Home
Nominiert für den Grimme-Online-Award 2008
Lesesaal
FAZ.NET
Montag, 26. Mai 2008
Seite weiterempfehlen

Empfehlen Sie den Lesesaal Freunden und Bekannten!

Bitte geben Sie den Sicherheitscode ein

absenden
Lesezeichen:
yigg delicious link webnews digg wong Furl Oneview

Forum:

Überzeugen Jutta Limbachs Thesen?

Mit einem "Nachwort zur Zukunft der deutschen Sprache" schließt unser Vorabdruck von Jutta Limbachs gerade erschienener Denkschrift. Damit ist es an der Zeit für ein Resümee: Was halten Sie von dem Buch, das wir Ihnen in Auszügen vorgestellt haben? Sind die von der früheren Präsidentin des Goethe-Instituts aufgestellten Thesen überzeugend? Diskutieren Sie mit!

Zum Textauszug

Beiträge

30.05.2008 | 11:09 Uhr

Matthias Wiemeyer (Philosoph): Die Sprache kann auf sich selbst aufpassen

Anglizismen sind überall. Sie sind so nahe liegend, dass sie laufend, auch ungewollt, "passieren". Ein Ärgernis sind sie genau da, wo sie die Nachlässigkeit des Schreibers offenbaren. Sie zeigen: Man kann darauf wetten, sich mit coolem Jargon Respekt zu verschaffen, ohne etwas zu sagen zu haben.

Die gute Nachricht: Zeitgleich mit inhaltsleeren sprachlichen Maschen entstehen Aufmerksamkeitsfilter bei den Adressaten solcher Botschaften. Der Vorstand spricht von Shareholder Value und Human Capital Management und die Zuhörer verstehen: Hier kommt nichts Neues.

Eine Sprache verliert nicht ihre Wirksamkeit, weil niemand auf sie aufpasst. Sie kann gut auf sich selbst aufpassen. Dies geschieht, indem Aussage und Bedeutung sich voneinander lösen. Wer heute etwas über das Verhältnis zwischen Kapitalgebern und Unternehmen sagen will, wird wird den Begriff "Shareholder Value" wohl meiden müssen – jedenfalls dann, wenn er sich für seine Nachricht die Aufmerksamkeit der Adressaten wünscht.

Kommentare


26.05.2008 | 15:13 Uhr

Stephanie Reyntjes: Sprachpolitik als Rechtspflege und Sprachkritik

Den Begriff "Sprachpolitik" gbit es lt. Duden Bd. 1 nicht; das ist natülrich kein Argument gegen Frau Limbachs Überlegungen, sondern ein Hinweise, dass sie demokratische Prinzipien allgemeinen Recht-Bewusstseins mit sprachkritischen Erkenntissen gemischt und attraktiv vorgestellt hat.

"Sprachpolitik" sollte sich auch weiterhin im Hintergrund halten und sich ausweisen als kluges übernationales, rechtspolitisches Handeln, das dem Rechtsfrieden und der allgemeinen Verständlichkeit verpflichtet ist.
Sprach- als Politik-Kritik könnte sich so äußern mit Blick vom Lichtenbergschen Aufklärungsgipfel auf genus populi: "Die Bauernmädchen gehen barfuß, und die Vornehmen barbrust."

Solche Gänge und Vorgänge laufen auch heute noch ähnlich ab, wenn es die beruflichen Funktionen oder die modischen Verkleidungen gebieten:
Ob Frau Merkel madonesk einherschreitet; ob der Bundespräsident von "Monstren" der Finanzwirtschaft redet: Es wird ignoriert, aus grotesker Solidarität; nur in der Satire verlacht.

Kommentare


Beitrag schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Registrieren Sie sich hier.

Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008