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Podium:

Ist Deutschland eine Integrationsgesellschaft?

Sie waren auf der Suche nach einer neuen Heimat oder vorübergehend nach Arbeit: Millionen Vertriebene, Gastarbeiter, Flüchtlinge aus der DDR und aus vielen Ländern der Erde kamen im Laufe der Jahrzehnte in die Bundesrepublik. Auch wenn die großen Konflikte ausblieben, gab es Ängste vor dem Fremden, vor Ghettos, vor der "Pest des islamistischen Fundamentalismus" (Hans-Ulrich Wehler). Wie integrationsfähig ist die deutsche Gesellschaft?

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Beiträge

Hans-Ulrich Wehler
15.09.2008 | 14:43 Uhr

Hans-Ulrich Wehler: Sammel-Replik

Der Begriff der "Integrationsgesellschaft" wird von mir nicht verwendet. Unstrittig ist die Leistung bei der Aufnahme von Millionen von Flüchtlingen, Vertriebenen, Arbeitsmigranten, Russlanddeutschen, ausländischen Flüchtlingen, da die Bundesrepublik in ihren ersten 50 Jahren die relativ höchste Zuwanderungsquote der westlichen Welt aufwies, selbst die USA übertraf. Das war die Leistung eines Landes, das sich lange Zeit ja noch immer nicht als Einwanderungsland verstand – was es seit den 1890er Jahren de facto aber war.

Mit der Zuwanderung ausländischer Migranten sind jedoch gravierende Probleme verbunden, denen sich Fahrmeier in seinem ungerechtfertigten Integrationsoptimismus und Leistungsstolz nicht stellt. Die erdrückende Mehrheit der ausländischen Zuwanderer, welche zurzeit die große Basis im Block der Bundesbewohner mit "Migrationshintergrund" bilden, bestand aus ungelernten Arbeitskräften, denn nach ihnen gab es jahrzehntelang eine Nachfrage. Abelshauser hat ja unlängst die These verfochten, dass der Sockel von Millionen ungelernten und jetzt arbeitslosen ausländischen Arbeitskräften das eigentliche Dilemma der deutschen Dauerarbeitslosigkeit darstellt.

Jetzt regiert wieder die klassische Formulierung: Erst Privatisierung der Gewinne (welche die Unternehmen, aber auch die Stadtverwaltungen mit diesem Arbeitskräftepotential gemacht haben), jetzt Sozialisierung der Verluste (da die Integration noch immer weithin stockt und die Gesellschaft endlich die horrenden Kosten für Vorschulerziehung, Begleitpersonal, Ganztagsförderung usw. aufbringen muss, um im Sinne einer wirklichen Integration und Assimilation den Sprengstoff ausländischer Submilieus wie in Berlin entgegenzuwirken). Wer hält die soeben wieder in Berlin ermittelte Bilanz für einen Grund zu Integrationsoptimismus? Wird doch mehr als die Hälfte der türkischen Erwerbsfähigen in der Stadt als arbeitslos erfasst, sie leben von den Transferleistungen des Staates und ihrer Familie; drei Viertel der Jugendlichen aus diesem Milieu können und wollen einen Hauptschulabschluß nicht gewinnen; die Verbände opponieren gegen die Vorherrschaft der deutschen Sprache auf dem Schulhof und im Schulgebäude, obwohl die vernünftigen Schüler aus Migrantenfamilien dafür eintreten. Ich erwähne das nicht nur als Vorwurf gegen die Bildungsferne zahlreicher analphabetischer Zuwanderer, sondern auch als Appell an die Politik, diesen potentiellen Gefahrenherd endlich durch eine intensivierte Eingliederungspolitik zu entschärfen. Dass die Russlanddeutschen und andere Minderheitengruppen vergleichbare Probleme aufwerfen, ist schwer bestreitbar. Angesichts der offenen Probleme treten die unleugbaren Assimilierungserfolge doch deutlich zurück.

Fahrmeier sollte eine Kerze stiften, dass kein aus Deutschland stammender Attentäter ausländischer Herkunft – wie in Köln und im Sauerland geplant – ganz so zuschlägt wie in England und Spanien. Am Abend danach würde die Welt hierzulande anders aussehen, Schäubles Sicherheitsforderungen würden über Nacht akzeptiert. Wegen eines solchen denkbaren Szenarios halte ich die staatlich forcierte, finanziell großzügige, aber auch mit Sanktionsmitteln bewaffnete Assimilierungspolitik für ein Gebot der Stunde.

Kossert kommt noch einmal auf sein Dauerthema, die aus Hartherzigkeit und Egoismus verweigerte großzügige Aufnahme der Flüchtlinge und Vertriebenen in die westdeutsche Gesellschaft zu sprechen. Seine Anklage fällt, so berechtigt manche Kritik auch sein mag, viel zu negativ aus. Es hängt von den Erfolgskriterien und dem Zeitpunkt ab, zu dem man urteilt, wie die Charakterisierung der neuen Bundesbürger ausfällt. Dass aber einem derart geschundenen Land, wie der Bundesrepublik mit ihrer Eingliederung, mit dem Lastenausgleich, mit der Bewährung auf dem Arbeitsmarkt und der Teilhabe am wirtschaftlichen Aufschwung, nicht zuletzt mit der frühzeitigen Vermischung der Heiratskreise eine imponierende Leistung gelungen ist, drängt sich noch immer als Bilanz auf. Die Welt, sie ist nicht so, dass 12 Millionen vertriebene und acht Millionen ausländische Zuwanderer von jedermann umstandslos als willkommener Zuwachs begrüßt werden. Auf diese Meßlatte sollte Kossert verzichten.

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10.09.2008 | 15:44 Uhr

Josef Mooser: Viele kleine Aufstiege

Inklusion und Exklusion sind keine expliziten analytischen Begriffe bei Wehler. Er konzeptualisiert die soziale Ungleichheit als wirtschaftlichen Effekt der marktbedingten Klassenformierung und kulturelles Produkt der familiären Sozialisation. Gleichwohl ist die schon alte grosse Erzählung über die westdeutsche Gesellschaft als Integrationsgesellschaft präsent: in der Sozialpolitik der 1950er Jahre, die Armut als Folge von Krieg und Vertreibung eindämmte, in der Geschichte der Arbeiterschaft bei ihrem "Aufstieg aus dem Proletariat" und – immer wieder erwähnt, aber ohne ausdrückliche Problematisierung – im Antikommunismus als Konsensideologie.

Viele Hinweise auf Hürden der Integration bis hin zur Exklusion – verstanden als (Nicht-)Teilhabe an wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Chancen – enthalten die Ausführungen über die verschieden Aspekte der Klassenlagen. Einen dramatischen Schlusspunkt finden sie an prominenter Stelle im Ausblick. Hier ist die Rede von einem zugewanderten "ethnischen Subproletariat", das "assimilations- und bildungsfern" sich abschliesse, und Wehler befürchtet, dass sich ein "Sprengstoff ansammeln (könnte), der die ‚Rote Gefahr’ des 19. Jahrhunderts bei weitem übertifft".

Das ist ein massloser Alarmismus. Er erstaunt umso mehr, weil die an Max Weber orientierte Klassenanalyse bekanntlich als Instrument der Ernüchterung taugt. Wehler mag die Kategorien der Inklusion und Exklusion einer kulturalistischen Soziologie (die er auch sonst unangemessen abwertet) verschmähen, aber er vernachlässigt sie auch in seiner eigenen Form der Klassenanalyse. Dazu einige Anmerkungen im Blick auf die ausländische Arbeiterschaft.

Wehlers grossartige Synthese der "traditionellen" Dimensionen der sozialen Ungleichheit steht im Zeichen einer Fixierung auf die Oberklassen, auf die "krassen" Disparitäten der Vermögens-, Einkommens- und Bildungschancen sowie auf die Selbstreproduktion der meisten Elitegruppen. Auffallend wenig achtet er auf die vielfältige Auf- und Abstiegsmobilität unterhalb der Oberklassen. Sie wird in Bewegung gehalten vom Strukturwandel und den Konjunkturen der Marktwirtschaft und verbindet sich mit Inklusions-und Exklusionseffekten. Beispiele sind der Aufstieg zum Facharbeiter durch die berufliche Ausbildung, aber auch der Abstieg der Gelernten in gering qualifizierte Positionen infolge einer "falschen" Lehre oder von branchenspezifischen Krisen, der Wechsel von Kleinbauern in die Fabrik, von Arbeitern in Angestelltenpositionen, aber auch in die Arbeitslosigkeit usw.

In den letzten Jahrzehnten erfasste das infolge von Deindustrialisierung, Strukturwandel und Massenarbeitslosigkeit Millionen von deutschen Frauen und Männern und in besonderer Weise die Arbeitsmigranten. Letztere hatten und haben im ethnischen Vergleich zweifellos immer die schlechteren Chancen. Das übliche pessimistische Bild vom "Subproletariat" ist aber dennoch, auch für die Türken in der Bundesrepublik, einseitig. Es gibt zwar immer noch viel "Unterschichtung" durch die ausländischen Arbeiterinnen und Arbeiter. Festzustellen sind daneben aber auch nicht wenige gewissermassen kleine Aufstiege, viele Anstrengungen zu mittleren und höheren Bildungsabschlüssen und nicht zuletzt die soziale Integration durch binationale Ehen. Im übrigen: Was wäre die deutsche Comedyszene ohne Django Asül?

Wehler unterstreicht mit Schumpeter, dass die "Familie das wahre Individuum der Klassentheorie" bilde. Wie bei anderen Autoren wird aber die Familiengeschichte nur wenig mit der Geschichte der Klassenformierung verbunden, am ehesten und bezeichnender Weise in der "Habitus"-Bildung der Oberklassen. Aber wir wissen doch auch einiges über die Arbeiterfamilien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, von denen viele ebenfalls einen "Migrationshintergrund" hatten und deren Geschichte eine Vorstellung über die Chancen, Probleme und Leistungen der gegenwärtigen Migrantenfamilien schaffen kann.

Der Topos der "Verbürgerlichung" der Arbeiter und Arbeiterfamilien (den auch Wehler aufgreift) scheint mir zwar schief. Er verweist aber immerhin auf die enormen Anstrengungen, das Leben in die eigene Hand zu nehmen und sich in einem spannungsvollen und konfliktreichen gesellschaftlichen Umfeld und Wandel zu behaupten. Seit Jahrzehnten ereignet sich Ähnliches in den meisten Familien der "Ausländer". Ihre grossen Probleme waren auch einmal Probleme von Deutschen. Daran zu erinnern – statt den bürgerlichen Topos von den "gefährlichen Klassen" wieder aufzuwärmen – passte eigentlich gut zu einem Konzept, das die Geschichte einer Gesellschaft im Rhythmus ihrer langfristigen Strukturen und Prozesse zu erkennen sucht. Der Schweizer Sozialhistoriker Rudolf Braun hat das schon 1970 in einem der besten Bücher zur Arbeitsmigration und Überfremdungsangst im Blick auf die Italiener in der Schweiz vorexerziert.

Die Bundesrepublik ist gegenwärtig dabei zu lernen, sich als Einwanderungsgesellschaft zu begreifen. Es wäre viel gewonnen, wenn Wehlers Klassengeschichte auch beitragen würde zu einer kritischen Selbstanerkennung der Bundesrepublik als Klassengesellschaft. Beides zusammen könnte die realistische Erkenntnis der Chancen und Probleme von sozialer Integration fördern.

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05.09.2008 | 13:13 Uhr

Andreas Fahrmeir: Mißglückte Migrationsdeutung

Die meisten der in diesem Lesesaal kontrovers behandelten Passagen der Gesellschaftsgeschichte sind klassischer Wehler im besten Sinne: klar, provokativ, zur Diskussion und zur Reflektion eigener Positionen Anlaß bietend. Man stimmt nicht immer zu, nimmt die Einwürfe aber auf jeden Fall ernst. Die Anmerkungen zu dem, was man den Weg der Bundesrepublik zur multikulturellen und zur multiethnischen Gesellschaft nennen könnte, fallen dagegen drastisch ab.

Tiefpunkt der Nicht-Argumentation ist die Diagnose der Gegenwart. Da ist die Rede von einem "ethnischen Subproletariat", "assimilations- und bildungsfern, in seinen ghettoählichen Wohnquartieren, in denen der Einfluß eines fundamentalistischen Islamismus um sich greift", das einen "Sprengstoff, der die "Rote Gefahr" des 19. Jahrhunderts bei weitem übertrifft", darstelle (S. 438). Vielleicht entgeht mir ja die Ironie, denn die Rote Gefahr des 19. Jahrhunderts - das waren Sozialdemokratie, Labour Party oder kleinbürgerliche radikaldemokratische Revolutionäre der Pariser Commune.

Wehlers Satz suggeriert ansonsten lauter irreführende Eindrücke mit Stammtisch-Zertifikat: Es gebe keine bildungsfernen ethnisch deutschen Gruppen und keine Aufsteiger mit Migrationshintergrund; sozial schwache Wohnquartiere der Bundesrepublik seien inzwischen (wegen der Ausländer und ihrer Kinder) wie die Problemviertel von Los Angeles, Philadelphia oder Paris; ethnische Minderheiten in Deutschland seien ausschließlich muslimisch und zudem insgesamt radikalisiert. Der Eindruck, den die Seminarräume einer Großstadtuniversität wie Köln oder Frankfurt vermitteln, ist ein anderer.

Das Problem ist eine merkwürdige Perspektive, die auf Analyse weitgehend verzichtet, zu verkürzenden Urteilen neigt und dabei die bei allen Problemen unübersehbaren Erfolge der Bundesrepublik bei der Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern merkwürdig kleinredet.

Ein Beispiel ist die Schilderung der Zuwanderung im Abschnitt zur demographischen Entwicklung. Die Zahlen mögen stimmen, aber die Interpretation läßt vieles im Dunkeln, manches ist auch schlicht falsch. Die Arbeitswanderung in die Bundesrepublik war nicht einfach das Ergebnis von freien Stellen, sondern eingebunden in eine Politik der Bevölkerungsplanung mit manchen Kontinuitätslinien, die vor 1945 zurückreichten. Da man "weiße" Zuwanderer aus Nordeuropa, den USA oder Israel nicht gewinnen konnte, wich man auf Staaten aus, die entweder faschistische Diktaturen gewesen waren (wie Italien) oder als rechtsautoritäre Regime immer noch die Gewähr boten, keine Kommunisten ins Adenauerland zu exportieren: Spanien, Portugal, Griechenland eben.

Die Türkei passte als NATO-Partner (ebenso wie ebenfalls muslimische Länder Nordafrikas) in das Schema, in dem Zuwanderung auch als Mittel der Stabilisierung und der Diplomatie verwandt wurde, denn das Interesse der Herkunftsländer an Devisen und Gebühren war nicht gering.

Die "Gastarbeiter" erhielten zwar immer nur eine einjährige Arbeitserlaubnis, diese war aber verlängerbar - in der Praxis wandten sich Betriebe und lokale Ausländerämter aus Gründen der Ausbildungskosten und des Rekrutierungsaufwands gegen das von oben implizit gewünschte Rotationsprinzip und führten damit das "liberale Dilemma" herbei: Der Staat konnte entweder Migration steuern oder Migrantinnen und Migranten das Recht auf freie Partnerwahl zugestehen und damit die Kontrolle über die Zuwanderung weitgehend aus der Hand geben, entweder Migranten aus politischen Gründen willkürlich ausweisen oder, wie es das Verfassungsgericht dann zur Pflicht machte, eine ständig verlängerte befristete Aufenthaltserlaubnis als faktische Einwanderungsgenehmigung behandeln.

Man kann, man muß auch die weitere Geschichte anders erzählen, als Wehler das tut. Arbeitsmigrantinnen und -migranten aus der werdenden EU konnten nach dem Ende ihrer Arbeitstätigkeit leicht nach Hause zurück; sie verloren dadurch nicht ihr Recht auf Rückkehr und hatten kaum Nachteile, etwa im Rahmen der Renten- und Sozialversicherung, zu fürchten. Das traf auf Türkinnen und Türken nicht zu, so daß der Anwerbestopp zwingend eine Verlagerung der Migration aus der Türkei zu Familiennachzug und Asylanträgen führen mußte. Gewiß wurde das Asylrecht auch dazu mißbraucht, Arbeitsmigrantinnen- und Migranten ins Land zu bringen - von Schleppern, aber auch von der DDR, die regelrechte Asylflüge aus der Türkei nach Berlin organisierte. Es gab aber auch ein globales Flüchtlingsproblem. Die Türkei der 1980er Jahre war ohne Zweifel ein Regime, aus dem man mit guten Gründen fliehen konnte.

Nur von der liberalen Abschiebepraxis zu reden, die erkläre, daß abgelehnte Asylbewerberinnen und -Bewerber häufig doch bleiben durften, verstellt zudem den Blick auf die Tatsache, daß die meisten Duldungen auf der Grundlage internationaler rechtlicher Verpflichtungen ausgesprochen wurden. Die Annahme, Griechen, Italiener und Spanier seien allesamt problemlos in der deutschen Gesellschaft aufgegangen, nur Türken hätten Probleme, spiegelt EU-Romantik, nicht die Realität.

Schade - gerade am Thema Migrationsgeschichte der Bundesrepublik hätte sich der Zugriff der Gesellschaftsgeschichte bewähren können. Daß er sich im Prinzip dazu eignet, mag man bei Klaus Bade oder Ulrich Herbert nachlesen; dem Vater der Gesellschaftsgeschichte ist es leider nicht geglückt.

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05.09.2008 | 08:00 Uhr

Ulrich Herbert: Langwieriger Integrationsprozess

Das Bild, das Hans-Ulrich Wehler hier von den Ausländern in der Bundesrepublik zeichnet, ist bemerkenswert undifferenziert, vergleicht man es mit seinen sorgfältigen Analysen der Sozialstruktur der in Bezug auf Klassenschichtung, Einkommen, Vermögen, Bildung usw. - soweit es die deutsche Gesellschaft betrifft.

Warum setzt er das bei der ausländischen Bevölkerung nicht fort? Seine hier geäußerten Beängstigungen über den islamischen Fundamentalismus der in Ghettos lebenden "analphabetischen Anatolier" und der in den deutschen Städten "versickerten" abgelehnten Asylbewerber sind in ihrer Grobschlächtigkeit schwer erträglich und haben in einem wissenschaftlichen Buch nichts zu suchen.

Die Gruppe der in Deutschland lebenden Ausländer ist in sich außerordentlich heterogen und keineswegs durchgehend als "neues Subproletariat" anzusehen. Etwa die Hälfte verfügt über einen gesicherten Aufenthaltsstatus und ist gekennzeichnet durch höhere Einkommen, bessere Schulausbildung auch der Kinder, eine bessere Wohnsituation und zahlreichere Kontakte zur deutschen Bevölkerung als die zweite Gruppe, in der der Anteil der Flüchtlinge und Asylbewerber, sowie der nach 1980 nach Deutschland gekommenen Ausländer besonders hoch ist. In Bezug auf die erste Gruppe, zu einem hohen Teil aus der alten "Gastarbeiter"-Population hervorgegangen, kann man in Deutschland durchaus von einem sichtbaren Integrationserfolg sprechen. In Bezug auf die zweite Gruppe gewiss nicht: Hier ballen sich all Probleme wirtschaftlicher Verarmung, kultureller Bindungslosigkeit und sozialer Depravierung.

Zudem konnte man seit Mitte der 90er Jahre eine Gegenbewegung feststellen: Die Integrationsbereitschaft der Ausländer begann erkennbar nachzulassen, die Zahl der erfolgreichen Schulabschlüsse zu sinken, und auch andere Indikatoren bestätigten diesen Trend, der jedenfalls zu einem Teil auch als Reaktion auf die tödlichen Anschlagserie der frühen 90er Jahre zu bewerten ist, welcher insgesamt etwa 100 Ausländer zum Opfer fielen. Vor allem aber wurde bis in die 1990er Jahre von den deutschen Regierungen die Anwesenheit der Ausländer als vorübergehend angesehen; die Politik war dementsprechend nicht auf deren Bleiben, Integration und Aufstieg, sondern ostentativ auf Rückkehr gerichtet, der durch entsprechende Gesetze nachgeholfen wurde. Eine einigermaßen konsequente Integrationspolitik gibt es in Deutschland erst seit 1998, aber auch seitdem nur mit zahlreichen Rückschlägen.

Insofern liegt die Entwicklung der Migrantenpopulation in Deutschland durchaus im langfristigen Trend neuzeitlicher Migrationsströme: Integration ist ein langwieriger, über mehrere Generationen hinweg sich vollziehender Prozess, er verläuft bei verschiedenen ethnischen Gruppen unterschiedlich, nicht in allen Fällen verläuft er erfolgreich. Insgesamt und im europäischen Vergleich unterscheidet sich die Geschichte der Ausländer in der Bundesrepublik aber doch deutlich von dem von Wehler gezeichneten Zerrbild. Durch eine solche Feststellung wird die Lage nicht unbedingt besser, aber sie wird präziser Beschreibung und Untersuchung zugänglich.

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05.09.2008 | 08:00 Uhr

Michael Stolleis: Zauberwort Integration

Wenn man die Bundesrepublik bis etwa 1965 eine "Integrationsgesellschaft" nennt, dann sollte man zunächst auf die politische Umarmung der Millionen ehemaliger Parteigenossen der NSDAP sehen, und zwar durch Beendigung der Entnazifizierung, durch die Gesetzgebung zu Art. 131 Grundgesetz, durch rasche Amnestien und durch massenhafte Wiedereinstellung von "Mitläufern" und "Belasteten". Alles, was sich kommunistisch nannte, wurde dagegen nicht integriert. Das waren klare In- und Exklusionen.

Die folgenden Inklusionen betrafen dann die Vertriebenen und Flüchtlinge. Sie wurden keineswegs überall freundlich angesehen, aber sie integrierten sich selbst rasch und effektiv durch Tüchtigkeit und Aufbauwillen. "Integration" wurde zum Zauberwort der frühen Bundesrepublik, ja zum Kitt einer Gesellschaft, die vor Fundamentalkonflikten zurückscheute: Integration der großen Konfessionen in einer christlichen Volkspartei, der Sozialpartner in der "Mitbestimmung", der kleinen Parteien in die großen sowie der Armen in den Sozialstaat. Flankiert wurde dies durch die ehemals kritisch gegen den Weimarer Staat entwickelte "Integrationslehre" des Staatsrechtlers Rudolf Smend, die von seinen Schülern zur konsensualen und harmonisierenden Staatstheorie ausgebaut und mit dem "westlichen Pluralismus" versöhnt wurde.

Mit der Integration der Arbeitsimmigranten, der Asylsuchenden und der Wirtschaftsflüchtlinge aus vielen Ländern gab und gibt es jeweils spezifische Schwierigkeiten. Die Spannungen lassen sich nicht wegreden, aber ihre Wurzeln – Wehler spricht darüber kaum – liegen vor allem auf deutscher Seite, etwa in der immer noch dominanten Zuordnung nach "Abstammung" sowie in der Konstruktion des Fremdenrechts. Obwohl die Bundesrepublik längst ein Immigrationsgebiet war, dekretierte das Bundesverwaltungsgericht unermüdlich: "Die Bundesrepublik ist kein Einwanderungsland". Es gibt Abwehrmechanismen, die nur der Psychologie und der geschichtlichen Erklärung zugänglich sind. – Was Wehler die "Pest des islamischen Fundamentalismus" nennt, hat aber mit dem Thema der Integration nicht das geringste zu tun. Dieses (anfechtbare) Zitat fällt bei ihm auch nicht im Zusammenhang mit der Bevölkerungsgeschichte, sondern ist hier nur, gewissermaßen als Würzelement, von der Redaktion beigemischt worden.

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05.09.2008 | 08:00 Uhr

Andreas Kossert: Erzwungene Assimilation

Wehlers Geschichte Nachkriegsdeutschlands ist ungewöhnlich kalt: eine Gesellschaftsgeschichte ohne die eigentlichen Protagonisten, die Menschen, die eine Gesellschaft ausmachen. Die tiefen Zäsuren der deutschen Nachkriegsgeschichte mit der Ankunft verschiedener Gruppen – unfreiwillig als Vertriebene und Flüchtlinge oder später als Arbeitsmigranten – und die tiefen mentalen, sozialen und konfessionellen Veränderungen, die sie mit sich brachten, finden kaum Erwähnung.

Noch immer stellen Flucht und Vertreibung von 14 Millionen Deutschen die größte Zwangsmigration in der neueren Geschichte dar. 14 Millionen Vertriebenen gelangen in die vier Besatzungszonen, wobei die Vertriebenen in der SBZ und späteren DDR, die ein Viertel der Bevölkerung stellten, bei Wehler gar nicht erwähnt werden. Heimatlosigkeit und Obdachlosigkeit war das Schicksal Millionen Deutscher in der Nachkriegszeit. Das konnte nicht ohne Auswirkungen auf die Gesellschaft bleiben. Heimatverlust durch Flucht und Vertreibung haben die deutsche Nachkriegsgesellschaft nachhaltig geprägt.

Nach der Ankunft der 14 Millionen Deutschen war von nationaler Solidarität – obwohl von den Politikern aller Parteien gebetsmühlenartig angemahnt – kaum etwas zu spüren. Nur allzu gern wurde von der gelungenen materiellen Integration gesprochen, wobei im Unterton das schlechte Gewissen anklang. Denn weder der Lastenausgleich noch die Flüchtlingssiedlungen an den Ortsrändern mit ihren "Königsberger Straßen" und "Breslauer Ringen" konnten darüber hinwegtäuschen, daß die Gesellschaft sich dem seelischen Schmerz, dem Leid der Vertriebenen, ihrer Traumatisierung durch Flucht, Vertreibung von Haus und Hof, Vergewaltigungen, Massenerschießungen und Verschleppungen verschloss.

Bis heute, nach mehr als sechzig Jahren, sagen viele Vertriebene noch immer "Bei uns zu Hause". Gemeint ist die alte Heimat im Riesengebirge, an der Memel, in Siebenbürgen oder im Böhmerwald. Angesichts des unbewältigten Schmerzes zeigten sich die Nichtbetroffenen zunächst peinlich berührt, später war er ihnen lästig. Seit den 1970er Jahren wurde er Gegenstand der Karikatur, man machte sich lustig über die Vertriebenen, warf ihnen Larmoyanz vor. Mit ihren Traumatisierungen ließ man sie allein oder drängte sie gar in die rechte Ecke als ewig Gestrige. Ihr Leid mittragen, das wollte man nicht.

Nach Kriegsende zerfiel die deutsche Welt in die der Heimatlosen und die der Einheimischen: Die vertriebenen Menschen waren die Fleisch gewordene Erinnerung an den gemeinsam verlorenen Krieg, den man verdrängen und vergessen wollte. "Flüchtlingsschweine, Gesochs, Polacken, Rucksackdeutsche, 40-kg-Zigeuner, Flüchtlingspack, Huren-Flüchtlinge": Die Vertriebenen, die mit Heimatverlust bestraft wurden für die Verbrechen, die im Namen aller Deutschen begangen worden waren, stießen anstatt auf Solidarität auf Hohn und Verachtung bei ihren Landsleuten, die noch vieles hatten: Heimat, die Geborgenheit von Familie und Freunden, Besitz. Hatte man wenige Jahre zuvor noch gemeinsam "Heil Hitler" gerufen, den Zweiten Weltkrieg bejubelt und die deutsche "Volksgemeinschaft" beschworen, versteckten sich diese Glücklicheren nach Kriegsende hinter ihren regionalen Identitäten. Man war Badener, Holsteiner oder Westfale - dass man "Großdeutscher" gewesen war, das hatten die Preußen zu vertreten. Man schlich sich aus der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung, ja man suchte sich sogar auf Kosten der Vertriebenen zu entnazifizieren, denn, so war zu hören, wer geflohen oder verjagt worden war, der musste doch besondere Schuld auf sich geladen haben.

Und dennoch: Die Vertriebenen waren ein Motor der Modernisierung in beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften. Doch das hatte jedoch seinen Preis: Viele empfanden sich über Jahrzehnte nur geduldet und gingen im Laufe der Jahre in die innere Emigration, lebten mit ihren quälenden Erinnerungen in Parallelgesellschaften. In der DDR spielten Flucht und Vertreibung keine Rolle, weil das totalitäre Regime das Thema politisch unterdrückte und die Vertriebenen zum Schweigen verurteilte, aber auch in der alten Bundesrepublik wollte kaum jemand die Geschichte der Vertriebenen hören. Sie verschwand zunehmend aus dem öffentlichen Blickfeld, wie die Erinnerung an das historische Ostdeutschland überhaupt. Bald galten Vertriebene pauschal als "Revanchisten".

Wer sich ungeachtet der ideologischen Grabenkämpfe mit dem Thema beschäftigte, betrat vermintes Gelände. Lange Zeit wurde die Ankunft der Vertriebenen nach 1945 bei feierlichen Anlässen als Erfolgsgeschichte verkauft und die angeblich gelungene Integration euphorisch bejubelt. Anpassung und Eingliederung gelangen – so der allgemeine Tenor – Einheimischen und Vertriebenen gemeinsam aufgrund der Teilhabe aller am Wirtschaftswunder. Auch heute, im Rückblick, ist immer noch gern die Rede von der ‚erfolgreichen Integration’. Das Wort "Integration" stammt vom lateinischen Wort "integer" "heil, unversehrt". Integration meint demnach – so Volker Ackermann – einen Einigungsprozeß von Teilen und Gliedern zu einer sie umfassenden Einheit, wobei die gewonnene Einheit mehr ist als die Summe der vereinigten Teile. In der Nachkriegszeit verbarg sich hinter dem Begriff Integration indes nichts weiter als eine bürokratische Zielvorgabe. Es überwog eine ausgeprägt materialistische Vorstellung von Integration. Für persönliche Betroffenheit, Trauer, Traumatisierung und Schmerz war dagegen kein Platz.

1951 bemerkte man in Helsinki gegenüber einer Bundestagsdelegation: 1945 waren alle Finnen Karelier, solidarisch mit ihren vertriebenen finnischen Landsleuten. Von einem solchen Verantwortungsgefühl gegenüber den Vertriebenen konnte in Deutschland keine Rede sein. Der Schock der Ankunftserfahrung durfte, sollte nicht öffentlich gezeigt werden in der integrationsfeindlichen Lebenssituation der Nachkriegszeit. Die erlittenen Traumata während der Vertreibung, das Gefühl von sozialer Isolation und Deklassierung sowie das nachfolgende Ringen um die Identität zwischen Hier und Dort machte die Ankunft zusätzlich schwierig. Helga Grebing hat die Verweigerung gesellschaftlicher Anerkennung in die Kontinuität der deutschen Verdrängungsleistungen nach 1945 eingeordnet – als ein "weiteres Kapitel der Unfähigkeit der Deutschen, Trauerarbeit zu leisten." Die Integration der Vertriebenen, die in Teilen nichts anderes war als eine erzwungene Assimilation, erfolgte um den hohen Preis der kulturellen Selbstaufgabe. Schlesier, Ostpreußen, Pommern und Deutschböhmen, die über Jahrhunderte beigetragen haben zur Vielfalt der deutschen Identität, hatten fern der Heimat nichts mehr zu melden.

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05.09.2008 | 08:00 Uhr

Dirk Moses: Problematisches Vokabular

Eine deutsche Doktorandin gibt dieser Tage eine Arbeit bei mir ab, in der sie die Aufstiegsbedingungen von Migranten aus Italien und Griechenland in die Bundesrepublik und nach Australien vergleicht. Ohne Ausnahme ist die soziale Mobilität bei den Italienern und Griechen, die in der Nachkriegszeit nach Australien auswanderten, sehr viel höher als unter denen, die nach Westdeutschland gehen. Die geographische Distanz spielte eine überraschend geringe Rolle bei dieser Integrationsleistung. Ausschlaggebend waren — und sind immer noch? — die unterschiedlichen Schulsysteme.

Im Gesamtschul-System Australiens haben alle Absolventen eine theoretsche Möglichkeit zum Studieren, denn die Studienplätze werden nach Zensuren verteilt. Die frühe Trennung von Schülern im deutschen Schulsystem hat zur Folge, dass relativ wenige Migranten in die Gymnasien gelangen; zudem ist es sehr schwer, die Schullaufbahnen zu wechseln, nachdem man die deutsche Sprache besser beherrscht hat. Fazit: in dieser Hinsicht behindert das System hier die Integration von Migranten.

Gleichwohl ist die Integration von Menschen aus der Türkei, um das Hauptbeispiel zu nennen, viel erfolgreicher als es der öffentliche Diskurs über "Ausländergewalt" oder "Ausländerarbeitslosigkeit" zunächst erkennen läßt. Hierzulande wird zu viel in ethnischen statt in Klassenbegriffen gedacht (allerdings auch in Australien). Die Integration gelingt im alltäglichen Umgang von Deutschen jedweder Herkunft, die überwiegend Deutsch miteinander Reden und die in diesem Land ihre Zukunft sehen. In vielerlei Hinsicht ist die Mediendiskussion über "Integration" von der Realität weit entfernt. Welche Redakteure hatten je "Ausländer" im Gymnasien neben sich sitzen?

Leider löst sich Wehler nicht vom üblichen Diskurs, muslimische Ausländer als Problem für die moderne deutsche Gesellschaft zu verstehen und nicht als Bereicherung. Hier gibt es Verbindungen zu den anderen Bänden seiner Gesellschaftsgeschichte: Die Katholiken im Kaiserrreich waren für ihn auch problematisch, weil sie Vergangenheit und Tradition verkörpertern. Jetzt ist Islamismus eine "Pest." Ich mag den Islamismus auch nicht, aber ist "Pest" ein Wort, das in ein wissenschaftliches Buch gehört? Mit so einem Wort wird manichäische Geschichtstheologie betrieben: auf der einen Seite die guten Kräfte, die zur "Moderne" führen, auf der andere Seite die "Pest-Kräfte", die angeblich antimodern und gegenaufklärisch sein sollen.

Eine historische Behandlung würde fragen, warum es überhaupt Bewegungen wie den Islamismus gibt? Vielleicht ist die Erscheinung der "Moderne" im Nahen Osten—durch britische und französische Kolonialherrschaft oder durch den Zionismus beeinflußt — ein Faktor hierfür. Und vielleicht verspricht die Moderne nicht alles, was Wehler zu glauben scheint - jedenfalls wenn man an den fundamentalistischen Christen in den USA denkt. Wir werden die Welt des Fundamentalismus solange nicht endgültig verlassen, bis wir Parolen wie "Pest" und die verwandten Begriffen wie "Reinheit" den Heilslehrern überlassen. Der europäische Fundamentalismus gehört ebenso wenig in die seriösen Wissenschaften wie die üblichen Vorurteile über türkische "ghettos", Selbstisolierung und Primitivität.

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08.09.2008 | 06:41 Uhr
Martin Klocke schreibt: "Islamismus" keine neue Richtung, sondern Fortführung

Herr Prof. Moses, natürlich haben Sie recht damit, dass anscheinend die Moderne alles verspricht bzw. halten kann, was die Menschen brauchen. Ihre Annahme jedoch, und damit stehen Sie leider nicht alleine, dass der "Islamismus" eine Gegenbewegung zur Kolonialisierung o.ä. wäre, ist meines Erachtens komplett falsch und vor allem verharmlosend was den Islam betrifft.

Wenn Sie aufmerksam den Koran lesen sowie die Hadithe, dann werden Sie merken, dass ALLES, aber auch ALLES, was die "Islamisten" tun und fordern, genau so von Mohammed vorgelebt wurde.
Und ob der Islam anti-modern und gegenaufklärerisch ist oder nicht, ist doch eigentlich seit dem 14. Jahrhundert, dem Schließen der Pforte, sehr eindeutig. Dies zeigt sich z.B. darin, dass ein Zitat des Papstes aus einem Jahrhunderte alten Diskurs zwischen Christen und Muslimen heute nicht mehr diskursfähig ist, sondern zu Gewalt und Hetze führt.


05.09.2008 | 09:34 Uhr
Norbert Finzsch schreibt: Vielfalt stalt Einfalt

Prof. Moses' Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf. Wehlers Bemerkungen zum Thema Integrationspolitik sind erstaunlich schmalbrüstig (im Sinne der intersubjektiv nachprüfbaren Evidenz), dafür aber von einer rhetorischen Holzhackermentalität geprägt, die einen aufhorchen läßt. "Pest" ist eine Vokabel, die man zuletzt im Kontext der "Volksschädlinge" gehört hat.

Im Übrigen ist der F.A.Z. zu der gelungenen Website zu gratulieren. Aber mal unter uns gefragt: Warum ist das Historikergremium, das hier diskutiert, so wenig divers (im Sinne der drei sozialhistorischen Kategorien "Rasse", Klasse, Geschlecht) zusammengesetzt? Es gibt eine Menge prominenter Historikerinnen, die man hätte einladen können. Und warum -- mit Moses' Ausnahme - nur Biodeutsche?



Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

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