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Seid ihr überhaupt sicher, dass der Krieg vorbei ist?

Eine Werkeinführung von Frank Schirrmacher

SS-Offiziere privat, in der Nähe von Auschwitz: Otto Moll, Rudolf Höß, Richard Baer, Josef Kramer, Franz Hössler und Josef Mengele (alle erste Reihe)

Jonathan Littells Roman "Die Wohlgesinnten" erscheint Ende Februar in deutscher Sprache. 1381 Seiten, geschrieben aus der Perspektive eines SS-Obersturmführers, der als Mitglied des Sonderkommandos 4a und des Reichssicherheitshauptamts zwischen 1941 und 1945 an der Planung des Holocaust beteiligt ist, ihn perfektioniert, umsetzt und ausführt.

Von heute an druckt die Frankfurter Allgemeine Zeitung den Anfang des Buches vorab; die ersten 120 Seiten. Das ist nicht mehr als ein Bruchteil des Werkes. Der letzte Satz, mit dem unser Vorabdruck enden wird, lautet: "Genau das war es, was mir unbegreiflich blieb: die Kluft, die absolute Unverhältnismäßigkeit zwischen der Leichtigkeit, mit der es sich tötet, und der unendlichen Schwierigkeit, mit der gestorben wird. Für uns war es ein schmutziges Tagewerk unter vielen, für sie das Ende von allem."

Gerühmt noch im Verriss

Jonathan Littells Buch ist in Frankreich mittlerweile mehr als achthunderttausend Mal verkauft worden. Es hat die französische Kritik gespalten, wurde aber auch im Verriss noch gerühmt, mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet und immer wieder in den höchsten Tönen gelobt. Selbst der wichtigste Kritiker des Buches, Claude Lanzmann, erkennt an, dass dieses Werk, und sei es als literarische Monstrosität, Tatbestände schafft, hinter die die Diskussion nicht mehr zurückgehen kann. Sie hält in Frankreich seit August 2006 an.

Jede Debatte über das Buch war seither aber immer noch auf eine andere Frage gestoßen: Wie werden die Deutschen reagieren? Was wird geschehen, wenn das Buch des Täters Max Aue - so der Name der fiktiven Hauptperson - in Deutschland erscheint?

Der Skandal dieses Buches

"Seid ihr überhaupt sicher", heißt es am Beginn des Buches, das mit Anspielungen auf Ernst Jüngers "Marmorklippen" einsetzt, "dass der Krieg vorbei ist? In gewisser Weise ist der Krieg nie vorbei, oder er ist erst vorbei, wenn das letzte Kind, das am letzten Tag des Krieges geboren wurde, wohlbehalten begraben ist, und auch danach lebt er in dessen Kindern und in deren Kindern fort, bis sich das Erbe allmählich verflüchtigt". Diese Kinder leben noch. Und ihre Kinder erst recht. Littell stammt aus einer jüdischen Familie. Als Jude schreibt er sich ein in die Gestalt eines Eichmann. Das ist der Skandal dieses Buches, sein Schrecken. Hier spricht ein Stimmenimitator mit der Stimme seines potentiellen Mörders.

Kein Zweifel, Littell ging es um dieses Doppelgängertum. Deshalb hat Aue am gleichen Tag Geburtstag wie sein Autor, der sich geistig an jenen Stellen des Buches verdoppelt, die sein Außenseitersein zum Gegenstand machen. Ein Doppelgängertum, das den Deutschen seit Ende des Krieges bewusst ist, weil jede neue Generation sich fragen muss, ob sie nicht hätte Täter sein können. Dieser Max Aue ist aber nicht der anthropologische Platzhalter, und Littell teilt uns nicht nur mit, dass Menschen eben alle zum Bösen fähig sind. Seine Absicht ist radikaler und so existentiell, dass des Autors fast vollständige Abwesenheit in der Öffentlichkeit - er ist bereit nur zu ein paar ausgewählten Interviews - dadurch erklärlich wird.

Finstere Dialektik

"Gegen deinen Willen bist du im Leib deiner Mutter gebildet worden", heißt es einmal mit einem Zitat aus dem Kleinen Midraschim, "und gegen deinen Willen wirst du geboren". In diesem Gedanken verbirgt sich der Schlüssel zum Verständnis dieses Buches. Wiederkehrend, in allen Variationen berührt und wieder freigegeben, taucht der antike Gedanke in den "Wohlgesinnten" auf, dass es besser sei, überhaupt nie geboren worden zu sein. Für Littell klingt das nicht humanistisch und nach der Sammlung Heimeran, sondern realistisch. Gegen den Willen der deutschen Regierung und ihrer Bürokratie ist er geboren und am Leben. Es hätte dann aber, auf paradoxe Weise, der fiktive Autor, Max Aue, als Sieger der Geschichte überlebt - und zwar in Gestalt all der anderen Max Aues mit Namen Eichmann und Höß, deren Programm die Ausrottung der Juden war. Dieser Twist einer finsteren Dialektik erklärt, warum dieses Buch allein dadurch ein Skandal und eine Radikalität ist, weil es geschrieben worden ist.

Wer dieses Buch gelesen hat, der hat eintausenddreihundert Seiten lang einem jener Mörder zugehört, die unter den Namen Höß, Eichmann oder Hans Frank nicht nur in unserer historischen sondern auch in unserer literarischen Erinnerung firmieren. Sie alle haben Texte und Wortprotokolle hinterlassen, und sie alle soufflieren in Littells Buch. Freunde des mehrfachen Schriftsinns, des literarischen Echos, Philologen historischer Ausrichtung haben überhaupt erst begonnen, Littells Buch auf seine unzähligen Quellen, Querverweise und Stimmen abzuhören.

Ein gefährdeter Künstler

Doch dieser Max Aue ist noch mehr als all diese Stimmen und Protokolle, Drucksachen und Befehle. Er ist - seit Thomas Manns Dr. Faustus ein Leitmotiv des deutschen Teufelspakts - ein Intellektueller, ein halber Künstler, als Homosexueller auch ein gefährdeter Außenseiter (weil nur bei einem Außenseiter sowohl leidenschaftliches Interesse wie geduldiges Desinteresse an den Morden plausibel wird).

Was das mit einem tut, ist nur schwer zu beschreiben. Wenn wir, nach einem Wort von Peter Hacks, dazu neigen "die historischen Tendenzen immer nur in Form unanwendbarer Abstraktionen zu begreifen", so ist hier das Gegenteil versucht. Immer wieder stellt sich beim Lesen die Frage der Anwendbarkeit, also der Identifikation.

Unerhört brutale Beschreibungen der Massaker wechseln mit sonderbar kitschigen Naturschilderungen, und über allem und auf fast jeder zweiten Seite: Behördenprosa, Amtsbewegungen zwischen RSHA und AOK, zwischen SS und OKW. Die bürokratische Prosa, von Littell verwendet wie Thomas Mann im "Faustus" die Zwölftonmusik, entmündigt den Täter noch in der Lebensbeichte; er leidet, um ein Wort über den Kommandanten von Auschwitz zu variieren, unter den sachlichen Schwierigkeiten der Behördenkonkurrenz, nicht aber unter den unmenschlichen Zumutungen seines Auftrags. Genauso, sagt Littell, sagen die Quellen, genauso ist so einer: Er fotografiert den Elbrus im Sonnenaufgang, und am Abend fotografiert er die ermordeten Juden.

Von unerhörter Präzision

Was ist das für ein Buch? Es ist zunächst, und dafür spricht fast alles, ein Buch von einer unerhörten Präzision. Littell hat die Quellen in einer bislang beispiellosen Weise in sein Werk integriert: von Goldhagen (den er ablehnt) bis zu Christopher R. Browning, von Albert Speer bis zu Ernst Nolte, von Joachim Fest bis Ian Kershaw. Es ist enorm. Doch man kann vorhersagen, dass sich die Rezeption in Deutschland von der französischen schon allein deshalb unterscheidet, weil das gebildete deutsche Lese-Publikum viele dieser Fakten kennt, insgesamt über genauere Kenntnisse der historischen Vorgänge verfügt. Die französische Öffentlichkeit hat in weitaus geringerem Maße als die deutsche Kenntnis von den historischen, bürokratischen und ideologischen Fakten des Völkermords; schon deshalb wird Littells Roman in Frankreich auch als historischer Roman gelesen. Deutsche Leser werden beeindruckt sein von der Bändigung der Fakten in den kunstvoll übereinanderliegenden Schichten des Romans; aber sie werden nachdrücklicher die Frage nach der Hauptfigur stellen. Ist das der Täter? Erklärt Aues Biographie, was uns bis heute unerklärlich scheint? Ist es das Jahrhundertwerk, als das es von "Le Monde" gepriesen wird?

Das ist es wohl nicht. Dieses Buch hat einige große Passagen und Nebenstränge (Ernst Jünger im Kaukasus!), ist aber auch über einige Strecken fast unlesbar, es ermüdet durch die Darstellung ewiger Behördenquerelen, und es gelingt ihm oft nicht, seine Hauptfigur plastisch werden zu lassen. Wir haben hier nicht eine Geschichte vor uns, die zur Erzählung wird, sondern eine Vorarbeit, eine Geschichte, die der Autor gleichsam unter seine Kontrolle bringt, annektiert. Er macht sich im Erzähler zum Urheber, um den Kausalzusammenhang von Täter und ewigem Opfer aufzubrechen. Dieses Verfahren wurde seit Thomas Manns "Doktor Faustus" bis hin zu Jorge Luis Borges’ "Deutsches Requiem" literarisch bisher nur in Ansätzen angewandt. Max Aues fiktive Beichte ist das Buch, das hätte geschrieben werden müssen - die Täter gab es alle -, aber nie geschrieben worden ist. Jonathan Littells Buch ist das Buch, das nie hätte geschrieben werden sollen - weil Littell nie auf die Welt hätte kommen sollen -, und doch geschrieben worden ist.

Ein Forum für unsere Leser

Es ist dies kein "Krieg und Frieden", es ist, was sein literarisches Gelingen angeht, kein Jahrhundertbuch. Aber groß ist es dennoch. Groß und kalt. Dieser Leser ist unfähig mehr zu sagen; er ertappt sich dabei, wie er ein fast lexikalisches Verhältnis zu dem Werk entwickelte, je länger er es gelesen hat.

Dieses Werk stiftet Streit. Ihn wollen wir führen. Eben deshalb, weil uns das letzte Wort nicht einfällt. Den Vorabdruck in der Zeitung werden wir im Internet erstmals mit dem "F.A.Z. Reading Room" begleiten. Der Reading Room ist ein Diskussionsforum, das nicht nur die tägliche Folge des Fortsetzungsromans im Internet präsentiert, sondern den Text auch als Audiodatei und als Video Stream verfügbar macht, gelesen von dem Schauspieler Christian Berkel. Es ist ein Forum für unsere Leser, der Ort, an dem sie über das Buch diskutieren und miteinander ins Gespräch kommen können.

Neben dem Leserforum steht ein Expertenforum. Vom kommenden Montag an werden Historiker und Literaturwissenschaftler sich zu täglich wechselnden Fragen äußern, zu denen auch die Leser Stellung nehmen sollen.

Unsere Experten

Ulrich Herbert, einer der führenden Historiker des Landes, hat seine Habilitationsschrift über Aues Mentor Werner Best verfasst (Littell hat dieses Buch ausgiebig benutzt), seine Kollegen Jörg Baberowski und Anselm Doering-Manteuffel widmeten sich mit ihren Arbeiten einer Frage, die ins Zentrum des Romans führt: Sie erforschten, wie der zunächst konventionell geführte Krieg in einen Vernichtungsfeldzug mündete. Götz Aly hat der Holocaust-Forschung neue Impulse verliehen, indem er danach fragte, wie weit "rationale" und materielle Beweggründe für den Holocaust in der deutschen Bevölkerung verbreitet waren. Bei Littell blitzt eine solche Fragestellung auf, wenn ein Soldat während einer Erschießungsaktion die Qualität des Ackerbodens prüft, weil ihm Grund und Boden im eroberten Osten versprochen wurden.

Über die literarische Form des Romans, aber auch über die geistige Welt, in der sich Aue im besetzten Frankreich und im Deutschen Reich bewegt, dürften wenige mehr zu sagen haben, als der Freiburger Romanist Frank-Rutger Hausmann und der Heidelberger Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel. Hausmann ist ein exzellenter Kenner der deutsch-französischen Verhältnisse, Kiesel hat soeben erst eine große Biographie Ernst Jüngers vorgelegt. Auch der Zeitzeuge und Publizist Klaus Harpprecht und der Medienhistoriker Lutz Hachmeister werden sich an der Diskussion beteiligen.

Im April 1941 sagt Thomas Mann in einer seiner Rundfunkansprachen über Hitler: "Es ist unleidlich, wenn jemand, in dessen Haut niemand stecken möchte, beständig ,Ich’ sagt." Dieses Ich, in dem niemand stecken möchte und das doch noch die Nachgeborenen in seine üble Abhängigkeit zieht, ist das Ich dieses Romans.

Wir sind berührt und entfremdet von dem Werk, das mit den Namen weniger das Schicksal vieler wieder aufruft. Es sollen viele sein, die darüber diskutieren.


Text: F.A.Z., 02.02.2008, Nr. 28 / Seite 33
Bildmaterial: Holocaust Memorial Museum

Kommentare


02.02.2008 | 14:58 Uhr
BRUNNENKALENDER schreibt: Das Kind macht sich selbst

Professor Dr. Edeltrud Meistermann, die 1999 verstorbene Psychoanalytikerin, hat immer wieder in ihren Studien über die prä- und perinatale Entwicklung des Menschen darauf hingewiesen, dass das Kind sich selber schafft.

Die hohnlachende Erklärung des Satyrs gegenüber König Midas, auf die Frank Schirrmacher anspielt, dass dieser das größte Glück des Menschen, nicht geboren zu sein, schon nicht mehr erlangen könne, entspricht zweifellos dem buddhistischen Ziel. Dagegen halten die Türken die Vorstellung hoch, dass man jederzeit um sein Leben kämpfen soll, ohne aber auf die Tötung des Gegenübers aus zu sein.

Diese Haltung läuft auf die Suche nach Selbstbestimmung hinaus, indem man/frau notfalls dem Gegenüber befiehlt, sich nur ja vom Acker zu machen. So sagten wir Deutschen jedenfalls, als unsere Städte noch buchstäblich in Blüte standen, und das sollte jedem bewusst sein, der sich dieser Gewaltorgie von Buch stellen will.

Wolfgang Henrich, Remagen


03.02.2008 | 14:10 Uhr
hjmetzger schreibt: Täter schweigen in der Regel

Es ist gut, dass dieses Buch, das ich im frz. Original gelesen habe, geschrieben wurde, eben weil es keine (fiktive) Beichte ist. Täter schweigen in der Regel. Und wenn sie tatsächlich beichten, dann im Schutz des Geheimnisses, also unhörbar, unlesbar. Die Behördenquerelen mögen ermüdend sein. Doch muss sich das gebildete deutsche Lesepublikum darauf gefasst machen, dass gerade in der Innensicht des zwischen den Instanzen ausgetragenen Wettbewerbs um direkte Vernichtung von Menschen oder Vernichtung durch Arbeit die Zumutung des Buches liegt.
Hans-Joachim Metzger


03.02.2008 | 18:04 Uhr
HerbertDebes schreibt: Chance & Gefahr

Jeder neue Versuch, dem bislang größten organisierten Verbrechen der Menschheitsgeschichte: die systematische Verfolgung und industriell betriebene Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten, ihre Helfer und Helfershelfer von Juni 1941 bis April 1945, in seiner historischen und menschlichen Dimension gerecht zu werden, ist zu begrüßen, denn er birgt für die Nachgeborenen die Chance zum Lernen & Verstehen eines für sie unfaßbaren Grauens.
Der 'Readingroom' bietet, indem er die technischen Möglichkeiten des Internet nutzt, diese Chance, in einen intermedialen Diskurs zu treten. Dabei geht er freilich auch die Gefahr ein, sich in der Bewußtlosigkeit jener Stimmen aufzulösen, die sich in der heute hippen Forenlandschaft gerne als 'Bärenplanschi' oder 'Mausi666' zum Unworte melden. Wir sind gespannt, wie sich dieser Raum entwickeln wird. Das vorgegebene Thema ist groß, mögen es die gerufenen Geister auch sein.
Herbert Debes


04.02.2008 | 10:11 Uhr
t.u.vogel schreibt: Kaputt

Jetzt habe ich das Glueck gehabt, die franzoesische Ausgabe vor einem Jahr zu lesen:
Es faengt stark an, sehr stark, man denkt irgendwie an Homer. Singe, Muse... Dann kommt die "action", und selbst auf Franzoesisch wird das deutsche Beamtenkriegertum voll plastisch. Aber dann kriegt der Literat Ferrari Probleme mit der Gangschaltung, und Dr Aues Inzest und Matrizid bringen uns von der Ueberholspur in den Stau an der Baustelle Taeteridentitaet: wir koennen aufatmen, ein Intellectueller vielleicht, ein Perverser ganz bestimmt, unser lieber Dr Aue. Und damit geht die Universalitaet des Helden verloren. Schade.
PS In dem Kontext ueberraschend, dass Malaparte's Kaputt kein massives "comeback" feiert
thomas vogel


04.02.2008 | 13:37 Uhr
Wolfgang.Hoefft schreibt: Zur erwähnten Kritik von Claude Lanzmann

"Dieser SS-Mann bei Littell spricht oft wie ein Jude", erläutert Lanzmann. "Ich habe ihm (Littell) gesagt, dass es nie einen SS-Mann wie Max Aue gegeben hat. Er weiß es. Und er sagt dazu: Ohne Max Aue gibt es das Buch nicht. Gleichzeitig hat dieser Roman etwas Verrücktes. Max Aue ist überall. Er ist in Stalingrad, er ist in Paris mit den französischen Kollaborateuren. Er trinkt mit Eichmann Tee. Er speist mit Himmler."


12.03.2008 | 16:25 Uhr
Gustav Adolf Pourroy schreibt: Bericht aus dem Inneren des Massenwahns

Nicht tausende von Worten können den Wahn der Zeit des Holocaust besser beschreiben als das Foto von dem Beisammensein der Täter.

Aber der Versuch eines nach dem Krieg Geborenen, sich in die Psyche der Täter einzufühlen, die Seelen der Apparatschicks zu durchleuchten, die bürokratisch genau Güterzüge mit Menschen in den Holocaust schicken, die Akteure in Soziotechnischen Systemen zur Vernichtung von Rassen in ihren Handlungen zu schildern, war sehr wichtig. Das Buch musste geschrieben werden.

Die Erinnerungen der Täter selbst sind in Gerichtsurteilen wiederzufinden. Wie solch Massenwahn entstehen konnte, wie die Akteure selbst gar nicht erkannten, was sie taten, das hat Hannah Arendt über den Eichmann-Prozess geschrieben "…er war nur der beflissene Beamte eines bösen Systems." Dieser Bericht aus dem Inneren des Massenwahns ist wichtig – noch wichtiger ist es jedoch zu erkennen, welche Teufeleien und Mechanismen ein Volk in solch einen Massenwahn führen können: Heute noch !


04.06.2008 | 12:52 Uhr
Heike Huslage-Koch schreibt: Jede/r sollte es lesen!

Mein Großvater väterlicherseits hat sich im Sommer 1942 von seiner schwangeren Frau mit den Worten: "Ich komme wohl nicht wieder" verabschiedet und fiel dann kurze Zeit später bei Stalingrad. Mein Großvater mütterlicherseits starb 1956, nachdem er aus russischer Gefangenschaft entlassen worden war.
Natürlich bin ich mit den Vorkommnissen des 2. Weltkriegs aus dem Geschichtsunterricht vertraut, doch Littell macht sie lebendig. Und ich komme gar nicht umhin darüber nachzudenken, wie sich meine Großväter in diesem Krieg gefühlt haben, was sie gewusst, gedacht, woran sie sich beteiligt haben.
Jahrgang 1959


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