Paul Kirchhof: Anderen etwas bieten
Weltsprachen wachsen in dem Geist, in dem die Sprecher denken und handeln. Politische Machthaber, Generäle, Entdecker neuer Kontinente, grenzüberschreitend tätige Wirtschaftsunternehmen, Erfinder, Wissenschaftler, Poeten und Filmemacher bringen ihre Sprache in eine fremde Welt. Ob diese Sprache angenommen wird, hängt von der Schönheit und Ausdruckskraft der Sprache, ebenso von der Neugierde und Offenheit der Angesprochenen ab.
Ist eine Sprache in der Lage, das Begreifen und die Begriffe einer anderen Sprachkultur aufzunehmen, wird sie Menschen eher für sich gewinnen, als wenn sie sich gegen das Fremde und Ungewohnte abschirmt. Ist eine Erfindung bedeutsam, eine wissenschaftliche Lehre überzeugend, ein Gedicht ergreifend, Film oder Theater bewegend, so erreicht die Sprache den Betroffenen mit der Faszination von Form und Gedanken.
Gefestigte Wirtschaftsbeziehungen oder langjährige Zusammenarbeit in der Forschung entwickeln eine gemeinsame Sprache. Politische und militärische Herrschaft kann Sprechweisen erzwingen, provoziert aber auch Gegenwehr. Eine Weltherrschaft auch der Sprache wird sich nur begründen lassen, wenn sie die Lebensbedingungen der Menschen verbessert und in ihren Handlungsprinzipien, insbesondere ihren Verfassungsstrukturen und ihrer Menschenrechtspraxis, überzeugt.
Sprache ist Ausdruck von Wissen, Wollen, Wirklichkeit. Wer anderen Menschen und anderen Völkern wertvolle Kenntnisse, erstrebenswerte Lebensformen, einsichtiges Recht und ansprechende Kunst anbieten kann, wird erleben, dass die anderen ihm entgegengekommen, ihm begegnen wollen, das Gespräch mit ihm suchen. Damit öffnet sich die Tür für eine Sprache.



Login
registrieren



















Reinhardt Wassenich schreibt: In welchem Geist wachsen Weltsprachen
Sprachen im Grossen und Ganzen wachsen nicht. Sprachen entwickeln sich mit dem Lebensstil (z. B.) der Bevoelkerung. Im Vergleich mit den Deutschen, haben die englischsprechenden Laendern keine Absicht ihre Sprache zu aendern und zu erneuern.
Man kann dort Worte gebrauchen, die schon 300 Jahre oder zwei Tage alt sind. Kein Wort ist 'altmodisch' solange es den Geist einer Sache trifft. Deutschland ist das einzige Land, wo man krankhaft nach Fremdwoertern sucht, um gebildet zu klingen. Aber diese Leute klingen eingebildet! In Deutschland werden viele Worte nicht gebraucht, weil sie 'altmodisch' sind. Durch diesen Sprachgebrauch verarmt die Sprache, durch die verbleibende enge Wortauswahl verliert sie so viel von ihrer Staerke, man braucht nur wenig Fremdwoerter, fuer jedes Fremdwort existiert ein gutes deutsches Wort - auch wenn es schon seit 200 Jahren in Gebrauch ist.
Erik Wassenich