Home
Nominiert für den Grimme-Online-Award 2008
Lesesaal
FAZ.NET
Freitag, 25. April 2008
Seite weiterempfehlen

Empfehlen Sie den Lesesaal Freunden und Bekannten!

Bitte geben Sie den Sicherheitscode ein

absenden
Lesezeichen:
yigg delicious link webnews digg wong Furl Oneview

Forum:

Deutschkenntnis: Fordern wir zu wenig von Migranten?

Die Maxime "Fordern und Fördern" ist laut dem Innenministerium der Schlüssel zur gelingenden Integration durch Sprache. Da Integration hierzulande so häufig scheitert: Sind unsere Forderungen an die Deutschkenntnis von Migranten zu bescheiden? Wo gibt es Versäumnisse? Sollte Deutsch zur verpflichtenden Pausensprache werden?

zum Textauszug

Beiträge

02.05.2008 | 16:04 Uhr

Özgür Kibarogullari (Schüler, Stipendiat der Robert Bosch- & Landesstif): Ist es überhaupt so einfach sich zu integrieren, wie es von außen aussieht?

Wie soll sich ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund hier gut anpassen, wenn er gleich in die Hauptschule gewiesen wird, wo viele Schüler schon mal "Ausländer" sind.
D. muss als eine globales Land betrachtet werden. Sowohl in der Schule als auch auf der Straße ist es sichtbar, dass die deutsche Sprache irrelevant ist für die Beteiligung an der Gesellschaft.

Die Menschen können ihre Bedürfnisse mit mangelnden Deutsch erledigen. Die Integration scheitert bei den meisten Fällen. Die meisten Ausländer sind sich schon in Klarem, dass die Kulturunterschiede sehr groß sind. Ein kleiner Junge, der neu nach D. gekommen ist, erleidet einen Schock, weil er viele Sachen als normal betrachten muss, obwohl er diese Sachen als anormal sieht. Warum soll er noch das Verlangen haben, sich hier zu integrieren? Man sagt, dass der erste Eindruck sehr wichtig ist. Genau das kann der Grund sein, warum sich viele nicht integrieren wollen, bzw. können!

Kommentare

06.05.2008 | 21:54 Uhr
Dieter Hoffmann schreibt: Sehr geehrter Herr Kibarogullari,

ihr Satz "Die Menschen können ihre Bedürfnisse mit mangelndem Deutsch erledigen. " spricht Bände. Doch wichtiger ist: Welche Bedürfnisse sind auf Dauer wirklich zu befriedigen, wenn jemand hier lebt und die Sprache nicht beherrscht?

Es muss für jeden Immigranten, gleich in welches Land er einwandert, das Ziel sein, dessen Sprache zu beherrschen. Wie sonst soll er sich in Kultur und Alltag jenes Landes zurechtfinden? Die Spache eines Landes ist seine Kultur. Es muss die Bereitschaft vorhanden sein, beides kennenzulernen. Ist dies nicht der Fall, so können Einwanderer in dem Land ihrer Wahl leben und arbeiten, doch sie bleiben Zeit ihres Lebens Touristen - also Fremde.

Eine Nation, ihre Kultur und ihre Sprache sind nirgends auf der Welt voneinander zu trennen. Ein globales Land ist ein Widerspruch in sich - und Globalland gibt es nirgendwo. Das ist auch gut so.



25.04.2008 | 15:10 Uhr

Andreas Frick: Die Sprache reicht nicht, auf die Werte kommt es an!

Das Erlernen der deutschen Sprache ist eigentlich für Immigranten ganz wichtig, um an unserer Kultur teilzunehmen. Die Frage ist aber doch, ob sie das überhaupt wollen. Für viele Immigranten ist das Erlernen nicht mehr nötig, weil es bereits entsprechende Parallelgesellschaften gibt, in denen man mit Deutsch ohnehin nicht klarkommen würde.

Aber viel wichtiger wäre, dass die Immigranten unsere Werte teilen, und das können vor allem strenggläubige Muslime definitiv nicht, weil ihr Glauben ganz andere Werte verkörpert als Christentum, Aufklärung etc. Ihr Glaube lässt ihnen da leider auch keine Wahl, was auch zur Bildung besagter Parallelgesellschaften beigetragen hat, in denen es sich ganz wie in der Heimat lebt. Wenn das so weiter geht, werden wir letztendlich dann auch ihre Sprachen als Landessprachen offiziell anerkennen müssen. Man muss nur nach Frankreich schauen um zu sehen, dass die Sprache nicht reicht, die Randalierer in den Vorstädten sprechen alle sehr gut Französisch.

Kommentare

25.04.2008 | 22:44 Uhr
Heinz Dieter Chiba schreibt: Mitteleuropäische Insel(mini)sprache

Seit '51 wohne ich hier, also Québec: siebeneinhalb Millionen "Francosphones" im englisch-spanischen N. A. Es kommt für Immigranten in D. auch darauf an, dass Deutsch Inselsprache geworden ist. Dt. Kolonien, ab an GB u. F. après 1918 u. dt. Gebiete. Im 2. WKrieg 30% vom Reich an Polen (tschüss, dank Monsieur Stalin, Truman u. Churchill - wie hiess der Franzose?). Deutsch ist eine mitteleuropäische Inselsprache: die Ferne u. Breite (dank Skalpell der Weltkriege) ist vorbei, weg, adieu.

Ein Deutscher weiss oft, wo ein anderer Deutsche herkommt: Sprachklang genügt u. gibt ihm (ohne GPS), den Ort an. Das gibts kaum in Sprachen mit Breite u. Weite, wie Span., Frz o. Englisch. Man erkennt den anderen nicht. Deutsch ist auch Sprache der Stille, denn als man uns Gebiete abtrennte, waren wir stets brav u. ruhig, bitte schön. Dürfen wir uns heut über das, was hätte sein können (Deutsch mit Breite u. Weite) wundern?
Das Leben ist nicht immer fair u. Geschichte gewiss nicht. Deutsch wurde reduziert ...



25.04.2008 | 09:23 Uhr

Alexander Schmidt: wer will was von wem ? wieder eine Frage des deutschen Selbstbewusstseins

Ja - unsere Forderungen (nicht nur) an die Deutschkenntnisse sind bescheiden. Oder sollen die Deutschen vielleicht sämtliche Sprachen ihrer Migranten erlernen, damit diese besser in einem Land zurecht kommen, welches sie sich einmal als ihr - ja was eigentlich? - Heimatland, " Ausbeut`land", "Ich-mache-hier-meinen-eigenen-Staat-auf-Land?" ausgewählt haben.

Warum stellen wir uns immer die Frage, wie wir etwas ändern können? Sollten diese Fragen nicht an unsere Migranten adressiert werden? Mit ein wenig mehr Selbstbewusstsein würde der allzeit beliebte Ausspruch: "Fordern und Fördern (gefördert werden)" auch richtig verstanden.

Kommentare

25.04.2008 | 16:28 Uhr
Kai Klinge schreibt: Zustimmung

Stimme Ihnen voll zu! Das ist die alles entscheidende Frage. Ich gebe hinzu:
Deutschland kann das Leid dieser Welt nicht abschaffen oder verhindern. Schon gar nicht, wenn wir uns selbst vernichten. Dies ist aber derzeit der Fall. Alle Minderheiten genießen mehr Interesse in der Politik als die Mehrheit, die all die Fürsorge erst ermöglicht.
Für mehr Selbstbewußtsein und ein klares Bekenntnis zu unserer Identität: Deutschland.







Beitrag schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Registrieren Sie sich hier.

Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008