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Lesesaal
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Pro & Contra:

Darf dieses Forum "Reading Room" heißen?

Showdown im Lesezimmer: Ist der Name "Reading Room" angemessen für ein Bücherforum aus Deutschland? Vor dem Hintergrund unseres Leitthemas "Hat Deutsch eine Zukunft?" spitzt sich die Frage zu. Wir laden zum friedlichen Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern.
Die Antwort-Maske finden Sie am Fuß der Seite.

Pro
Pro

Samstag, 03. Mai 2008, 04:59:08

Rainer Ohliger: Eine paneuropäische Lösung

Salon du Livre - Büchermesse (-markt) - Book Fair - Il forum del libro - piaţa cărtii - boekenmarkt meinetwegen auch auf Latein (Forum libri) oder von mir favorisiert als Entlehnung aus dem Alt-Griechischen ("Prolegomena zu einem künftig gelesenen Buch"), so dass die humanistisch gebildete Fraktion des Feuilletons auf ihre Kosten kommt.

Ich finde ohnehin, dass das Alt-Griechische von der F.A.Z. sträflich vernachlässigt wird. Es wäre eine wunderbare Sprache für die Netzseite der F.A.Z., allein schon um die sprachliche Qualität der Beiträge zu sichern... Diese ganze Debatte erinnert doch sehr an die Auseinandersetzung an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, als es um die Fremdwörterlei und die Überfremdung durch lateinische und griechische Neologismen ging.


Pro

Donnerstag, 01. Mai 2008, 10:32:51

Walter Ritzauer: Frage falsch gestellt

Infolge Fehlens einer entgegenlautenden gesetzlichen Regelung darf ein Lesesaal "reading room" genannt werden. Infolge fehlender Differenzierung des englischen Begriffs wäre einer von zahlreichen möglichen deutschen Ausdrücken besser. Da ich den Sinn der Rede vom "showdown" in der Leseecke nicht verstehe, kann ich mich dazu leider nicht äußern. Dass die F.A.Z.-Mitarbeiter sich kräftig und andauernd mit Denglisch zieren, sei ihnen zur Schande, daß die F.A.Z. mit dem Streitgespräch am Leseplatz etwas für die deutsche Sprache tut, sei ihr zur Ehre angerechnet.


Pro

Donnerstag, 01. Mai 2008, 00:06:46

Falk Hammer: Erstaunlich, dass wir diese Mixups ueberhaupt noch merken.

Ich meine im Zeitalter von Toastbrot, Mountainbike, Microwelle und Pullover merkt doch kaum noch einer, dass man "Reading Room" nicht schon im Kaiserreich gesagt hat. Oder doch? ...

Im grossen und ganzen kann man aber "cool" bleiben, denn selbst nach Jahren finden wir Ausdruecke wie "Rechner" fuer ein Medium, dass uns fast 20 Jahre nur als Computer bekannt war.
Und sollte man "partout" darueber stolpern, ein Wort deutsch zu formulieren, ohne dabei die Komik des grossen Heinz Erhardt wiederzubeleben, dann sollte man sich ein Beispiel an fast ausgestorbenen Sprachen nehmen und die Begriffe eindeutschen.
Die Iren zum Beispiel haben in ihrer Nationalsprache keinen Ausdruck fuer "Taxi". Also haben sie kurzerhand einen geschaffen: Tacsai.
Aber das haben wir in der deutschen Sprache auch schon gemacht. Oder meinen Sie Kaiser Willhelm haette gewusst, was ein "Frisör" oder ein "Filharmoniker" ist?
Mein Vorschlag fuer "Reading Room": Abteil fuer Lesekultur.


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 17:42:00

Felicitas von Lovenberg, F.A.Z.: Gesunde Lässigkeit

Das Internet hat die Sitten verändert. Nicht nur die Groß- und Kleinschreibung hat sich in den meisten E-Mails verabschiedet, sondern oftmals benutzt man dort keine Anrede mehr und setzt auch keine Unterschrift hinzu – und ausbleibende Antworten sind nicht nur keine Seltenheit, sondern längst auch kein Faux-pas mehr. Wer sich ins Internet begibt, der Name sagt es, bewegt sich dort in einem von englischen Begriffen dominierten Welt: Links, Klicks, Homepages – jede Bewegung von Tastatur und Mouse, hoppla, setzt eine gewisse Vertrautheit mit dieser Welt und damit auch ihrer Umgangssprache voraus, ganz so, wie wir am Flughafen ja auch nicht mehr von Abflugshalle, sondern von Terminal, nicht von Abflugssteigen, sondern von Gates sprechen.

Einzig der hässliche Anglizismus Handy, das wir Deutschen dauernd benutzen, gehört uns ganz allein – im englischen Sprachraum erntet man mit einem derart bezeichneten Gerät nur Ratlosigkeit.

Ich bin in vielerlei Hinsicht altmodisch. Die vorschnelle Aufgabe guter alter Sitten und damit auch sprachlicher Gebräuche entspricht mir so wenig wie die trotzige Kapitulation vor einer (Sprach)Macht, die ja nicht einmal zum Krieg geblasen hat. Aber ich mag auch keine Bevormundungen. Ich habe viele Jahre in Großbritannien gelebt und liebe die englische Sprache für ihre Flexibilität, ihre Eleganz und nicht zuletzt ihre Ironie. Wo das Deutsche mir gelegentlich allzu gravitätisch und selbstgewiss vorkommt, alles ausbuchstabierend und mit einem Hang zur Rechthaberei, bietet das Englische endlose Möglichkeiten zur Selbstironie, zum Vorpirschen und Zurückschnellen, zur Verspieltheit – und damit eine Offenheit, die gerade den Gepflogenheiten des Internet unmittelbar entspricht. Von einem Ort namens "Reading Room" fühle ich mich eingeladen, ohne eine Verpflichtung einzugehen, er ist ein Angebot, mich auf andere Standpunkte, Meinungen und Ideen einzulassen, und keine akademische Veranstaltung, wo jeder Neuankömmling erst einmal misstrauisch beäugt wird und man sich genötigt fühlt, sich für jedes Ausbleiben wie ein Schulschwänzer zu entschuldigen. In einem "Reading Room" hingegen kann man kommen und gehen, wie es einem beliebt; er verbreitet ein studentisches Flair ohne den akademisierenden Beigeschmack eines "Lesesaals" oder gar eines "Lesezimmers", wo schon eine biedermeierliche Kleinbürgerlichkeit und Muffigkeit mitschwingt. Mit "Lesesaal", was wohl die beste deutsche Entsprechung ist, assoziiere ich ein Publikum, das neben- und hintereinander sitzt und sich nicht die Gesichter zum Gespräch zuwendet, weil vorne ein Katheter steht, von dem aus unterrichtet, verlautbart, verkündet wird. Im "Reading Room" hingegen darf man nach Herzenslust schmökern, stöbern und sich umsehen. Diese gesunde Lässigkeit müssen wir Nicht-Engländer noch lernen, nicht nur sprachlich.


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 17:40:01

Uwe Ebbinghaus, F.A.Z.: Der Kulturteil heißt ja auch "Feuilleton"

Die Frage ist wirklich zugespitzt. Und das ist auch richtig so, denn sie führt mitten ins Thema hinein. Natürlich darf man ein Bücherforum aus Deutschland "Reading Room" nennen. Ist es auch angemessen, unproblematisch? Ich finde: ja. Dies aus drei Gründen:

1. Der Reading Room ist ein entschieden internationaler Versammlungsort mit weit verstreuter Leserschaft und Experten aus aller Welt. Ein englischer Name ist daher nicht abwegig, er strahlt Offenheit aus. Allerdings - und das ist ein zentraler Punkt für das Unternehmen - wird im "Reading Room" (Name für eine Form) besonders bewusst Deutsch gesprochen. Und diese stille Übereinkunft zwischen allen Beteiligten bleibt durch den englischsprachigen Titel unangetastet. Er steckt auch nicht an, das zeigt die Praxis.

2. Das Bücherforum der F.A.Z. ist in seiner Art - seiner Breite, seiner Multimedialität, der versammelten Expertise - neuartig. Daraus entsteht eine Schwierigkeit: Wie soll man eine Einrichtung, die sich den Möglichkeiten der neuen elektronischen Medien verdankt, mit hergebrachten deutschen Wörtern benennen? Erwecken "Lesesaal", "Lesezimmer" oder "Leseraum" die passenden Assoziationen? Und sollen wir ein Bücherforum - wie so viele andere - auch "Bücherforum" nennen? Es fällt, glaube ich, nicht schwer, diese Begriffe unbefriedigend zu finden. Da hat das für deutsche Ohren unbelastete "Reading Room" entscheidende Vorteile, zumal es für internationale Ohren an einen etablierten Terminus anknüpft.

3. Der "Reading Room" ist ein Angebot des Feuilletons der F.A.Z. Ironisch gesprochen: Warum sollten sich Mitarbeiter eines deutschen Kulturteils mit französischem Namen darüber Gedanken machen, ob sie ein Unterangebot - englisch - "Reading Room" nennen dürfen? Liegen die Gründe für die jeweilige Benamung nicht sogar sehr dicht beieinander? Aber warum provoziert der eine Name im Gegensatz zum anderen? Geht es dabei nicht auch um Sprach-Mode, konkret um Anti-Anglizismus? Würde nicht schon das fremdsprachige "Salon" gemäßigtere Reaktionen bei Sprachpuristen hervorrufen?


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 16:27:17

matthias nüßgen: Woher kommt diese Angst?

Ich muss gestehen, dass ich dem Thema gegenüber ein gewisses Unverständnis empfinde. Ich kann mir nicht vorstellen wie die systematische Streichung englischer Begriffe (es scheint ja tatsächlich vor allem um englische Begriffe zu gehen) einer Sprache wie dem Deutschen nutzen sollte. Woher kommt diese Angst vor den sogenannten "Imponieranglizismen", und vor allem wem soll man mit ihnen imponieren?

Alle sprechen doch Englisch - sollten es zumindest. Gibt es nicht einen Bedeutungsunterschied zwischen den Beiden Begriffen Lesezimmer und Reading-Room? Ich zumindest mache einen solchen aus. Für mich strahlt "reading room" Internationalität aus, eine Offenheit, die in der Welt an den Deutschen weithin bewundert wird, eine Einladung an alle, die die Internetseite einer internationalen Zeitung besuchen. Das ist doch eine Aussage, für die sich der Anglizismus geradezu aufdrängt und die ohne ihn ungleich komplizierter klänge. Warum also diese Angst?


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 15:43:08

Friedrich Eversberg: Bezeichnung sekundär

Es kommt wirklich nicht drauf an. Man darf sogar Reading Room ohne Bindestrich schreiben - manche Wörterbücher lassen das durchgehen, sogar Hornby. Es kommt auf die Substanz der Beiträge an und darauf, ob man geneigt ist, damit Zeit zu verbringen, so man welche hat. Viele Angelsachsen kommen hier wohl nicht vorbei, daher ist es auch egal, ob die das "hard to understand" finden.

Was ich nicht verstehe und nicht akzeptiere, das ist, dass man den Teilnehmern ungefragt ein ss für ein ß unterschiebt. Vermutlich sollen die hier mitlesenden Erstkläßler nicht verwirrt werden, aber unter solchen Vorzeichen bin ich nicht geneigt, hier noch mehr Zeit zu verbringen.


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 14:55:05

Gabriele Nolte: Hard-Ink Café ?

Mir scheint, bei all dieser gefühlten Überfremdung der geliebten und bedrängten Muttersprache vergisst der eine oder andere, dass es letztlich bei Sprache um's Verstandenwerden geht. Wer nicht weiß oder herausfinden kann, was "Reading Room" bedeutet, der hat wohl kaum Interesse an diesem Angebot.

Man stelle sich vor, wie verhuscht die Sprachen der Welt wären, wenn sie sich nach Art eines "Reinheitsgebotes" auf sich beschränkten und nicht in dieser lustvollen Art durcheinandermengten!
Wer die Anglizismen unserer Tage hasst, sollte sich an das englische Mittelalter erinnern, wo die Sprache vom höfischen Französisch derart geknechtet wurde, dass man die Spuren heute noch sieht: das Schwein heißt nur echt englisch Schwein "pig", solange es Arbeit macht, wenn es auf den Tisch kommt, heißt es französisch "pork".
Und Kopf hoch: solange die Kids nicht sagen, "Can I download this?" sondern "Kann ich das daunloden?" habe ich keine Zweifel am Überleben der deutschen Sprache!


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 13:38:53

Klaus Reichert: Sentimentale Erinnerung

"Schlimm" an Anglizismen ist im Grunde nichts, sie sind nur meistens unnötig. Wenn Die Bahn (wann wird sie sich eigentlich endlich Railway nennen oder GR = German Railway?) meint, auf ihre innovative Modernität hinweisen zu sollen, indem sie track sagt statt Gleis oder Bahnsteig (früher Perron), oder Ticket statt Fahrkarte/Fahrschein (früher Billett), so ist ihr das unbenommen.

Ihr Service oder Comfort wird dadurch nicht besser, auch wenn sich keine Schafherde im Tunnel (Achtung: Anglizismus) aufhält. Anglizismen sind, wie bei der Bahn, häufig ein Täuschungsmanöver - die gemeinte Sache bleibt, was sie ist oder war. Warum sollte man da nicht - unschick? unchic? - bei 'deutschen' Ausdrücken bleiben? Ich gehe auch lieber zum Friseur/Frisör (um 1800: Haarkräusler) als zum Hair Stylist(en), weil der Friseur billiger ist.

Dann gibt es die Anglizismen, die kein englischer Muttersprachler verstehen würde: Handy, Body, Knowhow ... oder auch solche Ausdrücke, für die es keine deutsche Entsprechung gibt: ein Event ist kein Ereignis. Wenn eine Theateraufführung ein Ereignis ist, ist sie das Gegenteil eines Event(s).

Durch Anglizismen ist aber das Deutsche nicht "in Gefahr". Die deutsche Sprache ist robust und widerstandsfähig; was sie an Fremdem gebrauchen kann, wird sie integrieren, anderes wieder abstoßen (wie den Haarkräusler); das kann sich erst in 20, 30 Jahren zeigen. Berührungsängste habe ich in dieser Hinsicht (anders als bei der Wissenschaftssprache) keine.

Das Wort Reading Room ist mir aus sentimentalen Gründen lieb und teuer. Ich habe mein halbes Studentenleben im Reading Room des British Museum zugebracht. (Damals hieß das noch nicht British Library.) Man saß unter einer riesigen Rotunde, der Katalog, in schweren Folianten, war mit der Hand geschrieben, Herren in grauen Kitteln brachten einem die Bücher an den Platz, vor dem man auf Ledersesseln saß, Papier, Tinte und Feder wurden gestellt. Geforscht wurde auch nicht schlechter als heute, vielleicht nur angenehmer.

Deutsche Lesesäle (allein schon das Wort Saal für das, worin man tun sollte, was man tun wollte) kamen mir immer wie vergrößerte Seminarräume vor, obwohl die Sichtbarkeit der nicht Sprechenden, sondern Lesensollenden, auch wieder etwas Indezentes hatte. Es war eine ermüdende Pein, in solchen Großraumbüros zu sitzen, zumal die Bücher, die man brauchte, entweder nicht vorhanden, ausgeliehen, verstellt oder beim Binden waren.

Also Reading Room statt Lesesaal, -zimmer oder -raum, denn da soll ja bequem - auf ausgedrucktem Papier, auf dem man sich etwas anstreichen kann - gelesen werden und nicht gechattet (geplappert?). Notabene: eigentlich ist es auch kein Reading Room, sondern - noch altmodischer - ein Scriptorium, in dem lauter mehr oder weniger fleißige Skribenten sitzen, an Tischen, wo sie einander nicht sehen, also doch wieder wie im Reading Room des British Museum.


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 13:30:00

Peter Anders: "Imponier-Anglizismen" YES

Wer sich heute nicht damit schmückt, kommt nicht mehr an, verkauft nicht mehr. Also, bitte mehr davon. Außerdem stellt man sich damit auch dem Unbewussten des Gegenübers als gewandt und weltoffen dar. Man sollte am besten auch immer wieder neue Wortschöpfungen wagen, so wie irgenwann mal das "Handy" - ist doch egal, dass dieses Werkzeug in einem anderen englisch-sprachigen Land so viel wie Dildo bedeutet.

Die nächste Stufe, noch chiquer und "teurer" wäre natürlich das Französische. Übrigens: Worte, die im deutschen Sprachgebrauch üblich sind und auch keine direkte Übersetzung haben, zählen natürlich nicht mit - damit kann man nicht imponieren.
Have a nice day!


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 12:30:46

Gerhard Schulz: Die Amerikaner waren zuerst da

Zugestanden: "Lesezimmer" klänge komisch. "Lesekabinett" wäre schon besser, denn da wird immerhin ein fremdes Wort mit einem deutschen vermählt, das schon seit drei oder vierhundert Jahren bei den Deutschen zu Hause ist. Beim "Lese[r]forum" wäre sogar ein noch viel älteres Wort mit von der Partie.

Aber "Reading Room" – nun ja, das verweist eben auf jene Computertechnik, die die Amerikaner zuerst voll entwickelt haben und durch die allein man jetzt um die ganze Welt herum auf deutsch über die interessante Frage diskutieren kann, in welchem Geiste denn Weltsprachen wachsen und ob das Deutsche noch eine sei. Also durchaus Reading Room. Why not?


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 12:11:01

lu fauk: Man darf, aber es klingt behämmert.

Ein Vorteil gegenüber einem Leseraum oder von mir aus einem Forum ist nicht erkennbar. Bisweilen drängt sich die Verwendung englischer Begriffe auf, wenn sie in einem bestimmten Zusammenhang bereits etabliert sind und daher auf ein Vorverständnis zurückgegriffen werden kann, das bei einer Übersetzung oder Übertragung fehlen würde. So liegt es hier nicht. Das zeigt bereits das Feld "Was ist der Reading Room?"


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 12:02:30

Jürgen Schiewe: Sprache als Markierung

Ob man das darf oder nicht erscheint mir zweitrangig vor dem Hintergrund der Tatsache, dass man es – offenbar mit Erfolg – getan hat. Immerhin äußern sich in diesem "Reading Room" auch ExpertInnen und LeserInnen, die die Frage aufgrund ihrer Haltung gegenüber Anglizismen kategorisch verneinen werden.

Mit ihrer Beteiligung drücken sie doch – andere Motive will ich nicht unterstellen – ein gewisses Maß an Akzeptanz aus. Andernfalls wäre als Reaktion der Anglizismengegner ja der oftmals geforderte Boykott dieses dann im Verdacht der Amerikanisierung stehenden Forums zu erwarten.

Also: Ja, man darf, wenn man auffallen, mediale Wirkung erreichen möchte, wenn man Neues, Ungewohntes signalisieren und ankündigen will. Ein Verstehen dessen, was mit dem Begriff gemeint ist (wenn man es nicht schon weiß oder es sich nicht übersetzt hat), geschieht im Verlaufe des Gebrauchs, der Wahrnehmung, Rezeption, aktiven Beteiligung. Sprache dient ja nicht nur der Vermittlung von Informationen, sondern auch – zumeist über die Konnotationen, dem Mitbedeuteten und Mitgedachten – der Markierung: um des Auffallens, des Prestiges, der bewertenden Perspektivierung willen. Um diese kommunikative Funktion zu erreichen, sind viele (wenn auch nicht alle, z.B. keine diskriminierenden) Mittel erlaubt. Anglizismen sind dabei noch die harmlosesten.
Aber auch wenn man ein "deutsches" (besser wohl: deutschsprachiges) Buchforum "Reading Room" nennen darf, bleibt es natürlich erlaubt, ja ist es sogar erwünscht, die Frage zu stellen, ob man es darf. Das fördert Sprachbewusstsein. Und man darf und soll selbstverständlich auch über andere, dann natürlich bessere Bezeichnungen nachdenken. Wenn also Kritik an Anglizismen, wenn Sprachkritik überhaupt, dann nicht nur negative, sondern auch positive, alternative. Ich bin gespannt auf die Vorschläge, die dann hoffentlich alle Konnotationen von "Reading Room" mit abdecken.


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 10:07:56

Fionn Huber: Keine Angst vor der Globalisierung

Selbstverständlich muss die deutsche Sprache offen sein für die Aufnahme von Wörtern aus anderen Sprachen. Weltoffen ist die deutsche Wirtschaft schon geworden und die Deutschen sollten keine Angst haben wenn ihre Sprache auch mehr "globalisiert" wird.

English has assimilated words from many other languages; it would often be clumsy to communicate meaning by using only english in order to avoid using a foreign word.
Barbecue, plaza (Sp.), waffles, cookies (NL), moccasin, (Am. Indian), beer, frankfurter (D), tsunami, bonsai (Jap.) are good examples.

British people continue to use the original English word even when a "new" American English alternative exists. Examples are: English: bath, biscuit, chips, rubbish. The Am. Eng. equivalents for those words are:
tub, cookie, french fries, garbage


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 07:37:16

Stefan Luft: Der Beigeschmack

Selbstverständlich "darf" man ein solches Forum "Reading Room" nennen - auch das ist von der Meinungsfreiheit gedeckt. Die Frage ist, ob es nicht schönere Wörter in der deutschen Sprache gibt, die den Vorteil haben, auf Anhieb verstanden zu werden (Leser Forum, Buch Forum, etc.). Sie hätten allerdings den Nachteil, nicht diesen elitären Beigeschmack zu haben.


Pro

Mittwoch, 30. April 2008, 07:31:02

Karl-Heinz Göttert: Der Weg führt nach England

Auch mir gehen Anglizismen gelegentlich auf die Nerven. Aber ich kann dem englischen Reading Room statt des (halb)lateinischen Leserforums etwas abgewinnen. Mich erinnert er an den Ursprung dieser Art von öffentlichem Gedankenaustausch, der tatsächlich nach England führt, nach London.

Dort waren es die Kaffeehäuser, in denen sich das liberale Bürgertum des frühen 18. Jahrhunderts versammelte und nicht nur Gespräche führte, sondern auch mit dem damals neuesten Pressemedium Kontakt hielt. Gemeint sind die zwei- oder dreimal wöchentlich erscheinenden moral weeklies, die bei uns Moralische Wochenschriften hießen – die bekannteste der Spectator von Addison und Steele.
Darin aber waren Leserzuschriften ausdrücklich erwünscht. An der Westseite von Button’s Kaffeehaus mitten in London gab es dafür einen Briefkasten in Form eines Löwen, durch dessen Rachen man seine Beiträge einwerfen konnte. Danach wurden diese dann im Guardian, dem Nachfolger des Spectator, unter der Rubrik Roaring of the Lion veröffentlicht. Das ist natürlich wirklich poetisch, allerdings leider für eine heutige Tageszeitung nicht mehr kopierbar (man stelle sich die Rubrik Löwengebrüll in der FAZ vor). So bleiben nur trockene Bezeichnungen wie das Leserforum – oder eben der Reading Room: nicht wirklich ideal, aber immerhin mit ein wenig Verspieltheit auf einem Gebiet, auf dem Verspieltheit (große) Tradition hat.

Contra
Contra

Mittwoch, 07. Mai 2008, 06:54:04

Lutz Maltitz: "self-fulfilling prophecy"?

Der Widerspruch zwischen Überschrift und Thematik fiel mir ins Auge, noch bevor ich auf das Forum gestoßen bin. Insofern war meine zunächst und spontan angedachte Rückkopplung (nicht Feedback) auch deutlich ketzerischer als dieser Beitrag.

Ich bin wie viele meiner Vorredner ebenfalls der Auffassung, dass eine der führenden deutschsprachigen Tageszeitungen gut daran täte, Bereiche, in denen es ein deutscher Begriff "genau so gut tut" wie ein Anglizismus, auch in deutsch zu überschreiben. Natürlich macht das erst recht Sinn, wenn hier in der Breite über die deutsche Sprache als Auslaufmodell lamentiert wird, da böte sich die Möglichkeit, Bewahrer wenn nicht sogar schon wieder Vorreiter für die Sache zu sein.

Denn machen wir uns nichts vor: Ist nicht ein "Reading Room", gerade in diesem Kontext, der klassische Fall der self-fulfilling prophecy, Verzeihung, selbsterfüllenden Prophezeiung?


Contra

Sonntag, 04. Mai 2008, 20:23:22

Beate Vögele: Warum wieder Anglizismen?

Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Wenn es, wie hier, einen deutschen Begriff gibt, z.B. Leseraum, sollten wir dabei bleiben. Unere Sprache ist nun mal deutsch, und wir sollten sie auf keinen Fall opfern. Welches andere Volk würde seine eigene Sprache zu Gunsten der englischen Sprache unterdrücken. Ich kenne keins.


Contra

Samstag, 03. Mai 2008, 22:03:18

jutta rustner: Echolog

Diesen Beitrag bitte lesen!
Schreiben oder Lesen oder Hören sind Verständniswege. Für die alle braucht es Widerhall, für das Beginnen einer mail geradeso wie für das Zuhören jemandens, der etwas vorliest, ich lese doch nichts vor, wenn mir niemand zuhört.
Vorschlag für eine deutsche Übersetzung: HallRaum



Contra

Samstag, 03. Mai 2008, 17:54:21

Willi Rothley: Reading Room

Der englische Begriff Reading Room ist im Englischen so unsinnig wie der Begriff Leseraum im Deutschen. In diesem Raum soll schließlich nicht nur gelesen, sondern auch diskutiert werden können. Der richtige Begriff sollte also beides umfassen.

Dabei würde ich auf Schickschnack und alles Gaggige verzichten, also auf die Sprache der Werbung. (Ich bin gespannt darauf, was Frau Limbach über die Rolle der Werbung beim baldigen Tod der deutschen Sprache zu sagen hat.)
Schnickschnack und Gaggiges würde das, was gemeint ist, entweder denunzieren oder decouvrieren. Sie sprechen doch selbst von einem Bücherforum. Warum also nicht einfach Forum Buch? Das ist gewiß nicht spektakulär. Aber solide. Kein Budenzauber, kein hohles Getue.
Mit freundlichem Gruß,
Willi Rothley


Contra

Samstag, 03. Mai 2008, 14:43:06

Wolf Doleys: Leserforum

Einfache Bezeichnungen sind tatsächlich einfach: Leserforum!


Contra

Samstag, 03. Mai 2008, 13:14:42

Hans-Joachim Grobe: Literatur-Forum oder Bücher-Ecke

Wenn ich mir überlege, dass mit Herausgeber Frank Schirrmacher im vergangenen Jahr den "Kulturpreis Deutsche Sprache" erhielt, dann will das nicht so recht in die Landschaft passen. Man sollte schon die Ausdruckskraft der deutschen Sprache nutzen. Zwei Vorschläge: Literatur-Forum oder Bücher-Ecke.




Contra

Freitag, 02. Mai 2008, 18:43:24

Helmar Haertel: Es kann sein

Mein Vorschlag statt "Reading room" ist "Treff im Netz" oder "Lesetreff".
Begründung: Die Artikulation in einem deutschen Kontext ist leichter.
Den Inhalt des Begriffs glaube ich einigermaßen getroffen zu haben.
Außerdem lassen sich beide Vorschläge leicht merken.


Contra

Freitag, 02. Mai 2008, 16:27:04

Peter Ambros: englisch = weltoffen?

Ich lese eine Meinung eines F.A.Z.-Mitarbeiters, der meint, eine englische Bezeichnung wirke weltoffen. Na gut, nicht auf eine imaginäre Wirkung kommt es an, sondern auf die nackten Tatsachen. Für einen Mitarbeiter eines deutschen Feuilletons merkwürdig, wenn er (sehr) einfach Englisch mit weltoffen gleichsetzt und damit auch noch zum Ausdruck bringt, dass man nur mit Englischnutzung weltoffen sein kann.

Könnte man das eventuell auch mit oder in einer anderen Sprache sein? Mir zeigt die Äußerung einzigartig, wie einflußreich amerikanische Kultur auf manche ist. Vor allem auf F.A.Z.-Mitarbeiter. Weshalb ja auch das Lese- oder Leserforum Reading Room heißt.
Übrigens: Die Liste der Anti-Englischer ist viel länger als die der Befürworter. Mich wundert´s nicht, aber vielleicht die F.A.Z.?


Contra

Freitag, 02. Mai 2008, 14:15:47

Matthew Preston: Leser-Forum

Bei dieser Zeitung sollte es uns nicht ueberraschen, dass sie unbedingt einen Anglizismus fuer ihr Online-Leser-Forum benutzen will. Schon bei der Registrierung habe ich die Woerter "Watchlist", "Quicklogin", "Go" statt "Los" gesehen, und unten sehen Sie ihre "Privacy Policy".

Als Englisch Muttersprachler und Deutschlerner finde ich es traurig, dass die besten Journalisten nicht mehr in der Lage sind, in ihrer eigene Sprache zu denken, und kreativ zu sein. Deutsch als Sprache ist noch lange nicht vom Aussterben bedroht, aber die ueberfluessige Aufnahme von Scheinanglizismen und Denglish fuehrt schnell zu einer Art Germisch Kreole, die keiner versteht. Englisch ist zwar eine schoene Sprache, aber nicht die einzige, die modern klingen kann.


Contra

Freitag, 02. Mai 2008, 13:17:03

Philipp Grella: Wie verkrampft / how clenched

Die Diskussion erinnert an die krampfhafte Attitüde der Ex-DDR alles sozialstisch korrekt zu benennen. Wir sind in Deutschland und es werden deutschsprachige Bücher mit dem Feulliton einer deutschsprachigen Zeitung und nicht etwa dem New Yorker diskutiert, wiederum auf Deutsch.

Wenn Sie den Reading-Room in Ihrer Fragestellung schon Bücherforum nennen, warum titulieren Sie es denn nicht einfach so? Also, auf Neudeutsch - immer easy und gechillt bleiben! Beides geht - aber Deutsch ist angebrachter. Und der Inhalt ist wichtiger als die Aufmachung.


Contra

Freitag, 02. Mai 2008, 13:10:50

Friedrich Wernicke: Was ist falsch an LESEZIMMER ?


Contra

Freitag, 02. Mai 2008, 11:37:28

Karin Herrenkind: Reading Room o.a.

Mir hätte der Begriff "Literarischer Salon" besser gefallen.... ist zwar auch kein deutscher Begriff, hat aber eine wunderbare Tradition....


Contra

Donnerstag, 01. Mai 2008, 22:44:39

Lutz Pflughaupt: Rückschritt

Die deutsche Sprache ist doch so wunderschön, ich verstehe einfach nicht, warum sie ausgedient haben soll. Liegt es vielleicht daran, dass die Mühe, sie zu erlernen, nicht einmal von uns deutschen mehr aufgebracht wird. Schon jetzt merke ich im täglichen Leben, dass durch den immer weiter fortschreitenden Gebrauch von englisch-deutschen Konstrukten der Inhalt zwar gebildet und modern klingt, aber oft nicht verstanden wird. Absicht oder Unvermögen - ich empfinde diesen Zustand als einen Rückschritt unserer Kultur.


Contra

Donnerstag, 01. Mai 2008, 20:41:03

David Garen: Die deutsche Sprache schützen

Als Amerikaner, mit Englisch als Muttersprache und Deutsch als zweite Sprache, finde ich es beunruhigend und enttäuschend, dass englische Worte immer häufiger in deutschsprachigen Ländern erscheinen. Mir ist dies ein schlechtes Zeichen der Amerikanisierung von Europa. Warum wird ein englisches Wort benutzt, wenn ein gutes deutsches Wort vorhanden ist? Z. B., "Reading Room" statt "Lesezimmer" ist mir Unsinn.
Ich habe Deutsch studiert, weil ich Deutsch liebe. Ich will Deutsch sprechen und lesen, nicht "Denglisch". Bitte ihre schöne Sprache schützen!


Contra

Donnerstag, 01. Mai 2008, 10:08:06

Elisabeth Bellaire: deutsch ist besser

warum englisch, wenns ein passendes, klares deutsches Wort gibt?


Contra

Donnerstag, 01. Mai 2008, 08:10:19

Peter-Georg Römer: 'Picture Times'

Please rename the saturday supplement in 'Picture Times'.


Contra

Donnerstag, 01. Mai 2008, 07:57:41

Bodo Kleineidam: rieding ruhm

Damit bekleckern Sie sich nicht mit Ruhm! Das zeugt nicht von weltmännischem selbstbewußten Auftreten. Plädiere für schnellsten Ersatz.


Contra

Donnerstag, 01. Mai 2008, 07:51:38

Katharina Bobzin: Angeberei und Bequemlichkeit

Ich finde es einfach albern, dieses "Pseudo-Englisch", das uns vor allem in der Werbung begegnet: eine Angeberei - nach dem Motto "Seht her, ich bin modern, ich kann Englisch, und ich zeige das auch!" Bequemer ist es auch, man spart sich die Suche nach einem passenden deutschen Ausdruck. Schade, daß die FAZ hier mitmacht. Mein Vorschlag: Statt "Reading Room": "Bücher-Forum" oder "Lese-Ecke".


Contra

Donnerstag, 01. Mai 2008, 01:22:22

Hans Johan: Deutschsprechende Medien im Denglischwahn

Es ist absurd, dass sich in einer traditionsreichen deutschen Zeitung ein "Raum für Leser" "Reading Room" nennt. Leider ist es nur ein weiteres Zeichen für den "Denglischwahn", der in deutschen Landen grassiert. Diese Wut, die eigene Sprache systematisch zu zerstören und mit unnötigen und mit meistens falsch verwendeten englischen Begriffen zu verhuntzen, ist eine pathologische Erscheinung die es in dieser Form nur im deutschen Sprachraum gibt.

Auch in anderen Ländern und anderen Sprachen gibt es englische Lehnwörter die jedoch meistens (z. B. im Schwedischen wie im Spanischen) in die eigene Sprache übersetzt werden. Im deutschen Sprachraum wird die Entwicklung jedoch von Werbetextern getrieben, die anstelle von geschliffenen, zündenden deutschen Texten ihren Kunden weniger aufwendige englisch klingende (falsch verwendete!) Phrasen verkaufen. Dann geht es über unnötige Begriffe wie "Handy", "Communities", "Deal", "Ranking", "Newsletter" bis zum "Reading Room" einer traditionsreichen Zeitung!


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 23:22:52

Volker Wilmes: Generalverdacht

Die Frage ist ja eigentlich: Warum benennt der Internet-Auftritt einer deutschen Zeitung, der sich an deutsche Leser wendet, eine seiner Sektionen mit einem etwas bemühten englischen Ausdruck? Welches Bild von ihren Lesern hat diese Zeitung?

Meint sie, es handele sich bei ihnen um Kurzdenker, die Moden hinterherhecheln? Oder denkt sie, Weltläufigkeit könne bei ihnen durch Verzicht auf die Beherrschung der eigenen Sprache demonstriert werden?
Nichts gegen Englisch: Diese Sprache sollte man können heutzutage, und man sollte sie gut, also im kulturellen Kontext können, wenn man von ihr wirklich profitieren können will. Aber Denglisch, also die Beimischung englischer Ausdrücke in einem deutschsprachigen Kontext, sollte eigentlich unter Generalverdacht stehen, denn den wenigen gelungenen Bereicherungen unserer Sprache steht eine Unzahl von Versuchen gegenüber, mit Hilfe des modern klingenden Idioms eine Fliege zum Elefanten aufzublasen.
Ich sehe hier keine Widerlegung dieses Verdachts.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 23:17:57

Sabine Günther: Fehlentscheidung korrigieren!

Als Sie den "Reading Room" Ende letzten Jahres einführten, traute ich meinen Augen nicht und fand den Begriff peinlich, unpassend, nicht vereinbar mit der ansonsten oft exquisiten Sprache der F.A.Z., die ich gern und mit Genuss lese. Sie setzen mit dieser befremdlichen Entscheidung ein weiteres deutsches Wort auf die "Rote Liste".

Als Sie gegenüber der Rechtschreibdeform eingeknickt sind, habe ich diese Entscheidung nicht gebilligt, aber tapfer weiter F.A.Z. gelesen. Hier könnten Sie mit Recht eine Fehlentscheidung korrigieren. Das wäre dann wieder einmal eine schöne Chance für einen glänzenden Leitartikel zur Erklärung der Namensänderung.
Sabine Günther, Bonn


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 22:58:09

Kurt Brüss: Ein kluger Kopf

Mir scheint die Namensgebung mehr ein Beweis von Sprachnaivität und Gedankenlosigkeit zu sein. Hinzu kommt, dass diejenigen, die die englischen Sprache nicht beherrschen, ausgeschlossen werden. "Hat Deutsch eine Zukunft?" und "Reading Room": Da fällt einem nur ein:

Βάλανε το λύκο να φυλάει τα πρόβατα.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 22:39:12

Anton Zwielicht: Auch Room wurde nicht an einem Tag erbaut

Come in and find out, hier spricht man auf deutsch über Books.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 21:45:01

Paul Kirchhof: Forum passt besser

Man darf, aber man sollte nicht. Jeder soll so sprechen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Bei der Nutzung von Computer und Internet wächst dieser Schnabel aus der täglichen Begegnung über die Sprachgrenzen hinweg, entwickelt sich also zu einem englischsprachigen Instrument der Begegnung und des Austausches. "Reading Room" ist Ausdruck von Technik, Distanz, Flüchtigkeit, Eile, Vorläufigkeit.

Wer sich hingegen an den deutschsprachigen Partner wendet und dort zu Grundsatzbetrachtungen - über die Sprache und das Buch von Jutta Limbach - einlädt, schafft mit dem Wort "Forum" eine Sprechsituation, in der ein Redner ein großes Publikum vor Augen hat, dieses begeistern, warnen, aufrühren, für seine Gedanken einnehmen will. Auf dem Forum erwartet der Redner spontane Äußerungen seines Publikums, Raunen und Klatschten, Jubel und Buhrufe. Der Redner steht seinem Publikum unmittelbar gegenüber. Es kann sich jederzeit dem Rednerpult nähern, um ihn zu bedrängen oder ihm auf die Schulter zu klopfen. Forum ist der Ort aktiver Begegnung, Reading Room der Ort passiven Lesens.

Und das "Buch" ist gegenständlicher Geist. Es verbreitet Worte und Ideen, Einsichten und Weisheiten, erhält und überliefert Erfahrungen, Gedanken und Wissen, entfaltet in der Buchkunst Kultur, in der Buchrolle Rechtsgeschichte, im Buchstaben den Zusammenklang von Wörtern, Rechtschreibung und Drucktechnik.
Wir stehen also vor der Frage, ob wir uns gegenseitig etwas zum Lesen geben oder das Gespräch miteinander führen wollen. Ich bin unterwegs zum Forum.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 21:44:29

Helmut Glück: "Neigungsgruppe Buchbesprechung"

Ja, ja, "reading room": Anspielung! Aber wie stellt man fest, wer sie versteht? Gesetzt, nicht viele: dann wären "reader’s corner" (Hyde Park, auch in London!) oder "reading lounge" (Lufthansa, in Frankfurt und täglich mehrmals in London!) besser gewesen, wenn’s schon Englisch sein musste.

Die Lounges auf dem Airport in Frankfurt, the City of the Euro, kennen die meisten Leute aus eigener Anschauung, den Park in London wenigstens aus dem Fernsehen. Wenn’s nicht unbedingt Englisch hätte sein müssen, wäre vielleicht an "salon de lecture" oder "Rezensentenstadel" oder "F.A.Z. Lesekabinett" oder "Neigungsgruppe Buchbesprechung" zu denken gewesen. Was soll "reading room" denen sagen, bei denen der Anspielungsgroschen nicht fällt? Daß die F.A.Z. Englisch kann? Das glaube man ihr auch so. Etwas albern ist der Name schon. Aufregen braucht man sich nicht über ihn, witzeln reicht. Immerhin taugt er zu Aprilscherzen von einiger Lebensdauer.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 20:40:02

Steffen Bischoff: Sprachkenntnisse manglhaft

Das erste Wort im Artikel zu pro & contra ist showdown. Was soll das? Ich gewinne allmählich den Eindruck, daß Journalisten, Radiosprecher und viele andere an die Grenzen ihrer deutschen Sprachkenntnisse stoßen. Im Radio schafft es nicht ein Sprecher mehr, das Wort Festival auf Deutsch auszusprechen. Und dann all die gegelten Jungdynamiker, denen man den Widerwillen im Umgang mit der deutschen Sprache schon anmerkt, die sich gleich einen amerikanischen Akzent zulegen. Wenn ich Artikel über moderne Unterhaltungsmusik, über Sport, Autos oder Rechner (mit diesen Dingen befasse ich mich seltener) höre oder lese, verstehe ich einfach vieles nicht mehr. Auch deutsche Gebrauchsanweisungen erschließen sich mir oft nur mit Wörterbuch.

Die F.A.Z. hat eine wichtige Diskussion angestoßen. Interessanterweise kam von den Befürwortern niemand auf die Idee, die falsche englische Bezeichung reading room in der Fremdsprache zu verbessern. Im Deutschen gibt es dagegen viele Vorschläge.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 19:09:27

Sascha-Andre´ Liehr: Mehr sprachliche Kreativität notwendig

Die Bezeichnung "Reading Room" lässt auf mangelndes nationalsprachliches Selbstbewußtsein schließen. Im Umkehrschluss kann man feststellen, dass die Redaktion der englischen Neuschöpfung ein höheres Aufmerksamkeitspotential zuschreibt, um Leser anzuziehen. Diese Einstellung ist von gestern.

Kurioserweise sind es gerade angelsächsische Medien, die immer mehr davon angetan sind, deutsche Begriffe in ihre Texte einzuschließen. Die globaldenkende Intelligentsia ist germanophil. Hierzu beigetragen hat die "Kunst der Leipziger Schule", jahrelanger Berlin-Hype, Renaissance der Weimarer Republik-Ästethik und Deutschlands rapide ansteigendes Ansehen generell. Die internationale VW-Werbekampage "Das Auto" zeigt, dass die deutsche Sprache wieder selbstbewusst genutzt werden kann.

Wer einen gleichermaßen klanglich wie inhaltlich schlagkräftigen deutschen Ausdruck sucht muss auf Langweiler wie "Lesezimmer" verzichten. "Brennpunkt Literatur" wäre eine unter zahllosen Möglichkeiten.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 18:59:48

Barbara Reihle: Begeistert von Glücks Vorschlag

Nachdem ich nun schon seit Jahren über Begriffe wie "Hits für Kids", "Wellness für Beginner" und andere pseudocoole Schlagzeilen auf Frauenzeitschriften witzle, muss ich nun auch bei F.A.Z. Anglizismen lesen. Muss das sein? Ich finde den "Leseraum" gar nicht trocken, enthält er doch die gleiche Anspielung wie "reading room", ob man diese nun versteht oder nicht.

Begeistert war ich vom Vorschlag meines Vorschreibers Glück "Neigungsgruppe Buchbesprechung"! Ich halte es zwar für übertrieben, alle englischen Begriffe mit Gewalt ins Deutsche übersetzen zu wollen, viele haben sich auch schon eingebürgert. Das Gegenteil, also alles mit Gewalt ins Englische zu übersetzen, finde ich schlicht unnötig.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 18:35:22

Heinz-Dieter Dey: Englishtümelei zurückdrängen

Die meisten englischen Ausdrücke brauchen wir nicht. Der »FAZ-Reading Room« gehört dazu. Die Englischtümelei unserer meinungsführenden Landsleute ist ärgerlich und behindert die Verständigung. Gerade sprachberuflich Tätige sollten unsere Sprache mit »Bordmitteln« weiterentwickeln, um Deutsch als eigenständige Sprache zu erhalten.

Fremdwörter müssen die Ausnahme bleiben. Stichhaltige Begründungen für die Anglizismenverehrung gibt es nicht. »International« darf nicht bedeuten, dass wir unsere Sprache nach und nach aufgeben. Der eigenen Muttersprache sollte man auch nicht die Note »altbacken« erteilen, weil sie genauso ausdrucksstark ist, wie andere Kultursprachen. Alles, was Herz und Verstand begehrt, findet man im Internet auf Deutsch. Microsoft’s Handbücher liegen auf Deutsch vor.

Wir müssen uns hierzulande ohne Englischkenntnisse auf Deutsch verständigen können. Nur dann wird die von der Unesco, der EU und dem Europarat geforderte sprachliche Vielfalt eine Zukunft haben.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 18:07:18

Christian Lehmann: Zweifel bleiben

Ich erinnere mich noch meines ersten Gedankens, der mich in der Nacht, in welcher der "Reading Room" eröffnet wurde, bewegte: "Reading Room? Muss es denn nun auch hier unbedingt ein englischer Ausdruck sein?" Der zweite Gedanke war dann: "Hoppla, mein Blog hat ja auch einen englischen Namen."

Mein Vorbehalt ist damit kleiner und ich kleinlauter geworden. Zudem zeigen die Vorschläge in den "Contra"-Antworten, dass es nicht leicht ist, DEN passenden deutschen Namen zu finden. Mir gefällt "Leseforum", aber auch der Vorschlag, den ein Leser unlängst bei den Worten, die in die Welt geschickt werden sollen, gemacht hat: "Lesesaal" - warum nicht? Ich weiß nicht, warum Frau Lovenberg den für spießig hält, eine unbeantworte e-mail aber für normal befindet.
Möge der in der F.A.Z. so gerne anderen anempfohlene "Ruck" auch einmal durch die Redaktion gehen und diesem Ort zu einem deutschen Namen verhelfen. Dann nähme man so mancher Diskussion ("Verkümmert Deutsch...") die Ironie.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 17:04:26

Helge Weiler: Schlichtweg albern

erscheint mir der gewählte Name, immerhin geht es in diesem Forum - unter dieser Bezeichnung findet man derartige Runden sonst üblicherweise im deutschsprachigen Web - um deutsche Bücher und die deutsche Sprache. Warum muss sich ausgerechnet die FAZ in ausgerechnet diesem Themenfeld mit Anglizismen profilieren?


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 16:53:47

Kurt D. Wachsmuth, M.S.P.: Armutszeugnis

Nun fällt auch die ehrwürdige FAZ auf das Wehen eines unseligen Zeitgeistes herein! Statt sich Gedanken zu machen, wie man dieses Forum mit einem ansprechenden Begriff aus dem reichhaltigen deutschen Sprachschatz bezeichnen könnte, verfällt man wieder einmal auf die modernistische Lösung, sich einen Begriff aus der englischen Sprache auszuleihen, der zudem noch nicht einmal besonders originell ist, sondern schlicht den Lesesaal einer Bibliothek bezeichnet.

Nachdem Sie mich schon mit dem Einknicken bei der Rechtschreibreform enttäuscht haben, setzt dies nun allem die Krone auf! Darüber hinaus finde ich es äußerst merkwürdig, daß Sie eine solche Diskussion erst so spät beginnen: Sind Sie sich plötzlich nicht mehr sicher, ob Ihre Wahl gut war? Ich schlage Ihnen daher vor, sofort auf Ihren verfehlten Begriff zu verzichten und einen Leserwettbewerb für einen treffenden Namen zu starten. Wie wär's mit "nimm und lies" (Augustinus: tolle,lege) oder einfach Lesesaal?


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 16:49:49

Johannes Riechardt: Wie bitte?

Ich war ein Jahr in den Vereinigten Staaten und bin momentan Sprachschüler. Komisch, dass ich mir unter dem Begriff "Reading Room" nichts vorstellen konnte. Was sollen da bloß die Leute denken, die keine guten Englischkenntnisse haben? Die klicken dann auf einen ihnen unbekannten Ausdruck und lassen sich überraschen?

Ich finde das eher peinlich und es läßt mich schmunzeln, weil es den Eindruck macht, jemand versuche irgendwie zu beweisen, dass er auch ein bisschen Englisch kann.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 16:42:55

Karl-P. Schlor: Selbst in den wenigen Pro-Beiträgen ist meist ein Contra enthalten

Wenn man die "Pro"-Beiträge liest, erfährt man auch dort zumeist, dass die Leser eigentlich gegen den Gebrauch des englischen Begriffes sind, das "Pro" gilt den meisten nur als Antwort auf die Frage "darf man", "man sollte aber nicht"! Kurz: es gibt keine vernünftige Begründung für das Englische in einer deutschen Literaturseite als Überschrift!


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 16:24:07

Hanns Kaltenegger: Geist und Sprache mehr bemühen

Die Frage, ob ein englischer oder ein deutscher Begriff gewählt wird, ist meines Erachtens nicht die entscheidende, geht es doch vielmehr darum, ob die Begriffswahl zutreffend ist. Zweck und Inhalt dieser Seite trifft der "Reading Room" in seiner Unbestimmtheit wohl nicht wirklich, vielmehr ist die gesamte Internetpräsenz der F.A.Z. doch ein Reading Room.

Aber gerade hier im "Reading Room" soll ja nicht nur gelesen sondern eben auch diskutiert werden. Treffendere Bezeichnungen findet man natürlich nicht dadurch, dass man eine unpassende englische Bezeichnung nahezu wörtlich ins Deutsche überträgt, wie dies beispielsweise Frau Lovenberg in ihrem Beitrag tut. Etwas mehr muss und kann man den Geist und die Sprache - und nicht nur die deutsche - dann schon bemühen. Den Begriff damit schön zu reden, dass er einen - vor einer beleuchteten Mattscheibe sitzend - an die in einer altehrwürdigen Universitätsbibliothek vor ebensolchen Büchern verbrachten Stunden erinnert, ist doch sehr gefühlsduselig.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 16:20:55

Kai Klinge: verselbständigte Zweckmäßigkeit

Wenn (!!) es hilft, Englisch zu benutzen, um sich präziser auszudrücken, mag jeder tun, was er für richtig hält. Ist das hier der Fall?

Es spricht doch Bände, dass es keiner Fachsprache bedarf, um gesellschaftsfähig massenweise Anglizismen zu verwenden. Sogar Deutschlehrerinnen befleißigen sich absolut überflüssiger Anglizismen wie "paper", "handout", usw.
Fakt ist aber, dass die deutsche Sprache in Sachen Präzision dem Englischen weit voraus ist. Meist ist es Zeitgeist und Bequemlichkeit und ich unterstelle auch mangelnder Stolz, was in Deutschland leider nicht verwundert.
Auf Schwedisch zum Beispiel sagt man nicht "homepage", sondern "hemsida"=Heimseite, oder statt "computer" "dator" (= Plural von "data" ) - und dass Schweden mit 8 Millionen Einwohnern einen ganz anderen internationalen sprachlichen Anpassungsdruck erfährt, dürfte klar sein. Es geht auch anders, wenn man wollte.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 15:43:02

Dirk Hürter: Nein, aber wenn dann richtig!

Wieso sollte man den Leseraum einer deutschen Qualitätszeitung ins Englische übersetzen? Es gibt Anglizismen die wirklich schön und vereinfachend sind, aber "Reading-Room" gehört definitiv nicht dazu.

Es ist schlicht und ergreifend überflüssig. Es wäre interessant über eine einfallsreiche deutsche Wortschöpfung zu diskutieren. Ich gehöre mit meinen 20 Jahren zur jüngeren Generation der F.A.Z.-Leser, der die englische Sprache nicht fremd ist. Jedoch befürworte ich es nicht, wenn sich Menschen, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, bei der täglichen Zeitungslektüre ein Fremdsprachenwörterbuch zur Seite legen müssen.
Man sollte einen Begriff nehmen, den jeder versteht und nicht einen der möglichst international bzw. "cool" ist.
Der Begriff passt zur "Times" aber nicht zur deutschen F.A.Z. Möchte man den englischen Stil aber dennoch kopieren, so wünsche ich mir die F.A.Z. zukünftig komplett auf englisch, das würde die internationale Kommunikationskompetenz ungemein verbessern.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 14:30:36

Matthias Reuter: Gut ist, dass gefragt wird. Ändern wird sich nichts.

Von Anfang an fand ich den Namen "Reading Room" seltsam. Man kann sich richtig die versammelten "Jungfeuilletonisten" der FAZ bei der Namensfindung vorstellen, wie sie Begriffe wie "Leseraum", "Diskussionsforum" oder ähnliches als verstaubt zur Seite räumen, um Platz zu schaffen für etwas Frisches, Neues: den "Reading Room". Global soll er sein, weltoffen, neuartig! Da ist eine solche Bezeichnung doch naheliegend! Das muß man doch so nennen dürfen!

Darf man eben nicht. Denn es sind deutschsprachige Beiträge von vorwiegend deutschen Autoren in einem Forum einer deutschen Zeitung. Global schauen da auch nur des Deutschen Mächtige hinein. So etwas "Reading Room" zu nennen ist nicht lustig, nur anbiedernd und peinlich.
Erstaunlich fand ich bisher nur, dass keiner der Gastautoren des Themas "Hat Deutsch eine Zukunft?" an der Namensgebung dieses Forums Anstoß genommen hat.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 14:02:42

marius meyer: Bereicherung JA - sinnlos NEIN

Ich sehe die Problematik ähnlich wie anscheinend die Mehrheit hier in dieser Diskussion. Es mag Situationen, Vorgänge, Gegenstände oder moderne Technologien geben, bei denen Anglizismen angebracht sind. Dies bereichert eine Sprache und funktoniert seit Jahrhunderten.

Allerdings sehe ich oftmals keine Notwendigkeit, Anglizismen einzusetzen, denn es gibt (oftmals sogar mehrere) mindestens genau so schöne deutsche Ausdrücke. Wenn ich bloß an die "Service Points" in Bahnhöfen, "coffee 2 go" oder andere Sünden denke, stellen sich meine Nackenhaare senkrecht.

Ich habe meinen persönlichen Konsequenzen gezogenund sage anstatt "cool" (manchmal etwas ironisch) "heiß", "toll" oder ähnliche Begriffe. Meine Freundin sieht die Problematik ähnlich wie ich und wir versuchen uns gegenseitig zu erinnern, nicht sinnlos Anglizismen zu verwenden. Es funktioniert: Wenn man einen Kaffee zum mitnehmen bestellt bekommt man ihn sogar!
Auch die junge Bewölkerung (Ich bin 20) besinnt sich mehr und mehr zurück.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 13:54:18

Friedrich Eversberg: Jeder blamiert sich, so gut er kann

Die korrekte Schreibweise ist "reading-room", schaut denn keiner in ein Wörterbuch? Denn ohne Bindestrich würde es "Lesender Raum" bedeuten.
Trotzdem wird man die Bezeichnung, darauf wette ich, beibehalten. Man hat ja auch die unsägliche R-Reform gegen alle Vernunft am Ende doch noch mitvollzogen. Mit ein paar kleinen, feinen Ausnahmen zwar, aber das machte den Umfall nur noch blamabler.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 13:21:54

Hans-Martin Gauger: Die Rocky Mountains unter den Lesesälen

Als ich Mitte der fünfziger Jahre in England studierte, war mit mir und anderen deutschen Studenten an der kleinen Leicester University einer, der etwas insistierend, denn er wollte es stets ganz richtig machen (so etwas nervt Engländer wohl mehr als andere) immer wieder fragte: "Is it possible to say in English ...?"

Und dann kam irgendein Ausdruck, von dem er das wissen wollte. Da antwortete einmal der gefragte Professor lächelnd: "Of course, it’s perfectly possible...", und setzte dann hinzu: "actually it’s wrong, if you mean that...".

Das also wäre mein erster Punkt. Man darf auch mal was Falsches sagen: es muss möglich sein. Da darf nicht gleich das Zetermordio beginnen. Also man darf ein deutsches "Buchforum" - auch in der "Zeitung für Deutschland" - "Reading Room" nennen, it’s perfectly possible. Und es ist auch nicht falsch - wie sollte es falsch sein, wenn es doch richtiges Englisch ist? Auch ist es, jedenfalls hier, keine Angeberei. Das wäre bei "salle de lecture" oder "zotheca lectionis" anders. Und da wäre auch keinerlei Akzeptanz, keine ‚compliance’.

Andererseits: notwendig oder unvermeidlich ist "Reading Room" nicht. Man könnte auch "Lesesaal" oder "Leseraum" oder gar "Lesezimmer" oder "Lesestube" sagen. Aber eben: da zeigt sich gleich eines der Probleme. Es gibt halt - woher denn? - kein überliefertes deutsches Wort. Man muss also übersetzen, und dann gibt’s mehrere Möglichkeiten. "Reading Room" liegt einfach vor. Die Sache kommt aus den Vereinigten Staaten, und dann nimmt man es halt so, wie es kommt. Schließlich: es hat etwas Modernes, Schickes, Flottes oder wie immer, es ist, schon weil englisch, was Neues. In der Sprache der Werbung tritt dieser Faktor besonders hervor, und es gibt ja keine bewusstere Sprache als diese - darin kommt sie der Lyrik nahezu gleich (nur bringt diese nichts ein).

Meine Position ist diese. Erstens plädiere ich für Übersetzung, so oft es irgendwie geht, eine von ihnen wird sich schließlich durchsetzen, und manchmal ist diese auch ganz einfach -warum, nur ein Beispiel, nicht "globale Spieler" statt "global players"? Sich also immer überlegen: geht das nicht auch deutsch? Zweitens: das genannte Zetermordio - "Amerikanisierung", "Ende", "Verhunzung" - muss aufhören. Es wird zwar, obwohl es restlos nichts bewirkt, nicht aufhören, aber es muss aufhören. Wenn immer und wo immer man über Sprache einen Vortrag hört (oder hält), steht nachher - pardon! - so ein Unsympath auf und sagt: "Ja, aber Sie haben nichts gegen die Anglizismen gesagt" oder: "Ja, Sie haben schon etwas dagegen gesagt, es war aber nicht deutlich genug...". Es ist, um nicht deutlicher zu werden, zum Sich-Übergeben.

Drittens: das viele Englisch im Deutschen ist natürlich etwas lächerlich, etwas sehr sogar. In jedem Dorf heißt es jetzt: "Coffee to go". Ein Opa soll gefragt haben: "Was ist denn das mit dem Kaffee Togo? Ist der besonders gut?". Im "globalen Dorf" ist nun eben auch unser gutes altes Dorf globalisiert worden. Und es hat sich ja wahrlich nicht nur sprachlich verändert!

Viertens ist das Englische strikt zu unterlassen, a) wenn man damit bloß angeben will oder auch nur diesen Anschein erwecken könnte, und b) wenn man nicht sicher sein kann, dass man verstanden wird. Dies ist übrigens der eigentlich aufklärerische und also gute Einwand gegen "Fremdwörter": nicht dass durch sie etwas "Fremdes" in unsere gute deutsche Sprache hineinkommt, sondern dass die Rede dadurch, wie Leibniz seinerzeit sagte, "unvernehmlich", also unverständlich wird.

Fünftens: die Wissenschaften sind ein besonderer Fall, aber - "den krieje ’mer später". Und sechstens, "nichts ist einfach", "rien n’est simple", sagen die Franzosen: es gibt auch nette Angebereien, auch mit Englisch.

Einer unserer Lehrer erzählte uns gern Karl-May-artige Geschichten aus Amerika, wo er - vor dem Krieg - einige Zeit ("Da fuhr ich Buick!") gewesen war. Da tat er oft so, was uns beeindruckte, als fiele ihm das deutsche Wort nicht ein: "Und plötzlich, denkt euch, stelle ich fest, da ist in unserem Zelt, so eine, ja, so eine rattle-snake, so eine..., ach, ich komm jetzt auf den deutschen Ausdruck nicht - wie bitte? Ja, natürlich, danke, ganz richtig, Klapperschlange...". Obwohl mich Schlangen kaum interessieren, vergesse ich ‚rattle-snake’ nie. "Und im Hintergrund", pflegte er zu schließen, "sah man die großartige Kulisse der Rocky Mountains". Ein wenig sehe ich sie auch, zugegeben, im "Reading Room". Trotzdem: "Lesesaal" ginge auch, wäre gar besser.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 13:12:07

Stefan Bittner: Reading Room? - Nein danke!

In einer Internet community, WEB 2.0 und anderem Gedöns könnte ich mir einen solchen Namen ja noch vorstellen. Allerdings bei einer Zeitung, die noch nicht einmal zur neuen Rechtschreibung wechseln wollte, ist eine solche Bezeichnung eine Zumutung.

In einer Internet-Gemeinschaft von Zeitungslesern der gehobenen Art sollten deshalb intelligentere Bezeichnungen für wichtige Einrichtungen gefunden werden. Oder war der Name "Reading Room" einfach nur chic oder toll oder so?


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 12:53:33

Karl Martin Fischer: Der Unterschied zwischen offen sein und nachahmen

Ich glaube, es ist schwierig, Angelsachsen zu erklären weshalb man in Deutschland häufig auf Anglizismen zurückgreift, obgleich eine Fülle deutscher Worte zur Verfügung steht. Solches Verhalten wird von Engländern als "schwer verständlich" bezeichnet - damit ist "lächerlich" gemeint. Wir werden häufig - und meines Erachtens nicht zu Unrecht - der sprachlichen Unterwürfigkeit beschuldigt. Ich suche bislang vergeblich nach einer sinnvollen Erklärung für solches Verhalten.




Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 12:23:46

Achim E. Leisewitz: Konsequent

Wer einen "Reading Room" einrichtet, der sich mit der deutschen Sprache beschäftigt und in der Einleitung von "Showdown" spricht, der beantwortet die gestellte Frage selbst und provoziert Zweifel an der Offenheit, mit der das Thema zur Diskussion gestellt wird.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 11:48:51

Eckart Haerter: Well, ...

Nun, warum wir Deutschen bzw. Germanen schon immer so gern fremdsprachige Wendungen in unsere Sprache übernommen haben, ist untersuchenswert. Oft lag es ja einfach daran, dass aufgrund einer fremden überlegenen Kultur Begriffe bei uns noch gar nicht existierten. Auch das hier mehrmals vorgeschlagene "Forum" ist ursprünglich lateinisch.

Studio ebenfalls. Die englische Sprache ist im modernen Leben häufig erstaunlich griffig. Pop, Top, Hit und Flop sind ja fast schon deutsche Wörter, und so geht es unaufhörlich weiter. Trotzdem bin ich leidenschaftlich dafür, in Deutschland deutsch zu sprechen, wann immer möglich. Ganz altbackene deutsche Wörter, wie "Lesezimmer", könnten plötzlich einen ganz neuen Charme entwickeln. Oder müsste man Liebreiz sagen? Ich weiss es nicht. Vielleicht sollte man alles laufen lassen, wie es läuft und einfach auf die innere Stärke der deutschen Sprache vertrauen.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 11:45:42

Herbert E. Brekle: Darf schon, sollte aber nicht

Von den Gegnern wurden schon eine Anzahl vernünftiger Argumente vorgebracht, die im Vergleich mit denen der Befürworter schwerer wiegen. Ich meine "Leser-Forum" trifft die Sache am besten. Also ...


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 11:40:20

Udo Leuschner: Unsägliche Namensgebung

Dürfen darf man schon. Man darf es auch niemandem verbieten, sein Kind "Kevin" zu nennen. Aber genauso ist es erlaubt, daraus Rückschlüsse auf den geistigen Habitus des Namensgebers zu ziehen. Die F.A.Z. galt bisher eigentlich nicht als Blatt der intellektuellen Unterschichten, die ihre Blößen gerne mit angloamerikanischem Imponiergefasel bedecken.

Dass nun ausgerechnet sie ein deutschsprachiges Forum, das auch noch vorwiegend der deutschen Sprache bzw. Literatur gewidmet ist, als "Reading Room" bezeichnet, mutet wie ein schlechter Witz an. Das passt wie die Faust aufs Auge.
Der Einwand mit dem "Feuilleton" trägt nicht. Da werden Äpfel mit Birnen verglichen. Der schiefe Vergleich verrät auch Unkenntnis des pressegeschichtlichen Hintergrunds, vor dem es im 19. Jahrhundert zur Nachahmung des französischen Feuilletons in der deutschen Presse und Übernahme des Wortes kam. Dass diese unsägliche Namensgebung endlich thematisiert wird, lässt immerhin hoffen.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 11:26:01

Werner Hannappel: F.A.Z. als Gralshüter der deutschen Sprache

Ich sehe die FAZ als einen wichtigen Hort für korrekte deutsche Sprache und halte einen "reading room" für mega-giga-überflüssig, kontraproduktiv (weil mindestens ICH verärgert wäre und wegbleiben würde), und dazu sogar sachlich falsch für das, was bezeichnet werden soll.
Ich fände ein "Leser-Forum" viel treffender, auch wenn es einen seit 2000 Jahren akzeptierten lateinischen Ausdruck enthält.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 11:15:28

Alexander Meier: Bullshit

Das Wort hört man auch schon öfter, als hätte die deutsche Sprache nicht auch wunderschöne sprechende Schimpfwörter. Ich arbeite in einem Unternehmen, in dem wegen Vernetzung besonders mit UK die englische Sprache als Standard angesehen wird. Es vereinfacht natürlich die innerbetriebliche Kommunikation.

Warum man dann aber in normalen Gesprächen in deutscher Sprache den Approach überprüfen oder die Timeline des Workstreames besprechen muss, das erschließt sich mir nicht.
Ganz schlimm finde ich es, wenn dieses Verhalten in den privaten Bereich überschwappt.
Da die Lektüre der F.A.Z. für mich dazu zählt, bin ich gegen einen "Reading Room".
Ich wäre dafür, Vorschläge zu sammeln und dann vielleicht sogar über einen schönen Begriff aus der deutschen Sprache abstimmen zu lassen.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 11:07:24

Axel Geertz: Internationalität nur in Englisch?

Der "READING ROOM" hat sicher weniger Internationalität als die weltweite Verbreitung der FAZ sie zeigt. Wenn denn Internationalität für einige Mitmenschen englische Ausdrücke erforderlich macht bzw. "einen elitären Beigeschmack" vermittelt, sollten die Herausgeber der FAZ diese Zeitung nur noch als "Frankfurter General Newspaper" erscheinen lassen.

Es sei denn, die Herausgeber halten auch die deutsche Sprache für hinreichend eindrucksvoll und im internationalen Bereich für überzeugend. Der "READING ROOM" darf heißen wie er will; aber soll sich ein solcher Name an den Wünschen der Redaktion oder den Bedürfnissen der Leser orientieren? "READING ROOM" sagt erst einmal nichts!
Axel Geertz, Weidenbach


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 10:59:12

Lutz von Peter: "Darf" schon, aber sollte es es so heissen?

Natürlich darf es "Reading Room" heissen, aber sollte es das, das ist doch die Frage. Anglizismen klingen immer schön griffig, aber wenn man genauer hinschaut, assoziiert jeder etwas anderes mit dem Begriff. Sehr praktisch, sehr bequem, da muss man nicht lange nachdenken was genau man sagen will, jeder ist zufrieden, keiner eckt an, schmissig klingt es auch.

Wer mit dieser Art von Wischi-Waschi-Sprache zufrieden ist, findet sicher auch einen Manager besser als eine leitende Führungskraft. Die deutsche Sprache verlangt eine gewisse Präzision des Gedankens, die sie herrlich "träf" macht. Dagegen ist das "international English" das 99% der Menschen sprechen nur geeignet, vage Assoziationen zu vermitteln, die nirgends anecken wollen. War das der Sinne der Sache? Dann immer her mit den (weithin missverstandenen) Anglizismen.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 10:54:44

Thomas Paulwitz: Lieber Herr Ebbinghaus,

1. Dies ist tatsächlich ein internationaler Versammlungsort, und das ist erfreulich. Allerdings eint die Teilnehmer nicht die englische, sondern die deutsche Sprache. Trotz aller Widrigkeiten hat auch die deutsche Sprache noch internationale Bedeutung, und wir sollten alles dafür tun, sie zu erhalten.

2. Das FAZ-Bücherforum ist tatsächlich neuartig, insofern spricht einiges für eine neuartige Bezeichnung. "Reading Room" ist allerdings ein ziemlich altes Wort in der englischen Sprache. Nichts spricht allerdings dagegen, auch einem alten deutschen Wort wie "Lesegesellschaft" eine Bedeutungserweiterung zu geben.

3. Das Feuilleton ist ein sprachlicher Stolperstein. Ich bin mir sicher, daß viele schon an der Rechtschreibung dieses Wortes scheitern. Wenn man weiß, daß "Feuilleton" in Wirklichkeit nur "Blättchen" heißt, dann sinkt der Glanz dieses Wortes erheblich. "Feuilleton" ist ein Wort, das bildungsferne Schichten auf Abstand hält. Mittlerweile ist es nicht mehr möglich oder wünschenswert, es aus der deutschen Sprache zu tilgen, ganz im Gegensatz zu "Reading Room".
Mit freundlichen Grüßen, Ihr Thomas Paulwitz


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 10:51:31

Robert Rheinert: Provinziell

Überlassen Sie doch den Provinz-Krautern die ohnehin zum Scheitern verdammten Bemühungen, sich im deutschsprachigen Raum mit englischen Brocken den Anschein von Internationalität geben zu wollen.

Gut finde ich den Vorschlag des Lesers Johannes Schmidt : Diskussionsforum. Das ist doch der längst eingeführte und allgemein verstandene Begriff für diesen Sachverhalt.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 10:40:54

José Rodriguez: Mandarin

Eine Sprache muss offen sein, dass haben bereits die alten Germanen gemerkt als die Römer sie mit ihrer überlegene Kultur und Technik "beglückt" haben. Aber das gilt auch umgekehrt!

Also Leseraum könnte auch unsere amerikanischen Freunde sehr charmant, pardon, nett finden! Man muss sich AKTIV einbringen in den globalen Schmelztiegel der Sprachen.
Ansonsten können wir alle gleich Mandarin lernen.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 10:37:50

Alexander Maßen: Dürfen oder nicht dürfen ist nicht das Problem

Der Erfinder darf sein Werk benennen. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Allerdings zeigt sich hier besonders, warum sich das Englische in die deutsche und viele viele andere Sprachen einschleicht: Wir empfinden deutsche Ausdrücke als verstaubt, veraltet, von gestern.

Neue Erfindungen wollen wir mit neuen innovativen Begriffen besetzen, die wir im Deutschen nicht zu finden glauben. So lange sich das nicht ändert, geht der Deutschanteil der deutschen Sprache weiter bergab.
Natürlich ist es ein Aufschrei an Ironie, dass man ein Forum, das sich mit der deutschen Sprache beschäftigt, einen englischen Namen gibt. Auch so etwas muss in die Namensfindung einfließen.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 10:26:03

Max Schreiber: NEIN NEIN NEIN

Eiskalt: Das darf es nicht ! Es gibt keinen vernünftigen Grund, die deutsche Sprache zu verstecken, vor allem da wir auch eine gute Tradition von Schreibern haben. READING ROOM klingt irgendwie anpasserisch dumm - als ob man ein Marmeladenbrot dadurch aufwertet, es als pain du marmelade zu bezeichen.

Diese ganzen Wortverdrehereien die im Augenblick so stattfinden werden von Zeitgeistproleten ausgeführt, hauptsächlich im Verkauf oder in der Wirtschaft um einen unangehmen Zustand in einen angenehmen umzumalen. Z.B Freistellung - Entlassung, Ware-Classik = abgestandene Serie vom letzten Jahr, Premium-Paket = alle anderen Pakete bleiben auf Halde usw. Reading Room ist sowas wie die neue Designerbrille, die Frau Hinz und Herr Kunz im Augenblick auf der Nase hat und die auch nichts anderes macht, wie eine Kassenbrille. Eventuell sollte man sich auf die Suche nach einer originelleren Bezeichnung machen statt LESERAUM, z.B. WERKSTATT BUCH.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 10:13:19

Heinrich Dülp: Deutschsprachiger "Reading Room"

Sprache lebt und ist als Lebewesen angewiesen auf ständigen Gebrauch. Wer "Deutsch" als Verständigungsmittel am Leben erhalten und pflegen will, muss sich seiner auch selbst bedienen. Nur wer zur Umschreibung eines Begriffs in der deutschen Sprache keinen passenden Ausdruck findet, sollte in eine fremde Sprache flüchten.

Vor diesem Hintergrund halte ich das Sprachbemühen der F.A.Z, so es denn wirklich erst gemeint sein sollte, für verbesserungsbedürftig und auch für verbesserungsfähig:
Anstelle eines "Reading Room" würde mir ein "Lesezimmer", ein "Leseraum" oder auch eine "Bücherstube" weit besser gefallen haben.
Sogar jetzt noch bei ihrer zielgerichteten Erörterung bedient die F.A.Z. sich provozierender fremd-entlehnter Ausdrücke wie "Showdown" und "Pro & Contra".
War das notwendig ? Warum nicht schlicht fragen nach "Für und Wider" ? Will die F.A.Z. ihre Leser (Reader?) etwa nur verarschen??
Heinrich Dülp, dem das nicht gefällt !


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 10:01:03

Thomas Paulwitz: Schöner wäre "Lesegesellschaft"

Wenn ich das Wort "Lesesaal" höre, dann denke ich an einen Raum, an dessen Wänden sich die Bücher in hohen Regalen bis zur Decke türmen, mir kommen breite Leselampen auf breiten Tischen in den Sinn, mir steigt der Duft alten Papiers in die Nase, der in Verbindung mit dem Staubgeruch eine Ahnung von geistigem Reichtum verströmt, die den Körper in erwartungsvolle Spannung versetzt.

Neugierig warte ich auf mehr: zu lesen und zu entdecken! Als ich das Wort "Reading Room" hörte, welche Verknüpfungen funkten da in meinem Hirn? Erst einmal gar keine.
(Nun ja, vielleicht dachte ich an den Englischunterricht meiner Schulzeit.) Daraufhin keimte die Frage "Was soll denn das jetzt schon wieder sein?" und dann, weil mir die Zeit fehlte für lange Rätseleien, ich gebe es zu, beschäftigte ich mich nicht mehr weiter damit. Da häufig Belanglosigkeiten mit englischen Vokabeln ausstaffiert werden, um sie bei den Verbrauchern hochwertiger erscheinen zu lassen als sie es in Wirklichkeit sind, filtere ich solche Angebote meist aus. Erst als die Frage nach Beiträgen kam, stellte ich überrascht fest, daß es sich um ein Buchforum handelt, freilich mit einem einzigartigen und durchaus fesselnden Konzept, das eine englische Maskierung gar nicht nötig hätte. Dieses Konzept soll offenbar mit dem eigenartigen Namen "Reading Room" ausgedrückt werden. Das ist aber ordentlich danebengegangen.

"In der Redaktion der F.A.Z. gelte die Maxime, so wenige Anglizismen wie möglich zu verwenden", war in FAZ.NET vom 27. Oktober 2007 zu lesen. Das ist löblich, stellen doch die meisten pseudoenglischen oder aus dem Englischen übernommenen Wörter im Deutschen keine Bereicherung dar. Um so unverständlicher war es für die Freunde der deutschen Sprache, als sie erfuhren, daß die FAZ ein Buchforum mit der Bezeichnung "Reading Room" ins Netz gestellt hatte. Deutsch ist nach Englisch eine der am weitesten verbreiteten Sprachen im weltweiten Netz. Englisch zur "Leitsprache" zu erheben müßte in letzter Konsequenz bedeuten, alle Texte auf FAZ.NET in englischer Sprache zu veröffentlichen. Warum sollten wir Bücher, die in deutscher Sprache erscheinen, in einem deutschen Forum besprechen, das den Namen "Reading Room" trägt? Kurzum: Hier ist nicht die British Library, so wenig, wie das Goethe-Institut dem British Council nacheifern sollte.

Zudem passen weder "Reading Room" noch die deutsche Entsprechung "Lesesaal" inhaltlich zu diesem Ort. Dies hier ist ein Platz des gegenseitigen Austauschs. Haben Sie schon einmal versucht, im Lesesaal einer Bibliothek mit mehreren über ein Buch zu diskutieren? Nein, so etwas ist eher in einem Hörsaal als in einem Lesesaal möglich – oder eben in einem Forum. Ein deutsches Buchforum sollte man folglich als das bezeichnen, was es ist, nämlich als "Buchforum". Mit dem Wort "Forum" verknüpft man sofort die Vorstellung geistigen Austauschs. Ich denke an das Forum Romanum, an die griechische Agorá oder an die deutschen Runden Tische. Wenn die FAZ an historische Vorläufer anknüpfen möchte, dann soll sie doch das schöne Wort "Lesegesellschaft" wiederbeleben. "Frankfurter Allgemeine Lesegesellschaft" – das hat doch etwas.

Von den Herausgebern der FAZ erwarte ich lediglich, daß sie den Fehlgriff "Reading Room" rückgängig machen. Und wenn sie schon dabei sind, dann könnten sie doch aus der "Privacy Policy" eine "Datenschutzregelung", aus "Home" die "Startseite" und aus der "Sitemap" ein "Inhaltsverzeichnis" oder meinetwegen auch einen "Index" machen. Falls den Mitarbeitern der FAZ einmal keine deutsche Entsprechung für einen entbehrlichen Anglizismus einfallen sollte, bin ich gerne für sie da.

Auf Wunsch des Verfassers erscheint dieser Beitrag in traditioneller Rechtschreibung.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 09:56:17

Rico Neumeister: Trauriges Eingeständnis

Es ist schon bezeichnend, dass die Redakteure des Kulturteiles einer deutschsprachigen Zeitung so schnell kapitulieren. Nur weil sich nicht auf den ersten Ansatz ein passendes deutsches Wort findet, weicht man einfach auf ein völlig unpassendes englisches Wort aus. Das sagt doch recht viel über das Sprachgefühl dieser "Kulturredakteure" und ihrem Umgang mit der eigenen Sprache aus.

Anstatt sich kritisch mit dem Pro und Kontra der verschiedenen deutschen Bezeichnungen zu befassen, oder vielleicht sogar kreativ zu werden und eine Neuschöpfung aus deutschen Wörtern zu schaffen, verlegt man sich aufs Englische weil man sich damit auf der sicheren Seite glaubt. Auch die deutsche Sprache lebt, da ist ebenfalls Platz für Spielraum und einer kreativen Neukombination oder gar Neuschöpfung stände nichts im Wege. Und die bereits erwähnten deutschen Wörter scheinen den Namensgeber nicht in den Sinn gekommen zu sein. Traurig, traurig.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 09:53:36

Silvia Paulsen: Offenheit?

1. Ein englischer Name strahlt Offenheit aus? Das ist ein trauriges Argument, geradezu eine Kapitulation. Ich wünsche mir ein Deutschland, in dem ein deutscher Name Offenheit ausstrahlt.

2. Neuartiges lässt sich nicht mit deutschen Wörtern ausdrücken? Wieder eine Kapitulation.
Der Begriff Strom für die fließende Elektrizität ist ein Beispiel dafür, was eine Sprache (auch die Deutsche) alles kann.

3. Provoziert Reading-Room mehr als Lesesalon? Da ist was dran, aber nicht ohne Grund. Reading-Room ist für den deutschen Leser eben gerade nicht unbelastet, sondern das Pendant zum Beispiel zum Service-Point der Deutschen Bahn.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 09:47:42

Werner Grunewald: Reingefallen, liebe Leser!

Ehrlich gesagt ist es müßig, sich ernsthaft mit der eigentlichen Frage auseinanderzusetzen, da das ohnehin nichts bringt. Die Frage, ob das Forum "Reading Room" heißen wird oder "darf", hat die F.A.Z. nämlich schon längst selbst entschieden.


Das hier darf man also nicht mit einer Abstimmung verwechseln, sondern man muss es als das erkennen, was es ist: Eine bereits feststehende Entscheidung mit einem nachträglichen "friedlichen Schlagabtausch", der nun nur noch dazu dient, dieses Forum unter der Leserschaft bekanntzumachen, indem die Polarisierung des Themas "Unnötiger Anglizismus" ausgenutzt wird.
Reingefallen, liebe Leser!


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 09:38:22

Stephanie Reyntjes: Lese-Studio

Wenn man nicht schon alles zum "Forum" formieren will...: Ich nenne die sinnvollen FAZ-Seiten "Lesestudio".


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 09:32:49

Jürgen Trabant: Überflüssiger Anglizismus

Der von der F.A.Z.-Redaktion gewählte Titel "Reading Room" zeigt es schlagend: Schlimm sind nicht Anglizismen an sich, sondern überflüssige Anglizismen wie dieser. Es gibt gar keine Notwendigkeit, das, was Sie benennen wollen, mit einem englischen Wort zu bezeichnen.

Sie schlagen in Ihrer Frage selbst eine vernünftige Alternative vor, die ein altes deutsches und ein altes lateinisches (aber längst eingedeutschtes) Wort zusammenfügt: "Buchforum". Es fallen einem mühelos weitere deutsche Wörter ein. Außerdem ist reading room ja auch nicht besonders passend. Es heißt "Lesesaal", "Lesezimmer", aber in diesen Räumen herrscht üblicherweise Stille, dort wird gelesen, nicht diskutiert. Das aber wollen Sie ja gerade in Ihrem Bücherforum oder Leserforum. Es bleibt als einzige Motivation für den reading room also nur der snobistische Wunsch, am Duft der großen weiten Welt zu partizipieren. Natürlich darf man das, aber es ist nicht wirklich elegant und weltläufig, weil es die eigene kulturelle Unterlegenheit verrät.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 09:31:11

Maximilian Küsters: Das muß doch nicht sein..

Wieso neigt Deutschland nur so gerne zu Anglizismen? Nur weil es "cool" -ähm Entschuldigung: "schick"- ist? Bei dieser Diskussion sollte es nun nicht darum gehen, ob das Forum "Reading Room" heißen DARF, sondern darum, wieso es so genannt werden sollte!

Wir haben doch eine Sprache, die einen jeden Tag mit Wörtern überrascht, die einem bislang unbekannt waren und meist viel besser zu dem zu umschreibenden Sachverhalt passen, als es der zunächst gewählte Anglizismus je getan hätte.
Warum also sollte die F.A.Z. den selben Fehler machen, wie die Werbebranche. Hier werden nicht-deutsche Worte genutzt, die der potenzielle Kunde, bei direktem Nachfragen, überhaupt nicht korrekt übersetzen kann, geschweige denn weiß, was damit gemeint sein soll.
Um aber zum Thema zurück zu kommen: Ein anderer Ausdruck für "Reading Room" fällt mir leider nicht ein, da ich gerade im Office von Meeting zu Meeting jumpe und zwischendurch noch meine Voicemail abhören muß...


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 09:30:10

Claus Behrens: Schiller & Goethe sprachen auch nicht (d)englisch

Fallen dem deutschen Muttersprachler keine Rückzugsgebiete mit "Buch" oder "Lesen" ein, die hip genug wären um in Internetauftritt einer großen deutschen Tageszeitung bestand zu haben? Bücherecke, Lesezimmer, -ecke ...

Reading Room mit Feuilleton legitimieren zu wollen geht fehl, weil der Begriff allgemeingültig für Beiträge aus der Welt der Kultur zum Begriff geworden ist. Ob Buch, Schallplatte, Konzert oder Ausstellung, jeder weiß wonach er danach suchen muß. Warum aber die Spezialisierung auf Bücher nicht mit einem deutschen Begriff überschreiben?


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 09:21:12

Thomas Mahnkopf: "Weltläufigkeit"

Ich kann das Argument, ein englisches Wört klänge "weltläufig" oder gar "offen" nicht nachvollziehen. Das mag vielleicht für Sprachanfänger gelten, denen eine fremde Sprache noch exotisch erscheint. Wer aber mit dem Englischen ganz selbstverständlich aufwächst und täglich damit im Beruf als auch im Privaten damit konfrontiert ist, dem erscheint so etwas nur als armselig und lächerlich.

Denn die Sprache dieses Forums ist Deutsch. Und der Name "Reading Room" suggeriert etwas anderes. Peinlich, aber sowas muss man ja heutzutage allerorten ertragen..


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 09:16:25

Thomas Berger: Zur Pro-Argumentation

Zwei von Herrn Ebbinhaus vorgetragene Argumente beziehen sich auf die internationale Orientierung des "Reading Room". Ich bezweifle, dass dieses Postulat zutrifft; meiner Beobachtung nach setzt sich das Publikum aus Inlandsdeutschen zusammen.

Auch das letzte Argument halte ich für nur auf den ersten Blick stichhaltig. Im Unterschied zum "Reading Room" sind die Begriffe "Feuilleton" und "Salon" bereits durch die intensive Verwendung in der deutschen Kultur seit dem frühen 19. Jahrhundert Bestandteil der deutschen Sprache. "Reading Room" ist ein unnötiger Neologismus, der durch seine fehlende Integriertheit ein geistiger "Stolperstein" ist. Leider notwendige Klarstellung: Das ist für mich kein Kompliment.
"Salon" fände ich mit Blick auf die Salons des 19. Jahrhunderts (z. B. den Salon Rahel Varnhagens), die ein Zentrum der kulturellen und politischen Diskussion darstellten, im übrigen eine sehr schöne Alternative.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 09:14:09

Georg Eisenmann: Überflüssige Frage

Wieder ein englisches Wort, das für Sprachlosigkeit und mangelnden Stolz auf die deutsche Sprache steht.






Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 09:13:38

Joop Oldenbroeik: "Capitulation"

Völlig überflüssige Kapitulation im Rahmen eines fortschreitenden Kulturrelativismusses. Die Deutschen können getrost selbstbewusster mit ihrer Sprache und Kultur umgehen. Immerhin kennt sie die meisten Muttersprachler innerhalb der EU. Die deutsche Sprache und Kultur haben entscheidend die europäische christlich-humanistische Kultur mitgeprägt.

Von einer führendenden deutschsprachigen Zeitung muss mehr Engagement bezüglich einer bedenklichen Verwässerung ihres wichtigsten Arbeitsgeräts, der Sprache, verlanget werden. Es braucht ein Gegengewicht zu der starken Berieselung mit Anglizismen der Werbung und ITC Industrie dem wir zunehmend ausgesetzt sind.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 08:41:28

Johannes Schmidt: Schlicht ein Diskussionsforum

Man muss gar nicht darüber diskutieren, ob es nun richtig reading room oder Lesezimmer (wie verstaubt!) heißen soll, beides ist nämlich falsch. Es handelt sich schlicht und einfach um ein Diskussionsforum. Allerdings ist das ein typisches Phänomen: Man nehme einen englischsprachigen Ausdruck, der irgendwie besser klingt, auch wenn er sachlich ziemlich daneben liegt.


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 08:19:20

Till Diesing: Nein weil...

schon das "Bundesliga Info-Center" der F.A.Z. schlimm genug ist. Es erinnert mich an die erste elektrische Zahnbürste meiner Eltern - wir haben schallend über das "Zahnputz-Center" gelacht. Klingen eben unglaublich bllig diese Anglizismen!


Contra

Mittwoch, 30. April 2008, 08:03:00

Jens Siebke: Jein

Das Forum "darf" von seinen Betreibern genannt werden, wie diese es wollen - ob der Leser dies dann so schätzt, ist eine andere Frage. Und was die Namensgebung über die Betreiber aussagt, wieder etwas anders… Ich finde den Ausdruck doof, ganz einfach!
Ich gehe ja auch nicht zu meinen bookshelves, um dann for instance in einem tome zu browsen.


Contra

Montag, 28. April 2008, 15:14:22

Hans-Christoph Buch: Muss das sein?

Ich habe nichts gegen Anglizismen, wenn sie Sachverhalte kurz und prägnant ausdrücken, die sich auf deutsch nur umständlich umschreiben lassen - ein ähnliche Rolle spielten früher Griechisch, Latein und andere Fachsprachen wie Französisch in der Diplomatie, Italienisch in der Oper etc. Dass Begriffe wie "Blues" oder "Rock'n'Roll" nicht durch deutsche Worte substituierbar sind, leuchtet ein. Aber muss "Reading Room" wirklich sein?

Mir sind Sprachpuristen ein Greuel (oder muss es Gräuel heißen?), die die lebendige Vielfalt einer Sprache ins Prokrustesbett akademischer Theorien oder deutschtümelnder Ideologien pressen wollen und die, wie Charlie Chaplin beim Kofferpacken, alles abschneiden, was nicht in ihre Schubladen paßt. Also Kastration der Sprache: nein, stärkeres Selbstbewußtsein: ja! In diesem Punkt könnten wir von den Franzosen lernen, die für ihre Sprache und Kultur auf die Barrikaden gehen, was trotz gewisser Auswüchse (wie z. B. französischer Begriffe für Computer-Fachtermini) die Selbstbehauptung des Französischen gegenüber Englisch, der lingua franca des 21. Jahrhunderts, ermöglicht hat.


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Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

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