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Donnerstag, 14. Februar 2008
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Frage des Tages:

Was geht uns Max Aue an?

Hat Jonathan Littell mit Max Aue eine Figur geschaffen, mit der man sich identifizieren kann -oder soll man das gerade nicht? Welchen Erkenntnisgewinn gewährt Littells ungewöhnliche Erzählerperspektive? Wie ist Ihr Eindruck nach den ersten Folgen? Eine Leserfrage von Jens Siebke.

Beiträge

14.02.2008 | 13:50 Uhr

Alexander Dillenburg: Littell zieht mir den Teppich unter den Füßen weg

Ich befürchte, dass ich an den Roman noch lange denken werde. Die intime Perspektive von Max Aue beschäftigt mich schon seit ich denken kann und mich diese Frage während der Schulzeit mit Wucht traf.

Ich bin mir sicher, dass ich mich nicht mit Aue identifizieren kann, aber es ist - zumindest am Anfang der ersten Kapitel - ein schmaler Grad. Der Abgrund ist ungeheuerlich und in den weiteren Kapiteln wohl nur schwer zu ertragen. Littell wirft Fragen auf, deren Beantwortung mir Angst macht, und ich bin nicht leicht zu beeindrucken.
Wahrscheinlich wird der weitere Verlauf so absurd, dass ich es nicht mehr auf meine eigene Lebenswirklichkeit beziehen kann, aber das Schweigen der eigenen Verwandtschaft nach dem Krieg klingelt noch in meinen Ohren. Ich bin entsetzt, finde den Ansatz von Littell jedoch richtig für die Fragen der nachfolgenden Generationen. Littell versucht die Sprachlosigkeit anders anzugehen. Ein wichtiger Versuch, Antworten erwarte ich aber nicht.

Kommentare

24.02.2008 | 21:01 Uhr
Markus Mielke schreibt: Eine beunruhigende Frage

Ja, genau das ist es, die Frage nach der Sprachlosigkeit und natürlich dem Warum, denn wie oft frage ich mich: Wie hätte ich reagiert? Wäre ich ein Scholl oder eher ein Mitläufer? Oder aber ein Täter? Das ist eine sehr spannende und auch beunruhigende Frage!



14.02.2008 | 12:10 Uhr

Manfred Lubitz: Um Identifikation

geht es bei der Figur von Max Aue für mich nicht. Aber aus seinen bisherigen Erlebnissen läßt sich nachvollziehen, wie er in diesen ganzen Schlamassel hineingerutscht ist. Bisher scheint er nicht der geborene Killer seiner Mitmenschen zu sein.

Ich habe das Gefühl, dass er sich ganz allmählich an das Grauen gewöhnen und irgendwann die Grenze überschreiten wird. Aber Littell wird keine Hilfe geben, wie die Grenzüberschreitung vermieden wird. Da muss man selber drüber nachdenken.

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Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

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