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Julia Franck: Faszination für bestimmte Charaktere und Perspektiven
Kürzlich sagte mir meine Verlegerin aus einem Nachbarland, der Buchpreis würde für die ausländischen Verlage den Blick auf die deutsche Literaturlandschaft strukturieren. Sicherlich kommt es nicht auf "einhelliges Lob" an, das ...
allein war noch nie für internationale Erfolge wichtig (siehe Houellebecq, Roth, Sebald). Erfolg polarisiert – welcher Schriftsteller schreibt schon für bestimmte Leser, für Kritiker, für Vegetarier, für Protestanten?
Immer wieder gibt es einzelne Doktoranden in aller Welt, die seit Jahren über einen zeitgenössischen deutsche Schriftsteller promovieren, ohne dass jemals die deutsche Öffentlichkeit davon erfährt. Wird selbst zeitgenössische Literatur der jüngeren Generation in die Abiturprüfungen und sonstigen umfassenden Lehrmaterialien deutscher und fremdsprachiger Schulen aufgenommen (wir Schriftsteller erhalten regelmäßig Mitteilungen darüber von der VG Wort). Sind allein hohe Auflagen von Hesse und Funke der "internationale Erfolg"? Akademische Beschäftigung wie die mit Sebald und so einigen Autoren unserer Generation? Honore Rezensionen bei Erscheinen der Übersetzung?
Es könnte sein, dass das Etikett des Deutschen Buchpreises etwas bewirkt. Schon meine vorigen Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt, aber keines so schnell in so viele Sprachen mit so großer Resonanz in den jeweiligen Medien.
Für das Ausland scheint einerseits das deutsche Thema interessant zu sein, gleich welcher Epoche (Kehlmann, Schlink, Brussig – um keinen Kandidaten dieses Jahres zu nennen). Zum anderen ist auch bei den Kritikern und gewöhnlichen Lesern im Ausland die Faszination für bestimmte Charaktere des Buches wie auch die Perspektive ausgeprägt. Beispiel: Wie viele literarische Romane aus der Sicht eines Mannes gibt es? Einer Frau? Sagen wir jenseits des Genres Frauenroman? International, erfolgreich? Wer erzählt uns seine Welt?
Unterscheidet sich der Wandel in Deutschland in Bezug auf bestimmte gesellschaftliche Fragen so grundsätzlich von dem anderer Länder West-Europas, den Bildungsmöglichkeiten einer Frau in Frankreich, in England, in Japan, dem Standesdünkel? Dem Hedonismus, der Individualisierung und Isolation? Kann ein Mensch etwa Glück und Liebe verdienen? Ein Buch Ansehen? Es sind die komplexeren Fragestellungen, denen ein Buch durch deutsche Landschaften und Geschichte, mit deutscher Sprache und deutschem Denken, deutschem Trotz und deutscher Willkür nachgeht, denen der dänische Leser so neugierig folgt während er sich und seine Gesellschaft in Teilen wieder erkennt und das Fremde ausmacht.
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