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Forum:

Haben die Eliten eine Pflicht zur Sprachpflege?

Sollte Deutsch nicht nur auf Pausenhöfen, sondern auch in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vorgeschrieben werden? Diskutieren Sie mit!

zum Textauszug

Beiträge

29.05.2008 | 23:01 Uhr

Gerhard Bomba: Einfache Antwort

Kommentare


29.05.2008 | 22:16 Uhr

bettina jung-stalmann: anton vogt; let Ballack be the 'leader'

Nehmen wir doch die FAZ , eine fuehrende Kraft unseres Landes - oder neudeutsch eine 'anfuehrende'. - also mit Eliten habe ich keine Problem mehr - die gibt's nun mal. Nur in unserer BRD soll es sie nicht geben - wir wissen schon warum. Darum darf es auch das Wort Fuehrer nie mehr geben und folglich wird aus 'brave' Michael Ballack ein Anfuehrer - und der Drucker weigert sich nicht einmal das zu drucken.

- Ich kann es kaum glauben - naemlich, dass die Vermeidungsangst DES d. Broadsheets eine solche Missgeburt erschuf. Da hat es eine Konferenz gegeben, wie man das 'F-Wortproblem' loest, und das unsaeglichste kam dabei heraus. Ein Anfuehrer ist einer der den Mob fuehrt, keine Gruppe von respektablen Menschen. Hat Hitler denn das 'Fuehrerprinzip' erfunden? Redet man deswegen hier in England immerzu ueber 'leaderqualities'? Ballack ist ein leader - kein 'ringleader' (Anfuehrer!). Hier waere mal ein Anglizismus angebracht - Ist Lehmann nicht sowieso auch schon 'der Keeper'? Got it?

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29.05.2008 | 20:52 Uhr

Hans-Joachim Grobe (Journalist): Verantwortung statt Pflicht

Auch den sog. Eliten (wer gehört wirklich dazu?) kann man keine Pflicht zur Sprachpflege auferlegen. Sprachpflege ist eine Sache der Verantwortung und der Zuneigung, denn nur, was man liebt, das hegt und pflegt man auch. Leider ist vor allem vielen Managern der Wirtschaft das Verantwortungsgefühl für und die Liebe zur deutschen Sprache abhanden gekommen: Wenn deutsche Referenten vor einem überwiegend deutschsprachigen Auditorum ihren Vortrag auf Englisch halten, dann stimmt da was nicht.

Den meisten Menschen ist ihre Anglomanie oft gar nicht bewusst. Ihnen das bewusst zu machen, gehört zu den Aufgaben der oft verspotteten "Sprachpfleger", die aber in der Mehrzahl keine Sprachpuristen sind. Auch der "rigorose Sprachpfleger Wolf Schneider" (Zitat Edo Reents) ist sehr tolerant. Es lohnt sich , sein Buch "Speak German!" zu lesen.

Dr. Hans-Joachim Grobe

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30.05.2008 | 01:17 Uhr
bettina jung-stalmann schreibt: Die Liebe zur Muttersprache und Vaterland

Lebt man im Ausland, faengt man irgendwann an, die guten Seiten der eigenen Nation zu sehen - . So etwas wie Vaterlandsliebe erwacht, wenn man mit den Unzulaenglichkeiten der Gastkultur konfrontiert wird. Nach einigen Jahren betrauert man den Verlust der eigenen Muttersprache, wenn man anfaengt Idiome ins Deutsche zu uebertragen und regt sich auf, wenn die Tochter eines Freundes am Telefon 'nicht wirklich' sagt, was laecherlich klingt, z.T. weil es falsch angewandt wird ('not really' ist understatement einer starken negation; ein mildes Bespiel fuer die anglomanen KueheaufdemEis).

Die Muttersprache faengt man an zu lieben, wenn man sich mit einem Landsmann unterhaelt, NUR um deutsch sprechen zu koennen, weil dabei Naehe entsteht. Man kriegt 'irgendwie' familiaere Gefuehle - nur deswegen! Ich frage mich nun, wo eigentlich die Liebe fuer die Muttersprache bei den Zuhausegebliebenen herkommen soll? Ist Nationalstolz nicht verboten in 'unserer Republik'? Wie hiess noch der Mann in Bellevue?



29.05.2008 | 19:46 Uhr

Edith Hyronimus (Schülerin): Nicht auf Kosten der Verständlichkeit

Ganz klar haben die Eliten eine Vorbildfunktion, da ein Großteil der Bevölkerung ihre Äußerungen mit Interesse verfolgt. Ob man jedoch die Politiker als Elite betrachten sollte, sei hier einmal offengelassen; auf jeden Fall wird man durch noch mehr Regelungen und Vorschriften nicht den gewünschten Einfluss auf die Menschen haben, denen man eine gepflegte Sprache ans Herz legen will.

Politiker sind nach wie vor ein Teil der Bevölkerung, sie sprechen schließlich für ihr Volk, das sie gewählt hat, und versuchen, dort jeden zu erreichen. Es ist fraglich, ob das mit hochgestochenem, sprachlich absolut korrektem Deutsch, das jedoch bei weniger gebildeten Bürgern zu Verständnisproblemen führen kann, erreicht wird; vielmehr würden Politiker sich dadurch wohl vom Volk abgrenzen und ihre Authentizität und Persönlichkeit verlieren. Natürlich haben sie die Pflicht, sich unmissverständlich auszudrücken, was allerdings nicht gleich bedeutet, sich von jeglicher sprachlicher Natürlichkeit und Individualität loszusagen und durch komplizierte, wenn auch grammatikalisch korrekte Sätze für Verwirrung zu sorgen. Trotz allem sollte unsere "Elite" zumindest in der Lage sein, richtige und logische Sätze zu formulieren und versuchen, ihre Seriosität und, sofern vorhanden, Kompetenz sprachlich entsprechend zu verpacken, denn die Annahme, dass sie durch (absichtliche?) sprachliche Fehler automatisch dem Volk näher stehen, ist schlichtweg falsch.

Leistungskurs Deutsch 2, K.-Th-v.-Dalberg-Gymnasium, Aschaffenburg
Teilnehmer am FAZ-Projekt "Jugend schreibt"

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29.05.2008 | 18:35 Uhr

Ernst-Markfried Kraatz (Dipl.-Ing., pensionierter Leitender Mitarbeiter ei): Natürlich, sie sollten dazu verpflichtet sein

In meinem Studium an der Technischen Universität Berlin wurden in unseren Ausarbeitungen sprachliche Entgleisungen - ob orthographischer oder begrifflicher Natur - selbstverständlich korrigiert und gegebenenfalls mit bissigen Kommentaren versehen. Das war vor rund 50 Jahren, und für uns Akademiker war es selbstverständlich, in unserem Berufsleben auch in Wort und Schrift Vorbild zu sein.

Was dann nach 1968 an Jungakademikern auf uns zukam, war weitgehend anders. Nicht allein Unwissenheit im Gebrauch der Sprache, sondern teilweise bewusstes Ignorieren sprachlicher Regeln breiteten sich aus.
Es wird höchste Zeit, dass sich Eliten wieder der Sprachpflege verpflichtet fühlen.

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29.05.2008 | 13:39 Uhr

Anton Vogt (Freiberufler): Pflicht der Eliten

Nein, Eliten haben in der Sprachpflege keine Pflicht. Wenn man überlegt was eine Elite ist, kommen sofort unzählige Fragen. Die wichtigste wäre dann, welche Elite?
Die aus dem Rathaus? von der Uni? oder die aus der JVA?
Auch dort wurde eine Elite gebildet, soll die unsere Sprache als Pflicht betrachten? Wohl kaum.

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