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Forum:

Warum sprechen die da gerade Englisch?

Was ist nur mit uns Deutschen los? Wir suchen im Fernsehen den "Superstar" und das "Topmodel" und halten im eigenen Land gerne Vorträge auf Englisch. Man fragt sich: Sind wir Globalisierungsmusterknaben, ist Deutsch hässlich oder haben wir einen Muttersprachen-Komplex? Welches war die absurdeste Situation, die Sie erlebt haben, in der hierzulande Englisch gesprochen wurde?

Beiträge

13.05.2008 | 22:15 Uhr

Karl-P. Schlor (Unabhängiger Publizist): Hochschullehrer reagiert rassistisch auf Erscheinen eines schwarzen Studenten

Wenn es nicht so abgrundtief traurig wäre, wie sich der
Sitzungsleiter an der TU Dresden verhielt, als ein schwarzer Student als Zuhörer in die Sitzung kam, müsste man herzhaft darüber lachen, wie sich ein deutscher Akademiker zu seinem muttersprachlichen Gebrauch im eigenen Land verhält, nämlich ausgesprochen unterwürfig gegenüber dem Englischen, das er anscheinend für die einzige Wiissenschafts=
sprache in der Welt hält.

Wäre er auch beim Erscheinen eines weißen Studenten aufgesprungen, zu ihm hingegangen, um ihn in Englisch zu fragen, ob er nicht ....... Nein, das ist undenkbar, hier hätte er die Sitzung wahrscheinlich überhaupt nicht unterbrochen, wozu auch? Lustig wäre es aber gewesen, wenn der schwarze Student ihm geantwortet hätte, statt
in Deutsch würde er lieber in Französisch parlieren, das könne er besser als Deutsch, Englischkenntnisse habe er nur rudimentär, weil er aus einem franko=
phonen Land stamme. Wie gesagt, schade.

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07.05.2008 | 15:02 Uhr

Wolfgang Schaper (Physiologe): Kauderwelsch

Unter den Flamen gibt es seit der Wiedereinführung des Flämischen in Belgien den Streit, ob Kinder von Anfang an zweisprachig aufwachsen sollen oder erst später die Zweitsprache dazulernen sollten. Bei ersterem Fall zeigt sich häufig, dass es sehr lange dauert, bis die zwei Sprachen perfekt getrennt werden. Bis dahin sprechen viele Kinder ein scheußliches Kauderwelsch.

Die jetzige Diskussion in Deutschland erinnert mich an die flämischen Kinder: viele junge deutsche Akademiker sprechen und schreiben ein mangelhaftes Deutsch. Daher ist auch ihr Englisch so schlecht. Englisch als Wissenschaftsprache ist unverzichtbar. Da Deutsch schon seit langem keine Wissenschaftsprache mehr ist, konnte auch keine deutsche Fachterminologie entwickelt werden.
Daher das Kauderwelsch, wenn Fachseminare auf deutsch abgehalten werden. Schlechtes Englisch verwundert auch deshalb, weil Englisch ist auch die Sprache der Pop-Kultur, die junge und nicht mehr so junge Menschen mit der Muttermilch aufnehmen.

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07.05.2008 | 15:00 Uhr

Fionn Huber: Ca. 1,5 Mrd. Leute können Englisch

Doch Englisch und Deutsch haben vieles gemeinsam. Englisch gehört der Sparte "Western Germanic" der Indo-European Sprachen an. Die Angeln, Sachsen und Jüten sprachen Old English (OE) ; noch heute gibt's einige interessante Beispiele:

E to bring (OE bringen) D bringen
E to come (OE cuman) D kommen
E to go (OE gan) D gehen
E to have (OE habban) D haben
E to make (OE machian) D machen
E to pack (Middle E pakke) D packen

Und die Good News: Mit einem Wortschatz von ca. 15.000 Wörtern ist man in der Lage, den Unterschied zwischen equivocal - equable, transient - transigent, allude - illude, kinesics - kinetics zu definieren.

P.S. Ich war eine ganze Weile in der Zentralschweiz als University of Cambridge English Examiner tätig.

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08.05.2008 | 09:37 Uhr
Fionn Huber schreibt: Grundwortschatz @ Herrn Dässler

Aus meinen Unterlagen von damals: Ein Grundwortschatz besteht aus 800 Wörtern, mit
7000 Wörtern ist man in der Lage, englische Zeitungen guter Qualität lesen zu können. Je nach Tätigkeit (Banker, Klempner, was immer...) sollte man einen eigenen E-Wortschatz sammeln, und im Computer speichern, m.M.n.

In einem englischen Finanzblatt habe ich letzte Woche folgende Info gesehen
"English Next" by David Graddol, British Council, 132 Seiten, kann man kostenlos "downloaden" (sorry!!)
P.S. Ich bin eine Frau.


07.05.2008 | 21:19 Uhr
Klaus Däßler schreibt: Was ist Englisch?

Sehr geehrte(r) Fionn Huber! Darf ich fragen, WAS für ein Englisch diese 1,5 Mrd. Leute können? Könnte es sein, dass Sie Englisch mit Chinesisch verwechseln? In welchen, offenbar anglophonen Nationen wohnen diese 1.5 Milliarden Menschen? Oder meinen Sie etwa die paar Brocken Glasperlenenglisch, die wir im Radio häufig (und meist noch falsch) von nichtanglophonen ausländischen Politikern gestammelt hören?

Sind es die ca. 800 Wörter Globalenglisch, mit denen man als Tourist im Ausland mal gerade so über die Runden kommt? Oder ist es wirklich das Englisch von Skakespeare, James Joyce, das Oxford-Englisch oder das BBC-Englisch? Wer beherrscht diese 15.000 Wörter? Das müßte man schon wissen, sonst könnte man leicht die richtige Perspektive verlieren.



07.05.2008 | 14:06 Uhr

Klaus Däßler (Physiker, Informatiker, Rechnerlinguist): Man könnte sich kaputtlachen, wenn es nicht so traurig wäre

Ich besuchte die Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik 2006 an der TU Dresden - den Konferenzblock "Applications of Semantic Technologies". 9 Vorträge, ca. 30 deutsche Zuhörer. Zuerst interessant, lebhafte Diskussion nach jedem Vortrag. Etwa zur Hälfte kam ein schwarzer Student herein und setzte sich.

Der Sitzungsleiter sprang hin und wollte fragen, ob es für ihn bequemer wäre, wenn auf Englisch vorgetragen würde. Da ihm aber selbst die Worte fehlten, fragte er "would you agree, if..". Überrascht nickte jener, verunsichert lächelnd. Der Sitzungsleiter bat die Redner, fortan auf Englisch vorzutragen. Froh stimmten sie zu. Nun begann Gestammle und Gekauderwelsche, dass einem schlecht wurde. Es ist eben leichter, etwas auf Englisch zu lesen, als frei zu sprechen. In 15 Minuten war der Saal bis auf 4 Leute leer. In der Kaffeepause hörte ich HEIMLICHE, wütende Kommentare, was dieser Englisch-Quatsch solle.

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