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Beitrag

Jürgen Schiewe
02.05.2008 | 10:04 Uhr

Jürgen Schiewe: Lesefrüchte-Forum

Ich habe eigentlich nichts gegen "Reading Room", weil dieser ‚Ausdruck‘ nur schwach motiviert ist und Raum für Assoziationen lässt, die sich, in Wechselwirkung mit dem sich ja weiterhin noch entwickelnden ‚Gegenstand‘, der bezeichnet wird, verfestigen könnten, woraus sich dann ein ‚Begriff‘ ergeben würde.

Das Problem einer jeden "Verdeutschung" ist es, dass sie stark motiviert ist, damit den ‚Gegenstand‘ festlegt und ihn, so zeigt jedenfalls die Geschichte verdeutschter Begriffe, meist nur teilweise trifft.
Aber wenn über eine wortförmige Alternative nachgedacht werden soll (und das ist durchaus legitim), dann schlage ich vor, diesen "moderierten internetbasierten Experten-Leser-Diskussionsaustauschplatz über aktuelle Buch-Neuerscheinungen" künftig Lesefrüchte-Forum zu nennen. "Forum" steht heute bereits auch für Diskussionsgruppen im Internet, und "Lesefrüchte" waren im 18. Jahrhundert die öffentlich bekannt gemachten Ergebnisse der Reflexion über aktuelle Publikationen. Zwar glaube ich nicht wirklich an die Durchsetzungsfähigkeit dieses Ausdrucks, doch man weiß in Sachen Sprachentwicklung ja nie…

Kommentare

02.05.2008 | 15:29 Uhr
Dietrich Voslamber schreibt: Warum Verdeutschung?

Ich möchte von Herrn Schiewe gerne erklärt bekommen, warum es hier ein "Problem der Verdeutschung" gibt. Nach meinem Verständnis kann man nur etwas "verdeutschen", was ursprünglich nicht deutsch ist. Sieht Herr Schiewe etwa die Suche der F.A.Z. auf solche Wörter beschränkt, die ursprünglich nicht deutsch sondern englisch sind und erst einmal "verdeutscht" werden müssen?


02.05.2008 | 11:52 Uhr
Jürgen Schiewe schreibt: "Frankfurter Lesefrüchte-Forum (FLF)"

Ich präzisiere meinen Vorschlag: "Frankfurter Lesefrüchte-Forum (FLF)"


02.05.2008 | 10:16 Uhr
Gregor Keuschnig schreibt: Verborgene Simplizität

Ich habe seltener Probleme mit "Verdeutschungen" als mit Anglizismen. Die Festlegung ist bei englischsprachigen Ausdrücken übrigens ähnlich. "Reading Room" impliziert beispielsweise nicht unbedingt, dass man dort auch kommentieren kann.

Englischsprachige Ausdrücke werden häufig deswegen verwendet, weil sich ihre krude Simplizität nicht sofort erschliesst. Muttersprachler sehen das oft anders (bestes - jüngstes - Beispiel ist das Wort "Handy", welches es im englischsprachigen Raum gar nicht gibt).
"Lesefrüchte" finde ich gut.


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Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

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