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Forum:

Gibt es sinnvolle Anglizismen?

In den letzten Tagen sind Anglizismen in diesem Lesesaal recht abschätzig behandelt worden. Aber gibt es nicht auch sinnvolle Anglizismen? Wie steht es mit Wörtern wie "Rock'n'Roll", "Manager", "Airbag" oder "cool"? Sind sie nicht einfach griffig und zurecht in der deutschen Umgangssprache etabliert? Lassen wir sinnvollen Anglizismen, so es sie gibt, Gerechtigkeit widerfahren! Bitte nennen Sie Beispiele mit kurzer Begründung. Im Kommentarfeld können Besucher anderer Ansicht Gegenvorschläge unterbreiten.

Beiträge

17.05.2008 | 10:57 Uhr

Adrian Brandes (Student): Schaut doch mal nach Japan

Sprachen verändern sich, und ein Austausch von regionalen Sprachen gab es wohl schon immer. Und jeder, der sich über zu viele Anglizismen im Deutschen aufregt, sollte einmal nach Japan gehen bzw. Japanisch lernen. Fast jeder "moderne" Begriff, den es in Japan vor der Landesöffnung noch nicht gab oder erst später erfunden wurde, stammt aus dem Englischen oder anderen europäischen Sprachen.

Oft werden auch bestehende japanische Begriffe (für die es oft in einer unglaublichen Vielfalt verschiedene Worte gibt) durch "moderne" englische Wörter ersetzt.
Wir scherzen oft, dass man in Japan auch ohne Japanischkenntnisse wunderbar zurecht kommen könnte. Und das nicht, weil die Japaner alle so toll Englisch können!

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16.05.2008 | 12:37 Uhr

Bertram von Steuben: mangelndes Deutsch

Eines der Hauptprobleme, das sich wie ein roter Faden durch vorangegangene Beiträge zieht, ist wohl die Tatsache, dass immer weniger Deutsche auch nur halbwegs korrektes Deutsch sprechen und damit viel leichter auf Anglizismen zurückgreifen. Perfektes Deutsch spricht ja keiner - diese Hoffnung sollten wir schnell begraben - aber einfachste Fehler oder permanet begangene, linguistische Meuchelmorde (Genitiv/Dativ, Steigerung von Superlativen e.t.c) führen zu einer Verwässerung der Sprache und - eben auch - zum Verlust der so hoch gelobten Präzision der deutschen Sprache.

Wie mein Lehrer bereits vor 25 Jahren prognostizierte (Grüße an Herrn Grabenau): "Mache einen Fehler nur oft genug, dann wird er auch irgendwann legalisiert!"
... und wegen DEM Spruch geh' ich jetzt in Rosi's Grill ...

So ist vielleicht auch hier ein Mitgrund der vermehrt auftretenen Anglizismen zu suchen - neben der, für mich sicheren, Erkenntnis eines "Vor-Schreibers", dass eroberte Gebiete immer auch die Sprache der Eroberer in erhöhtem Maße einfließen lässt.

Zusammenfassend lässt sich jedoch behaupten, dass engliche Ausdrücke, die sich bewährt haben, d. h. die bereits viele Jahre im Deutschen einen Platz gefunden haben, auch sprachlich einen Wert haben. Andere verschwinden auch wieder oder etablieren sich nur bei kleinen(Rand-)Gruppen.

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17.05.2008 | 22:32 Uhr
Bertram von Steuben schreibt: Schreiben ist aber noch eine ganz anderes Kapitel...

Vom Sprechen war die Rede... nicht vom Schreiben. Hier sollte man sich ganz klar vor Augen führen, zu welchem Zwecke ich schreibe - also mit welcher Intensität ich Flüchtigkeits-, respektive Rechtschreibfehler versuche zu vermeiden.

Generell gebe ich Ihnen Recht, dass es in der Tat immer schwieriger wird, "hochwertiges" Geschriebenes auch mit hochwertigem Inhalt (und damit lesenswert) zu finden.
Wenn wir über das Schreiben sinieren wollen, kommen wir sofort zu der unsäglichen Rechtschreibreform, die sehr gute Gedanken beinhaltete, aber diese viel zu inkonsequent umgesetzt hat!


16.05.2008 | 15:44 Uhr
Klaus Neufert schreibt: Lesen

Aber liegt das Problem nicht weniger an der deutschen Sprache, als vielmehr gerade an der inflationären Verwendung von Anglizismen? Nebenbei: Ich erlebe täglich akademisch ausgebildete Leute, die nicht einmal fähig sind, anderthalb Seiten DIN A 4 fehlerfrei zu schreiben. Man merkt der Diktion schon an, wie krampfhaft sie bemüht waren, die Seiten zu füllen.

Das liegt doch auch daran, dass immer weniger Hochwertiges gelesen wird! Gelesen werden Blog-Beiträge und leider auch Beiträge bei den Online-Ausgaben grosser Blätter, in denen die Muttersprache nicht der Freund zu sein scheint.



16.05.2008 | 00:06 Uhr

M. Rohde: Deutschland ist ein englischsprachiges Minenfeld

Dass die meisten Anglizismenkritiker gute Englischsprecher seien, wurde hier mehr oder weniger stirnrunzelnd erwähnt, z. B. durch Herrn Hoberg. Dabei liegt es doch auf der Hand. In diesem Land ist es verdammt schwer, seinen Englisch-Level zu halten (wenn man nicht permanent Kontakt ins Ausland hat), weil man im Alltag ständig falschem Englisch begegnet, seien es dümmliche Anglizismen oder falsch betonte englische Ansagen in der U-Bahn.

Man muss sich schon manchmal auf die Zunge beißen, um im Ausland nicht z.B. "handy" zu sagen, wenn man "cell phone" meint. Leider sieht man in Deutschland auch zunehmend englische Grammatik auf deutsche Sprache angewandt (z.B. "F.A.Z. Lesesaal" statt "F.A.Z.-Lesesaal") wie auch umgekehrt (z. B. "the summer-sun" statt "the summer sun"). Es tut immer wieder gut, sich im englischsprachigen Ausland aufzuhalten, wo alles, was man an Geschriebenem oder Gehörtem aufnimmt, weitgehend fehlerfrei ist. Deutschland ist dagegen wie ein englischsprachiges Minenfeld.

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17.05.2008 | 22:37 Uhr
Bertram von Steuben schreibt: Englisch ?

Augenzwinkernd erklärte mir ein englischer Offizier: Wer spricht denn in den Vereinigte Staaten Englisch? 40% sprechen Spanisch, und die verbleibenden 60% glauben doch nur, sie sprächen Englisch ...


17.05.2008 | 14:08 Uhr
Rolf Sievers schreibt: "linguistic-submissiveness" oder Deppen-Englisch

Albert Schweitzer wie auch die Londoner Times haben zu Recht die um sich greifende sprachliche Unterwürfigkeit der Deutschen gegeißelt. Offenbar nimmt die BRD als 51.Staat der Vereinigten Staaten nunmehr die Sprache des Mutterlandes an:
»Die USA-Massenverblödung, die in Deutschland immer mehr um sich greift, ist eine der
schlimmsten Kriegsfolgen!«
Albert Schweitzer (1875 - 1965), Friedensnobelpreis 1952


16.05.2008 | 15:51 Uhr
Klaus Neufert schreibt: Von und mit wem....

Das ist doch das Problem! Mit wem hat man denn Kontakt? Und, ich habe genug "native English speakers" erlebt, die auch dummes Zeug redeten. Wobei es bei den Briten noch geht.



15.05.2008 | 14:54 Uhr

Christian Treczoks (Hard- und Softwareentwickler): Grund für die Zunahme der Anglizismen?

Meines Erachtens ist eine Sprache immer anfällig für fremde Einflüsse (nicht nur Anglizismen, auch Lehnwörter aus anderen Sprachen), wenn sie in einer Weise selber "schwach" ist. Deutsch ist in diesem Sinne schwach, weil es zwischen der Masse und der Elite einen breiten Graben gibt.

Wer in ein Theater in Deutschland geht, erlebt eher ein paar Nackte die sich mit Farbe bewerfen, als Deutsche Sprache. Deutsche Gegenwartsliteratur teilt sich in das, was in den Universitäten und Schulen als "zu lesen" aufgezwungen wird, und dem, was normale Menschen freiwillig lesen.
Der große Graben zwischen der Elite im Elfenbeinturm und dem Deutsch sprechenden Volk zeigte sich aber am besten in den total verpatzten Rechtschreibreformen - ein hoher Anspruch wurde gesetzt - aber total an der Realität vorbei, und dann wurde herumgeflickt.
Eine Sprache, in der die Sprachelite und die Masse auseinandertreiben, ist einfach zu schwach, um gegen sprachliche Invasionen einen Gegendruck aufzubauen.

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14.05.2008 | 08:11 Uhr

Christoph Taegert-Kilger (Systemingenieur*): -ismen* - nichts Neues, warum die Aufregung?

Einerseits: Ich verstehe als im Ausland lebender Deutscher Peter Jurczyk gut - meine "deutsche" Identität* mit allem was dazugehört hat ein wesentlich anderes Bewusstseins-Niveau* erreicht, und mein Umgang mit Sprache ist sorgfältiger geworden. Andererseits hat das Deutsche im vergangenen Jahrtausend schon mehrere -ismen*-Wellen er- und wesentlich bereichert überlebt: Lateinisch und Griechisch im Humanismus*, Französisch im Barock*, ... . Die Zeit wird´s richten - Bereicherndes bleibt, der Rest (Trottoir, jemand?) - eben nicht.

Ismen* aus einem Artikel* in der F.A.Z., der Anglizismen* offenbar scheut, aber andere Ismen* zur stilitischen* Bereicherung gerne verwendet:

Fatal prognostizieren Prozent partizipieren Kommunen Defizit investieren renovieren sozial Privatisierung Kultur Kontor absolut Pensionär dominieren
latent Etat Bürokratie Personal Konsolidierung analysieren effizient

* P.S.: Klare -ismen habe ich markiert, nur so ...

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14.05.2008 | 07:16 Uhr

Hans J. Kolbinger: "Ich denke mal"

Benoetigt man im Deutschen einen neuen Begriff, wird er entweder neu gebildet oder als Kompositum aus mehreren existierenden Begriffen konstruiert. Insoweit ist der Wortschatz des Deutschen hoch spezialisiert und aeusserst praezise. Im Englischen hingegen werden im Bedarfsfalle eher bereits existierende Begriffe mit neuen Bedeutungen unterlegt (darum veraltet der englische Wortschatz von Fremdsprachlern auch so rasch, wenn sie den Kontakt zur englischen Sprachlandschaft verlieren).

Beispiel: Sucht man im Langenscheidt den Begriff "to think" auf, findet man hierfuer 17 Synonyme im Deutschen. Neuerdings finden Deutsche es zunehmend schick, jeden Satz voellig unreflektiert ebenfalls mit "ich denke mal" zu beginnen. Recht besehen bedeutet dies im Deutschen: Ich erlaube den Synapsen meines Gehirnes zu interagieren und meinem Sprachapparat, das Resultat unter dem Auschluss jeder Gewaehrleistung zu verlautbaren. Darum also so beliebt z. B. bei Politikern, Sportlern, Talk-show-Gaesten.

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14.05.2008 | 04:49 Uhr

Martin Bergmann: Chuffed?

Fionn: You got me. In 70 years in America I never heard it. Bist Du sicher, dass es nicht aus dem Finnischen kommt?

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14.05.2008 | 17:00 Uhr
Fionn Huber schreibt: You're dead right, MB!

Aus dem Englischen, "chuffed" wird wie "roughed" ausgesprochen.




14.05.2008 | 00:27 Uhr

Friedrich Eversberg: Nebenbei realisiert

Es gibt welche, die sich unauffällig einschmuggeln: "realisieren" ist so einer, neuerdings beliebt als Ersatz für "bemerken" oder "wahrnehmen" und bisher, soweit ich sehe, im Deutschen in dieser Bedeutung unbekannt. Hier wüßte (ja, nicht "wüsste"!) ich wirklich gerne, was deutsche Muttersprachler ohne besondere Englischkenntnisse sich denken, wenn dieses Wort in seiner englischen Bedeutung verwendet wird.

Merken sie es überhaupt? Verstehen sie intuitiv, was gemeint ist? Oder überhören sie es komplett und nehmen die Bedeutung der Aussage aus dem Zusammenhang trotzdem korrekt wahr? Ohne Frage können Anglizismen eine Bereicherung sein - schon Goethe sah das so. Mancher aber ist überflüssig und bleibt trotzdem hängen. Vielleicht auch dieser. Woran könnte das liegen?

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16.05.2008 | 15:47 Uhr
Klaus Neufert schreibt: Wir sind doch gut "aufgestellt"

Ich wüsste zu gerne, wer dieses Wort eingeführt hat. Heute sind alle plötzlich neu "aufgestellt", müssen sich neu "aufstellen" ....usw.
Und das ewige Nachplappern, auch bei seriösen Personen und Medien, macht es dann noch vollends peinlich.



13.05.2008 | 11:02 Uhr

Rudolf Hoberg: Warum sind so viele Deutsche gegen Anglizismen?

Sprachwissenschaftler, die den Einfluss des Englischen auf das Deutsche meist gelassen sehen, dürfen nicht übersehen, dass ein Teil der Bevölkerung den Anglizismen kritisch bis ablehnend gegenübersteht. Warum ist das so?

Seit Jahren werte ich zusammen mit Studierenden Äußerungen – besonders Briefe – von Anglizismengegnern aus, und wir kommen immer wieder zu den gleichen Ergebnissen, die sich so zusammenfassen lassen:

1. Was die Personen – besonders die Schreiberinnen und Schreiber – angeht, so sind wir häufig auf (begründete) Vermutungen angewiesen. Es scheint so zu sein, dass dieses Thema weitaus mehr Männer als Frauen interessiert, und es ist sicher so, dass sich die ältere Generation und die Angehörigen des " Bildungsbürgertums" (Akademiker) viel mehr engagieren, aufregen und beschweren als die übrige Bevölkerung. Anglizismengegner sind aus linguistischer Sicht fast immer "Laien" (das Wort Laie ist selbstverständlich nicht abwertend gemeint, denn abgesehen von unseren kleinen Spezialgebieten sind wir alle Laien). Sie argumentieren oft sehr emotional, ja leidenschaftlich; es ist etwa von "sklavischer Übernahme" oder "widerlicher Seuche" die Rede.

2. Anglizismengegner sind meist keine Nationalisten oder gar Chauvinisten. Sie betonen in der Regel, dass sie nichts gegen das Englische, gegen Engländer oder Amerikaner haben, dass sie nur gegen zu viel Englisch im Deutschen sind. Hier unterscheiden sich die heutigen Puristen von denen vor hundert oder mehr Jahren, die häufig nicht nur gegen den französischen – und teilweise auch schon englischen – Einfluss eingestellt waren, sondern auch gegen die Franzosen und Engländer.

3. Anglizismengegner sind, ohne dass ihnen das selbst wohl immer klar ist, meist nur gegen neuere englische Ausdrücke im Deutschen. Ältere Anglizismen wie Sport, Team oder o.k stören sie nicht, wie sie auch nichts gegen Fremdwörter aus anderen Sprachen haben.

4. Für die ablehnende Einstellung werden hauptsächlich vier Gründe genannt, die im Folgenden kurz gekennzeichnet und kommentiert werden:

a. Anglizismen sind überflüssig; es gibt genügend passende deutsche Wörter bzw. es können und sollen neue deutsche Wörter gebildet werden. Beispiele: Kids und Event im Vergleich zu Kinder und Ereignis.
Kommentar: Überflüssige Wörter gibt es nicht, und zwar aus zwei Gründen: zum einen weil für Sprecher und Schreiber aus ihrer Sicht kein von ihnen benutztes Wort überflüssig ist, zum anderen weil Sprachen so gut wie keine völlig synonymen Wörter enthalten: Kids und Kinder bzw. Event und Ereignis haben selbstverständlich unterschiedliche Bedeutungen. Diese Beispiele zeigen, dass es Anglizismengegnern häufig an sprachlichem Differenzierungsvermögen fehlt.

b. Die Verständigung wird durch Anglizismen erschwert.
Kommentar: Dieses Argument wird fast nie von den angeblich betroffenen Menschen vorgebracht, sondern von solchen, die selbst keine Schwierigkeiten mit dem Englischen haben. Selbstverständlich können neue Wörter Verständnisschwierigkeiten bereiten, aber das gilt für deutsche Wörter genauso wie für Fremdwörter.

c. Anglizismengebrauch ist häufig nichts weiter als Angeberei oder Imponiergehabe.
Kommentar: An dieser Behauptung ist zweifellos etwas Richtiges. Die Verwendung englischer Wörter dient vielen Zeitgenossen als Ausweis einer modernen Lebenseinstellung; man ist in, wenn man Anglizismen verwendet. Vor allem die Werbung, aber auch viele Institutionen, etwa die Medien, verfallen dieser Mode. Warum müssen beispielsweise einige Fernsehsender ihre Nachrichten "News" und Unterhaltungssendungen "Best of…" nennen? Aber auch mit deutschen Wörtern kann man angeben, seine "Modernität" zum Ausdruck bringen. Und Moden sind meist nur sehr kurzlebig.

Es werden mir sicher viele widersprechen, aber nach meiner Meinung ist meist nichts dagegen einzuwenden, wenn man mit englischen Wörtern "kreativ" umgeht, ihnen also im Deutschen Bedeutungen zulegt, die sie im Englischen gar nicht haben: Handy (ich kenne Amerikaner, die das Wort mit der deutschen Bedeutung gerne reimportieren würden), Body (englische Frauen haben einen Body, deutsche tragen einen).

c. Die Deutschen flüchten aus ihrer Sprache, weil sie – vor allem wegen des Nationalsozialismus – Probleme mit ihrer Identität haben.
Kommentar: Diese These wurde noch nie genauer begründet oder gar bewiesen. Ohne hier auf die Identitätsprobleme der Deutschen eingehen zu können, muss darauf hingewiesen werden, dass das Englische auch auf andere Sprachen einwirkt und besonders stark auf das Deutsch in der Schweiz (und die Schweizer sind bekanntlich an den Naziverbrechen unschuldig).

Die Gesellschaft für deutsche Sprache ermittelt zurzeit mit dem Institut für Demoskopie in Allensbach die Einstellung der Deutschen zu ihrer Muttersprache und zu Fremdsprachen. Dabei geht es auch um die Anglizismen. Im Juni werden wir mehr wissen.

Kommentare

07.06.2008 | 23:28 Uhr
Guido Kohlbecher schreibt: Linguisten wehren nicht dem blamabelsten Doinglisch

1. Warum fehlt unseren Hochschul-Anglisten und -Germanisten ein Berufsethos, das sie dazu veranlasste, unserem Pseudoenglisch öffentlich zu wehren? Stattdessen sehen sie zu, wie eine ganze Nation sich mit Mobbing, Bodybag, Dressman, Public Viewing, Shootingstar, Beamer etc. blamiert. Sie muten den Deutschen also gar keine Englischkenntnisse zu, noch bereichern sie unsere Sprache mit sinnvollen Eigenschöpfungen.

2. Den Antiangloholikern fehle die Kompetenz, weil sie Konnotationen z.B. bei KID und EVENT nicht wahrnähmen? Die Kritik gilt doch gerade der billigen Spaß- und Konsumprojektion auf alles Englische. Ein KID (welche Altersstufe bitte genau?) ist nichts als ein Werbetrick. Würde jemand von seinem toten "Kid" reden? Und EVENT ist eine kommerziell aufgemotzte VERANSTALTUNG, denn auch ein Krieg ist ein (engl.) EVENT. Unsere arrogant-angloholische Verhunzung des Englischen verträgt sich kaum mit dem hohen Anspruch dieser Weltsprache.

Guido Kohlbecher


15.05.2008 | 16:01 Uhr
David Georg Reichelt schreibt: Teilverständnis

Teilweise kann ich mit Ihren Erkentnissen mitgehen; oft argumentieren Anglizismengegner rein emotional, und oft sind sie grundsätzlich einfach dagegen, ohne sinnvoll zu differenzieren.

Besonders Ihr 3. Fakt erscheint mir wichtig: es wird oft vergessen, dass das Deutsche keine Sprache ist, die im luftleeren Raum entstand. Unzählige lateinische und französische Ausdrücke haben das Deutsche verändert und überhaupt gebildet. Heute werden insbesondere die Ausdrücke der Hugenotten, z. B. plärren, als deutsche Worte verstanden.
Dem Argument a kann ich auch teilweise zustimmen; Anglizismen haben oft eine geringfügig andere Bedeutung, meist kennen jedoch die Leute, die "girlies" oder "homies" sagen, den Unterschied zu Mädchen und Freunden nicht.
Ein entscheidender Punkt fehlt mir auch noch: die neuen Worte werden eben nicht kreativ verwendet, sondern einfach genutzt, und nicht eingedeutscht. So wird u.a. die Rechtschreibung nicht angepasst, z.B. cakes würde heute nicht in Keks umbenannt werden.


13.05.2008 | 19:24 Uhr
Heinz-Dieter Dey schreibt: Widerspruch

"Überflüssige Anglizismen gibt es nicht", behauptet Rudolf Hoberg. Die Begründung fußt auf der Zustimmung zu einem ausgeprägten sprachlichen Individualismus, vielleicht sogar - überspitzt ausgedrückt - zu sprachlicher Selbstbefriedigung. Gerade auf sprachlichem Gebiet gilt - kaufmännisch ausgedrückt - die Kundenorientierung, die Verständigung mit dem oder den Anderen. Vergessen wir nicht, dass uns für unsere Ausdrucksweise auch die Bedeutungserweiterung deutscher Wörter zur Verfügung steht. Entbehrliche englische Wörter gibt es in der deutschen Sprache in großen Mengen. Was ist zum Beispiel gegen Pendelbus statt Shuttle-Bus einzuwenden, was gegen Ausverkauf statt Sale usw.? Oft sind Argumente zum Nachweis semantischer Differenzierungen an den Haaren herbeigezogen. Es entsteht wieder die oft gestellte Frage, warum einige Sprachwissenschaftler mit Sätzen wie "es gibt keine überflüssigen Anglizismen" zum Anglizismengebrauch ermuntern.


13.05.2008 | 17:44 Uhr
Christian Timmermann schreibt: überzeugt nicht

Die Analysen Ihrer Studenten überzeugen nicht. Ich frage, wo die Wissenschaft bleibt, wenn bei diesem Themenkreis die Hauptsache ignoriert wird, nämlich die uralte Erkenntnis, dass Eroberung schon immer mit dem Einzug der jeweiligen Sprache einherging und dass demnach unter den Römern Latein, unter den Konquistadores Spanisch, unter Napoleon Französisch und unter der kommunistischen Herrschaft im Ostblock Russisch die beste Sprache der Welt war.

Dennoch viele Grüße von einer Fakultät mit Mathematik + Naturwissenschaft als Hauptsache, wo – wer hätte das gedacht - Grimms Wörterbuch mit ca. 68.000 gezählten Seiten im Schrank steht.



13.05.2008 | 08:34 Uhr

Heinz-Dieter Dey: Vorlieben

Die Frage, ob es sinnvolle Anglizismen gibt, ist schwer allgemeingültig zu beantworten. Der Verweis auf frühere Fremdwörterwellen ist kein Grund für den übermäßigen und gedankenlosen Gebrauch von Anglizismen. Wir sollten denselben Fehler nicht immer wieder machen, zumal unsere Sprache dadurch nicht verständlicher wird und unsere klaren Ausspracheregeln verlorengehen. Der Umfang der deutschen Fremdwörterbücher zeigt, wie herrlich weit wir es mit unserer Sprache gebracht haben.

Es gibt natürlich Anglizismen. die sich durchgesetzt haben und denen wir ein Bleiberecht in unserer Sprache gewähren sollten. Dazu zähle ich z. B. das Wort "Internet".

Es kann deshalb nur um das sprachbewusste Verhalten eines jeden Einzelnen und besonders der Medien gehen, ob Anglizismen sinnvoll gebraucht werden.

Wir sollten auf deutsche Wortschöpfung jedenfalls nicht verzichten und Wörter wie "Rechner" und "herunterladen" nicht mit den üblichen leichtfertigen Begründungen diskriminieren.


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13.05.2008 | 04:50 Uhr

Olaf Ebert (Grafik Designer (oder eben Grafiker)): Klarheit als Kriterium

Bei der Verwendung der Anglizismen geht es doch vor allem um Klarheit, Präzision und Verständnis. Wer meint, er müsse sich umständlich auf Deutsch ausdrücken, um dem Englischen Beine zu machen, ist genau so auf dem Irrweg wie einer, der versucht, mit seinem Englisch künstlich zu beeindrucken.

Ich lebe seit über zehn Jahren in den Vereinigten Staaten und meine Eltern sprechen kein Englisch. Natürlich versuche ich da lieber, mit meinem (noch hoffentlich ansprechenden) Deutsch zu beeindrucken. Trotzdem würde ich theoretisch davon sprechen, wie ich am Halloween Muffins gebacken habe und danach den Truck stehen ließ um zum Golf zu joggen, damit ich Fitness und Handikap verbessern kann. Mit dem Go-Kart ging es dann zurück. Wie sagt man das sonst? Es ist doch kein Attentat auf unser Deutsch.

Im Englischen gibt es übrigens auch einige deutsche Wörter, die zur richtigen Zeit passend verwendet werden dürfen: Weltanschauung, Zeitgeist, Gestalt, Poltergeist, Lebensraum, Blitzkrieg, Schadenfreude, verboten usw.

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13.05.2008 | 04:00 Uhr

Johannes Wilm (Englischlehrer in Nicaragua): Deutsch nur für Atomkraftwerkanleitungen!

Deutsch ist ja eine sehr feine und vor allen Dingen genaue Sprache. Für einige Bereiche ist das Wirkungsfeld wirklich sensationell. So gibt es Wörter wie Mohrleiche, Wachsleiche, Wasserleiche... aber kein Wort dass einen "friend" von einem "boyfriend" unterscheidet.
Für alles im Bereich Hydraulik, genaue Anweisungen, wie man Atomkraftwerke betreibt oder zur genauen Klassifizierung diverser Zustände in denen Leichen sich befinden können, ist Deutsch absolut perfekt.

Für alle Zusammenhänge in denen jedoch öfter das Wort "girlfriend" als "Wachsleiche" benötigt wird, sollte doch wohl besser Englisch gebraucht werden. Auch wenn man es nicht alles ganz so genau sagen kann, kann ein "it's like" einen ähnlichen Zusammenhang aus einem anderem Bereich oder eine vereinfachte Darstellung des faktischen Zusammenhanges als Ersatz herhalten. Diesen Anglizismus sollte man auf jeden Fall ins Deutsche importieren: "It's like ich bin eine Wasser- und sie eine Wachsleiche - wir gehören zusammen!"

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16.05.2008 | 12:15 Uhr
Bertram von Steuben schreibt: endlich einmal

...endlich einmal bemerkt jemand das größte Manko der deutschen Sprache:
die Defferenzierung zwischen "Freund" und "Freund".


Oder besser ausgedrückt: das "missing link" zwischen "Freund" und "Bekannter". Zwar habe ich einen guten Freund - das akzeptiert auch jeder - aber als verheirateter Mann eine Freundin zu haben ist doch recht grenzwertig und bedarf einer ausführlichen Erklärung, dass ich eben nicht mit dieser Freundin intim werde... (auch wenn das nach Harry und Sally nicht möglich ist ;)



13.05.2008 | 00:32 Uhr

Florian Hörniß: bewusster Gebrauch von Anglizismen ist ein Segen...

...doch zumeist wird nur nachgeäfft. Die deutsche Sprache ist im Allgemeinen deutlich präziser als Englisch, Worte sind trennschärfer in ihrer Bedeutung abgerenzt. Für Wissenschaften ist Deutsch sehr förderlich. Im Managementslang will man häufig gar nicht so genau verstanden werden; bestes Beispiel ist hier wohl die Buchführung, aber auch der Kontakt zu Investoren und der (ominösen) Allgemeinheit.

Das besitzanzeigende Apostroph S ('s) ist eine große Errungenschaft, welche ich als große Bereicherung ansehe, da es das Lesen deutlich vereinfachen kann. Leider sind die meisten Deutschen, pardon, einfach zu blöd und verwenden es inzwischen selbst bei einem einfachen Plural.
Erinnert an das "Handy"; wieso nennen wir es nicht, wie die Briten, "Mobil"? Wegen Problemen mit der Aussprache? Gleiche Anzahl Buchstaben und zudem auch anderswo verständlich wäre "Mobil", aber wir brauchen ja etwas Besonderes....

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13.05.2008 | 00:23 Uhr

Heinz Schalthöfer: Wenn eine Übersetzung albern wirkt,

sollte man durchaus den Originalbegriff im Deutschen verwenden. Die Wörter Computer und Diskette sind Beispiele dafür, wobei der "Rechner" noch gleichberechtigt verwendet wird, aber die "Wabbelscheibe" für flexible disk sich als ernstgemeinter DIN-Vorschlag glücklicherweise nicht durchsetzen konnte.

Manchmal allerdings verwirrt eine Übersetzung mehr als sie hilft, denn wer hätte nicht schon bei Computerprogrammen verzweifelt nach Funktionen gesucht, nur weil die Übersetzung der Menüs nicht aussagefähig ist.

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12.05.2008 | 23:25 Uhr

Christian Töpfer: Sprache lebt - Verbote sind albern

Die Diskussion über den (Un-)Wert von Anglizismen ist uralt und überflüssig, da Sprache lebendig ist und sich schon mit den englischsprachigen Einflüssen arrangieren wird. Für mich macht es keinen Unterschied, Latinismen oder Anglizismen zu verwenden.

Die meisten "Sprachpuristen" sind dagegen auffällig unkritisch, was lateinisch- oder französisch-stämmigen Worten angeht. Gerade letztere waren und sind hier im Kölschen Dialog en vogue (Napoléon sei dank). Also, immer *kühl* bleiben!

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13.05.2008 | 00:33 Uhr
Lutz Jansen schreibt: Zustimmung

Diesem Beitrag kann ich nur zustimmen. Unsere Sprache hat sich seit jeher verändert. 'Kaffee', 'Algebra' und 'Kiosk 'sind auch nicht von den alten Germanen erfunden worden, haben aber nie jemanden gestört. Natürlich gibt es Deutsch-Englische Worthybride die einfach lächerlich sind (mein persönlicher Favorit ist 'Back-Factory'), aber die Vorstellung, der gezwungen-verkrampfte Gebrauch von deutschen Ausdrücken sei ein Akt des Patriotismus, ist für mich noch lächerlicher. Hinter der ganzen Diskussion scheint mir doch eher ein gepflegter bis verbissener Antiamerikanismus zu stecken.


13.05.2008 | 00:25 Uhr
Andreas Schulz schreibt: Die auffällig kritische Haltung gegenüber Anglizismen

Ihre Ansicht zur Lebendigkeit der Sprache teile ich voll und ganz. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass die auffallend kritische Haltung gerade gegenüber Anglizismen hervorgerufen wird durch ein Gefühl der Entfremdung in einem - vor allem scheinbar durch die englische Sprache geprägten - Wandel des Lebensumfeldes der Menschen. Der einseitig ausgerichtete "Sprachpurismus" hätte von daher einen nachvollziehbaren Grund.



12.05.2008 | 22:54 Uhr

M. Rohde: ALLE Anglizismen sind sinnvoll!

Warum immer nur halbe Sachen machen? Alle Anglizismen sind sinnvoll. Und zwar so sinnvoll, dass wir komplett auf die englische Sprache umsteigen sollten! (Alternativ könnten wir natürlich auch beim Deutschen bleiben, aber dann bitte auch möglichst komplett!)

Aber Scherz beiseite: Ja, es gibt natürlich auch sinnvolle Anglizismen. "Internet" und "Airbag" und Tausende anderer haben sich eingebürgert und wären gar nicht deutsch zu umschreiben. Aber bei englisch klingenden Wörtern wie "Handy" oder "Oldtimer", die es mit dieser Bedeutung im Englischen gar nicht gibt, wird es dann extrem lächerlich.

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18.05.2008 | 19:16 Uhr
Klaus Däßler schreibt: Zu M. Rohde:

Wieso ist Internet in Ordnung und Zwischennetz die einzige Alternative? Was inter ist, assoziiert jedes Kind, aber net gibt es nicht. Ich verwende in meinem Umfeld seit geraumer Zeit das Wort Internetz, habe viele Leute damit angesteckt, und werde ausgerechnet von Sprachschützern des VDS dafür erbittert bekämpft, die es unbedingt als Eigennamen sehen wollen.

Dabei ist Internetz genau die deutsche Bezeichnung dieses Begriffs - genau wie Intranetz (das interne Netz einer Firma). Da ich es auch in meiner Netzstandort-Informatik-Wörterliste anbiete, verwenden es schon viele Menschen, sogar manchmal Sprecher im DLF. Es ist eben bloß am Anfang ungewohnt (wie Internet ebenfalls) und viele wollen sich ja mit dem modernen USLändischen Timbre schmücken.
Für mich und viele andere klingt heute Internet richtig peinlich. Versuchen Sie's mal ne Weile!
Zu Herrn Hörniß: Was ist'n ein ewig Gestriger? Das ist doch wieder so ein Totschlag-Argument!


16.05.2008 | 00:12 Uhr
M. Rohde schreibt: Sale

Zumindest müsste das Deutsche erstmal nachziehen, denn für Internet hat sich kein deutsches Wort etabliert, und jeder Versuch ("Zwischennetz") klingt holprig. Aber wozu auch? Internet ist ja in Ordnung.

Manchmal muss man sich auch über die Unbeholfenheit deutscher Ausdrücke wundern. Wieviel umständlicher ist "Son-der-an-ge-bot" als das sich jetzt etablierende "Sale"?


13.05.2008 | 01:00 Uhr
Florian Hörniß schreibt: unbeschreiblich?

Das Argument der Unmöglichkeit der Beschreibung im Deutschen möchte ich zurückweisen. Dies sehen wir nicht nur an den ewig Gestrigen, mit ihrem "tollen" Weltnetz. Zudem ist das Internet quasi nur ein halber Anglizismus - inter ist Latein und wird mit "zwischen" übersetzt; begrifflich ist somit nicht die reine Größe, sondern vielmehr die Vernetzung als solche bedeutsam. (Somit müssten die schlecht Frisierten eigentlich "Zwischennetz" sagen)
Wieso hört man eigentlich so selten von zwischenstaatlichen Beziehungen? Die Presse scheint eher auf "inter"national zu stehen...

Von "Airbag" bin ich ein großer Fan, da man nun auch vom "Fatbag" reden kann ^-^
Schließlich und letztendlich bleibt es einem jedem überlassen, statt Handy "Mobiltelefon", und entsprechend "Mobilfunknummer" zu sagen und zu schreiben.



12.05.2008 | 20:59 Uhr

Andreas Zafri (Pfleger): Was ist mit Deutsch?

Und wir waren mal das Land, der Dichter und Denker... unsere schöne und romantische Sprache... Anglizismen sind zwar nicht vermeidbar, jedoch sollte sie nur der benutzen, der seine Muttersprache gut beherrscht.... Warum? Hört euch die Menschen an!

Kommentare

18.05.2008 | 19:37 Uhr
Klaus Däßler schreibt: Zu Herrn Zafri: Mut!

Wir sind immer noch das Land der Dichter und Denker, (und natürlich außerdem das Land der Erfinder und Ingenieure). Gehen Sie mal auf die Leipziger Buchmesse, dort erleben Sie das literarische deutsche Volk in Aktion. Natürlich sehen wir überall ein Abbröckeln von Phantasialand, aber wir können es aufhalten.

Ein nochmaliges Lesen von Michael Endes unendlicher Geschichte (wirklich des Buches, nicht bloß den Film sehen) wirkt da Wunder. Man erkennt, dass der Kulturkampf im eigenen Lande heute stattfindet. Die schlimmsten Gefahren sind das totale Umkrempeln der Kinder mittels des Frühenglisch-Schwachsinns, bei dem die gutwilligen aber verblendeten Eltern schlangestehen, sowie der Eitelkeitsjahrmarkt "Wissenschaftssprache Englisch". Die könnten unsere Kultur in wenigen Generationen zum Erliegen bringen.



12.05.2008 | 19:48 Uhr

Uwe Ebbinghaus: Alternative zu "cool"

In dieser Frage muss man stark unterscheiden. In einem Zeitungsartikel zum Beispiel finde ich Anglizismen meist unpassend. In der Alltagssprache spielen sie allerdings eine große Rolle, oft auch, um eine ironische Botschaft zu übertragen.

So kann man mit den Worten "standing ovations" einen peinlichen stehenden Applaus im Gespräch sehr treffend und distanziert ausdrücken. Oder, dieses Beispiel fiel schon in dieser Diskussion: Event. Womit kann man besser ein aufgeblasenes Nicht-Ereginis ausdrücken als mit diesem Wort?
Wie aber ist es mit dem allgegenwärtigen, unter jungen Menschen uneingeschränkt beliebten Wort "cool". Das scheint mir eine echte Herausforderung für das Deutsche zu sein. Was wäre eine attraktive Alternative zu "cool"? Mir fallen hierzu nur deutsche Wörter ein, die ihre Zeit hatten, deren Verwendung heute aber doch peinlich wäre: "astrein", "1a", vielleicht auch "geil" ... Welches deutsche Wort könnte wirklich mithalten?

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13.05.2008 | 00:02 Uhr
Robert Sparmann schreibt: "knorke"

Als Alternative zum Wort "cool" fällt mir noch das Wort "knorke" aus dem Raum Berlin ein. Ist allerdings auch seit 50 Jahren nicht mehr populär und wird von mir höchstens ironisch verwendet, wenn etwas total uncool ist.

Anglizismen finde ich persönlich überhaupt nicht schlimm, wenn es kein deutsches Wort gibt bzw. sich keines durchsetzt. Vieleicht mache ich mir es zu leicht, aber die Menschen verstehen mich, wenn ich von "Hedge-Fonds" und "Airbags" rede. Die Begriffe Absicherungsfond und Prallsack sind einfach nicht verbreitet genug. Maßgebend sollte immer sein, dass sich alle Beteiligten verstehen, auch wenn man dabei einige Anglizismen in Kauf nehmen muss.


12.05.2008 | 21:06 Uhr
Reinhardt Wassenich schreibt: Gibt es sinnvolle Anglizismen

Es gibt wohl einige, aber man soll nicht krankhaft danach suchen. Wir sind Deutsche und sollen gutes Deutsch sprechen. Die englischsprechende Welt benimmt sich da viel natuerlicher, normaler. Rock'n'Roll ist vergleichbar mit Coke, Manager, Airbag, cool, event, standing ovation sind englische Worte wie viele andere, die man in deutschsprachigen Texten findet - sie gehoeren einfach nicht in einen deutschen Text, fuer jedes englische Wort gibt es ein gutes deutsches.

In den letzten Jahren konnte man genau die Verarmung der deutschen Sprache beobachten. Ein anderer moeglicher Grund - wie in anderen Laendern gibt es in Deutschland keinen sehr stark ausgepraegten Nationalstolz!
Erik Wassenich



12.05.2008 | 18:39 Uhr

Franz Müller: Schweden, Holland, Belgien, Papst

Schweden hat, wie ich gehört habe, wirtschaftlich total auf Englisch umgestellt, einfach um die Vorgänge zu vereinfachen. Kein Wunder, dass viele Schweden supergut Englisch sprechen. Zu Hause unterhält man sich dann auf Schwedisch.

Nun, total umzustellen ist noch eine Stufe höher als die eigene Sprache mit englischen Begriffen - Anglizismen - zu durchsetzen.

Auch in Holland steht Englisch hoch im Kurs. Oder auch in Belgien, zumindest ab Brüssel und westlich davon, sieht man Werbeplakate an Immobilien "TO LET" in großen Buchstaben. Englisch ist ganz selbstverständlich.

Auch der Papst hat eine seiner jüngsten Schriften (na, das Glaubens-Ding da mit den Schiiten) auf Englisch verfasst und nicht in Latein.

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18.05.2008 | 19:28 Uhr
Klaus Däßler schreibt: Zu Herrn Klosa

Sehr schön, wie die Schweden das machen. Aber was würden Sie dann eigentlich als spezifisch schwedische Kultur bezeichnen, wenn in den aktiven Lebensbereichen mehr und mehr Englisch gesprochen wird, und damit die Weiterentwicklung der Sprache wegen dieser Abkopplung und damit Weiterentwicklung der eigenen Kultur auf der Strecke bleibt? Was ist die typisch schwedische Kultur der Zukunft?


12.05.2008 | 21:14 Uhr
Uwe Klosa schreibt: Schweden sind pragmatisch

Ich lebe seit acht Jahre in Schweden und kann mir einen Kommentar nicht verkneifen.
Sie haben da wohl einiges über Schweden gehört, das so nicht stimmt. Was richtig ist, dass die Schweden sehr gut Englisch sprechen und in einer Besprechung in der 20 Schweden und ein Brite sitzen automatisch Englisch gespochen wird.

Wirtschaftlich hat man sich aber nicht umgestellt auf Englisch. Die Firmen, die von ausländischen Firmen aufgekauft wurden oder mit ausländischen Firmen fusioniert sind, haben in der Regel Englisch als Firmensprache. Aber die Schweden bevorzugen ihre Muttersprache Schwedisch.
Was Anglizismen im betrifft sehen die Schweden das ganz pragmatisch. Oft werden Wörter aus dem Englischen übernommen und der Schwedischen Aussprache und Schreibweise angepasst (fight=fajt, mail=mejl). Wenn man doch Schwedisch und Englisch miteinander mischt, dass heisst englische Wörter englisch ausspricht, haben viele Schweden oft Probleme.


12.05.2008 | 19:52 Uhr
Heinz Dieter Chiba schreibt: Perfektionisten auch im Sich-Selbst-Schaden?

Vieles, was Deutsche unternehmen, soll perfekt werden o. sein. So gehts beim Überausleihen der amerikan. Sprache (GB Englisch kann man, im Vergleich, vergessen). Und weil Deutsche auch Amerikanisch besser als Französisch, Spanisch, Schwedisch, Holländisch, usf. verstehen u. sprechen, wird in dieser Supermachtsprache unentwegt weiter ausgeliehen.

Andere Gründe kommen hinzu: die Vereinigten Staaten haben die letzten zwei Weltkriege gewonnen, nicht das Deutsche Reich o. Deutschland. Dazu kommt die rasante PC- Entwicklung, die hauptsächlich in Kaliifornien seine heutige Gestalt u. Sprache gefunden hat. Der Einfluss amerikanischer Filme u. Charts auf die Jugend u. Nichtjugend kann kaum bagatellisiert werden.
Alle diese verschiedenen Schichten: die politische, technische, kulturelle, soziale ... bilden ein positives Ganzes, das Amerikanisch als Weltsprache in Medien seine elegante Durchschlagkraft vermittelt.
Nothing succeeds like success, besonders beim Ausleihen im populären Amerikanisch.



12.05.2008 | 17:56 Uhr

Klaus Däßler: Ja, es gibt sinnvolle Anglizismen, aber...

Wir haben uns im Rahmen unseres Anglizismenindex mal Gedanken über die Klassifikation von Anglizismen nach ihrer Verwendung gemacht. Dabei sind selbstverständlich Fremdwörter, Lehnwörter, Eigennamen als sinnvoll herausgekommen. Diese beklagt man auch nicht: Pullover, Training, Baby, Whisky usw.

Die große Masse der seit ca. 1990 in Deutschland aufgekeimten (Pseudo-) Anglizismen (ca. 80%) jedoch sind Verdrängungswörter, die gute, treffende, differenzierte, ästhetische deutsche Wörter, ja ganze Wortfelder ohne Not auslöschen und damit unser gegenseitiges Verstehen behindern. Eine positiv zu bewertende Restklasse gibt es noch, das sind Differenzierungswörter, mit denen ein neuer Sachverhalt differenzierend ausgedrückt werden soll. Leider verwenden viele Leute aus Eitelkeit dafür Anglizismen, die dann schwer wieder eliminierbar sind. Eine gesunde Muttersprache vermag für alle neuen Phänomene gute eigene Wörter zu schaffen. Das sollten wir wieder stärker betreiben.

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13.05.2008 | 01:21 Uhr
Florian Hörniß schreibt: ich danke Ihnen für diesen wundervollen Beitrag

Anzumerken bleibt nur, dass die Lehnwörter nicht unsinniger Weise bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden, nur um die neuste Fassung der "neuen deutschen Rechtschreibung" zu gestalten - würde ich im Regal zwei Tuben zur Auswahl haben, so würde ich allein aus Trotz die mit "Mayonnaise" Beschriftete nehmen, und die mit "Majonäse" stehen lassen.
(ich warte nur darauf, dass diese "Sprachwissenschaftler" déjà vu eindeutschen wollen)

Da Sie, werter Herr Däßler, leider auf Beispiele unsinniger Verdrängungen in ihrem Beitrag verzichtet haben, hier nur ein paar aus dem Bereich "Management": Führung, Weisung, Absatzwirtschaft, Kundenbeziehung, -fokus, -orientierung, Arbeitsplatz, Stelle, Aufgabe, (interner) Wettbewerb, Leistung, Entwicklung, Auswertung, Bestenliste - wer Einzelne nicht ins Englische übersetzen kann, der verwendet unter Garantie jeweils das englische Pendant.



12.05.2008 | 17:51 Uhr

Martin Geiss: Ein eindeutiges Jein zu Anglizismen. (Teil 2)

...weil er so in fast allen Sprachen benutzt wird.
Aber sind screen (Bildschirm, Leinwand), no problem (geht in Ordnung), public viewing usw. wirklich unvermeidlich?

Immer schon wurden gern Wörter aus vornehmlich einer Sprache übernommen, vor etwa 250 Jahren war es aus dem Französischen: Bouillon oder Kraftbrühe, was ist besser?
Hier in Frankreich versucht man kreativ zu sein und unpraktische Anglizismen zu vermeiden. In der Tat haben sich oléoduc (pipeline), courriel (eMail), pourriel (spam), ordinateur (computer) weitgehend durchgesetzt. Dagegen muss man aber mit "parking", "brushing" das Verb "scanner" leben. Man handelt hier ganz schön inkonsequent, wie im Deutschen auch.
Sprache entwickelt sich stets über ihre Benutzer weiter. Ich benutze Deutsch und versuche aufs Deutsche einzuwirken, indem ich nur so viel Anglizismen wie nötig benutze. Aber manchmal werde ich überrumpelt, weil Ohr und Auge, diese Opportunisten, dann doch stärker waren als die hehren Helden Mund und Hirn.

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12.05.2008 | 17:34 Uhr

Marcus Reif: Reden wir über Anglizismen oder Amerikanismen

Ich begrüße diese Diskussion in einem solchen Umfeld der F.A.Z. außerordentlich. Im beruflichen, politischen und privaten Alltag gibt es mittlerweile eine Vielzahl Begrifflichkeiten. Nun lässt sich sicherlich prima darüber streiten, ob dies Anglizismen (aus dem Britischen), Amerikanismen (aus dem Amerikanischen) oder einfach englische Fachbegriffe sind. Ob dies nun eine falsche Lehnübersetzung ist oder tatsächlich - und das ist für mich viel frappierender - Neologismen aus Marketinggründen sind (Handy, Showmaster, Servicepoint usw.).

Für viele Begriffe gibt es sehr treffende Amerikanismen. E-Mail, Interview, Briefing und sicherlich viele andere. Dagegen kann man sein oder nicht. Ich empfinde sie als Bereicherung in der deutschen Sprache. Bei "Issue" - danke an Thomas Berger - hört es doch mit dem Verständnis für Bereicherung auf. Das ist eine Verdummung der Menschen und eine recht dämliche Art der sprachlichen Verarmung.

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12.05.2008 | 17:30 Uhr

Michael Kaminski (Schüler): Fachsprachliche Begriffe

Als Computer-Interessierter ziehe ich es vor, anstatt eines "X-Y-Achsen-Eingabegerätes" eine "Mouse" zu benutzten. Ich schicke meine geschriebenen Programme durch einen Compiler und Surfe im Internert mit meinem Browser. Ich scanne Unterrichtsmitschriften ein. Wenn mir ein wichtiges Programm fehlt, starte ich einen Download.

Auf meinem Schreibtisch steht ein Router und ein Switch, und ich ärgere mich darüber, dass mein Provider in ländlich(er)en Regionen nur eine geringe Bandbreite (Oha, deutsches Wort!) zur Verfügung stellt, sodass es sehr lange dauert, ehe ich Dateien auf mein Webspace geladen habe. Soll heißen: Wo Begriffe ursprünglich Englisch sind, sollen sie ruhig bleiben, drohte ansonsten ein wüstes Durcheinander der Begrfflichkeiten. Chemische Formeln und die SI-Einheiten sind schließlich auch überall gleich, ohne das sich jemand darüber beschwert, dass C und nicht K für Kohelenstoff (carbon) oder t anstelle von z für Zeit (time) steht.

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14.05.2008 | 11:12 Uhr
Jens Matuschek schreibt: English, Latein, Griechisch

nur zur Anmerkung: Zeit t=tempus (latein) nicht time!!! Kohlenstoff C=carbo (latein) bzw. carbonium nicht carbon!!! Womit man sieht, dass es nicht nur eine Anglizierung des Deutschen sondern auch eine Lateinisierung des Englischen usw. gibt.


14.05.2008 | 00:50 Uhr
Constanze Wollrath schreibt: C und T

Stehen c und t hier nicht vielmehr für die lateinischen Begriffe carbo(nium) und tempus?


12.05.2008 | 20:14 Uhr
Christian Timmermann schreibt: Tipp: etwas Substantielles studieren

Ich empfehle Schülern dringend, etwas Substantielles zu studieren, im vorliegenden Fall vielleicht Mathematik, Informatik oder Informationstechnik. Dann wird man unendlich demütig, denn das Schulwissen auch eines 840-Punkte-Abiturienten ist dann nach einer Woche aufgebraucht und der Stolz auf ein paar Brocken Englisch verflogen.

Derartige Fragen gelten dort als unendlich bedeutungslos im Vergleich zu den wahren, obigen Problemen. In den heiligen Hallen obiger Fakultäten operiert man schon deshalb nicht mit Anglizismen, weil man damit nicht seine Bedeutung demonstriert, sondern seine Bedeutungslosigkeit: Man spricht entweder rein deutsch (Rechner, Maus, Festplatte ...) oder rein englisch und spricht nicht darüber, welche Sprache man spricht. Das machen nur untere Chargen.



12.05.2008 | 17:29 Uhr

Martin Geiss: Ein eindeutiges Jein zu Anglizismen. (Teil 1)

Als deutscher Muttersprachler, der in Frankreich wohnt, gehen mir die vielen Anglizismen im Deutschen manchmal auf die Nerven. Jedesmal, wenn ich nach Deutschland komme, kann ich sicher sein, einen neuen zu hören, der mir Schmerz bereitet. Ein prima Beispiel für diese überflüssigen Anglizismen hat weiter oben Thomas Berger mit dem "issue" erwähnt.

Auch höre ich im "sorry", das mir die eilige Person entgegenmurmelt die mir eben ihren Ellbogen in die Seite gerammt hat keine Entschuldigung, sondern eher ein "warum stehst du mir im Weg?". Keine wirkliche Bereicherung der deutschen Sprache also - oder vielleicht doch: denn das "sorry", das Franz Müller ja mag, ist darum neu, weil es ein "Entschuldigung" ausdrückt, das eigentlich nicht gemeint ist.
Es gibt allerdings Anglizismen, die die Sprache bereichern und etwas klar benennen, das mit einem deutschen Wort nur umständlich beschrieben wäre: "scannen" zum Beispiel. "Internet" scheint mir fast schon ein notwendiger Anglizismus zu sein.

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12.05.2008 | 16:57 Uhr

Steffen Voigt (Angestellter): Schade um die deutsche Sprache

Es ist ein Zeichen unsere Zeit, das sich einige nur noch mit englischen "Begrifflichkeiten" ausdrücken können. Oft versteht die eigen Person nicht, was Sie damit ausdrücken will (bzw. spricht das für mich auch für sprachliche Verarmung) und was dabei noch schlimmer ist, das Gegenüber versteht oft die Begrifflichkeiten auch nicht und somit verliert sich der "Faden" des Gespräches.

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12.05.2008 | 21:25 Uhr
Uwe Klosa schreibt: Sprachliche Bereicherung

Im Gegensatz zu Ihnen finde ich, dass die Benutzung von Wörtern aus anderen Sprachen nur zu einer Bereicherung des Deutschen führt. Man kan Sprachen nicht als Inseln betrachten, die nicht miteinander in Berührung kommen. Sprachen haben sich immer schon gegenseitig beeinflusst.

Das, was wir heute als die deutsche Sprache bezeichnen, hat über die Jahrhunderte immer wieder Wörter aus anderen Sprachen übernommen. Sprache ist lebendig und ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher Entwicklungen. Dass man sich hinter Begriffen verstecken kann, kommt in jeder Sprache vor.



12.05.2008 | 16:38 Uhr

Thomas Berger: Issue, sprich: "ischu"

"Wir haben da noch nen issue". Es ist kein Problem, es ist keine Frage und keine Schwierigkeit, es ist alles davon: eine Angelegenheit, ein Thema oder Themenkomplex, den es gilt, sich anzuschauen. Man weiß, daß sich Fragen ergeben werden, man vermutet, dass Probleme damit verbunden sein könnten.

Es kommuniziert, dass man mit Was-auch-immer nicht glücklich ist, dass man noch einmal drüber reden muss, dass der Ball im Spielfeld der anderen Mannschaft liegt.
Es impliziert, dass eine Lösung zu finden ist und gefunden werden kann. Es ist zielgerichtet, nicht obstruktiv, wie seine häßliche Cousine, das "Problem".
Es kann ein Störenfried sein, eine Sorge, ein deal breaker.
Es ist ein issue.

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20.05.2008 | 00:05 Uhr
Thomas Mirbach schreibt: Zu Herrn Däßlers erhobenem Zeigegefinger

Danke für die Belehrung Herr Däßler.
Warum setzen Sie eigentlich Englisch mit Amerika in Verbindung? Auf dem amerikanischen Kontinent wird u.a. Englisch, Spanisch, Portugiesisch und Französich gesprochen. Oder glauben Sie, dass in Latein-Amerika Latein gesprochen wird?

Sie haben recht in der Unterscheidung zwischen einer Übersetzung und dem äquivaleneten Ausdruck. Leider greift Ihr Versuch bei den Begriffen "Image" und "Sophisticated" ins Leere. Daher wiederhole ich nochmal, nur für Sie:
1.Image = Erscheinungsbild, Vorstellung, Gestalt.
2. Image ist NICHT "Ansehen"
Ansehen = "Esteem","Kudos" oder "Renown", und schon gar nicht (guter oder schlechter) Ruf.
Ruf ="Reputation".
Sondern... ehhm... Imätsch halt!


19.05.2008 | 12:12 Uhr
Klaus Däßler schreibt: Immätsch und sofistikejtet - zu Herrn Mirbach

Erstmal ist das Deutsche keine Übersetzung des Englischen. Der liebe Gott ist kein Amerikaner. Das Wort Übersetzung ist falsch, "Entsprechung" wäre richtig.
Und dass es auch in Deutschland die Begriffe des Ansehens, des Erscheinungsbildes, des (guten oder schlechten) Rufs gibt (das wäre das, was Dengler mit Immätsch meinen), ist ja wohl jedem klar. Also brauchen wir keine "Übersetzung", und Immätsch erst recht nicht.

Und dass wir Deutschen schon seit vielen Jahrhunderten verzwickte, komplizierte, komplexe, wohldurchdachte Sachverhalte untersuchen, lösen, betrachten (das ist das, was Dengler alles mit sofistikejtet meinen), ist auch allbekannt. Hier wie bei den meisten Denglismen sind die deutschen Bezeichnungen für diese Phänomene weit aussagekräftiger - und genauso leicht zu merken. Aber sie klingen eben nicht so sofistikejtet:-)


15.05.2008 | 21:14 Uhr
Thomas Mirbach schreibt: Image, sophisticated

auf Deutsch "Imätsch" ist einer weiterer Begriff der schwer zu übersetzen ist.
1. Image= Gestalt, Bildnis, Vorstellung
2. Image= Z.B. Das Image einer Firma, eines Schauspielers, etc.
"Sophisticated" aus (griechisch: sophistaí, lateinisch: sophistae) ist ein weiteres schwer zu übersetzendes Wort, dass zudem auf Deutsch selten als Anglizismus gebraucht wird.



14.05.2008 | 11:30 Uhr
petra spieß schreibt: ...wenn, dann "ischju"

...am besten aber gar nicht!


12.05.2008 | 18:01 Uhr
Patrik Justen schreibt: Lächerlich

Das Beispiel ist lachhaft. Ich wette, ein Großteil der Zuhörer einer Besprechung weiß hiermit gar nichts anzufangen. Ohne Probleme kann die nächste "Sache" besprochen, ein weiterer "Punkt" geklärt oder eine "Angelegenheit" diskutiert werden. Einen "issue" braucht kein Mensch.....


12.05.2008 | 17:39 Uhr
Klaus Däßler schreibt: Ischu und andere Breiwörter

Na, lieber Herr Berger, lassen Sie Ihren Orwellschen Ischu trotz, oder genauer gesagt, WEGEN Ihrer schönen Begriffserklärung mal ruhig in den Staaten. Wie Sie schon sagten, kein Problem, keine Frage, keine Schwierigkeit, nichts Unangenehmes mehr.

Dieses "was auch immer", also genauer, GARNICHTS, ist ja gerade die Neusprech-Krankheit der Scheinanglizismen, die durch Blender hier eingeführt werden. Ein Problem bleibt ein Problem. Auch Probleme gibt es. Wenn ich es zum Ischu verneble, fällt es mir irgendwann auf die Füße. Nach Linguatec haben wir Deutschen einen duchchschnittlichen Wortschatz von 4000 Wörtern, der Angelsachse von 800. Warum gehen wir nicht gleich zurück in die Urgemeinschaft mit 30 Lauten? Dann gibts gar keine Probleme mehr. Tik!



12.05.2008 | 16:12 Uhr

Peter Jurczyk: Es gibt keine sinnvollen Anglizismen

Es mag an meiner englisch-deutschen Zweisprachigkeit und dem Drang, eine klare sprachliche Grenze zu ziehen, liegen, dass ich Anglizismen nicht als Bereicherung der deutschen Sprache empfinde. Ich kenne in dieser Hinsicht keine Ausnahme und nehme zaehneknirschend Begriffe wie "Internet" oder "Airbag" hin.

Doch viele oft zitierte Beispiele - z.B. "Computer", "email" oder "o.k." - besitzen deutsche Aequivalente, die genauso gut sind ("Rechner", "ePost", "in Ordnung/einverstanden"). Dass viele meiner aehnlich alten Zeitgenossen (also 20- bis 30-jaehrig) diese und andere Anglizismen nicht nur lieben, sondern vergoettern und -goetzen und an jeder moeglichen Stelle verteidigen und gebrauchen, ist fuer mich stets ein weiterer Beweis fuer die kulturelle Omnipraesenz der anglophonen Welt. Schade, denn wenn ich die Vereinigten Staaten verlasse und nach Deutschland fahre, will ich doch Deutschland sehen und deutsch hoeren, und nicht einen Amerika-Abklatsch stets um mich herum haben...

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14.05.2008 | 08:13 Uhr
Christoph Taegert-Kilger schreibt: -ismen - nichts Neues, warum die Aufregung?

Einerseits: Ich verstehe als im Ausland lebender Deutscher Peter Jurczyk gut - meine "deutsche" Identität* mit allem was dazugehört hat ein wesentlich anderes Bewusstseins-Niveau* erreicht, und mein Umgang mit Sprache ist sorgfältiger geworden. Andererseits hat das Deutsche im vergangenen Jahrtausend schon mehrere -ismen*-Wellen er- und wesentlich bereichert überlebt: Lateinisch und Griechisch im Humanismus*, Französisch im Barock*, ... . Die Zeit wird´s richten - Bereicherndes bleibt, der Rest (Trottoir, jemand?) - eben nicht.

Ismen* aus einem Artikel* in der FAZ, der Anglizismen* offenbar scheut, aber andere Ismen* zur stilitischen* Bereicherung gerne verwendet:

Fatal prognostizieren Prozent partizipieren Kommunen Defizit investieren renovieren sozial Privatisierung Kultur Kontor absolut Pensionär dominieren
latent Etat Bürokratie Personal Konsolidierung analysieren effizient

* P.S.: Klare -ismen habe ich markiert, nur so ...



12.05.2008 | 14:09 Uhr

Andreas Schulz: "Bürgerrecht" für Anglizismen? Na klar!

Wenn durch die Konnotation das Gemeinte besser ausgedrückt wird, dann sind fremdsprachliche Wörter natürlich eine Wohltat ... für jeden an der Sache orientierten Sprecher...

Selbst der die Vorzüge der deutschen Sprache hervorhebende G.W.F. Hegel bemerkt in der Vorrede zur 2. Ausgabe der Logik (Berlin, 1831) zum "Bürgerrecht" der fremdsprachlichen Begriffe: "...ein affektierter Purismus würde da, wo es am entschiedensten auf die Sache ankommt, am wenigsten am Platze sein."
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Beispiele gibt es für mich unzählbare: Training, Fitness, Service, Shop, Ticket, Drive-In, VIP, Team, Desk fallen mir auf die Schnelle ein...etc.

Es gibt natürlich immer wieder auch negative Beispiele: Für mich z.B. die inflationäre Verwendung des an Blendkraft und Schwammigkeit kaum zu überbietenden Begriffs des "Manager" (F.A.Z.-Redaktion) oder ganz aktuell etwa die Begriffsschöpfung des "Functional Food", bei der es wohl (auf gut altdeutsch) "mit Kräutern zugehen" muss...

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18.05.2008 | 19:50 Uhr
Klaus Däßler schreibt: Zu Herrn Schulz

Die Konnotations-Absicht der meisten Denglischdrescher ist ja offenbar die, dass sie sagen wollen: seht mal, wie modern ich bin, ich verwende gleich das amerikanische Wort und nicht das verstaubte deutsche! D. h. die von Ihnen verteidigte Konnotation existiert zwar, entspricht aber oft einer persönlichen Schwäche, nämlich der Angeberei.

Sonst müssten Sie mir mal sagen, welche neuen Konnotationen Shop und Ticket gegenüber den reichhaltigen deutschen Wortfeldern bieten, die durch diese Schwammwörter mit "neuer Bedeutung" ersetzt werden. Wieso schieben Sie eigentlich immer irgendwelche "Puristen" vor; ich kenne keinen, der etwa Training oder Interview durch rein deutsche Wörter ersetzen wollte. Dass man sich gegen Shopticketmeetingeventkidteamgirls in mouschn wehrt, ist kein Purismus, sondern gesunder Menschenverstand.



10.05.2008 | 20:46 Uhr

Sascha-André Liehr: Rambo, Killer & Fast Food ...

... scheinen nahezu unübersetzbar.
Bezeichnungen die einmalig Neues beschreiben und zugleich rhythmisch und klanglich den Inhalt unterstreichen sind eine Bereicherung. Eingewanderte Wörter sind außerdem Zeugnis internationaler Zugehörigkeit und globaler Kultur.
Bei Fast Food musste ich gerade an Rucki Zucki Mampf denken. Ob sich das wohl etabliert ?

Kommentare

18.05.2008 | 20:10 Uhr
Klaus Däßler schreibt: Nun machense mal halblang, Herr Chiba,

Wenn man Sie liest, könnte man sich als Deutscher ja glatt sterben legen. Sie sollten nicht das plakative Verhalten einiger Nieten als Schwäche der ganzen Nation hinstellen. Das Internetz beweist eher die Überlegenheit unserer Sprache. Vergleichen Sie doch mal die Wikipedia-Einträge von 90 Mio. Muttersprachlern mit den Wikipedia-Einträgen von 350 Mio. Englischsprechern!

Oder den Durchschnittswortschatz eines Amerikaners mit dem eines Deutschen (800 zu 4000 lt. Linguatec 2006), oder zählen Sie mal die Pro-Kopf-Häufigkeit der Bibliotheken, philharmonischen Orchester, Museen usw. Wo finden denn die größten Buchmessen, aber auch Informatikmessen der Welt statt? Auch andere Wohlstandsnationen haben Geburtenrückgang, z. B. Italien. Außerdem hat keiner hier gefordert, dass Deutsch eine Weltsprache werden soll, so was gibt es gar nicht. Höchstens einen einfachen globalen Verständigungsdialekt. Wir können froh sein, dass es Deutsch nicht erwischt hat, denn Englisch geht daran kaputt.


13.05.2008 | 00:51 Uhr
Florian Hörniß schreibt: Sinnige Beispiele?

Als Pappfraß wurde Yunk Food oder Fast Food treffend bezeichnet, auf Grund des Nährstoffgehaltes und teils auch des Geschmacks. (Besagter Schnellimbiss trifft es aber wohl am besten.)

Rambo? Wer bitte nutzt diesen Begriff denn überhaupt? Der Berserker hingegen ist so beliebt, dass er es ins Englische geschafft hat; dort sogar als Adjektiv.
Ein Killer oder voll ausgeschrieben "contract killer" ist ein Auftragsmörder. (Mörder sollte also völlig ausreichen, um Killer zu übersetzen.)
Die erwähnte "Killer Application" wurde hierzulande "früher" auch gerne als "non plus ultra" bezeichnet ^-^
Übrigens: "unübersetzbar" ist, meiner Ansicht nach, schreckliches Deutsch. Wer ein wahrlich nicht zu übersetzendes Wort sucht, dem empfehle ich das Englische Wort mit den meisten Bedeutungen, nämlich "set".
Mein persönlicher Favorit ist allerdings "strange".


12.05.2008 | 16:41 Uhr
Josef Mertens schreibt: Fast Food

Also Rucki Zucki Mampf klingt wohl nicht so optimal, wie wäre es denn mit "Turbofraß"? Käme der Sache in jedem Falle näher.



12.05.2008 | 16:11 Uhr
Thomas Berger schreibt: Da "Fastfood" schon von den anderen Kommentatoren...

..."abgefrühstückt" wurde (dafür fällt mir übrigens kein englisches Äquivalent ein), möchte ich mich an den weiteren Beispielen versuchen.

Für "Rambo" biete ich Ihnen die Wahl zwischen dem "Haudegen", dem "Schlagetot" und dem "Draufgänger", je nachdem, welchen Teil Sie meinen. Ich bevorzuge "Haudegen".
"Killer" läßt sich m.E. in jeder Konnotation mit "Totschläger" übersetzen (vgl. "Totschlageargument", mit etwas gutem Willen könnte man aus einer "killer app" auch eine "Totschlageanwendung" machen).


12.05.2008 | 11:12 Uhr
Robert Schrey schreibt: Stimmt !

Alles, was neu ist, muss auf Englisch daherkommen. Denn, sagt man es auf Deutsch, so denken diejenigen, die ähnliche Wörter benutzen, dass man ihnen etwas wegnehmen will.


12.05.2008 | 01:25 Uhr
Andreas Schulz schreibt: Fast Food...

...ist sicherlich gut zu gebrauchen, jedoch ohne groß zu zögern auch durch "Schnellimbiss" ersetzbar und beschreibt keineswegs etwas einmalig Neues...


11.05.2008 | 22:30 Uhr
Werner Franke schreibt: Ein wenig nachdenken ...

... sollte man halt schon, ob es für ein eingewandertes Wort eine adäquate deutsche Entsprechung gibt. "Ruckizucki Mampf" ist natürlich erkennbar Unsinn und wurde von Herrn Liehr offenbar nur erfunden, um jeglichen Versuch, "Fastfood" zu übersetzen, von vornherein als lächerlich zu diskreditieren. Wie wäre es aber etwa mit "Flottkost"? Halte es für gut möglich, dass sich das ebenso einbürgern würde wie etwa der vor 200 Jahren von H. J.Campe am Schreibtisch ersonnene "Ausflug" (der vorher bekanntlich Exkursion hieß).


10.05.2008 | 22:31 Uhr
Heinz Dieter Chiba schreibt: Zucki Rucki o. Rucki Zucki Mampf o. Mumpf? Whats that?

Zu lang, zu bizarr um sich irgendwo zu etablieren. wer weiss, was RZMampf sein soll? Jemand im schrumpfenden deutschen Sprachraum vielleicht? Das meiste Deutsch, das im Ausland heute noch zirkuliert (man müsste eine Statistik hierzu heranholen) wurde eher in der Vergangenheit exportiert. Heute werden 10 Anglizismen importiert u. kein einziges deutsches Word als Germanismus wandert aus.

Man bedenkt, in 30-50 Jahren werden 25 Millionen Deutsche fehlen. Lässt sich wirklich über ein rosiges Exportquota für Dt. frohlocken? Wenn deutsche Medien lieber ihre Reklame mit Englisch attraktiv machen? Wenn Deutsche sich schämen, Deutsch zu sprechen? Wenn Deutsche sofort ihr gebrochenes Englisch herauszholen, sobald jemand nicht wie gebürtiger Deutscher spricht. Wenn das Internet täglich die Überlegenheit der anderen Sprachen beweist. Wenn weder die UN ooder die EU sich um Deutsch kümmert? Wenn Hollywood Films zu 90% im Fernsehen und in den Kinos dominieren? Wenn Deutsch noch immer mit Hitler identifiziert wird? Deutsch, eine Weltsprache? Nee...



10.05.2008 | 18:29 Uhr

Franz Müller: Knackige englische Begriffe ...

... wie etwa:
computer, internet, chip, cpu, sorry, backpacker (statt Wanderer mit Rucksack oder Rucksackträger), bye-bye, hi, screen, dvd, cd, outfit, scannen, jet, no problem, ticket, team, standing ovations, public viewing und viele mehr ...

... Wörter, die auch ich gerne im deutschen Sprachalltag benutze. Sie sind knackig, griffig, kurz und bündig und drücken genau das aus, was ich sagen möchte. Ihr Sound ist auch ganz anders und fetziger als derjenige der deutschen Äquivalente. "Standing ovations" klingt in meinen Ohren viel treffender als "stehende Ovationen", wenn es gilt, hingerissen-begeisterten Applaus einer größeren Menge zu beschreiben.

Die Todesstrafe müsste auf den Gebrauch englischer Begriffe ausgerufen werden, bevor ich auch nur daran dächte, diese Wörter aufzugeben! ;-)

Kommentare

13.05.2008 | 20:13 Uhr
H. Gebhardt schreibt: Hi, Mr Mueller

also "reading room" fand ich knackig cool.
bye, bye
fuer "stehende Ovationen" wg. Ihrer Satire ist unsere hingerissen-begeisterte Menge wohl zu klein.
Aber heissen Rucksackträger nicht Sherpas?
Ansonsten no problem.


12.05.2008 | 16:45 Uhr
Peter Jurczyk schreibt: Falsch gedacht

Viele Zeitgenossen vergoettern die amerikanische und englische Kultur. Das aeussert sich nicht nur im taeglichen Gebaren, im Kleidungsstil oder in der Musik, sondern gerade auch in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Kurz: Diese Anglophilie fuehrt zu dem unentwegten Ausstossen von englischen Lauten, den Anglizismen.

Franz Mueller ist einer von diesen Menschen, der solche scheinbar untentwegt ausstoesst und sein Englischreden mit Pseudoargumenten verteidigt. Wieso z.B. "standing ovations" weniger brillant als "Beifallssturm" sein soll, leuchtet dem logisch Denkenden nicht ein, genauso wenig, wieso "bye-bye" mit seinen zwei Silben knackiger als "Tschuess" mit seiner explosiven einen Silbe sein soll. Lieber Franz: Ihr Kommentar war seltsam und unlogisch, ich bitte um ein Ueberdenken Ihrer Position.


11.05.2008 | 23:14 Uhr
Gerhard Bomba schreibt: Knackige Begriffe

Kann man doch auch knackig deutsch sagen (in der Reihenfolge): Rechner, Netz, Kartoffelflocke, kennt kein Normaler, vielleicht CDU?, Wanderer, hau ab, aua, Bildschirm, dvd-cd Übersetzung unnötig, läuft sich doch tot, Bekleidung, Kopieren, Düse, einfach, "ticket" steht für jeden Papierfetzen, Mannschaft, Beifall (ist doch egal, ob im Sitzen oder Stehen), gemeinsam gucken, und "viele mehr....." ist gleich mit "noch mehr Unsinn".


11.05.2008 | 20:34 Uhr
Franz Müller schreibt: @Klaus Däßler

Was "hi" für ein Begriff ist? Na, ein Begriff des Grüßens, der Begegnung, des freudig auf den anderen Zugehens. Und das alles in zwei Buchstaben! Nein, ich bin kein Blender. Ich meine es mit dem Englischen ernst. Ich eigne mir laufend neue englische Wörter an, was auch meiner Muttersprache zugute kommt.

Mein englischer Wortschatz umfasst mehrere tausend Wörter und Phrasen und wird ständig gepflegt und erweitert. In genau demselben Umfang pflege ich auf diese Weise automatisch auch meine Muttersprache. Denn zu jedem englischen Wort schreibe ich das entsprechende deutsche Wort nieder, wiederhole es, spreche es.

Ich sehe die Welt heute mit anderen Augen als damals, als ich anfing, Englisch ganz neu zu erlernen. Allerdings fordert das auch seinen Preis: Mühe, Verzicht und Schweiß. Aber es zahlt sich auch aus. Englisch, ja ganz besonders Englisch, erweitert den Horizont.

Sie sehen, ein Blender würde Ihnen nie derartiges mitteilen können.


11.05.2008 | 12:16 Uhr
Klaus Däßler schreibt: Wollten Sie uns auf den Arm nehmen?

S.g. Herr Müller, was Sie hier schreiben, kommt mir wie ein Scherz vor - wahrscheinlich haben Sie das beabsichtigt? Was sind überhaupt "englische Begriffe"? Was ist "hi" für ein Begriff? Sie wollten so tun, als ob Sie nicht wüssten, dass ein Begriff ein inneres Abbild des Menschen für ein Phänomen ist, das er manchmal mit einem Wort benennt - geben Sie's zu!

Und im übrigen ist es Ihnen gelungen, bei mir zuerst den Eindruck zu erwecken, Sie gehörten zur Klasse der Blender und Angeber, die ständig leere, englisch-klingende Spruchblasen ausstoßen, anstelle sich verständlich und brilliant auszudrücken - kein Mensch benützt alberne Wörter nur deshalb, weil sie eine Silbe kürzer sind als verständliche.

Mit dem backpacker haben Sie sich verraten - sie haben die deutsche Entsprechung gleich mitgeliefert - Rucksackträger - also haben Sie nicht erwartet, dass die Leser wissen, was ein backpacker ist. Das war ein gelungener Scherz!


10.05.2008 | 20:23 Uhr
Sascha-André Liehr schreibt: Public viewing ist ein No go ...

Selten gebrauche ich "im Internet" weil es unelegant klingt, dafür aber sehr häufig "ich bin im Netz". Unter Freunden und Spezis sag ich "Rechner" statt Computer. Das gleiche gilt für "Schirm" statt "screen".
"Public viewing" gehört verboten und darf zusammen mit "Reading Room" in der Hölle schmoren.



10.05.2008 | 15:50 Uhr

Fionn Huber: Die Amerikanisierung der englischen Sprache

Ich habe in meinen Unterlagen geguckt und die Mehrheit aller neuer Wörter die ich notiert habe, ist über den grossen Teich nach GB gekommen. Beispiele: ein paar Americanismen aus meinen Unterlagen:

bells & whistles (extra gadgets, e.g. on a new car); blown away (erstaunt); to do boffo business (sehr gutes Geschäft machen); black-on-black crime (aggressor and victim are both black); box-makers (Firmen wie Dell die Computer-Hardware herstellen); chuffed (sehr zufrieden sein); cookie-cutter hotels (alle Zimmer sind gleich) ; dunning mail (demands for payment);
to push the envelope (to go beyond commonly accepted boundaries); flak (criticism - Flakfeuer!) usw usw.... bis "visually impaired" (politically correct Am. Eng meaning "kurzsichtig".

Kommentare

15.05.2008 | 12:50 Uhr
Thomas Mirbach schreibt: Sorry, Fionn Huber:Re. "Chuffed"

Mit Wissen (im Sinne einer Gewissheit über die Etymologie des Wortes) kann ich leider nicht aufwarten. :-(
Das Wort ist in GB weit verbreitet und wird besonders häufig in London und Süd-ost-England gebraucht (wo ich 20 Jahre gelebt habe): as in - "he was well chuffed". - Ist also reines Bauchgefühl meinerseits. Könnte mir vorstellen, dass es ursprünglich aus dem Sinti oder Roma kommt.


14.05.2008 | 17:17 Uhr
Fionn Huber schreibt: Re "chuffed" - Empfehlungen: kleine Broschüren

Martin Bergman hat dieselbe Frage wie Sie gestellt. Ich glaube aber nicht, dass "chuffed" aus dem Cockney slang stammt, woher wissen Sie das?

Darf ich den Verlag Abson Books London, 5 Sidney Square, London E1 2EY (der "English Language Glossaries" herausbringt), empfehlen* z.B.: English Cockney Slang ISBN 0-902920-04-9

Just for you, TM:
Me Germans are cold (cockey slang)
German Bands = hands!!

*also
American English >English American;
Yiddish English>English Yiddish;
Scottish English >English Scottish
Australian English>English Australian


14.05.2008 | 11:54 Uhr
Thomas Mirbach schreibt: @ Fionn Huber: "Chuffed"

Dieser Ausdruck stammt sicherlich nicht aus dem amerikanischen Englisch, sondern aus dem cockney slang. "Bells & Whistles" & "taking flak" sind so lange in GB gebräuchlich, dass es fraglich ist, auf welcher Seite des Atlantiks sie enstanden sind.

Übrigens ist das Wort "Fortnight" ein aus Amerika re-importierter Anglizismus (in GB gebräuchlich, nicht (mehr) in den Vereinigten Staaten. Man sieht also, beide Formen des Englischen beeinflussen einander.



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