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Montag, 23. November 2009
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Trommlerin für die Sprache

Porträt Jutta Limbach

Quelle: AP
Jutta Limbach

Dass man eine "Ode an die deutsche Sprache" auch ausbringen kann, indem man die Werbetrommel für sie rührt, hat Jutta Limbach in ihrer kürzlich zu Ende gegangene Zeit als Präsidentin des Goethe-Instituts immer wieder gezeigt. Bereits als Vorsitzende Richterin des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe hatte sie 1996 erstmals eine Pressestelle für das höchste deutsche Gericht eingerichtet. Früh hatte sie offensichtlich erkannt, dass Karlsruhe die Deutungshoheit über höchstrichterliche Entscheidungen wenn schon nicht ganz behalten, so aber doch zu deren Verständnis und Rezeption entschieden beitragen könnte. Der Drang, das eigene Handeln für andere nachvollziehbar zu gestalten, verbunden mit einem aufgeschlossenen Einfühlungsvermögen in die Situation anderer, mag ausschlaggebend gewesen sein für den familiär geprägten Wunsch der Berlinerin des Jahrgangs 1934, politisches Engagement und Schreiben zu vereinen. Noch während ihres Jura-Studiums an der Freien Universität Berlin wollte Jutta Limbach politische Journalistin werden. Schon die Großmutter mütterlicherseits hatte als SPD-Mitglied in der Weimarer Nationalversammlung, des Reichstages und des Preußischen Landtags gesessen, der Großvater war bei der 1876 gegründeten Zeitschrift sozialdemokratischen Monatszeitschrift "Vorwärts" tätig gewesen.

Nach einem glänzendem Studienabschluss und in der Erkenntnis, dass man auch und vielleicht gerade als Juristin schreiben und publizieren kann, schrieb Jutta Limbach dann jedoch statt Zeitungsartikeln Rechtsgeschichte: Von 1972 bis 1989 lehrte die Mutter dreier Kinder Rechtswissenschaften in Berlin und Heidelberg, 1989 wechselte sie in die Politik und war als Berliner Justizsenatorin unter Regierenden Bürgermeistern verschiedener Couleur (Walter Momper und Eberhard Diepgen) im Einsatz. 1994 wurde sie zur Richterin am Zweiten Senat des Bundesverfassungsgerichts ernannt und noch im selben Jahr dessen Präsidentin. In ihre Karlsruher Zeit fielen öffentlichkeitswirksame Entscheidungen wie das "Kruzifix-Urteil", der Spruch zum Gebrauch des Tucholsky-Zitats "Soldaten sind Mörder", die Erlaubnis von Sitzblockaden oder auch die Genehmigung zum Schächten nach islamischem Ritus - allesamt Urteile, die in klarer und allgemein verständlicher Sprache der Aufklärung, Erläuterung und Vermittlung bedurften.

Als Jutta Limbach nach ihrem altersbedingten Ausscheiden aus dem obersten Richteramt 2002 das, wie sie es nannte, "schönste Ehrenamt, das Deutschland zu vergeben hat", die Präsidentschaft des Goethe-Instituts, übernahm, nutzte sie diese Position nicht nur, um amtsangemessen zu beschwören, dass "Deutschland noch immer das Land der Dichter und Denker" sei, sondern vor allem, um mittels der von ihr auch dort erstmals eingeführten Pressestelle diese Einsicht auch unters Volk zu bringen. Der Juristin, die auch in den Hoch- und Stoßzeiten ihrer Karriere morgens eine Stunde mit der Lektüre von Literatur zubrachte, lag nicht nur die Pflege und die Verbreitung der deutschen Sprache am Herzen, sondern vor allem eines: die Bewusstmachung, um was für ein einzigartiges Kulturgut es sich bei der eigenen, der deutschen Sprache handelt. Für Jutta Limbach ist die Sprache die Seele unserer Nation, und deren Vernachlässigung damit zuallererst ein Verbrechen an uns selbst. Ihr Vermächtnis an Klaus-Dieter Lehmann, ihren Nachfolger an der Spitze des Goethe-Instituts, war denn auch die inständige Bitte, er möge dem "Werben um die deutsche Sprache" neben dem Kulturaustausch und der Information über Deutschland "möglichst die gleiche Aufmerksamkeit" widmen. Ihr in diesem "Reading Room" in Teilen vorabgedrucktes und zur Diskussion einladendes Buch "Hat Deutsch eine Zukunft?" beweist, wie ernst es ihr mit dieser Form der Seelsorge – der Sprachsorge – auch über ihre Amtszeit hinaus ist.

Friederike Reents

Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

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