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Verkümmert Deutsch zur Freizeitsprache?

Die deutsche Wirtschaft und Wissenschaft sprechen Englisch, die Außenpolitik und Diplomatie nicht einmal in Brüssel Deutsch, auf deutschen Schulhöfen herrscht Sprachenvielfalt – ist unsere Sprache ein prominentes Globalisierungsopfer? Verkümmert Deutsch zur Freizeitsprache?

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Beiträge

29.04.2008 | 07:30 Uhr

Rudolf Hoberg: Deutsch ist nicht schlecht aufgestellt

Deutsch steht mit seinen etwa 100 Mio. Erst- und Zweitsprachensprechern an 12. Stelle in der "Weltrangliste", an erster Stelle in der Europäischen Union und als Fremdsprache an zweiter Stelle in Europa. "Nach der letzten umfassenden Erhebung im Jahr 2005 lernten rd. 16,7 Mio. Menschen in Schulen, Hochschulen und privaten Sprachschulen Deutsch. Die größte Zahl von Deutschlernenden gibt es weiterhin in Mittel- und Osteuropa.

Mit rd. 5,5 Mio. Lernenden führen Russland und Polen die Rangliste nach absoluten Zahlen an. In China, Vietnam, Brasilien und Westafrika sind Zuwächse zu verzeichnen. In den USA hat sich das Interesse am Erlernen der deutschen Sprache stabilisiert. In den meisten westeuropäischen Ländern nimmt das Interesse an Deutsch allerdings tendenziell eher ab." (Auswärtiges Amt: Bericht zur Auswärtigen Kulturpolitik 2006/2007).

Deutsch ist also, wie man heute sagen würde, nicht schlecht aufgestellt. Aber es wird durch das Englische hart bedrängt. Das Problem sind nicht die Anglizismen (hierauf komme ich später zu sprechen). Das Problem ist viel ernster: Die Bedeutung des Deutschen geht in fast allen Ländern zurück, auch in deutschsprachigen Ländern verliert es immer mehr Domänen (in den Wissenschaften, in den Universitäten, in der Wirtschaft).

Wichtig ist zunächst, dass die Deutschsprachigen selbst mehr für ihre Sprache tun. Es wird ja wohl als sympathisch empfunden und zeugt gewiss nicht von "Sprachnationalismus", wenn die Deutschen sich bemühen, Ausländern in deren Muttersprache oder in Englisch zu begegnen, aber diese Haltung kann auch dazu führen, dass Deutsch weniger wichtig genommen und weniger gelernt wird.

Selbst Menschen, die Deutschland und die Deutschen bzw. die Angehörigen anderer deutschsprachiger Länder schätzen, sehen häufig nicht ein, warum sie Deutsch lernen sollen, wenn sie sich auch mit Englisch in der Mitte Europas und überhaupt in Kontakten mit deutschen Muttersprachlern gut zurechtfinden können. Und immer häufiger sagen mir frustrierte ausländische Kolleginnen und Kollegen, die Absolventen ihrer Studiengänge fänden u. a. deshalb keine Anstellung etwa als Dolmetscher, weil Deutsche im Ausland oft auch dann auf den Gebrauch ihrer Muttersprache verzichten, wenn Übersetzer zur Verfügung stehen. Man verwendet in diesem Zusammenhang gelegentlich den Begriff der Sprachloyalität, der mir allerdings wenig geeignet erscheint, da in ihm das Verhältnis des Einzelnen zu seiner Muttersprache zu sehr unter einem rechtlichen, juristischen Aspekt gefasst wird.

Aber richtig ist, dass die deutsche Bevölkerung, besonders auch Politiker und Wirtschaftsfachleute, immer wieder darauf hingewiesen werden müssen, die deutsche Sprache nicht zu vernachlässigen.

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29.04.2008 | 10:21 Uhr
Thomas Paulwitz schreibt: Bei den Anglizismen fängt es an

Lieber Herr Professor Hoberg,
meinen Sie denn wirklich, die Überflutung mit Anglizismen hat nichts mit dem wachsenden Druck der englischen auf die deutsche Sprache zu tun? Ich meine: Bei den Anglizismen fängt es an. In der Wissenschaftssprache können wir das doch sehr gut beobachten: Erst wird der Fachwortschatz auf englisch umgestellt, dann wird Deutsch gänzlich durch die englische Sprache ersetzt. Indem wir uns bemühen, eigene Wörter zu prägen, leisten wir den ersten Beitrag, unsere Sprache vor ihrer Abschaffung zu bewahren.
Mit freundlichen Grüßen, Ihr Thomas Paulwitz




24.04.2008 | 16:16 Uhr

Paul Kirchhof: Sprache als Mittel politischer Macht

Nein. Deutsch ist in der Europäischen Union die am meisten verbreitete Muttersprache und steht als Fremdsprache - neben dem Französischen - in Europa insgesamt an zweiter Stelle. Doch bieten derartige empirische Befunde letztlich keine angemessene Antwort auf die Frage. Die Sprache überbringt einen Gestaltungsauftrag, von dem das politische, das kulturelle, das wirtschaftliche Leben abhängen.

Die Demokratie braucht die Kulturgemeinschaft des Staatsvolkes, die sich in Deutschland auf eine gemeinsame deutsche Sprache stützt, damit eine wesentliche Bedingung für die demokratische Legitimation durch Wahlen schafft. Die deutschsprachige öffentliche Diskussion bewahrt den "Sauerstoff der Demokratie". In der parlamentarischen Debatte macht der Bundestag in seiner Sprache jedem Mitglied des Staatsvolkes programmatische und personelle Alternativen der Politik bewusst.

Unsere Kultur, Bedingung geistigen Atems, nicht nur Inhalt der Freizeitgestaltung, stellt uns vor die Frage, ob wir in Zukunft deutsche Zeitungen, ein deutschsprachiges Theater, deutsche Programme in Funk und Fernsehen haben wollen. Würde in dem bunten Haus der Vielsprachigkeit das deutsche Fenster mehr und mehr geschlossen, wäre es sehr viel dunkler in dem Raum dieser Welt. Gerade unsere Gespräche mit Studenten aus anderen Ländern lehren uns, dass die deutsche Sprache als Ausdruck der Philosophie, von Gemüt und Sensibilität, von Verfassungsrecht und Bürgerlichem Recht, für Gedichte und Dramen vielen unüberbietbar, jedenfalls unverzichtbar erscheint. Das uns Selbstverständliche und Geläufige, gelegentlich gar Alltägliche macht uns derjenige, der sich die deutsche Sprache durch Sprachstudium erschließt, wieder als besonderen Wert bewusst.

Wenn sich gegenwärtig Wirtschaft, Politik, Militär, internationales Verkehrswesen vorrangig auf die englische Sprache stützen und dadurch eine einheitliche Verständigungssprache gewinnen, erzwingt die moderne Welt eine Zwei- und Mehrsprachigkeit. Deswegen hat der Staat sein demokratisches und rechtsstaatliches Fundament, die deutsche Sprache, zu pflegen und zu vertiefen, seine kulturelle Identität in seiner Literatur, in seinem Recht und in seiner medienvermittelten Öffentlichkeit zu entfalten, daneben aber auf eine staatenübergreifende Verständigung in einer Sprache hinzuwirken. Wir besitzen, nutzen und genießen die deutsche Muttersprache als selbstverständlichen Gemeinschaftsbestand und wirksamen, wenn auch oft unauffälligen Integrationsfaktor, müssen aber auf diesem Fundament eine sprachliche Weltoffenheit aufbauen.

Sprache ist auch ein Mittel politischer Macht. Wenn gegenwärtig eine englischsprachige Weltmacht dominiert, die ihre Muttersprache zur Bedingung von Austausch und Vertrag, von Handel und rechtlichen Gemeinschaften macht, fordert sie damit ein Stück Unterwerfung. Jeder Deutsche, der englischsprachig vor Gerichten verhandelt oder Verträge vereinbart hat, erlebt die Überlegenheit dessen, der als Gegenüber seine Muttersprache sprechen darf. Daraus erwächst keine Mentalität der Unterlegenheit, sondern das vergnügliche Bemühen, in diese ökonomischen und rechtlichen Gespräche den Reichtum von Weltsicht und Begreifen in deutschen Begriffen hineinzutragen. Ich habe Verhandlungen erlebt, in dem der deutschsprachige Redner seinen Partner mit Begriffen wie Waldsterben und Kindergarten, Zeitgeist und Gratwanderung erreicht hat, durch Zitate von Kant oder Goethes Faust den anderen nicht eingeschüchtert, sondern zum Betreten eines gemeinsamen Kulturfundaments erfolgreich eingeladen hat. Unsere Sprache ist kein Globalisierungsopfer, sondern ein Fundament unserer Weltoffenheit, in Wissenschaft und Recht zunehmend ein Exportprodukt.

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24.04.2008 | 17:23 Uhr
Walter Klag schreibt: Esperanto statt Machtambitionen

Einen "Krieg der Sprachen" kann niemand gewinnen, denn jede Sprache ist in der Minderheit. Heute werden Konflikte auf dem Verhandlungstisch gelöst. Daher ist die Verwendung einer leicht erlernbaren lingua franca am besten. Esperanto hat sich hier schon sehr gut bewährt. Hier ein Auszug aus dem Veranstaltungskalender:

93. Esperanto-Weltkongress
19. bis 26. Juli 2008 in Rotterdam.
2500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
aus 70 Ländern.
Es kommen der deutsche Nobelpreisträger Univ.-Prof. Dr. Reinhard Selten und Etsuo Myoshi, der Präsident des japanischen Weltkonzerns Swany und Erfinder des Trolleys.

1. Esperanto-Weltkongress der Journalistinnen und Journalisten, 24. bis 30. Mai 2008.
Ort: Vilnius, Litauen.
164 Teilnehmer aus 35 Ländern. Anmeldungen waren bis 31. März möglich. Beobachter sind willkommen.
Teilnahme, Übernachtungen und Verpflegung gratis.
Reisekostenzuschuss bis 500 €.
Finanzierung: Die Republik Litauen und die Stadt Vilnius.



24.04.2008 | 16:15 Uhr

Klaus Reichert: Gedankenlosigkeit und Wettbewerbsstreberei

Die deutsche Sprache ist kein Globalisierungsopfer. Ihre schwindende Bedeutung ist die Folge einer ,selbstverschuldeten Unmündigkeit’: "Wir" - das heißt: Schulen und Universitäten, Kultusministerien, Forschungsinstitute und -gemeinschaften - haben viel dafür getan, das Deutsche zu marginalisieren, ja zu eliminieren. "Wir" haben das Schiff schon verlassen, lange bevor es Anzeichen für ein Sinken gibt.

Es ist ein Unding, naturwissenschaftliche Fächer in deutschen Schulen und Universitäten auf Englisch zu unterrichten, weil eben nicht nur ,Formeln’ zu vermitteln sind, sondern Denkformen, Denkstile. Auch Naturwissenschaften sind auf Versprachlichung angewiesen; die darf man nicht einem radebrechenden Lehrer überlassen. Wenn "wir" das Englische als die für die Naturwissenschaften gemäße Sprache ansehen, bedeutet das längerfristig, dass das Deutsche in diesen Disziplinen nicht mehr als ,Begriffssprache’ ausgebildet, ,ausgebaut’ wird. Da ist es bis zum Menetekel einer ,Freizeitsprache’ nicht mehr weit.

Es ist vollends ein Unfug, wenn Sozial- und Geisteswissenschaftler meinen, englisch sprechen und schreiben zu sollen, damit man sie ,international’ versteht. Ihr deutsches Englisch ist in seiner Schwerfälligkeit meist kaum verständlich. Wer meint, über deutsche Philosophen von Kant bis Heidegger und Adorno auf Englisch schreiben zu sollen, müsste sich über die Grenzen des im Englischen Möglichen (und seiner Tradition) im Klaren sein. Wer kann das schon?

Jede Sprache bedeutet eine eigene Welt, ein eigenes Denken, eine eigene Mentalität, eigene, einmalige, mit keiner anderen Sprache geteilte grammatische Möglichkeiten, sich auszudrücken. Es wird in Deutschland zur Zeit, auch von Zweitsprachlern (Türken, Arabern, Spaniern), hervorragend geschrieben: einfallsreich, differenziert, die Möglichkeiten des Deutschen erweiternd. Nur Gedankenlosigkeit, Geistes- und Geschichtsferne und windige Wettbewerbsstreberei sind zuständig für den Abbau des Deutschen an Schulen und Universitäten.

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24.04.2008 | 16:12 Uhr

Karl-Heinz Göttert: Jutta Limbachs Thesen nicht überzeugend

Die EU hat ein Sprachenproblem. Aber es geht nicht um Verständigung, was 800 Dolmetscher ganz gut beherrschen. Es geht um Prestige. Einheitssprache (natürlich Englisch) oder Mehrsprachigkeit (mit Englisch, Französisch und Deutsch, vielleicht noch Spanisch und Polnisch): das ist die Frage. Jutta Limbach hat für Letzteres plädiert: nicht vorlaut, nicht polemisch, nicht trendig (etwa mit Anglizismenverfolgung). Aber auch nicht überzeugend.

Schon die wiederholte Berufung auf Babel in ihrem Buch ist windschief, bezieht wie so häufig nur Genesis 11 ein, wo vom Hochmut die Rede ist, den Gott die Menschen büßen lässt. Das führt dann zur Frage nach der Chance, die in der Mehrsprachigkeit liegt, zur Sympathie für die Geschlagenen, die immerhin mit ihren verschiedenen Sprachen den Geist so herrlich beleben. Übergangen ist dabei Genesis 10, wo von der Vielsprachigkeit vor Babel die Rede ist, ganz ohne Strafe, aber auch ganz ohne Chance.

Vielsprachigkeit war immer normal und immer unpraktisch, ist die Botschaft. Von daher kommt kein Pathos ins Spiel, sondern nur eines: Überwindung des natürlichen Chaos. So wie im Mittelalter, als die gebildete Welt Latein sprach oder schrieb und niemand sich Sorgen machte um den Verlust irgendwelcher "geistig-seelischen Heimat". Nein, die Forderung von Jutta Limbach ist schön, aber die Begründung löchrig. Es gibt keine Begründung für die Wahl wichtiger und überflüssiger Sprachen. Es gibt nur praktische Gesichtspunkte – und die Macht, sie durchzusetzen.

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24.04.2008 | 14:13 Uhr

Helmut Glück: Mangelnde Sprachloyalität

Sprachen können keine Opfer sein, auch keine Globalisierungsopfer. Sie können Sprecher verlieren (oder gewinnen), und sie können ihre funktionale Reichweite vergrößern (oder verringern).

Die Zahl der Menschen, die das Deutsche als Fremdsprache lernen wollen, geht seit Jahren zurück. Dramatisch ist dieser Rückgang etwa in Russland. Dort ging die Zahl der Schüler, die an höheren Schulen Deutsch lernten, von 9, 2 Millionen (1985) über 4 Millionen (2000) auf 3,3 Millionen (2002) zurück. Weltweit hat das Deutsche seine Rolle als erste, wichtigste Fremdsprache ausgespielt bzw. an das Englische verloren, wo es diese Rolle einmal hatte, nämlich in Nord-, Mittel- und Osteuropa.

Das schränkt die Möglichkeit, Deutsch als Verkehrssprache zu verwenden, immer weiter ein. In Mittel-, Ost- und Nordeuropa ist es auf dem Weg zur Rentnersprache: die Älteren können Deutsch (zum Teil ausgezeichnet), die Jüngeren immer weniger. Dieser Trend wird anhalten. Mit den Mitteln der auswärtigen Kulturpolitik ist er zwar nicht zu wenden, aber zu verlangsamen.

In vielen Wissenschaften ist das Deutsche als Arbeits-, Kongress- und Publikationssprache bereits verschwunden – auch in Deutschland. In den internationalen Wirtschaftsbeziehungen wird es nur noch selten verwendet, in den politischen Außenbeziehungen ebenfalls. Das sind Funktionsverluste, die kaum mehr rückgängig gemacht werden können.

Für beides gibt es viele Gründe. Einer davon ist mangelnde Sprachloyalität: viele halten es für nebensächlich, in welcher Sprache geforscht und verhandelt wird, Geschäfte gemacht und Verträge ausgearbeitet werden. Diese Haltung ist hausgemacht. Sie befördert das Verschwinden des Deutschen aus Funktionen, die für eine Hochsprache von essentieller Bedeutung sind.

Die Situation erinnert in mancher Hinsicht an die Verhältnisse um 1750. Damals war der preußische König der Meinung, in deutscher Sprache lasse sich keine große Literatur verfassen, und seine Akademie der Wissenschaften führte ihre Geschäfte auf französisch.

In ihrer Einführung vom heutigen Tag nennt Jutta Limbach die Meinung "treuherzig", das Deutsche könne sich im 21. Jahrhundert als Kultursprache, als "Sprache der Dichter und Denker" behaupten. Im 18. Jahrhundert sorgte das entstehende Bildungsbürgertum dafür, dass die Meinung des erwähnten Königs widerlegt wurde. In der heutigen Situation wird es darauf ankommen, ob das Sprachvolk sich auf Dauer gefallen lässt, dass Teile der Eliten aus der Landessprache auswandern. Denn Sprachen können weder Opfer noch Täter sein: sie hängen ganz davon ab, was ihre Sprecher aus ihnen machen.

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24.04.2008 | 18:40 Uhr
Erhard Donig schreibt: Sprachvolk?

Wie kann man nur von einem "Sprachvolk" sprechen, daß sich von den Eliten etwas gefallen läßt? Die "Eliten" sind es doch, die der Verkümmerung der deutschen Sprache durch eine Idiotenreform (so wurde unsere neudeutsche Sprachverbeserung in Frankreich genannt) nichts entgegensetzen wollten - oh Kadavergehorsam, der seine Früchte im dritten Reich so reichlich trug!

Wenn diese "Eliten" in eine andere Sprache auswandern sollten, können wir armen Teile eines unbedarften Sprachvolkes nur glücklich sein, damit nicht wieder mit arischer Sprache von neuen, verderblichen (oder besser verdorbenen Eliten) ein Weg ins eloquente Unheil bereitet wird. Auch im Dritten Reich hatte das Unglük seine eigene Sprache.



24.04.2008 | 06:18 Uhr

Wolfgang Frühwald: Deutsches Unterlegenheitsgefühl

Teile der deutschen Wirtschaft und Teile der deutschen Wissenschaft (insbesondere der Natur- und der Lebenswissenschaften) sprechen Englisch, meist ein gebrochenes Englisch, das auf Verständigung ausgeht, nicht auf Sprachkultur, weil sich das Englische als die Sprache herausgebildet hat, die weltweit auf sehr unterschiedlichen Niveaus Verständigung gewährleistet.

"English", sagte George Bernard Shaw, "is the easiest language to speak badly." Dies ist, neben dem von Jutta Limbach mutig und scharfsinnig herausgestellten imperialen Zug, den die Verbreitung des Englischen hat, der zweite Grund für die Ausbreitung dieser Sprache als Wirtschafts- und Konferenzsprache.

Auf den unteren Niveaus (und viele von uns beherrschen nie mehr als diese Diskursregionen) ist Englisch eine recht einfache Sprache, in den höheren Diskursregionen eine sehr schwere Sprache. Meine chinesischen Freunde rügen mich stets, wenn ich mich über Broken English in der Wissenschaft aufrege. Dieser BE genannte globalesische Slang, sagen sie, habe ihnen erst den Zugang zum Diskurs der weltweiten Forschergemeinde eröffnet.

Alle Geisteswissenschaften – weltweit – sind mehrsprachig und vielsprachig, das Englische herrscht in ihnen keineswegs vor. Als Diplomatensprache hat sich das Englische noch keineswegs durchgesetzt, jeder Diplomat legt Wert darauf, wenigstens Grundkenntnisse in der jeweiligen Landessprache zu haben, und wer auch nur einmal in Spanisch sprechenden Ländern versucht hat, mit Englisch zu brillieren, war sicher geschockt, wie kalt ihn seine Gastgeber (stolz auf ihre eigene Sprache) haben abfahren lassen.

Englisch also ist eine bequeme Sprache zur weltweiten Alltagskommunikation, in den höheren Diskursregionen ist ihm in vielen Ländern das Spanische und das Französische weit überlegen. Nur wir Deutschen – wir leiden noch immer an dem Verdacht, unsere Sprache könnte vom Jargon der Nazis kontaminiert sein (was sie auch war), so dass wir nicht offensiv versuchen, unsere Sprache als die Kultursprache zu pflegen und zu verbreiten.

Wir sprechen lieber schlechtes Englisch als gutes Deutsch. Aber das ist ein spezifisch deutsches Phänomen des Gefühls der Unterlegenheit, kein Sprachproblem, eher ein psychologisch aufzulösendes Problem. Charakteristisch ist die Geschichte des höheren Ministerialbeamten, der von seiner Behörde nach Brüssel (zur Kommission der EU) entsandt wurde, weil er perfekt Deutsch und Englisch sprach – und dort von tiefer Niedergeschlagenheit befallen wurde, weil alle Kontakte, die er pflegen musste und anknüpfen sollte, perfekte Französisch-Kenntnisse erforderten!

Kommentare

25.04.2008 | 00:30 Uhr
Gerd Bungartz schreibt: Reizvoller für Ausländer

Dieser Artikel ist einfach grossartig!! - Trifft den Punkt meiner Ansicht nach 100%ig.
Eigentlich eruebrigt sich mein Kommentar also, aber waere es nicht schoen, durch eine ueberwaeltigende Resonanz zu zeigen, dass es auch noch Deutsch-Sprecher gibt, die stolz darauf sind, unsere Sprache vor unnoetigen Mode-Anglizismen bewahren und so reizvoll fuer Auslaender machen zu wollen!?

Insgesamt denke ich nicht, dass Deutsch ein Opfer der Globalisierung wird; vielmehr wird sich die Mehrsprachigkeit ausbreiten. Vielleicht kommt es ja dazu, dass sogar die Angloamerikaner verstaerkt Fremdsprachen lernen!?


24.04.2008 | 20:23 Uhr
Daniel Kleiner schreibt: Den Ausruf "Oh that fu**ing German"

braucht man nur etwa so beantworten: Oh you can't speak German? I can speak five languages. How many languages do you speak, Sir? Dann wird aus dem Grossmaul ein kleines Kriechtier...

Es ist in der heutigen Zeit der Globalisierung eine Schande, wenn man nur englisch spricht.
Sogar Praesident George W. Bush spricht neben Englisch auch etwas Spanisch ...


24.04.2008 | 15:07 Uhr
Nicolaus Behrmann schreibt: Rankings spielen eine gewichtige Rolle

Eines der wesentlichen Punkte ist der Umstand, dass man insbesondere in international geprägten Wissenschaftszweigen um seine Reputation fürchtet, wenn man einen wissenschaftlichen Artikel auf Deutsch publiziert. Der Ausruf "Oh that fu**ing' German, I can't read' ist insbesondere im angelsächsischen Raum recht weit verbreitet.

Interessant ist der Eindruck, dass die Englischlastigkeit und die Weigerung, sich mit jedweder Fremdsprache zu beschäftigen, im Wesentlichen aus den Wirtschaftswissenschaften zu kommen scheint. Aus dieser Ecke kommen - abgeleitet von den Betriebswirtschaftlichen Kennzahlen - auch die berühmten Rankings...



24.04.2008 | 06:15 Uhr

Feridun Zaimoglu: Das Dummdeutsch in den Medien

Deutschland galt seit jeher als Land der Dichter und Denker. Ich habe noch nie gehört, dass das Deutsche, obwohl es die Sprache des Exportweltmeisters ist, die der Technokraten sei. Und dass von vielen Angestellten Denglisch gesprochen wird, bringt mich nicht dazu, in Krisenstimmung zu verfallen.

Schlimm wäre es, wenn Deutsch verkümmerte zu einer Sprache von Angestellten. Denn schon das Englisch, das von vielen Angestellten und auch von Diplomaten gesprochen wird - ich bin oft Zeuge dessen geworden -, ist ja nichts anderes als das, was in Zügen der Deutschen Bahn gesprochen wird. Schlimm ist das Dummdeutsch in den Medien, im Fernsehen, das anzusehen ist als Phänomen der Proletarisierung der Gesellschaft.

Es regiert das mediale Inzest-Deutsch, das längst aufgehört hat, Deutsch zu sein, wieso soll ich mich also darüber aufregen, dass Angestellte und Technokraten Denglisch oder Englisch sprechen? Mich freut das, denn sonst würde die deutsche Sprache noch mehr verkümmern.

Kommentare

24.04.2008 | 18:55 Uhr
Daniel Kleiner schreibt: Die Woerter Denker und Dichter zeigen schon die Zwiespaltigkeit an

Denker dichten auch manchmal und die Dichter denken auch mal ... Es ist mit der Sprache nicht so einfach ... Das Wort Sprache kommt vom Verb sprechen. Aber wenn man sprechen will, muss man vorher denken. Das geht aber auch nur in der Sprache (in irgendeiner Sprache).

Wenn man mehre Sprachen beherrscht, kommt es bei einem vor, dass man nicht in einer Sprache denkt. Ob das ein Nachteil ist, duerfte schwer zu entscheiden sein. Wenn man aber Woerter (Begriffe) nur in einer Sprache beherrscht - das Wort beherrschen ist ja schon selbst interessant - dann kann man mit seinen Gedanken nicht weit kommen
Vor allem in der Wissenschaft nicht. Das Geschriebene, das Gesprochene und das nur Gedachte geschehen in der Sprache, aber mur selten laeuft alles in der selben Sprache ab. Das Geschriebene und das Gesprochene kann man steuern, as Gedachte aber kaum.
Das Denken laeuft quasi von selbst. Es heisst trotzdem, dass man seine Gedankan beherrschen sollte. Was beherrscht denn dann das Denken? Was steuert das Denken?


24.04.2008 | 14:43 Uhr
Anton Zwielicht schreibt: Wo bin ich?

Ich bin hier im "Reading Room" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für Deutschland. Und da soll ich mich über die deutsche Sprache äußern?
Auf deutsch oder englisch? Oder "denglish"?



24.04.2008 | 06:51 Uhr
Michael Köhn schreibt: Inzest-Deutsch

Wozu D/Englisch? So lange man Leute wie Herrn Stoiber hat, lieber Freund, wird mir um Verständigung nie bange sein. Zitat (Auszug): "Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München mit zehn Minuten ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen am ... "




24.04.2008 | 06:13 Uhr

Hans-Martin Gauger: Es geschieht schon nichts

Die Spanier haben eine Wendung, mit der sie zu beruhigen suchen: ‚Es geschieht nichts’, ‚No pasa nada’. Unsereinen würde eine solche Feststellung eher beunruhigen. Ich hätte Lust, zu der gestellten Fragen zunächst einmal zu sagen: nein, bitte, keine echte oder künstliche Hysterie - es geschieht nichts.

Natürlich geschah und geschieht dem Deutschen vor unseren Augen (und Ohren) einiges. Aber aufs Ganze gesehen (und darauf kommt es an) geschah und geschieht ihm nichts. Genauer: fundamental ist ihm bisher - bisher - nichts geschehen. Und man kann, auch im Blick auf eine Sprache, nur von dem reden, was war und ist.

Was die Fragen angeht, habe ich dezidiert einen generellen Einwand. Es geht doch jetzt um Sprache - warum dann absehen von der Schweiz und von Österreich? Deutsch ist nicht einfach die Sprache der Deutschen. Dies nicht präsent zu haben ist schon ein Ansatz von Provinzialismus. Es geht also um das Deutsche, somit um die ‚Deutschsprachigen’, nicht allein um die ‚Deutschen’. Okay? Nein, gar nicht, denn ich höre, im ‚Lesesaal’, schon das Rumoren...

Wirtschaft. Ich habe in sie, auch sprachlich, keinen tiefen Einblick. Leicht kann sich aber jeder denken, dass in ihr zumindest aus drei Gründen englisch geredet wird. Zunächst wenn der andere kein Deutsch versteht. Ist das ein Problem? Übrigens: Einkaufen kann man überall fast ohne Englisch, zum Verkaufen reicht meist nicht einmal Englisch. Zweitens redet man hier, auch unter nur Deutschsprachigen, zwar nicht englisch, aber mit zahlreichen englischen Brocken. Das geschieht nun leicht, wenn man über diese Sprache die entsprechenden Begriffe oder Dinge gelernt hat. Das ist dann etwas wie eine Fachsprache. Diese ist immer auch ein Gruppenphänomen. Man zeigt, nach innen und außen: man ist dabei, gehört ‚zum Bau’. Drittens (damit zusammenhängend): englische Brocken sind auch hier schick, modern, cool. Das heißt (es läuft auf dasselbe hinaus): die Deutschsprachigen empfinden es so. Daher die Zunahme englischer Elemente ganz speziell in der Werbung.

In den Wissenschaften wird ‚natürlich’ (in Wirklichkeit nicht ‚natürlich’, sondern geschichtlich) immer dann englisch geredet und publiziert, wenn es um internationale Verständigung geht, also wieder: wenn es anders gar nicht ginge. Englisch können die Beteiligten, les choses étant ce qu’elles sont, eben noch am ehesten. Und manchmal, in den Naturwissenschaften reicht da (für einen Philologen) empörend wenig. Und Wissenschaft braucht essentiell Übersprachlichkeit, genauer: Übereinzelsprachlichkeit. Darin unterscheidet sie sich radikal von der Literatur. In ihr muss alles übersetzbar sein - restlos. Eine wissenschaftliche Ausssage, die nicht in jeder ‚ausgebauten’ Sprache, wie wir Linguisten sagen, zu machen wäre, wäre keine.

Sieht man jedoch vom Fall der internationalen, sprachenübergreifenden Kommunikation ab, stellen sich da schon - nicht nur für das Deutsche, sondern für alle Sprachen außer dem Englischen - ernste Probleme. Die sind aber komplex, brauchen also mehr Platz. Auf sie müssen wir ein andermal zurückkommen dürfen. Jedenfalls: es kann keine Rede davon sein, dass die deutschsprachigen Wissenschaftler in breiter Front, in Forschung und Lehre, zum Englischen übergegangen wären. Richtig ist, dass die deutschsprachigen eher dazu bereit sind als andere. Sie reden oft auch dann englisch, wenn es nicht nötig ist (und sie es nur ansatzweise können). Aber dies tun sie auch außerhalb der Wissenschaften mehr, viel mehr als etwa die, deren Muttersprache französisch oder spanisch ist. Das ist schon ein Punkt, ein ärgerlicher.

Schulhöfe? Ich weiß nicht. Eigentlich hört ja da, entsinne ich mich recht, die Unterrichtssituation auf. Da treffen sich doch die Freunde, die die sich speziell mögen und verstehen. Ich kann mir also nur vorstellen, dass man hier nach dieser Richtung hin ‚ermuntert’. Da hat ein Teil der Medien -"Zwangsgermanisierung" etc. - einen (so sagt man doch in Berlin?) ‚Riesenladen uffjemacht’. Was ja hier genau passt, denn Medien sind ja Läden, sie müssen verkaufen.

Jutta Limbach hat dies ganz richtig dargestellt, wie denn überhaupt ihr Buch, soweit ich es bisher zur Kenntnis nahm, nur deshalb kritisiert werden kann, weil es so rasend, so beinahe unvernünftig vernünftig ist. Das geht so eigentlich nicht. Aber ich werde weiterlesen und irgendetwas Unvertretbares schon finden.

Kommentare

25.04.2008 | 10:55 Uhr
Hans-Martin Gauger schreibt: Ja, besten Dank.

Hans-Martin GaugerMit "No pasa nada" meine ich nicht, man müsse sich einfach zurücklehnen und nichts machen weiter machen. Man muss schon etwas machen. Ich meine nur: fürs erste keine Hysterie! Keine Verkennung der Wirklichkeit!

Das Deutsche hat schon seine Rolle und wird sie behalten. Und natürlich hat - das ist absolut richtig und ein guter Hinweis - auch die deutsche Sprache, wie andere ebenfalls, ihre, wie man gesagt hat, "glücklichen Funde!" - Wörter und Wendungen nämlich, die besonders treffen und nicht leicht knapp und schlagend zu übersetzen sind und die also speziell ihr gehören: ‚Stimmung’, ‚Gemütlichkeit’, ‚Innigkeit’, ‚Heimweh’, ‚Schadenfreude’ usw.
Hans-Martin Gauger


24.04.2008 | 11:05 Uhr
Rosa Joana Latorre schreibt: no pasa nada...

...heisst nur, dass wir uns entspannt zurücklehnen sollen und das leben genießen - jeder nach seiner façon. meine polemik geht da weiter: ohne muttersprachliche fachkompetenz ist keine intelligente verständigung möglich.

die beschränkung auf die 500 worte des alltags ist nur eine augenscheinliche Rationalisierung, die im zuge der globalisierung tatsächlich zur völkerverständigung führt.
bauen wir auf die intelligenz und auf das streben des menschen nach dem tatsächlichen aufrechten gang des geistes und wir bekommen einen blick für den tatsächlichen zustand der deutschen sprache: sie ist reich, sie ist faszinierend und sie lebt. sie gemeindet worte aus anderen sprachen ein, aber sie setzt sich - allen buhrufen über die "amerikanisierung der deutschen sprache" zum trotz - letztlich durch. aber nicht plakativ, sondern leise fein und differenziert. oder haben sie eine entsprechung für "german gemütlichkeit" oder "fahrvergnügen" in letzter zeit irgendwo gelesen oder gehört?



24.04.2008 | 06:13 Uhr

Cem Özdemir: Globalisierung als Chance

Eine realistische Gefahr, dass Deutsch ein "Globalisierungsopfer" wird und die deutsche Sprache "verkümmert", sehe ich nicht. Dafür ist die deutsche Sprache in Europa zu bedeutend. Zwar zeigt die Geschichte, dass der Stellenwert einer Sprache abnehmen kann - Hysterie ist meines Erachtens jedoch nicht angebracht.

In Brüssel und im Europäischen Parlament erhalte ich wöchentlich Anschauungsunterricht. Wenn ich mich mit Menschen unterschiedlicher Muttersprache unterhalte (und davon gibt es gerade in Brüssel sehr viele...), dann ist nun einmal Englisch meist die Sprache, die alle beherrschen.

Es wäre kaum Erfolg versprechend, die deutsche Sprache auf eine Ebene mit dem Englischen bringen zu wollen. Wenn es jedoch darum geht, die nachfolgenden Plätze zu besetzen, dann muss sich Deutsch keinesfalls gegenüber anderen Sprachen (wie etwa Französisch) zurückhalten. Da im Parlament synchron übersetzt wird, ist es auch eine Selbstverständlichkeit, dass die deutschen Abgeordneten Deutsch reden. Schließlich wollen wir damit auch die deutsche Öffentlichkeit erreichen.

Ich plädiere für eine pragmatische Lösung: Wenn wir uns alle auf eine einzige Arbeitssprache einigen müssen, dann ist es Englisch. Wenn es jedoch darum geht, auch andere Sprachen zu berücksichtigen, dann muss Deutsch aufgrund seiner Bedeutung und Verbreitung dabei sein.

In der Wissenschaft hat nicht immer Englisch dominiert. Es ist gar nicht so lange her, da war eine wissenschaftliche Karriere in Chemie oder Physik kaum denkbar, ohne die deutsche Sprache zu beherrschen. Die beiden Weltkriege, deren Auswirkungen auf das wissenschaftliche und kulturelle Leben sowie die Flucht von Intellektuellen waren auch schädlich für den internationalen Stellenwert der deutschen Sprache.

Nationalismus ist grundsätzlich ein schlechter Ratgeber – auch wenn es darum geht, die eigene Sprache zu fördern. Wenn man das beherzigt, dann ist Globalisierung nicht nur eine (vermeintliche) Gefahr, sondern auch eine Chance, sich der Bedeutung der eigenen Sprache zu vergewissern. Und wie meinte ein großer Schwabe: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch." (Hölderlin)

Kommentare

24.04.2008 | 19:53 Uhr
Michael Hartinger schreibt: Eine verlässliche Sprache

Ich glaube nicht, dass es darum geht, die deutsche Sprache auf die Ebene des Englischen zu heben. Das wäre Diktatur, so wie es vom Handel, der Wirtschaft, den Medien, der Werbung etc. in Deutschland dem Bürger diktiert wird. Umfragen zeigen das.

Es geht vielmehr darum, das Ansehen der deutschen Sprache zu fördern, die stark unter den Anglizismen leidet. Nicht umsonst fragen Deutschlehrer aus verschiedenen Ländern, ob sie erst Englisch lehren sollen und dann Deutsch.

Wenn der deutschsprachige Raum der deutschen Sprache mehr internationales Ansehen verschaffen möchte und das Interesse, die Sprache zu lernen fördern will, dann muss er eine verlässliche Sprache haben. Nur kann ich das Ziel nie erreichen, wenn ich ständig deutsche Begriffe durch Englische ersetze. Das hat nichts mit Nationalismus zu tun.


24.04.2008 | 14:45 Uhr
Patrick Wais schreibt: Hölderlin als Dekor

Herr Özdemir zeigt uns am Ende seines Beitrags, gewiss unfreiwillig, worin das eigentliche Ärgernis besteht: Dass die deutsche Sprache in ihrer höchsten Form – und diese sollte doch das Maß sein – bisweilen zur großen Zitatensammlung verkommt, aus der man zu Dekorations- oder Legitimationszwecken mal dieses, mal jenes herausgreift, ohne sich darüber im Klaren zu sein, was es für das Schicksal einer Sprache (und ihrer Dichtung) bedeutet, wie hier geschehen, zwei Verse aus einer Hymne herauszureißen – um mit diesen Versen sodann die etwas läppische Rede von der "Globalisierung als Chance" zu beschließen.

In einem solchen Umgang, im gedankenlosen Plündern selbst der größten Schätze, liegt die "realistische Gefahr" begründet, dass das hohe Wort zum bloßen Dekor und die deutsche Sprache, die, wie jede gewachsene Sprache, ihrem Wesen nach etwas anderes ist als eine Freizeit- oder Arbeitssprache, zu einem Kommunikationsmittel ohne Höhen und Tiefen verkommt.


24.04.2008 | 11:54 Uhr
Rolf Huchthausen schreibt: Lingua franca

Und da es im richtigen Leben keinen Übersetzungsdienst gibt, und man trotzdem auch über EU-Mitgliedstaaten hinaus international agieren möchte als Tourist oder in der Wirtschaft, empfiehlt sich eine Sprache für den EU-Gebrauch mit der Möglichkeit auch über die EU hinaus verstanden zu werden. Warum nicht der Gewohnheit folgen und das Englisch lernen, nicht denglisch, nicht englisch um überhaupt ins Gespräch zu kommen, sondern Englisch von der Pike an?

Die überwältigende Menge der Englischsprachigen aus aller Herren Länder hat uns eine derartige Entscheidung schon längst abgenommen. Es verbleibt bei jedem, zu Hause seine eigene Sprache zu sprechen, und das ist in Deutschland halt Deutsch sowie es in Ungarn Ungarisch ist. Ist das so schlimm? Zweisprachigkeit lohnt sich immer!



24.04.2008 | 06:12 Uhr

Hartmut Esser: Die lingua franca der Schulhöfe

Das kann man sicher so nicht sagen. Einerseits bedarf es in einer immer stärker vernetzten Welt einer "lingua franca", was derzeit das Englisch für viele Bereiche ist, und daran führt auch kein Weg vorbei, denn jeder, der sich sträubt, hat nur Nachteile und verpasst viel.

Andererseits gibt es trotz allen Geredes von Globalisierung und Transnationalisierung immer auch den relativ überschaubaren und wichtigen Alltagsbereich, auch für das schulische und berufliche Fortkommen. Und hier werden dann auch weiter die jeweiligen lokalen Sprachen gesprochen und behalten ihre Bedeutung.

Daher ist es auch nicht gleichgültig, ob sich Migranten sprachlich an ihren jeweiligen neuen Umgebungen orientieren (können) oder nicht. Das Deutsche fungiert gerade in den multisprachlichen "Schulhöfen" wieder als eine lingua franca (und deshalb war an Berliner Schulen auch nichts zu verordnen, sondern vieles wurde freiwillig gemacht, was, erstaunlicherweise, für besondere Aufregung sorgte).

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24.04.2008 | 15:01 Uhr
Gerhard Bomba schreibt: lingua franca

Herr Esser scheint das Problem nicht richtig zu verstehen. Es geht hier nicht um "Englisch" oder "Deutsch", sondern um mit englischen oder scheinenglischen Ausdrücken vermantschtes Deutsch, das letztlich Niemand mehr richtig versteht. Dadurch wird die Sprache beliebig und gleitet ab in ein Kauderwelsch. Wohlgemerkt: Jeder sollte Fremdsprachen lernen, aber dann so gut, dass er sie auch beherrscht, zumindest annähernd wie seine Muttersprache. Und die soll er behalten.



24.04.2008 | 06:11 Uhr

Jürgen Trabant: Die Elite darf sich nicht abmelden

Die Abwesenheit des Deutschen in (Natur-)Wissenschaft, Wirtschaft und Diplomatie einerseits und die Sprachenvielfalt auf den deutschen Schulhöfen anderererseits hängen tatsächlich insofern miteinander zusammen, als beides Konsequenzen von Globalisierungsvorgängen sind, einmal oben, einmal unten: Die Herren in den höheren Etagen müssen mitspielen auf der Weltbühne, auf der globales Englisch gesprochen wird.

Und die mißlichen Entscheidungen jener Herren (bzw. ihrer Vorgänger und anderer, ich weiß) haben die globalen Völkerwanderungen ingang gesetzt, die Kinder aus aller Herrn Länder auf unseren Schulhöfen zusammenführen. Dabei ist das erstere inzwischen wohl einfach zu akzeptieren. Man kann noch den historischen Gründen nachspüren, warum das Deutsche, das durchaus eine gewisse internationale Verbreitung in den drei genannten Gebieten hatte, dort droben so sang- und klanglos aufgegeben wurde (Nazivergangenheit).

Wichtiger ist es aber nunmehr, dringlich dafür zu werben, dass sich hier nicht eine ganze Klasse (Elite) wie im 17./18. Jahrhundert sprachlich und kulturell vom Rest der Nation abmeldet, eine Tendenz, die nicht mehr zu übersehen ist.

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24.04.2008 | 06:09 Uhr

Gerhard Schulz: Mit Musik gegen Bürokraten

Die Frage nach der Verbreitung und Wirkung einer Sprache hat stets mit Macht zu tun: mit politischer, ökonomischer, kultureller Macht. Die aber wechselt ihre Besitzer im Laufe der Geschichte und somit auch Wirkung und Einfluss von Sprachen. Nach zwei verlorenen Kriegen und wüsten, in seinem Namen begangenen Verbrechen hat Deutschland an Bedeutung und Ansehen in der Welt verloren.

Nur ist geschrumpfter Einfluss nicht gleichbedeutend mit dem Verkümmern der deutschen Sprache. Zunächst muss bedacht bleiben: sie gehört nicht den Deutschen, sondern ebenso den Schweizern, Österreichern, Luxemburgern und allen jenen sprachlichen Minderheiten in anderen Ländern, die Deutsch als Muttersprache, als erste Sprache ihrer Mütter, ihrer Eltern in sich aufnehmen.

Deutsch ist weiterhin eine große, vielgesprochene europäische Sprache, mehr nicht, aber auch nicht weniger, und das sollte eigentlich genügen. Europa selbst ist ja heute ebensowenig noch das Zentrum der Welt, wie es Deutschland je gewesen ist. Das Englische profitiert in seiner globalen Verbreitung heute davon, dass die Briten einst ein großes Kolonialreich mit Geschäft und Gewalt zusammengebaut hatten, das sich inzwischen aufgelöst hat. Die Inder aber finden es der Vielfalt ihres Landes wegen bequem, die Sprache der einstigen Kolonialherren zur Kommunikation im großen Subkontinent zu behalten; weder Hindi noch Tamil oder Bengali jedoch sind "Opfer" solcher Konvenienz geworden.

Und was die Gründe für das Interesse am Deutschen angeht, so ist da doch ein wenig mehr zu nennen als nur der Wunsch ausländischer Politiker, mit der Bundeskanzlerin deutsch zu plaudern, deutsche Philosophie im Original zu lesen oder eine deutsche Pop-Gruppe zu hören.

Dass die Deutschen der Welt vor allem Musik geschenkt haben, ist bekannt. Aber eben diese Musik ist auch Trägerin von Sprache. In der Metropolitan Opera, in Covent Garden oder im Sydney Opera House wird Strauss' "Rosenkavalier" auf deutsch gesungen, in Melbourne haben zweitausend Zuhörer das deutsch-englische Programmheft bei einer konzertanten Aufführung von Wagners "Tristan und Isolde" auf den Knien. Die "Matthäus-Passion" wird ebenso in Bachs Muttersprache gesungen wie Mozarts "Entführung aus dem Serail".

Im Radio singt schon morgens Fischer-Dieskau Schuberts "Winterreise" oder Peter Schreier Schumanns Eichendorff-Liederkreis, und Schönbergs "Gurre-Lieder" hört man auch außerhalb des deutschen Sprachraums nicht auf Englisch. Das mag alles nicht so gewichtig erscheinen wie dass die Bürokraten in Brüssel eben Englisch reden, aber an Nachhaltigkeit in vielen offenen Köpfen steht es dem sicherlich nicht nach.

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24.04.2008 | 15:18 Uhr
Dieter Quaschnok schreibt: Nach zwei verlorenen Kriegen und ...

wüsten, in seinem Namen begangenen Verbrechen hat Deutschland an Bedeutung und Ansehen in der Welt verloren. Ich glaube nicht das Deutschland und damit auch die deutsche Sprache an Ansehen verloren hat. Es sind nur immer wieder unsere deutschen Politiker die uns Deutsche in ewig anhaltender Sühne halten wollen.

Meiner Meinung nach ist Deutschland und damit auch die Deutschen und die Sprache der Deutschen in aller Welt immer noch angesehen und hoch geschätzt. Gerade in den europäischen Ostländern wird Deutsch als führende Fremdsprache gelehrt. Ich denke, wenn die Deutschen wieder einen gesunden Nationalstolz besitzen, werden sie erkennen wie schön die deutsche Sprache klingt und dann werden auch wieder große Dichter und Denker aus Deutschland hervorkommen.



24.04.2008 | 06:07 Uhr

Jürgen Schiewe: Die Gefahr dialektaler Randständigkeit

Sprachen sind – so hat es Harald Weinrich ebenso korrekt wie elegant ausgedrückt – "feinstrukturierte Sozialgebilde, die ihren Ort im Bewußtsein vieler Sprecher haben und sich nach den wechselnden Bewußtseinszuständen dieser Sprecher unaufhörlich verändern". Insofern kann eine Sprache auch kein "Opfer" sein (ebenso wenig natürlich Täter oder handelndes Subjekt), sondern, wenn ich dieses in der Geschichte viel verwendete Bild noch einmal bemühen darf: sie ist ein Spiegel – des Verstandes (hat Leibniz gesagt) oder der Gesellschaft (hätte Carl Gustav Jochmann sagen können).

Wenn Deutsch in Deutschland in vielen Situationen nicht mehr verwendet wird, sondern Deutsche Englisch und Migranten ihre eigene Sprache sprechen, dann heißt das wohl: Deutsch ist oftmals offenbar nicht funktional – die einen können auf Deutsch nicht sagen, was sie sagen wollen, die anderen wollen auf Deutsch nicht sagen, was sie sagen können.

Gefragt werden muss nach den Gründen für diese Verweigerung, die ja den Gebrauch der Sprache betrifft, nicht – oder jedenfalls nicht zunächst – die Sprache in ihren Möglichkeiten.

Also: Unsere Sprache ist kein Globalisierungsopfer, wohl aber ist der Sprachgebrauch Ausdruck eines Globalisierungsdrucks, den viele offenbar selbst dort fühlen, wo er eigentlich gar nicht existiert. Und: Noch verkümmert Deutsch nicht zur Freizeitsprache, aber die Gefahr, dass sie in eine dialektale Randständigkeit gerät, ist gegeben, vor allem dann, wenn Deutsch als Wissenschaftssprache nicht mehr ausgeübt und ausgebaut wird. Darüber wird noch mehr zu sagen sein.

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24.04.2008 | 06:05 Uhr

Christian Meier: Der obwaltende Stumpfsinn

Je dichter die Welt zusammenrückt, umso mehr braucht sie eine allgemeine Sprache, also Englisch. Je komplizierter sie wird, je schwerer vieles an ihr für viele verständlich wird, je weniger sie "mitkommen", desto mehr braucht sie die Vielfalt und die Unmittelbarkeit der Muttersprachen.

Übrigens auch, um den Trend zu Gunsten abgehobener Eliten entgegenzuwirken; um der Demokratie willen, von der ich nicht finde, dass sie eine Freizeitangelegenheit ist. Vielleicht also verkümmert sie (wozu der obwaltende Stumpfsinn beiträgt), aber wir sollten sie nicht verkümmern lassen.

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24.04.2008 | 06:00 Uhr

Thomas Paulwitz: Das Erbe wird leichtfertig verspielt

Die deutsche Sprache ist kein Globalisierungsopfer, sondern ein Amerikanisierungsopfer. Nachdem die Vereinigten Staaten den Kalten Krieg gewonnen hatten und das Informationszeitalter seinen Durchbruch erlebt hatte, kam es zu einem Schub für die englische Sprache und für die amerikanische Art zu sprechen, zu denken und zu handeln.

Eine Monokultur auf englisch – besser: globalesisch – breitete sich auf der ganzen Welt aus. Die Deutschen mit ihrem aus historischen Gründen angeknacksten Selbst- und Sprachbewußtsein öffneten sich mehr als andere Nationen dieser Entwicklung. Es ist kein Zufall, daß zum Beispiel Siemens in Frankreich auf französisch, in Spanien auf spanisch und in Deutschland auf englisch wirbt.

In der Tat könnten wir schier verzweifeln angesichts der Flucht aus der deutschen Sprache in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger sieht für Deutsch nur noch die Zukunft einer Freizeitsprache. Er habe deswegen (!) Englischunterricht ab der 1. Klasse eingeführt.

Der Sprachkritiker Wolf Schneider glaubt, nur noch mit einem auf englisch ausgerufenen Befehl zur Umkehr aufrufen zu können: "Speak German!" hat er sein neuestes Buch betitelt. Der Wert einer gepflegten und ausdrucksstarken Muttersprache für die Verständigung, für das Denken, für das kulturelle Schaffen und für die Identität der Menschen gerät in den Hintergrund.

Doch will ich hier nicht dem Bild des Sprachschützers entsprechen, das Jutta Limbach in ihrem neuen Buch zeichnet. Sie sieht uns ja – nach ihren Worten – als jammernde Kulturpessimisten. Statt dessen möchte ich auf eine hoffnungmachende, wachsende Gegenbewegung hinweisen. "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch." Mit dem Druck auf die deutsche Sprache ist in Teilen der Bevölkerung zur gleichen Zeit das Sprachbewußtsein gewachsen. Dieses neue Denken erreicht mittlerweile auch Verantwortliche in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Die vor über zehn Jahren verstärkt einsetzenden Bemühungen zur Stärkung des Sprachbewußtseins tragen allmählich Früchte. Es waren nicht die mit Steuergeldern ausgestatteten offiziellen deutschen Sprachhüter, die dieses Umdenken anstießen. Vielmehr machten zahllose private Sprachinitiativen, Vereine und auch Journalisten die deutsche Sprache wieder zum Gegenstand der öffentlichen Diskussion. Auch der Streit um die sogenannte Rechtschreibreform hatte seinen Anteil daran, daß sich immer mehr Deutsche für ihre Sprache einsetzten. "Die Sprache gehört dem Volk", beschloß der Deutsche Bundestag am 26. März 1998, also vor ziemlich genau zehn Jahren.

Unternehmen wie die Porsche AG bekennen sich heute ganz ausdrücklich zu einer verständlichen deutschen Sprache. Ein Porsche-Sprecher sagte vor kurzem: "Wir würden uns eines entscheidenden Vorteils berauben, wenn wir ohne Not unsere Muttersprache über Bord werfen, nur um uns einen modernen Anstrich zu geben." – Die deutsche Sprache wird somit nicht als Globalisierungshemmnis aufgefaßt, sondern als wichtiger Standort- und Wettbewerbsvorteil!

An den Universitäten ist der Austausch von Deutsch durch Englisch bereits weit fortgeschritten. Das Erbe des Christian Thomasius, der Vorlesungen in deutscher Sprache einführte, wird leichtfertig verspielt. Doch auch an den Hochschulen gibt es eine Gegenbewegung. So tritt der "Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache" für die Erhaltung der deutschen Wissenschaftssprache ein und erhält für seine "Sieben Thesen zur deutschen Sprache in der Wissenschaft" Unterstützung von einer großen Zahl von Wissenschaftlern.

Und nicht zuletzt wacht auch die Politik allmählich auf. Mehrere CDU-Bundestagsabgeordnete gründeten im vergangenen Jahr eine vielbeachtete "Initiative Sprachlicher Verbraucherschutz". 18 Regionen aus ganz Europa richteten Anfang April einen gemeinsamen Aufruf an die Brüsseler EU-Bürokratie, mit dem sie sich gegen die Benachteiligung der deutschen Sprache gegenüber Englisch und Französisch wenden.
Das sind nur wenige Beispiele von vielen. Sie lassen auf eine Wende hoffen.

[i]Auf Wunsch des Verfassers erscheint dieser Beitrag in traditioneller Rechtschreibung.[/i]

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27.04.2008 | 19:02 Uhr
Franz Müller schreibt: Zweisprachigkeit bereichert

Ich stimme Hern Paulwitz und Frau Wingensiefen zu. Die deutsche Sprache hat ihre lieblichen Besonderheiten, die sie für mich für immer zur Mutter- und Heimatsprache macht. Auch wenn ich die englische Sprache ebenfalls wegen ihrer Eigentümlichkeiten liebe, kann ich mich in ihr (noch) nicht so gut ausdrücken wie in Deutsch, jedoch strebe ich Zweisprachigkeit an.

Ich lerne Englisch nicht, weil ich Amerikanern oder Briten gegenüber ein Unterlegenheitsgefühl hätte, sondern weil ich bei verschiedenen Gelegenheiten erkannt habe, wie unglaublich mich die englische Sprache bereichert, und zwar nicht nur wegen eines englischen Wortes, das ich gelernt habe und im Gespräch einsetzen kann, sondern auch wegen des zugehörigen deutschen Wortes, das meinem Wortschatz bislang fehlte und nun im Gespräch mit Deutschen zur Verfügung steht. Der Wunsch, meine Englischkenntnisse zu perfektionieren, befruchtet eindeutig mein Deutsch. Außerdem ist Englisch eine erstklassige Gedächtnisübung!


25.04.2008 | 21:22 Uhr
Daniel Kleiner schreibt: Bomba la Tomba... (Frei nach Tomba la Bomba)

Daran sieht man, dass die Sprache eine gewaltige Moeglichkeit bietet...
Aber damit wollte ich Ihren Namen nicht mit dem Begriff Grab etwa in Verbindung bringen. Es ist nur ein Spiel mit den Woertern. Das geschieht in der Sprache ja oft; mal ist das Spiel ernst, mal spassig...

Das oben ist zwar italienisch, aber in der deutschen Sprache gibt es aehnliche Moeglichkeite,n auch massenweise...
Die Anglizismen sind ein Aergernis, aber es gibt leider dagegen keinen immunisierenden Impfstoff. Im Uebrigen: alle Sprachen der Welt haben diese Probleme mit den Anglizismen. Also was tun?
Vielleicht koennten wir auch hier alle gemeinsam darueber nachdenken. Nachdenken schadet sicher auch dann nicht, wenn es keine brauchbare Ergebnisse gibt.


25.04.2008 | 20:59 Uhr
Daniel Kleiner schreibt: Herr Paulwitz, die Schonheit und die Ausdruckkraft einer Sprache ...

... zu foerdern und zu pflegen, das befuerworte auch ich. Das kann man aber nicht mit 'Schutzmassnahmen' erreichen. Die Sprache lebt, und sie lebt unter den Umstaenden, die es halt gibt. Wenn Sie sie schuetzen wollen, dann muessen Sie ihr helfen sich unter allen Umstaenden zu behaupten, oder zumindest nicht unterzugehen...

Man koennte sagen, dass die Sprache ein Gebilde, ein Gebaeude ist. So kommt es vor, dass auch Unschoenes in eine Sprache gibt, genauso, wie es unschoene Gebaeuden, unschoene Haeuser gibt.
Die ganze Architektur einer Stadt muss deshalb noch nicht als haesslich beurteilt oder gar verurteilt werden. Ich liebe Sprachen, deshalb habe ich einige auch gelernt. Deshalb interessiert mich auch die Entwicklung der deutschen Sprache unter dem Umstand, dass aus der weitweiten Vormacht des Englischen auch ihr das Leben schwer gemacht wird, sozusagen.
Aber die Furcht, dass der deutschen Sprache der Untergang droht ist voellig unbegruendet. Es gibt doch eine gewaltige Vielfalt an Zeitungen, Zeitschriften, Buechern usw. Und auch Fernseh- und Radiosender...


25.04.2008 | 10:41 Uhr
Thomas Paulwitz schreibt: Lieber Herr Kleiner,

vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Zunächst einmal meinen Respekt, daß Sie so viele Fremdsprachen beherrschen. Das ist wirklich bewundernswert. Über die eigene geistige Bereicherung hinaus tun Sie damit etwas für die Erhaltung der Sprachenvielfalt.

Tatsächlich finde ich die Großschreibung im Deutschen sehr nützlich und lesefreundlich. Daher bin ich Ihnen dankbar, daß Sie sich auch daran halten. Ich käme deshalb aber nicht auf die Idee, die Großschreibung für solche Schriftsprachen zu fordern, die die Kleinschreibung pflegen. Diese haben über die Jahrhunderte andere Wege gefunden, lesefreundlich zu werden.

Es geht mir nicht um Schuldzuweisung an andere Sprachen, sondern darum, daß wir das Sprachbewußtsein schärfen und die Sprachtreue stärken müssen, um unsere Sprache lebendig und entwicklungsfähig zu halten.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Thomas Paulwitz


24.04.2008 | 23:31 Uhr
Gerhard Bomba schreibt: Für Herrn Kleinert

Herr Kleinert mag 5 Sprachen beherrschen, er hat aber trotzdem nicht begriffen, worum es hier geht. Nicht darum, ob er auf seinem Rechner ein sz schreiben kann, sondern darum, dass von interessierter Seite versucht wird, Deutsch aus allen Bereichen des wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Lebens zu verdrängen.

Zum Beispiel aus dem Grund, dass man selbst keine Fremdsprache zu lernen braucht und damit einen geldwerten oder zumindest zeitlichen Vorteil hat. Und wie leicht kann man jemanden lächerlich machen, wenn er sich nicht korrekt ausdrücken kann. Aber noch mehr interessiert hier die Frage, warum die deutsche Sprache mit so vielen anglophilen Ausdrücken verfälscht werden muss. Ist die Absicht dahinter die, das Deutsch zu entwerten oder die, den Deutschen z. B. in der Werbung Dinge anzudrehen, von denen sie gar nicht wissen, wozu sie gut sind? Wer sich gegen die Anglizismen wehrt, hat nichts gegen die englische Sprache. Er will nur, dass er als Deutscher auch deutsch angesprochen wird.


24.04.2008 | 19:40 Uhr
Daniel Kleiner schreibt: Denken und eine Meinung zu haben sind zwei Paar Stiefel

Nicht wahr Herr Paulwitz? Da ich 5 Sprachen ganz gut in Schrift und Wort beherrsche, wage ich Ihnen zu schreiben, dass das was Sie hier schreiben teilweise Unsinn ist. Die Niederlaender z. B. haben keine solche Regel fuer Gross-schreibung, wie Sie hartnaeckig verteidigen, trotzdem sind nicht alle ungebildet oder Dummkoepfe, nicht wahr?

(Ich kann an meinem Rechner leider kein Esszet schreiben, daher bitte ich um Ihre Nachsicht)
Die geschriebene Sprache ist nur eine Konvention, wie man Produkte aus dem Hirn auf dem Papier darstellt. Die Schreibweise von Goethe und seinen Zeitgenossen duerfte uns heute etwas duemmlich erscheinen, aber das liegt nicht an denen, sondern an uns, weil wir die deutsche Sprache heute anders auf dem Papier darstellen als man zu deren Zeit tat. Es ist natuerlich wichtig, das Niveua einer jeder Sprache hochzuhalten und weiterzuentwicklen, aber nicht dadurch, dass man eine andere Sprache beschuldigt. Die deutsche Sprache wuerde nich schoener, wenn man sie 'rein' hielte.


24.04.2008 | 13:30 Uhr
melanie wingensiefen schreibt: Deutsch2 aus vermont..nochmal..

..und wir sprechen auch vernuenftig Deutsch, man muss nur wollen? Das deutsche Sprachgut in schriftlicher und muendlicher Form ist ein Schatz den man nicht verlieren sollte, leider ist die deutsche Jugend auf dem besten Weg, alles zu tun um bloss keine "Feder" mehr in die Hand nehmen zu muessen. Und Lehrer scheinen es einfach zu akzeptieren. Schade!! Hoffen wir auf bessere Zeiten was unsere Sprache angeht...


24.04.2008 | 13:24 Uhr
melanie wingensiefen schreibt: Deutsch2 aus vermont!

Seit 17 Jahren leben wir erst beruflich und dann ganz in den Vereinigten Staaten, unsere Kinder haben beide Staatsangehoerigkeiten und wir haben schon oft ueber dieses Thema zuhause hier, und zuhause in Deutschland gesprochen. Es ist uns sehr wichtig, unsere Heimatsprache beizubehalten, schriftlich wie muendlich.

Warum die "neue Rechtschreibung" etabliert wurde, ist uns auch ein Raetsel, gibt es nicht wichtigere Themen in dieser Zeit? Leider treffen wir auf eine recht grosse Anzahl unserer Landsleute hier im grossen Schmelztiegel Amerika, die meinen, sich mit uns auf englisch zu unterhalten waere das richtige, auch wenn wir auf Deutsch antworten!? Ich finde es ueberhaupt nicht "cool".
Verstehen kann ich, wenn Man/Frau mal eine Pause macht um nach dem richtigen Wort zu "suchen", passiert uns auch. Richtig sprechen ohne -ehm, ahhs and hmms will eben auch gelernt sein! Unser Grosser spricht und schreibt jedenfalls schon mal fliessend Deutsch und Englisch. (Nicht "deunglisch"!)



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