Matthias Wiemeyer (Philosoph): Die Sprache kann auf sich selbst aufpassen
Anglizismen sind überall. Sie sind so nahe liegend, dass sie laufend, auch ungewollt, "passieren". Ein Ärgernis sind sie genau da, wo sie die Nachlässigkeit des Schreibers offenbaren. Sie zeigen: Man kann darauf wetten, sich mit coolem Jargon Respekt zu verschaffen, ohne etwas zu sagen zu haben.
Die gute Nachricht: Zeitgleich mit inhaltsleeren sprachlichen Maschen entstehen Aufmerksamkeitsfilter bei den Adressaten solcher Botschaften. Der Vorstand spricht von Shareholder Value und Human Capital Management und die Zuhörer verstehen: Hier kommt nichts Neues.
Eine Sprache verliert nicht ihre Wirksamkeit, weil niemand auf sie aufpasst. Sie kann gut auf sich selbst aufpassen. Dies geschieht, indem Aussage und Bedeutung sich voneinander lösen. Wer heute etwas über das Verhältnis zwischen Kapitalgebern und Unternehmen sagen will, wird wird den Begriff "Shareholder Value" wohl meiden müssen – jedenfalls dann, wenn er sich für seine Nachricht die Aufmerksamkeit der Adressaten wünscht.
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