04.02.2008 | 10:07 Uhr
msuesterhenn: Ein aktuelles Thema: Wer von uns ohne Schuld ist, der werfe...
Die wahren Bösen sind immer "gemischte Charaktere": sympathisch, gut und böse
(vgl. Friedrich Schillers Dramentheorie)
Eine kleine Analogie, wie man zum Massenmörder oder Mitläufer wird.
Eingeninteresse, moralisches Denken, oberflächliches Wissen, Ausmachen des Feindes:
Ich hatte Mäuse in der Garage; jeder weiß, Mäusekot führt bei Menschen zu Krankheiten – oder nicht? Mein Haus und meine Familie waren zu schützen.
Bequemlichkeit, Unterdrückung der Gefühle und Bedenken zugunsten des großen Zieles:
Ein Kollege meinte, ich solle mich nicht so anstellen, auf unpraktische Lebendfallen verzichten, und schenkte mir zwei Schlagfallen.
Wegschauen, Gewöhnung, Anerkennung:
Ergebnis: acht Mäuse in einer Woche. Ab der zweiten Maus war das Töten Routine. Die zerquetschten Köpfe waren auch nicht sichtbar. Meine Nachbarin fragte mich lobend, ob ich diese Tätigkeit nicht beruflich ausüben wolle; worauf ich dann nur lachend antwortete: "Ja, als Massenmörder."
Tatjana Mezentzeva schreibt: @Monika Hassa & Wolfgang Krust
Ich kann mich dieser Meinung nicht anschließen. Ich finde, der Roman ist nichts anderes, als ein Versuch, die Schuld an die anderen Menschen abzusprechen... Und zwar eine, die bei dem Protagonisten ja auch tatsächlich da ist!... Die Ambivalenz der von mir bereits früher geschilderten Aspekte rechtfertigt leider den - wohl wenig ruhmvollen - Charakterzug "Nazi", als dass eine einheitliche Identifikation der sich dem Buch Zugewidmeten mit der Sichtweise des "Ich"'s in dem Roman des Letzteren ernsthaftes Ziel darstellen könnte.
Wolfgang Krust schreibt: Reue
Ich stimm Frau Hassa zu: der Weg des Massenmörders beginnt nicht mit der Reue. Ich finde es gerade wichtig und interessant, die Denkweise Aues kennenzulernen, bevor er eventuell bereuen sollte.
Ich kann es nicht verstehen, dass man sich so wenig mit der Motivation und der subjetiven Seite der Täter beschäftigt. Ich hoffe der Roman wird von ganz vielen gelesen.
Monika Hassa schreibt: Reue ...
... hilft nichts zur Vermeidung. Denn es werden nicht die selben sein, die in künftiger Zeit Gleiches tun werden.