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Der Feind in meinem Sprachgebrauch
Was schadet dem Deutschen? Von Edo Reents
Kommentarmöglichkeit am Ende des Beitrags
Klagen über den Zustand der deutschen Sprache gibt es seit Jahrhunderten. Aber steht es jetzt so schlimm? Jutta Limbach hat in ihrem Buch über die Zukunft des Deutschen die Auffassung geäußert, noch nie in der Geschichte habe es so viel gutes Deutsch gegeben wie heute. Das stimmt wahrscheinlich; denn noch nie wurde so viel gesprochen und geschrieben wie heute. Insofern gleicht der Befund den Klagen über die vielen Bücher, die geschrieben werden und unter denen sich gute wie schlechte befinden. Wenn sich in die durch Frau Limbachs Thesen ausgelöste und im "Lesesaal" dieser Zeitung dokumentierte Debatte ein Ton der Besorgnis mischte, dann aus einem Grund: wegen der weiten Verbreitung des Englischen.
Die Herausforderung, die das Deutsche durch eine andere Sprache erfährt, war wahrscheinlich noch nie so groß wie heute, weil die wirtschaftlichen, politisch-gesellschaftlichen und kommunikationstechnischen Faktoren, die eine Sprache laufend, aber schleichend verändern, in ihrer Dynamik noch nie so stark waren wie heute und an Entwicklungen gekoppelt sind, die mehrheitlich gewollt und nicht mehr rückgängig zu machen sind: die Globalisierung und die europäische Einigung.
Die Bequemlichkeit des Standortvorteils
Die Frage ist nur, was daraus folgt und wie man sich dazu verhält. Stehen wir schon an der Schwelle zu einer neuen Sprache, dem sogenannten Denglischen beispielsweise, und merken es bloß noch nicht? Die Gelassenen weisen in einer Mischung aus Liberalität und Ahnungslosigkeit darauf hin, dass Sprache sich eben "entwickelt". Sie tun dies mit einer Miene, als wüssten sie auch, wie das im Einzelnen vor sich geht. In Wirklichkeit gehört der Sprachwandel zu den komplexesten und am schwersten zu beschreibenden Phänomenen der Sprachwissenschaft. Man weiß ja bis heute nicht genau, wie sich das Deutsche in der relativ kurzen Zeit von sieben Jahrhunderten mehrmals so grundlegend, vom Alt- zum Mittel- und von diesem zum Neuhochdeutschen hin, entwickeln konnte.
Solche Wandlungen sind gebunden an Änderungen nicht nur des Vokabulars, sondern auch der Lautung und Flexion, also der Konjugation und Deklination, sowie der Syntax. Das Neuhochdeutsche ist aber in den vergangenen einhundert Jahren bemerkenswert stabil geblieben. Zwar haben die Anglizismen genauso zugenommen wie die Eigenheiten, die sich dem Einfluss des Englischen verdanken, etwa der Verzicht auf das Reflexivpronomen bei "erinnern" ("ich erinnere das", entsprechend "I remember"); zwar gibt es auch zahllose Beispiele von Sprachwitzen oder -dummheiten nach Art von "unkaputtbar" oder "Da werden Sie geholfen" – aber dergleichen wird sich kaum dauerhaft durchsetzen.
Etwas anderes ist die Frage, ob man das Deutsche ins Private abdrängen und zur reinen Freizeitsprache machen sollte, wie dies Günther Oettinger schon allen Ernstes wollte, so dass es irgendwann ganz verschwinden könnte. Dafür wären eigentlich nur Wettbewerbsgründe ins Feld zu führen: Politiker und Manager, die sich verbissen dem Bürokratieabbau verschrieben haben, knöpfen sich nun die Sprache vor, die ihnen wohl auch zu kompliziert ist und gegenüber dem zunächst etwas bequemer scheinenden Englischen nur Standortnachteile hat.
Sprache lässt sich nicht institutionell regeln
Indessen hat der hiesige Kulturföderalismus nicht nur in Brüssel, wohin jedes Kultusministerium einen eigenen Vertreter entsendet, dazu geführt, dass man um eine einheitliche Stoßrichtung vergeblich ringt. Der Hinweis auf die Académie française, die sich nationalen Anliegen in selbstbewusster Bündelung zu verschreiben wisse, gehört zum Standardrepertoire deutscher Sprachkritik; aber dass wir mehr als einhundertdreißig Einrichtungen zur Förderung der Sprachkultur in Deutschland haben, scheint niemanden stutzig zu machen. Dass sich der Einfluss der bekanntesten unter ihnen in der inzwischen kaum noch ernstgenommenen Wahl von Wörtern und Unwörtern des Jahres praktisch schon erschöpft, offenbart eine auch sonst spürbare Tendenz zur Listenbildung und darüber hinaus eine Schwierigkeit genereller Art: Sprache lässt sich nicht institutionell regeln.
Im Verhältnis des Deutschen zu anderen Sprachen hat sich eine interessante Perspektivänderung ergeben: Noch vor einigen Jahren warnten Sprachwissenschaftler auf einem Münchner Germanistentag, wenn es so weitergehe mit der Ausdehnung der EU, dann würden in Brüssel und Straßburg bald mehr Dolmetscher herumlaufen als Abgeordnete und Beamte – ein einziges kostspieliges und den ganzen Apparat irgendwann lahmlegendes Gewimmel, das an den Turmbau von Babel erinnere. Was damals in alarmierender Absicht vorgetragen wurde, wäre aus heutiger Sicht eher zu begrüßen: Wenn so viele Dolmetscher im Einsatz sind, dann kann das nur bedeuten, dass auch die Deutschen dort in ihrer Landessprache sprechen. Inzwischen wird aber auf ein Achtzig-Millionen-Volk geschimpft, das sich der englischsprachigen Welt mit einem im Ausland längst nur noch mit Kopfschütteln quittierten Eifer in fast allen Bereichen an den Hals wirft. Sogar wenn sie unter sich sind, heißt es, reden die Deutschen englisch. Kritiker solcher Gepflogenheiten finden ihren kleinsten gemeinsamen Nenner in der Verteufelung von Anglizismen, die, so die Befürchtung, das Deutsche gleichsam von innen heraus zerstören.
Sollte dieser Befund zutreffen, so würfe das auf die sprachpflegerische Rolle der Eliten kein gutes Licht: Sie wären es dann, die zur Verhunzung maßgeblich beitrügen, weil sie nur noch englisch reden und schreiben – die Eliten machen die Sprache kaputt, wie sie auch, durch überhöhte Managergehälter und Steuerhinterziehung, die politische Moral kaputtmachen. Vielleicht sollte man nicht nur auf Berliner Pausenhöfen, sondern auch in einigen Kreisen von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft das Deutsche vorschreiben.
Puristen ohne Pathos
Die meisten Klagen über den Verfall oder Schwund des Deutschen werden aus einer Zwickmühlensituation heraus geführt: Man sieht einen Mangel an Sprachloyalität, der zuweilen ja wirklich lachhaft ist, will aber, historisch überaus begreiflich, nicht als säbelrasselnder Nationalist dastehen, der dazu aufruft, sich unter allen Umständen des Deutschen zu bedienen; man sieht die Anglizismen und englischen Wörter nur so sprießen, gibt aber zu, dass einige durchaus sinnvoll sind, und rät dann, was nie schaden kann: nur nicht übertreiben.
Letzteres ist der Standpunkt der praktischen Vernunft, auf den sich auch die Reinlichkeitsfanatiker einigen können, wenn man bei ihnen einmal nachhakt, ob man denn auf "Computer" und "Pullover" allen Ernstes verzichten wolle; selbst ein rigoroser Sprachpfleger wie Wolf Schneider widerspricht hier nicht. Erst dann kommen die absoluten Puristen, die noch nie etwas ausgerichtet haben. Denn selbst sie wissen, dass man sich das peinliche Pathos nicht mehr leisten kann, mit dem Herman Riegel 1885 den Allgemeinen Deutschen Sprachverein gegründet hatte: "Gedenke auch, wenn du die deutsche Sprache sprichst, dass du ein Deutscher bist!"
Die Befürchtung, Wert und Bestand des Deutschen seien im Schwinden begriffen, findet in dem Streit, ob in der EU neben dem Englischen und Französischen das Deutsche nicht nur Amts-, sondern auch (in den Gremien täglich verwendete) Arbeitssprache sein soll, ihren Ausdruck und wäre zunächst rein bürokratischer Natur. In der politischen Verwaltung mögen entsprechende Bemühungen nützlich sein; in der so vielfältig zusammengesetzten Sprachgemeinschaft ist damit kaum etwas auszurichten. Dennoch wird auch hier bisweilen so getan, als wäre Sprache etwas, das sich gängeln ließe wie das Rauchen oder das Parken.
Sprache rührt an unser Persönlichstes
Die keineswegs nur von Erbsenzählern geäußerte Sorge ums Deutsche ist gleichwohl nicht unbegründet. Sie drückt sich aus in einer Vielzahl von Zeitungsartikeln, Aufsätzen und Büchern und mag sich auch dem Bewusstsein verdanken, dass die Sprachpolitik politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen wie Globalisierung und Migration hinterherhinkt – womit freilich schon vorausgesetzt ist, dass es so etwas wie "Sprachpolitik" überhaupt gibt. Sie wäre an die Möglichkeit geknüpft, dass es einer Instanz, die gleichsam außerhalb oder über der Sprachgemeinschaft anzusiedeln wäre, möglich ist, korrigierend einzugreifen. Dabei stellt sich sofort das Legitimationsproblem: Wer kann und darf hier überhaupt Vorschriften machen? Welche Auseinandersetzungen das nach sich zieht, hat man bei der Rechtschreibreform gesehen.
Bisher war es üblich, dass Vorschriften zum richtigen Gebrauch erst gemacht wurden, nachdem eine Bestandsaufnahme dessen erstellt war, was sich mehrheitlich schon durchgesetzt hat. Wenn man aber glaubt, man könne dem individuellen Spracherwerbsmechanismus, an den die Sprachwissenschaft glaubt und der viel mit unbewussten kognitiven Vorgängen zu tun hat, mit Verordnungen beikommen, dann ist das ein Irrtum. Man kann Amtssprachen festlegen, den Sprachverkehr in Schulen und Behörden regeln, auch Einwanderern Deutschkenntnisse abverlangen; aber auf den alltäglichen Sprachgebrauch, auf das Reservoir unserer Ausdrucksweise gibt es keinen direkten Zugriff – Gott sei Dank, muss man sagen, denn die Sprache rührt an unser Persönlichstes.
Sie ist, mit anderen Worten, eine Charakterfrage, wie insbesondere Dolf Sternberger oft angemerkt hat. Sternberger wandte die alte Erfahrungstatsache, dass Sprachkritik schnell zur Moralkritik wird, auf eine historisch unerhörte Situation an. Er verstand die Sprache mit Humboldt zwar als ein stetes Werden, also als etwas, was auch verbesserungsfähig ist; seine ebenfalls bei Humboldt geborgte Überzeugung von einer "Entsprechung von Sprachleib und Volksgeist" machte er sich aber für eine Zuspitzung zunutze, für die es zeitgeschichtlich gute Gründe gab, die aber verstiegen anmutet. Die Auffassung, am Sprachgebrauch lasse sich ein "Kriterium der Humanität" entwickeln, war die Voraussetzung für sein "Wörterbuch des Unmenschen" – mit anderen Worten: Es gibt keine wertneutrale, unschuldige Sprache. Das ging so weit, dass Sternberger unter Berufung auf Leo Weisgerber Wertungen nicht nur an bestimmte Wortbedeutungen herantrug, also an lexikalische Strukturen, sondern auch an rein grammatische und beispielsweise behauptete, der Gebrauch des Akkusativs zeige eine "Enthumanisierung der Sprache wie auch des in ihr ausgedrückten Gesellschaftsverhältnisses" an oder leiste dieser Vorschub.
Der wahre Feind des Deutschen
Sternbergers 1962 in dieser Zeitung veröffentlichte "Maßstäbe der Sprachkritik" waren auch deshalb so wirkmächtig, weil sie einen Keil trieben zwischen eine feuilletonistische Sprachkritik, die Vorschriften macht und der auch Sternberger zuneigte, und einer rein wissenschaftlichen, die sich jeder Wertung enthält. Zur Letzteren gehörte der damals noch sehr junge Peter von Polenz, der für einen gelassenen Pragmatismus plädierte und in einem Leserbrief an diese Zeitung vom 13. Dezember 1962 gegen Sternberger Stellung bezog: "An die Sprache des Alltagslebens in der technischen und verwalteten Welt sind ganz andere Anforderungen gestellt als an die nach Schönheit, Geist und Gemüt bewertete Hochsprache. Nützlichkeit, Kürze und Bequemlichkeit sind unentbehrlich in dieser nüchternen Stilebene, sie entziehen sich als sprachökonomische Entwicklungskräfte jeder moralischen und sprachästhetischen Wertung." Die Welt hat sich seither noch einmal erheblich verändert, die Ausdifferenzierung in Bereiche mit eigenen Sondersprachen schreitet fort. Geblieben aber ist die Frontstellung zwischen deskriptiver (beschreibender) und präskriptiver (normativer, vorschreibender) Sprachkritik.
Man ist über Sternberger heute hinaus, auch wenn niemandem eine besondere Sensibilität für den nationalsozialistischen Sprachgebrauch erlassen werden kann. Dass aber der politisch gutgemeinte Hinweis auf das NS-Beispiel nicht immer weiterhilft, ist etwa daran zu sehen, dass der Allgemeine Deutsche Sprachverein 1940 praktisch mundtot gemacht wurde: "Der Führer wünscht nicht derartige gewaltsame Eindeutschungen und billigt nicht die künstliche Ersetzung längst ins Deutsche eingebürgerter Fremdwörter durch nicht aus dem Geist der deutschen Sprache stammende und den Sinn meist nur unvollkommen wiedergebende Wörter." So ein Erlass des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.
Schon der Historiker und Politiker Hans Delbrück hatte 1887 geschrieben: "Es gibt keinen gefährlicheren Feind für das wahre Deutschthum als die Deutschthümelei, welche von ihrer eigenen Lächerlichkeit einen Schein auf jenes zurückwirft. Zu dieser Art der Deutschthümelei gehört auch die ,Sprachreinigung‘." Diese kritische Linie, die das Un- oder Antideutsche als das wahrhaft Deutsche ansieht, lässt sich zurückverfolgen über Nietzsche und Schopenhauer, für den die Liebe zur deutschen Sprache die einzig erlaubte, rein geistige Form des Patriotismus war, bis hin zu Leibniz, der eine von Fremdwörtern gereinigte Sprache als "Suppe von klarem Wasser, nehmlich ohne Unreinigkeit und ohne Krafft", bezeichnete.
Leibniz’ "Unvorgreiffliche Gedancken, betreffend die Ausübung und Verbesserung der Teutschen Sprache" (1697), sind, wie jede mit strengem Formbewusstsein und doch auch mit Augenmaß argumentierende Sprachkritik, auch heute noch lesbar. Sie laufen auf das Kriterium der Angemessenheit hinaus, wie es unlängst auch der Sprachwissenschaftler Jürgen Schiewe, Experte im "Lesesaal" dieser Zeitung, in einem Heidelberger Vortrag unter Berufung auf Peter von Polenz entwickelte. Wenn es einen Feind des Deutschen gibt, dann kommt er von innen; wir sehen ihn nur nicht, weil die Puristen vollauf damit beschäftigt sind, sich über die Anglizismen aufzuregen. Dieser Feind hört auf den Namen "Nachlässigkeit" und lauert überall. Fassen wir ihn endlich ins Auge.
Edo Reents
F.A.Z., 29.5.2008
Kommentare
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Luk Lukk schreibt: Alles schön und gut, andererseits...
Die Sprache verkleidet die Gedanken -, das steht mehr oder weniger in Wittgensteins Tractaus. Je weniger werden die gesprochenen Begrifflichkeiten = Begriffe verwendet, desto weniger man sie zu denken vermag.
Das Denglische stellt nur ein Teil der Sprachproblematik dar. Ich versteh auch nicht, warum man statt "gerissen" "clever" sagen soll. Auf Englisch besitzt dieses Wort eine andere Bedeutung.
Doch die Tatsache, dass man heutzutage mit etwa 150 Wörtern zurecht kommt. Und man demzufolge weniger Gedanken zu denken vermag, dies ist sehr besorgniserregend. Und niemand scheint etwas dagegen unternehmen zu wollen.
Gruß aus der tiefen Provinz Bochum:-)
Hartwig Grubel schreibt: Sprache
Sprachbilderisch ist nicht so sehr das Sprechen, das in der Regel in einem Alltagsdialekt stattfindet, sondern das Lesen. Wichtig ist es außerdem, über die Sprache nachzudenken: Warum und wie drücken wir etwas aus, welche Synonyme haben wir, auf welchen Stilebenen bewegen wir uns, was widerspricht dem Geist der Sprache und was klingt geschrieben und was gesprochen besser - welche Quellen hat der Wortschatz? Fremdsprachliche Einflüsse gibt und gab es mehr als man glaubt, sie richten in der Regel keinen Schaden an; die Gedankenlosigkeit verschlampt die Sprache - Beispiel: man kann von vielen auch kultivierten Leuten unüberlegte Wendungen hören wie "total viel", "wegen dem", "trotz des" u.dgl. m., z.B. auch ein vulgäres Plusquamperfekt statt des Imperfekts oder des Perfekts, schlampige Deklinationen: "dem Bär", "dem Mensch"...
Reinhardt Wassenich schreibt: Der Feind in meinem Sprachgebrauch
Sie suchen die Schuldigen? Alle sind schuld an der deutschen Sprachmiesere. Besonders die 'Eliten', die glauben, dass es vornehm und gebildet (eingebildet) klingt, wenn man viele Fremdwoerter in Wort und Schrift gebraucht. Besonders Woerter aus dem Englischen.
Englaender und Amerikaner denken gar nicht daran, ihre Sprache mit 'willentlich' eingefuehrten Fremdwoertern zu schmuecken. In der englischen Sprache werden auch bestimmte Worte nicht als alt oder altmodisch eingestuft. Wenn das Wort zur Sache passt, wird es benuetzt, selbst wenn es schon seit 200 Jahren zur Sprache gehoert.
Die neue Rechtschreibung ist ein typisches Beispiel von deutscher grundloser 'Sprachmanipulierung'. Jede Sprache entwickelt sich von selbst, man muss da nicht nachhelfen.
Gerd Bungartz schreibt: Sprache laesst sich nicht institutionell regeln??
Laesst sich Sprache wirklich nicht institutionell regeln?
Natuerlich lebt einee Sprache und hat dadurch eine 'Eigendynamik'. Allerdings bezweifele ich, dass sich diese Dynamik nicht beeinflussen laesst, in Sinne einer Richtungsweisung sozusagen!? Oder man koennte auch sagen, dass man die Rahmenbedingungen fuer eine sprachliche Entwicklung setzen koennte. Oder liege ich da falsch? Kommentare/Belehrungen willkommen!
Bspw.: gab es bis zum 1. Weltkrieg Millionen deustchsprachiger Amerikaner und da man das nicht wollte (Deutschland als Aggressor) wurden von heute auf morgen dt. Schulbuecher gegen englische ausgetauscht. Viele Zeitungen hoerten auf auf deutsch zu schreiben,....
Es gibt nocch mehr Beispiele in der Vergangenheit. Daher denke ich laesst sich Sprache sehr wohl, im begrenzten Masse, regeln....!?
Hans Brückner schreibt: Englisch als Produktbezeichnung
Als Lektor für Werbetexte wird von mir ein Spagat zwischen der "Korrektur nach den Rechtschreibregeln" und der Nicht-Antastung einer Verbindung aus gewollten Wortspielen und englischen Begriffen bzw. Hybridbildungen erwartet.
Meiner Meinung ist das "Denglische" - ein Begriff, den ich selber vermeide, nur die eine Hälfte des Problems. Die zweite und fast unangenehmere ist, dass es offenbar immer weniger Schreibende gibt, die einen vernünftig gebauten Satz schreiben können.
Das Hauptproblem bei der massiven Verwendung englischer Begriffe liegt m.E. darin, dass damit "Labels" geschaffen werden, z. B. "Wellness" wird damit in Abgrenzung zu "Gesundheit" zu einem konsumierbaren Gut. Wer in dieser Sprache auch im privaten Kreis spricht, demonstriert damit auch seine Geisteshaltung, das Umfeld als Sammlung von Produkten wahrzunehmen.
So lange dieser Umgang mit Sprache dominiert, wird es Anglizismen weiter geben - bis sie "uncool" werden. Dann wird vielleicht Deutsch in, oder Chinesisch?
Anton Vogt schreibt: Deutsch als Sprache
"Das Geschriebene ist nicht das Gesprochene, und das kann ich schriftlich geben" sagte mir mein Lehrer. Und ich glaube ihm, obwohl viele von uns sich wünschen, dass es anders wäre. Leider, Mischung von Kulturen auf dem Schulhof begünstigt nicht unbedingt die Pflege der Sprache. Nicht nur Anglizismen, auch andere Sprachen nehmen ihren Einfluss. Jede Sprache lebt, mit der Zeit, mit den Einflüssen.
An uns liegt es, wie viel wir behalten wollen, wie weit wir die Sprache pflegen wollen. Jeder für sich selbst, konsequent. Von den Öffentlichen Medien wie Fernsehen, Radio oder Bulevar-Presse, soll keiner erwarten ,dass die deutsche Sprache im großem
Still gepflegt wird. "Wir wollen nah zum Volk stehen" wird gesagt, "und ich
stelle mir schon heute die Frage: wer versteht noch heute Hochdeutsch, und in 50 Jahren?"
Irgendwie traurig, diese Frage zu stellen.
Hans Günter Saul schreibt: Neue Rechtschreibung - Schlechtschreibung
Die ideologische Manipulation der deutschen Sprache durch die Änderungsfanatiker hat dem Deutschen sehr geschadet. (Wo war da eigentlich der Bundespräsident?)
Ehrfurcht vor der Überlieferung wäre dringend geboten.
Man sehe sich nur die FAZ an! Wie hat sie sich einmal vehement für das alte Deutsch eingesetzt. Jetzt hechelt sie dem Zeitgeist hinterher. Dabei brauchten wir dringend gute, stilbildende Sprachvorbilder!
Anette Wörner schreibt: Der Sprache das Kreuz gebrochen
Der Autor zieht den richtigen Schluß: Nachlässigkeit als innerer Motor des Sprachverfalls. Was aber führt zu solcher Schlamperei / Nachlässigkeit? Nicht ausschließlich. aber maßgeblich daran beteiligt ist eine Rechtschreibreform, die - ohne Not! - bestehende, gewachsene, sichernde, wenn auch nicht immer logische Regeln kippt und stattdessen Beliebigkeit, Unsicherheit, Pluralität im schlechten Sinne setzt. Sprachliches "anything goes". Das jahrelange Hin und Her hat zunächst Verunsicherung, dann Gleichgültigkeit und schließlich eine fatalistische Haltung - "ich schreibe wie ich will" - befördert. Die normierende Kraft einer verbindlichen Rechtschreibung hatte einigenden Charakter, sie hat Verständigung ermöglicht und war Form. Das haben wir preisgegeben in einem jahrelangen, peinlichen Exekutionsprozeß. Nicht Anglizismen, sondern die achselzuckende Haltung einer herdenartigen Sprechergemeinschaft, der eine verbindliche Norm abhanden gekommen ist, höhlt diese Sprache aus.
Klaus Däßler schreibt: 6 wirkliche Feinde unserer Sprache....
...die eine irreversible Schädigung der Muttersprache durch Global-Englisch* bewirken können (* Abgerüsteter Globaldialekt von ca. 800 Wortstämmen, den die meisten Nichtmuttersprachler als "Englisch" betrachten)
1. Unwissenheit der Menschen, was Muttersprache bedeutet. Sie glauben, Sprache sei eine Menge von Wörtern zur Benennung von Dingen. Es sei letztlich gleich, in welcher Sprache man spräche - eine "Weltsprache Englisch" sei für alle ein Vorteil. Das ist eine fatale Fehlannahme. Nur Muttersprache ermöglicht Aufbau und Nutzung der Basiskategorien des Denkens, ohne die man in der Hochkultur nicht bestehen kann. Kultur- und damit Sprachenvielfalt der Welt sichert unser Überleben.
2. Entschlossenheit der Globalkonzerne, "Englisch" als "Sprache des internationalen Marktes" in Deutschland als Sprache der Arbeit und des öffentlichen Lebens einzuführen - ohne zu begreifen, daß sie damit ihr eigenes Erfolgsmodell zerstören, denn mit "made in Germany" wird vor allem Kultur verkauft. Ihr Interesse resultiert aus dem Globalprofit, der eine "reibungslose Kommunikation auf Englisch" voraussetze: In Entwicklungsländern billig herstellen, in Hochlohnländern teuer verkaufen.
3. Das Bestreben von Wissenschaftsbürokratie und Wissenschaftlern, "Englisch" als Wissenschaftssprache in deutscher Forschung und Lehre einzuführen. Sie glauben, an "internationaler Wissenschaft" teilzunehmen, die ihnen Konferenzreisen, Förderung und internationales Zitiertwerden beschert. Die Pflicht der deutschen Wissenschaft, Wohlstand, Sicherheit und Verstand des deutschen Volkes zu mehren, bleibt auf der Strecke. Schon 15% aller Studierenden beklagen, zwangsweise ausschließlich englischsprachigem Studium ausgesetzt zu sein.
4. Aufgeregtes Bemühen der Eltern, ihre Kinder möglichst früh in englischer Sprache erziehen und ausbilden zu lassen, um ihre "Berufschancen zu mehren" (ohne zu begreifen, daß sie ihnen damit irreparablen Schaden zufügen) - und die dazugehörigen Nutznießer:
Frühenglisch-Franchise-Kindergärten (z. B. Helen Doron Early English) Englischunterricht ab 1. Klasse Grundschule in "modernen Bundesländern", ab 3. Klasse überall. Immersions-Unterricht (GIFIL): Ab 1. Klasse alle Sachkundefächer nur auf Englisch
5. Das Phänomen, daß fast alle populäre Kultur in Deutschland nur noch auf Englisch stattfindet. Fragwürdige englische Zaubermärchen, statt guter eigener. In Schulen englische statt deutscher Volksmusik. In Konsumtempeln, Medien, Tanzschulen usw. überall amerikanische Trivialmusik. Eurovision Song Contest! Man hat sich daran gewöhnt, daß man solch musikalisch "Gerufenes" nicht versteht. Das regelt das Denken ab. Jugendliche knallen sich ganztags den Kopf damit zu. Wir wundern uns über ihr Zurückbleiben.
6. Die unaufhaltsame Tendenz der EU-Bürokratie, trotz Beteuerung der Vielfalt, Englisch als Arbeitssprache in allen EU-Behörden zu nutzen, was "Amtssprache Englisch" nach sich zieht.
Gerd Görtz schreibt: Selbstbelehrung für Gebildete
Warum wird ein Text nicht verstanden?
Vor allem wegen der Anglizismen und des Fachjargons. Hier wird nicht darüber nachgedacht, ob der Adressat das versteht.
Ich vermisse einerseits den Hinweis auf Konrad Duden:
<...Bereits 1872 wurde das Buch "Die deutsche Rechtschreibung, Abhandlung, Regeln und Wörterverzeichnis für die oberen Klasse der höheren Lehranstalten und zur Selbstbelehrung für Gebildete" veröffentlicht....>
Sowie den Hinweis auf das Potenzial der Sprache mit ihrer Hilfe den Leser zu quälen, einfach nur zu langweilen oder gar zu erpressen, so der Sprachpfleger Wolf Schneider:
< ...."Mit dem Ziel, die Aktienpapiere auszuwählen, die das höchste Ertragspotential aufweisen, legen die Strukturierungsexperten einen quantitativen Prozess zugrunde." Haben sie vielleicht Zahlen verglichen? Das ist hemmungsloses Imponiergehabe mit Fachwörtern, totale Gleichgültigkeit gegenüber dem Aufnahmevermögen der Adressaten und eine komplette Verweigerung jeglicher Sprachökonomie.....>
Stephanie Reyntjes schreibt: ... dass Worte nichts über Wörter sagen - eine Bildungsaufgabe!
"Sprache ist mehr als Worte"
Frage an Herrn Kupfer:
Im Slogan ist Ihnen die unterschiedliche Bedeutung von "Worte" und "Wörter" nicht aufgefallen?
(Wohl seit der rechtscheib-ordentlich gesegneten Schulzeit nicht....?)
Es muss ja kein Wunder sein, sich über verschiedene, jahrhunderte alte Pluralformen zu informieren - aber es entspricht schon dem Deutsch Goethes - und in jedem Wörterbuch kann man sich informieren.
Beispiel...?
"Worte sind des Dichters Waffen". (JWG.: "Deutscher Parnass")
*
Und da das Subjekt "Sprache" im Singular steht, ist auch das Prädikat, das zum Prädikatsnomen führt, so - in der Einzahl - richtig.
Adrian Varga schreibt: Meine Mutter, mein Vater, meine Sprache...
Von ihnen stamme ich. Überall dort, wo ihre Angabe nötig erscheint, werde ich mir dessen bewusst, dass sie, wie mein Geburtstag, sich nie anders "schreiben".
Die FAZ, ausgewiesene Identitätsträgerin deutscher Sprache, gibt am unteren Ende dieser Internetseite mit "Sitemap" und "Privacy Policy" Selbstauskunft über ihre pubertierende, antikonservative Haltung im Beziehungsverhältnis zur ihrer Muttersprache.
Gerold Adamietz schreibt: Leistung aus Leidenschaft!
Das Thema ist sehr gut, das Bild aber ist schlecht gewählt. Die Deutsche Bank ist eigentlich ein positives Beispiel für Sprachgebrauch. Ihr Claim (sorry!) lautet nämlich: "Leistung aus Leidenschaft". Das Bild zeigt die Übersetzung, die außerhalb (!) des deutschen Sprachraums verwendet wird.
Während ich diesen Kommentar schreibe sind die Aktionäre der Deutschen Bank gerade zu ihrem Annual General Meeting versammelt. Die Deutsche Bank nennt das aber "Hauptversammlung".
Daniel Kleiner schreibt: Dem Deutschen schadet gar nichts
Die Englische Sprache ist die erste Weltsprache geworden, obwohl die Englaender die ganze Welt unterdruckt haben, nicht jedes Land aber auf allen Kontinenten waren sie lange Zeit als Unterdrücker taetig.
Die Kolonialisten waren nun mal Unterdrücker. Noch paar Wochen vor der Ausrufung der Unabhängigkeit Indiens und Afghanistans wurden dort noch junge Menschen gehängt, weil sie Teilnehmer im Aufstand gegen die englische Unterdrückung waren und dafür hat die britische Krone sie zu Tod durch Erhängen verurteilt.
Trotz alledem; die Englische Sprache ist Weltsprache geworden
Also: Dagegen kann man gar nichts tun.
In die deutsche Sprache werden weiterhin viele Wörter "einwandern". Das war schon immer so. Wörter wie Mutter, Material, Literatur, Armee, Staat, Kultur, Musik, usw. sind ja auch Fremdwörter. Man merkt aber keine Störung durch sie in der deutschen Sprache, oder?
Natürlich ist es wichtig, dass die deutsche Sprache auf allen Gebieten mitringt und mit der Entwicklung auf allen gebieten mithält.
Christoph Anschütz schreibt: nicht Denglisch sondern Dummlish
ist das, was viele reden, wenn sie Fremdwörter einbinden, und dabei zwei Sprachen nutzen, von denen sie keine richig im Griff haben.
Erich Kupfer schreibt: Kauderwelscher als "progressive" Sprecher des Deutschen
Um den Begriff "Nachlässigkeit" kurz mit einem Alltagserlebnis zu verdeutlichen.
Unter dem Motto "Sprache ist mehr als Worte" befuhr im letzten Sommer ein zum mobilen Treffpunkt für populäre Wissenschaft umgebauter Binnenlastkahn u.a. Rhein und Main.
Im Bauch des Schiffes, wo lehrreich Entwicklung und Bedeutung der Sprache für die Menschheit dargestellt wurden, befand sich auch eine Station, wo jeder Interessierte per "touch screen" seine deutschen Sprachkenntnisse testen konnte. Es gab 15 Fragen - Grammatik, Orthographie, Ausdruck.
Alle Fragen (mit Verlaub: korrekt) beantwortet ergaben die Wertung "konservativer" Sprecher des Deutschen. Das weckte das Verlangen nach einem zweiten Durchgang. Einmal alle Fragen falsch, teils furchtbares Kauderwelsch: Bewertung "progressiver" (!) Sprecher. (Frau Schavans Ministerium war Sponsor dieses Kahns!)
Zum Motto (s.o.) kann man festhalten, dass mit "Worte" wohl "Wörter" gemeint sind, was auch der Plural wäre. Weshalb dann "ist"?