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Montag, 03. März 2008
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Zum Roman "Die Wohlgesinnten"

Jonathan Littel: "Ich wollte zeigen, wie in einer relativ normalen abendländischen Gesellschaft kultivierte Individuen einem kollektiven Wahn verfallen. Die Deutschen sind wir, jeder ist ein Deutscher. Sadisten gibt es überall, aber sie interessieren mich nicht besonders, mir geht es um die Normalität des Totalitarismus. Moralische Urteile in den Begriffen von Gut und Böse werden der Wirklichkeit nicht gerecht. Die Griechen gingen von den Fakten aus, nicht von den Beweggründen. So war es auch bei den Nürnberger Prozessen. Diese Sichtweise ist mir lieber. ‚Die Wohlgesinnten' sind kein historischer Roman, sondern ein Roman der Geschichte."

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Beiträge

16.03.2008 | 11:35 Uhr

H. Neuer: Freiheit der Kunst

Schiebt man alle Nazi-Kulissen beiseite, geht es bei dem Streit um Littell aus meiner Sicht letztlich um die Frage nach der Freiheit der Kunst, die immer auch die Freiheit jedes einzelnen Menschen hier und jetzt betrifft.

Littell-Befürworter spüren, glaube ich, dass die Kitsch-, Porno- und Nazi-Keule, die in der Kritik ausgepackt wird, letztlich die Freiheit von uns Gegenwartsmenschen einschränkt und unsere Intelligenz beleidigt. Wobei es wohlgemerkt nicht um die Freiheit von Verantwortung geht, sondern um die Freiheit zur Möglichkeit, Erinnerung zu bewahren mit neuen Mitteln und eine Verbindung zu früheren Generationen zu schaffen. Das Ergebnis lohnt, auch wenn man stellenweise auf einem Seil ohne Netz geht.

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Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

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