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Lorenz Jäger

Frage des Tages:

Wie ist der ungeheure Erfolg des Romans in Frankreich zu erklären?

Große, historische Siege müssen für jede Generation neu ins Gedächtnis gerufen werden. Ist der immense Erfolg von Littells Weltkriegs-Roman in Frankreich - achthunderttausend verkaufte Exemplare - deshalb als nationalpädagogische Stabilisierungsmaßnahme zu verstehen, spiegelt er die literarische Qualität - oder hat er ganz andere Gründe?

Beiträge

07.02.2008 | 09:58 Uhr

anneberlin: Faszination des Bösen

das bestimmt, aber auch sehr lückenhaftes Wissen über den Holocaust. Gerade in Frankreich weiss man mehr z.B. über den Widerstand und die Allierten-Landung als über die Ausrottung der Juden.

Wer Hilberg gelesen hat oder einfach "nur" "Konzentrationslager Dokument F321" (direkt nach dem Krieg verfasst, systematische Beschreibung des KZ-Lebens, bereitet mir - 20 Jahre nachdem ich es gelesen habe - immer noch Alpträume vor), weiss eigentlich schon alles, was Littell in einem oft "schweren" Stil erzählt. Grosse Litteratur ist es meiner Meinung nach nicht (ich bin Französin und habe es auf Französisch gelesen).
Auf jeden Fall hat er es geschafft, bestimmt bei jedem Leser ein unheimliches Unbehagen vorzubereiten, und die Frage, wie man (="europäisch, zivilisiert, gebildet") sich im Dritten Reich verhalten hätte, stellt sich nach dieser Lektüre schon ein.

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07.02.2008 | 01:23 Uhr

vm.rollfink: Faszinosum des Bösen

Der Erfolg dürfte viele Gründe haben. Zu den maßgeblichen Gründen gehört sicherlich das Faszinosum des Bösen, das in dem Buch zwar einersseits mit dem Anschein der Autentizität präzise, kalt und ohne Empathie zu Wort kommt, andererseit den erzählenden Täter (auch) als Kunstpprodukt deutschen Ursprungs erscheinen lässt.

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06.02.2008 | 21:41 Uhr

pedro3: Vielleicht ist es der Existenzialismus...

der diesem Buch in Frankreich seinen Verkaufserfolg beschert hat. In diesem Land wird sich das nicht in dieser Weise wiederholen, so meine Prognose, weil sich Sinnsuche und Werteorientierung nicht unterkriegen lassen.

Der Lektüre dieses Buchs werde ich mich nicht weiter aussetzen. Das Erschrecken war dann doch stärker als das Faszinierende. Ich hoffe, der Reading Room legt dann bald ein anderes Werk zur Lektüre aus. Das Konzept ist sehr gelungen und in dieser Form im deutschsprachigen Internet einmalig.

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06.02.2008 | 20:48 Uhr

JUERGENSEN: zwischen historisierender Fleißarbeit und Hardporno ?

Zwischen 1/07 und 6/07 habe ich mich durch das gesamte französische Exemplar gequält. Zum Glück ist mein Französisch nicht so, daß ich jedes Wort verstehe. Aber es reicht (leider) auch so. Ich wollte wissen, wem man einen Prix Goncourt verleiht.

Als ich Schirrmachers Artikel und den geplanten Abdruck las, überlegte ich ernsthaft, die FAZ abzusbestellen... Wenn schon, hätte man die letzten 200 Seiten abdrucken sollen. Das Buch hat a u c h gute Passagen, etwa die Albträume in Stalingrad u.andere gestaltete Horrorphantasien. Die im letzten Teil durchgängigen perversen inzestuösen Phantasien, die keine Grenzen mehr kennen, muß man auch als Phantasien des Autors sehen,ebenso wie das brutale sadistische Morden der letzten Passage.
Benutzt der Autor seine Figuren für eigene Rache ???
Vergleichsweise ist der Preistext von 2007 nett und harmlos. Aber mir bleibt der Eindruck einer französichen Geschmacksverirrung angesichts dieser Preisverleihungen.

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06.02.2008 | 19:22 Uhr

Sahe: Das Buch hat Erfolg

und wird ihn auch in Deutschland haben, weil es in ihm eine spannungsgeladene Geschichte gibt, die auf die Menschen eine grausige Faszination ausübt. Ein intelligenter Mensch übt Verbrechen aus, zu denen er sich bekennt und zu denen er eine auf den ersten Blick sogar einleuchtende Erklärung abgibt, die ihn irgendwie rechtfertigt.

Die Bücher und Filme über den Serienkiller Hannibal Lector, die auch sehr erfolgreich waren, gründen auf demselben Fundus. Ich denke aber, die Leser können damit gut umgehen. Dieses Buch wird niemanden bewegen, die Untaten als gerechtfertigt anzusehen.

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06.02.2008 | 19:12 Uhr

Huang-Po: Der Holocaust als mediales Ereignis

Bei der Lektüre der von Ihnen veröffentlichten Teile des Romans in deutscher Übersetzung spüre ich ein zunehmendes Unbehagen, welches durch den Präsentationsrahmen ("Eventisierung") eher noch verstärkt wird.

Ich habe in den letzten Monaten aus vielerlei Gründen erst das "Echolot" von W. Kempowski und dann für mich in direkter Konsequenz "Das Dritte Reich und die Juden" von S. Friedländer gelesen, zwischendurch Browning, Aly und Levi. Es fällt auf diesem Hintergrund sehr schwer, das Werk Littells zu goutieren; in der Sache erfahre ich nichts Neues und der literarische Ansatz wirkt artifiziell, künstlerisch keineswegs zwingend und im Ergebnis trivial. Ich werde das Buch trotzdem lesen, weniger aus literarischem Interesse, sondern als nicht uninteressantes Kondensat einer sehr persönlichen und intensiven Auseinandersetzung mit dem abgründigsten Phänomen der Menschheitsgeschichte. Für meinen Teil möchte ich allen Friedländer ans Herz legen. Pax et bonum!

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06.02.2008 | 17:49 Uhr

Baldamus: Revolutionskitsch

Bereits nach den ersten beiden Worten des Buches ist klar: Hier spricht/schreibt kein ehemaliger SS-Mann und kein Deutscher. Die Formulierung "Ihr Menschenbrüder" widerspricht der Ideologie der SS, wonach es Übermenschen, Menschen und Untermenschen geben soll. "Menschenbrüder" würde ich als typisch französischen Revolutionskitsch bezeichnen.

Das hätte in Deutschland vielleicht noch Friedrich Schiller vor mehr als 200 Jahren schreiben können, ohne sich sofort bis auf die Knochen zu blamieren. Offensichtlich tritt hier das Söhnchen eines Bestseller-Autors in Papas Fußstapfen.

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08.02.2008 | 17:00 Uhr
Eckart Haerter schreibt: Egal...

... ob bei Schiller oder Villon abgekupfert. Es ist der geniale Einstieg in diese Ich-Erzählung...


07.02.2008 | 16:14 Uhr
kades schreibt: Ja ein Jude spricht, hat jemand etwas anderes behauptet

Jetzt, so heißt es, stellt sich die Authentizitätsfrage völlig neu, seitdem keiner mehr gefragt, keiner mehr gekränkt werden kann aufgrund unmittelbarer Betroffenheit.
Nur könnten wir uns täuschen, denn die Kränkungen setzen sich auf einer, wenn auch völlig anderen Ebene in der zweiten und dritten Generation fort, bei jenen, die sich als autorisierte Wächter des Erbes mit Auslegungshoheit verstehen.

Handelnd wie gute Kinder und das Andenken der Eltern und Großeltern hütend, es vor Kritik, vor Indienstnahme, vor Gelächter, vor Beschmutzung, letztlich auch vor Normalität schützen. Es gibt so eine auf Täter- wie auf Opferseite erweiterte Vermeidungsstrategie, die auf beiden Seiten wirkt. Erstens: Nur Juden dürfen überhaupt sich dem Thema nähern, da wo es heikel wird. Die anderen schweigen. Zeitgenossenschaft war bis jetzt die zweite Bedingung, um über das Thema der Opfer zu schreiben. Und nur Zeitgenossen durften ein Urteil fällen über die Täter, so argumentiert auch noch Lanzmann.


07.02.2008 | 16:01 Uhr
kades schreibt: Ja ein Jude spricht, hat jemand etwas anderes behauptet

Jetzt, so heißt es, stellt sich die Authentizitätsfrage völlig neu, seitdem keiner mehr gefragt, keiner mehr gekränkt werden kann aufgrund unmittelbarer Betroffenheit.
Nur könnten wir uns täuschen, denn die Kränkungen setzen sich auf einer, wenn auch völlig anderen Ebene in der zweiten und dritten Generation fort, bei jenen, die sich als autorisierte Wächter des Erbes mit Auslegungshoheit verstehen.

Handelnd wie gute Kinder und das Andenken der Eltern und Großeltern hütend, es vor Kritik, vor Indienstnahme, vor Gelächter, vor Beschmutzung, letztlich auch vor Normalität schützen. Es gibt so eine auf Täter- wie auf Opferseite erweiterte Vermeidungsstrategie, die auf beiden Seiten wirkt. Erstens: Nur Juden dürfen überhaupt sich dem Thema nähern, da wo es heikel wird. Die anderen schweigen. Zeitgenossenschaft war bis jetzt die zweite Bedingung, um über das Thema der Opfer zu schreiben. Und nur Zeitgenossen durften ein Urteil fällen über die Täter, so argumentiert auch noch Lanzmann.


07.02.2008 | 01:26 Uhr
Baldamus schreibt: Ich bleibe dabei: Kitsch

Nun, meine Herrschaften, wo wäre mehr Revolutionspathos als bei Villon? Dafür, dass die Revolution noch nicht im 15. Jahrhundert ausgebrochen ist, konnte der arme Kerl ja nichts. Aber ein "asoziales Element" wie ihn, der ständig gegen Adel und Klerus hetzte, hätte ein Orden wie die SS wohl als erstes "liquidiert".

"Alle Menschen werden Brüder..." heißt es bei Schiller, nicht? Und die Ideologie der SS war das genaue Gegenteil davon. Ich bleibe dabei: Wenn man mit diesem Pathos die fiktive Autobiographie eines SS-Mannes beginnen lässt, wird Kitsch daraus. Das wäre ungefähr so, als würde Josef Mengele seine Autobiographie mit einem Zitat aus dem Tagebuch der Anne Frank eröffnen. Was soll das sein? Ironie? Spott? Nein, es ist einfach nur unsagbar schlechter Stil. Und keine Literatur. Wenn es diesem Trottel von Lektor gefallen hat, umso schlimmer. Wenn man sich schon anschickt, eine "Ästhetik des Massenmords" zu fabrizieren, sollte man wenigstens so gut schreiben können wie Peter Weiss.


06.02.2008 | 20:00 Uhr
mynona schreibt: Ganz einfach: abgeschrieben

"Ihr Menschenbrüder ..." ist ganz schlicht und einfach die aus der "Grabschrift" von Francois Villon abgekupfert. "Ihr Menschenbrüder, die ihr nach uns lebt, / Wollt nicht, daß Euer Herz hart von uns denkt; ..." Schon der erste Satz ist mit also Bedacht (und Händchen fürs Verlagsgeschäft) kalkuliert, nicht nur der Lektor Richard Millet war sofort begeistert und wollte "Menschenbrüder" unbedingt als Titel haben.


06.02.2008 | 18:15 Uhr
E.Haerter schreibt: Einer von uns

"Volksgenossinnen und Volksgenossen, hörrt mich an!"
Welcher ehemalige SS-Mann würde denn heute noch so sprechen? Das wäre doch grotesk. Nein, der Mann ist doch längst in unserer Zeit angekommen. "Meine Menschenbrüder, hört mich an wie alles kam, ich kann euch was erzählen..." . Der trägt auch keine Reitstiefel mehr, sondern ganz normale Kleidung von heute. Einer von uns...


06.02.2008 | 18:13 Uhr
HerbertDebes schreibt: Blamage

Werter Baldamus,
wer sich hier blamiert hat, ist ja dann auch klar, oder?



06.02.2008 | 17:31 Uhr

HansUlrichVoss: Wie ist dieser Erfolg nur zu erklären??? Ganz einfach:

Man nehme:
Einen SS-Offizier(natürlich in einer schwarzen Uniform mit Reitstiefeln+Gerte), fülle dessen Schädel mit allerlei avangardisitscher Literatur, verpasse ihm ein paar homoerotische/inzestuöse Phantasien (die er im Idealfall auch ausleben darf - natürlich minutös beschrieben), gönne dieser Kunstfigur ein Stelldichein mit der Elite des "dritten Reiches" und lasse sie bei allerhand Greultaten zugegen /bestenfalls beteiligt sein.
Fertig ist der kalkulierte Skandal.

So watet denn die Hauptfigur durch die knapp 1400 Seiten der dt. Übersetzung durch einen See aus Blut, Dreck und Sprema - veranschaulicht durch eine blumig, antik wirkende Sprache die der vermeintlichen Intellektualität der Hauptfigur (oder des Autors) Rechnung trägt.

Mein Tipp: Macht dieses Buch unbedingt zur Schullektüre - Sätze wie "Noch den Arsch voller Sperma, entschloss ich mich dem Sicherheitsdienst beizutreten" sollte man unsere Jugend nicht vorenthalten.

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22.02.2008 | 17:40 Uhr
Horst Gothus schreibt: nicht nur Pornografie

Zugegeben, auch mich haben die pornografischen Schilderungen angewidert.
Auf den 950 Seiten der französischen Ausgabe finden sich derartige Schilderungen auf insgesamt vielleicht 20 bis 30 Seiten, davon allein vielleicht 15 Seiten in den sehnsuchtsvollen Gedanken an seine über alles geliebte Schwester auf deren Gutshof.

Nicht nur Sie, Herr Voss, überschätzen das Gewicht und die Bedeutung - manche Kritiken tun so, als ob das ganze Buch ausschließlich hiervon handelt.
Die Ermordungsszenen durch Erschießen nehmen auch nicht mehr Raum ein. Sind etwa die Vergasungen und die Todesmärsche ästhetischer, nur weil kein Blut fließt? Das alles war nun mal furchtbar.
Aues Aufgabe war großenteils die Logistik, die diese Verbrechen ermöglichte. Da musste der Autor schon zeigen, wohin diese Logistik führte.


06.02.2008 | 19:42 Uhr
molloy schreibt: Wenn es so einfach ist, einen Bestseller zu schreiben,

warum versuchen Sie's nicht mal selbst ?



06.02.2008 | 16:00 Uhr

rosenholz1222: Ein Vorläufer von Littell

Unter die Vorläufer von "Die Wohlgesinnten" ist sicherlich auch der 2005 erschienene Roman "Der Pakt" von Philip Kerr zu zählen. In Kerrs Buch spielt u.a. auch der SS-Brigadeführer Walter Schellenberg eine größere Rolle. Dieser wird relativ distanziert, aber nicht ohne Sympathie geschildert.

Natürlich kann man die beiden Bücher nur bedingt miteinander vergleichen. Kerr's Figur fehlt die schneidende, kalte, zynische Haltung von Max Aue ebenso wie dessen vollkommenes moralisches Desinteresse. In der Schilderung des SS-Macht- und Mordapparates gibt es jedoch Parallelen.

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06.02.2008 | 14:49 Uhr

j.noack: zum heutigen Leseteil (06.02.08):

Mir wird unheimlich bei der Argumentation Max Aues, "Was ich getan habe, geschah in klarer Erkenntnis der Sachlage, in der festen Überzeugung, es sei meine Pflicht, es sei unumgänglich, mochte es auch noch so unangenehm und betrüblich sein".
Auch seine anderen Argumente klingen alle so logisch.

Keiner war schuldig, die Krankenschwester nicht, der Arzt nicht, der Weichensteller bei der Bahn nicht, der Schütze oben am Massengrab nicht,.... Da wurden Millonen Menschen umgebracht - und keiner war schuldig? Wer war es denn? Kann mir einer der "Experten" hier bitte mal weiterhelfen?
Einen weiß ich: Hitler. Nachzulesen bei Sebastian Haffner, "Anmerkungen zu Hitler", Seite 164 ff. Er nur allein?

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06.02.2008 | 18:57 Uhr
j.noack schreibt: Ich hatte mir eine andere Antwort gewünscht

Die Schuld bei "Anderen" zu suchen, ist keine Antwort auf die furchtbaren Verbrechen der Nazis. Bei diesem ungeheuren Vorgang sollten wir uns erst mal an die eigene Nase fassen.

Außerdem bezog sich ja meine Frage auf den Text der 4. Folge.
Kann mir da ein richtiger Experte helfen? Vielleicht Klaus Harpprecht?


06.02.2008 | 17:26 Uhr
hadeze schreibt: eben kaum, nur einer

Haffner kenne ich schon länger. leider ist nicht nur Hitler schuldig, sondern Stalin, Churchill, Rooseveldt, Truman, die chinesische Regierung, die japanische, die jugoslawische, besonders Tito, die ital. und Mussolini... das wird zu langweilig, sie alle zu nennen.

Littell hat schon Recht. Unser Recht ist krumm. Recht bei uns ist schon immer krumm gewesen, denn die Sieger legen sich den Mantel der Besseren um die Schulter. Wir wissen bis heute nichts von Stalins Massengräbern, mehr von Adolfs KZs. Warum ist das? weil die Siegermächte es Stalin erlaubten, seine Untaten auf immer zu verheimlichen. Zu morden und zu verheimlichen, dass die Tat überhaupt geschah - damit, mit diesem moral. Verbrechen müssen viele Völker weiterleben. Aber was man nicht weiss....



06.02.2008 | 11:56 Uhr

E.Haerter: Ästhetizismus des Bösen

Macht, Geilheit des Sadismus, Skrupellosigkeit, Gloire, schwarze Uniformen, Paraden, Rausch der Rede, Aufpeitschung der Massen, Gentlemen-Offiziere auf Pariser Boulevards, Beethoven ... Der ganze Ästhetizismus des Bösen übt eine grausige Faszination aus. Und Aue erklärt uns jetzt, wie man als gebildeter und vor allem kultivierter Mitteleuropäer mit tadellosen Manieren, gleichwohl eine Bestie mit Stil sein kann.

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06.02.2008 | 18:06 Uhr
E.Haerter schreibt: @hildennet

Ich habe lediglich versucht, auf die heutige Frage des Tages eine Antwort zu finden, nämlich warum gerade in Frankreich dieser Roman so erfolgreich ist.


06.02.2008 | 13:49 Uhr
hildennet schreibt: Gut und Böse

Ist das nicht unsere Wirklichkeit? Wissen wir denn, ob unser netter Nachbar nebenher auch Kinderschänder ist? Haben wir nicht alle ab und zu den Wunsch, jemanden umzubringen? Die meisten von uns tun es nicht, aber täten wir es niemals, auch nicht unter anderen Verhältnissen oder in extremen Situationen?

Das Böse ist nicht Geschichte, sondern allgegenwärtig. Wir sind heute genauso gleichgültig wie unsere Vorfahren. Ritualisierte Betroffenheitslyrik darf uns nicht darüber hinwegtäuschen.



06.02.2008 | 11:30 Uhr

hdkrebs: Abschreckend

Wer sich durch die "nur" 905 Seiten (inkl. Anmerkungen) starke französische Ausgabe gekämpft hat, der ist bei vielen bedingt interessanten und erschreckenden Details und Reflexionen, die der SS-Offizier über seine Erlebnisse und Erfahrungen von sich gibt, abgeschreckt.

Die oftmals spürbar angelesenen Aussagen werden von Seite zu Seite immer abschreckender, weil sie auch nicht selten geschwätzig erscheinen; z. B die redundanten Rechnungen,wieviele Menschen am Tag und in der Stunde ermordet worden sind. Hinzu kommt die lesefeindliche Zumutung, über Seiten hinweg ohne jeden Absatz mit Wortkaskaden überschüttet zu werden.
Jetzt sich noch mit der deutschen Übersetzung zu befassen - das ist für mich pure Zeitvergeudung, auch wenn es interessant wäre, zu lesen wie Herr Aue, so angekündigt, dem Gröfaz in die Nase beißen soll. Welch toller Gag!
Ob alle 800 000 Käufer des französischen Originals bis zu Ende gelesen haben, bezweifle ich sehr.

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06.02.2008 | 09:27 Uhr

KW2: Schlechtes Gewissen?

Ohne die "Hilfswilligkeit" der französischen Behörden und von Teilen der Bevölkerung
mit ihrem teils offenen Antisemitismus wäre es den deutschen 40-44 kaum möglich gewesen, den Völkermord auch mit Menschen aus Frankreich zu speisen.

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06.02.2008 | 10:13 Uhr
hildennet schreibt: Nun ja,

ohne die "Hilfswilligkeit" der Vielen, wie ja im heutigen Abschnitt sehr genau beschrieben, wäre der Völkermord nirgendwo möglich gewesen.



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