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Dienstag, 19. Februar 2008
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Patrick Bahners

Frage des Tages:

Welche Rolle spielten die Intellektuellen bei Vorbereitung und Durchführung des Vernichtungskrieges?

Die Verführbarkeit der Intellektuellen ist lange als Problem der Linken diskutiert worden. In der deutschen Universität wurde die Legende gepflegt, man sei unbefleckt durch die braune Zeit gekommen. Dabei liegt auf der Hand, dass der Nationalsozialismus wie jede revolutionäre Bewegung auf Leute mit Ideen angewiesen war. Nicht nur die technische Intelligenz ließ sich von Hitler mobilisieren: So einfach lässt sich Hitlers neuer Mensch dem alten Humanismus nicht entgegensetzen. Was beispielsweise Historiker, die Denkschriften über Umsiedlung schrieben, als "Vordenker der Vernichtung" tatsächlich bewirkt haben, ist in der Forschung umstritten.

Beiträge

20.02.2008 | 00:09 Uhr

Alfons Lenherr: Es ist nicht "der Intellektuelle", es ist der Mensch

Wenn es die Gebildeten waren und die, die reden und schreiben konnten, die etwas "von der Sache" verstanden, dann gab es gewiß eine sehr große Anzahl von Menschen, die, auch wenn die Nazis "die Intellektuellen" mit jüdischen und politisch unerwünschten Personen in einen Zusammenhang brachten, die Vorbereitung und Durchführung der Vernichtung als eine ihnen dienende Sache betrachteten.

Insofern spielten sie im Verbund mit vielen anderen eine entscheidende Rolle. Aber, verführbar ist jeder Mensch, ob intellektuell, intelligent, schlicht oder dumm. Die vom NS verführten Intellektuellen mögen ihre Karriere oder was immer sie gesucht haben, in jedem Fall wurden sie von Hitlers Henkershelfern "kalt erwischt"; es ist nicht "der Intellektuelle", es ist der Mensch, der durch Ideologie immer wieder Verführbare, durch politische und religiöse, der, aus vielerlei Gründen, die Lüge und die Verdrehung nicht erkennt, die sich eingeschlichen hat und dem der Mut, den Lügnern und Verbrechern ins Angesicht zu widerstehen, fehlt, wenn "die Sache" ruchbar wird. Ist das denn heute anders?!

Kommentare


19.02.2008 | 22:04 Uhr

Heinz Dieter Chiba: lange diskutiert worden?

Lieber Herr Bahrens, in bezug auf die "Linken" haben Sie sich sehr zurückhaltend geäussert. Schliesslich kamen die "Schwarzbücher des Kommunismus" erst Jahrzehnte nach Solschenitzyn u. Schalamow heraus.

Man fragt, warum die Intelligenz links (Grass z. B.) so lange brauchte zu verstehen, Massenmord kennt keine polit. Grenzen? Wie lange sprachen Medien links über dt. Alleinschuld? Wie lange darüber, dass alle Kriegsverbrechen Schuld der Wehrmacht o. SS? Wie lange, dass ein Holocaust einmalig i.d. tragischen Weltgeschichte sei?

Diese Irrwege alle wurden von der Intelligenz links bekräftigt u. getragen. Lange hat diese Einseitigkeit halb blind gemacht. Zu erkennen, heute, dass die Wahrheit komplexer, die Schuld nicht nur auf Berlin eingeengt sein darf, hat den verursachten Schaden aber nicht aufgehoben o. gut gemacht. Was wir hätten wissen können, z.B., wurde nicht weitergegeben u. ist auf immer vergessen - schlimmer sogar: respektlos verloren.

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Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

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