literatur, gelinkt ...

Natürlich werden Texte und bewegliche Bilder in künftigen E-Books verschmelzen. Manche Wörter ändern sich im Tagesrhythmus, die Kapitel altern, verlieren Zeilen und Absätze ...

Geschichten erwachen zum Leben. - Der neue Freiheitsgrad der E-Books wird sein: Bewegung in der Zeit. Bis dahin aber müssen Kindle & Co noch viel lernen. - Bleibt als literarisches Stilmittel: der Link. Den freilich wusste schon Diderot subversiv zu nutzen.
Ein E-Book (PDF), welches den Link als Mittel der Ironie nutzt, gibt es auch schon.



26.09.2008 | 08:14 Uhr

Thomas Scholz: Rückschritt auf Elementares

Ich stelle mir die Zukunft des Romans rosig vor. Wobei ich glaube, dass im Internet vieles zu holen ist, aber wenig für den Roman. Der Roman wird seine Handlung wie seit jeher auf der Straße finden, die in Zukunft wieder stärker ...

von Pferdewagen und Fußgängern bevölkert sein wird, insofern bestünde der Fortschritt in einem Rückschritt auf Elementares, mit dem wir, ziemlich sicher, wieder mehr Bekanntschaft schließen werden.

Über den Kindle soll man keine flapsigen Bemerkungen machen, das hieße, ihn unterschätzen, nur so viel: Er wird dem Roman ganz neue Leserschichten erschließen. Man wird ihn im Zug liegen lassen, aus Ärger und Geiz keinen zweiten kaufen, sondern wieder Bücher, der aber, der ihn findet, wird ein paar unerwartete Lesestunden haben, bis auch er ihn verliert, das teure, hässliche Ding.

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26.09.2008 | 07:58 Uhr

Ernst-Wilhelm Händler: Wie könnte man es vorhersagen?

Der Romanautor ist in ungeheurem Maß frei. Der anspruchsvollste Teil seiner Arbeit besteht darin, selbst die Aufgabe zu stellen, die der Roman lösen soll. Weil sie so schwierig ist, wird diese Arbeit gerne delegiert:

Der Autor sucht sich etwas oder jemanden, für das, für den er schreiben muss. Das ist oft er selbst.

Wie könnte man vorhersagen, auf welche Weise ein Autor der Zukunft sich sein Problem selbst stellt oder jemanden findet, der das für ihn erledigt?

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26.09.2008 | 07:55 Uhr

Wolfgang Matz: Der Mensch, das unbekannte Wesen

Wie doch die Zeit vergeht, die arme, und die Zukunft gleich mit, ich darf gar nicht dran denken! Ja, lieber Martin Lüdke, schon seit 1979 gibt es diese wunder-praktischen "Hundert Romane in Pillenform" von Giorgio Manganelli, die selbst chronische Brustbeschwerden eins, zwei, drei! gelindert haben.

Dagegen ist das E-Book Steinzeittechnologie! Auch was die Themen anbetrifft, Geduld: Es wird für den Roman in allen denkbaren Vertriebsformen (Buchhandlung, Apotheke, Steckdose) noch eine Weile beim alten bleiben: der Mensch, das unbekannte Wesen.

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Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

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