26.09.2008 | 10:11 Uhr
Denis Scheck: Das Buch, eine Maschine
Der Roman von morgen ist selbstverständlich der Roman von gestern. Im weiten Raum unserer literarischen Imagination gibt es dafür reichlich Vorbilder, gegen die Kindle & Co. doch recht blass wirken – von Prosperos Zauberbuch bis zum Schlauen Handbuch von Tick, Trick und Track.
Wie das Verlagsgewerbe und den Literaturbetrieb zähle ich auch den Buchhandel letztlich zum Maschinenbau. Warum das so ist, kann Friedrich Kittler, einer der für mich zur zur Zeit anregendsten Denker in Deutschland, bessser begründen: "Computer", schreibt Friedrich Kittler, "Computer unterhalten mit Büchern ... die tiefe Gemeinsamkeit, diskrete Medien zu sein. Einzelzeichen für jeden Konsonanten und Vokal seit etwa 800 vor Christus, blätterbare Seiten seit etwa 100 nach Christus, abgesetzte Absätze seit etwa 1150, bewegliche Lettern seit 1451, standardisierte Formate spätestens seit den DIN-Normen von 1917 - all diese Eigearten des Buches machen es zur symbolischen, kombinatorischen und das heißt eben diskreten Maschine."
Das Buch, eine Maschine - und zwar eine uralte und aufs Raffinierteste evolutionierte im Vergleich zu dem, was wir an Tagebaubaggern und Hochbaukränen im landläufigen Sinne so Maschine zu nennen gewohnt sind, Buchmaschinen also, die eine hochdifferenzierte Evolution hinter sich haben, Atlanten, Telefonbücher, Romane, Bauanleitungen und technische Handbücher, wer nennt die Namen, eine Evolution jedenfalls, die sich durchaus mit der von komplexen Maschinen wie Musikinstrumenten oder Uhren vergleichen kann.
Nur bibliophile Kreationisten können glauben, dass die Entwicklung von Tafel über Rolle aus Pergament oder Papyrus, den Codex bis hin zum Buch, wie wir es kennen, ein für allemal abgeschlossen ist.
Uwe Ebbinghaus schreibt: Wenn sich das mit dem Flirtfaktor ...
herumspricht, ist das e-book nicht mehr zu stoppen. Vielleicht haben sie aber noch einen Erfahrungswert parat: Welche Deckblätter kommen bei der "Dame am Nebentisch" gut an? Lassen abgerufene Statistiken auf der anderen Seite dann die Flamme nicht eher erlöschen?
Olaf Trunschke schreibt: Aus dem E-Book-Antiquariat ...
Eine ähnliche Vision verfolgte tatsächlich vor Jahren die Firma Everybook mit ihrem gleichnamigen Gerät:
»Ein Monodisplay ist kein Buch, sondern eine Tafel. Der letzte Mensch, der von einer Tafel las, war Moses.« (Daniel Munyan, Erfinder des Everybook)
Das klappbare, farbfähige Doppeldisplay des Everybook kam dem Bild des Buches zumindest optisch nahe.
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