Home
Lesesaal
FAZ.NET
Sonntag, 31. August 2008
Seite weiterempfehlen

Empfehlen Sie den Lesesaal Freunden und Bekannten!

Bitte geben Sie den Sicherheitscode ein

absenden
Lesezeichen:
yigg delicious link webnews digg wong Furl Oneview

Album:

Die besten deutschen Filme seit 1949

"Zur Sache, Schätzchen", denn das wahre Leben spielt im Kino! Ob "Winnetou", "Spur der Steine", "Die Legende von Paul und Paula", "Das Boot" oder "Der Himmel über Berlin": Die Bilder in den deutschen Köpfen sind auch von ihren Filmen geprägt. Was ist der schönste, der innovativste, der beste deutsche Filme seit 1949? Nennen Sie uns Ihre persönlichen Favoriten!

Beiträge

05.09.2008 | 18:33 Uhr

Hans-Jörg Rother: "Der Aufenthalt" (1983) von Frank Beyer

Der Name Frank Beyer sollte in einer Liste der besten deutschen Filme seit 1949 nicht fehlen. Seine 1966, kurz nach der Premiere, verbotene bissige Komödie um den Maurerpolier Balla, "Spur der Steine", erlangte nach der Wiederaufführung, nunmehr in ganz Deutschland, rasch Kultstatus.

Nicht so populär konnte die Romanverfilmung "Der Aufenthalt" werden, die bei den Berliner Filmfestspielen 1983 viel Aussicht auf einen Bären gehabt hätte, wäre die Nominierung nicht unter polnischem Druck von der DDR-Seite zurückgezogen worden.

Silvester Groth gibt hier als junger Wehrmachtssoldat Mark Niebuhr, der 1945 in polnische Kriegsgefangenschaft geraten ist, wo man ihn mit einem Massenmörder verwechselt, sein Leinwanddebüt: ein tumber Tor, der langsam begreift, was zwar nicht er, aber dafür manche Mitgefangenen dem verwüsteten Land angetan haben.

Andrzej Pieczynski verkörpert, nicht minder beeindruckend, den gleichaltrigen polnischen Untersuchungsrichter, der und nach allem, was er gesehen und erlebt hat, schwer von der Unschuld auch nur eines Deutschen zu überzeugen ist. "Sie werden nicht erwarten, dass wir uns bei Ihnen entschuldigen", sagt er am Schluss der zermürbenden Verhöre, und Niebuhr hat es auch nicht erwartet.

Wolfgang Kohlhaase, einer der besten Autoren der Defa, schuf aus dem gleichnamigen Roman von Hermann Kant eine dramatische Vorlage voller Paradoxien: Nicht allein von den polnischen Wächtern droht dem Unschuldigen höchste Gefahr, sondern auch – und am Ende am meisten – von den deutschen Zellengenossen, die mit eiserner NS-Gesinnung jede Annäherung an "den Feind" niederzuschlagen versuchen. Fünfunddreißig Jahre nach der Entstehung des Films mag im öffentlichen Raum hinlänglich geklärt sein, was damals auf beiden Seiten der Oder-Neiße-Grenze Erregung auslöste – aber auch im privaten Bewusstsein? Ein Selbstversuch mit Frank Beyers "Aufenthalt" sei empfohlen.

Kommentare


02.09.2008 | 16:19 Uhr

Claudius Seidl: "Rosen blühen auf dem Heidegrab"

Der beste deutsche Film nach 1949 ist "Rosen blühen auf dem Heidegrab" von Hans H. König - einem Regisseur, der, absolut zu Unrecht, heute vergessen ist. Ein Heimatfilm, einer der wenigen, die zeigen, welche melodramtaische Wucht in dem Genre stecken kann. Natur ist hier nicht idyllisch und die Vergangenheit das Gegenteil von guter alter Zeit.

Kommentare


02.09.2008 | 16:17 Uhr

Peter Körte: "Das deutsche Kettensägenmassaker" (1990)

Der Titel, eine Verbeugung vor Tobe Hoopers Horrorklassiker "The Texas Chain Saw Massacre" von 1974, zeigt schon, wohin die Reise geht. Wenn Schlingensief sich die deutsche Geschichte vornimmt, wird es eben blutig, trashig und geschmacklos - doch da, wo der gute Geschmack endet, lauern womöglich unangenehme Einsichten.

Eine westdeutsche Metzgerfamilie wird von der Wiedervereinigung in einen Blutrausch versetzt. In einer heruntergekommenen Hotelanlage, die stark an Hitchcocks "Psycho" erinnert, ermordet sie ehemalige DDR-Bürger, zerlegt sie und verarbeitet sie zu Wurst. Der Film ist roh und rasend, in seiner Symbolik mutwillig und brachial, eine fast hysterische Reaktion auf den allgemeinen Taumel der Wiederveinigung. Und wenn man diese west-östliche Schlachtplatte nicht einfach beim Nennwert nimmt, sondern als Underground-Version zum Mauerfall, dann findet man vor allem die Geschichte einer Einverleibung: des Ostens durch den Westen. Verdaut ist das bis heute nicht. Weshalb selten so viel Innovation war im deutschen Kino wie in diesem Film.

Kommentare


01.09.2008 | 17:17 Uhr

Bert Rebhandl: "Der Verlorene" von Peter Lorre

Der beste deutsche Film (gleich) nach 1949 ist "Der Verlorene" von Peter Lorre aus dem Jahr 1951. Die einzige Regie-Arbeit des prominenten deutschen Emigranten will viele Filme zugleich sein – ein Noir-Thriller, eine psychoanalytische Studie, ein Geschichtsfilm, eine weggerissene Deckerinnerung.

Lorre selbst spielt die Hauptrolle: Ein Chemiker, der gegen die Nazis spioniert, ist zugleich ein Frauenmörder, ein Totmacher, ein Mann, den es unter den gesellschaftshygienischen Bedingungen der Hitler-Diktatur gar nicht geben dürfte. Lorre wollte mit diesem Film ein Comeback in Deutschland, aber er wusste zuviel vom Kino und zuwenig von den Bedürfnissen des Nachkriegspublikums, als dass er mit dieser Arbeit hätte reüssieren können. So bildet sie als Mahnmal des (auch persönlichen) Scheiterns den Auftakt zu einer langen Reihe versprengter Beiträge im deutschen Kino nach 1949, die gegen die wohlfeile Ausbeutung der Nazischuld ihr eigenes Heil aufs Spiel zu setzen bereit waren: von Lorre führen Spuren zu Syberberg, Karmakar, Schlingensief.

Kommentare


01.09.2008 | 15:41 Uhr

Marco Dettweiler: "Das muss das Boot abkönnen!"

"Na Männer... alles klar?" Na klar, Wolfgang Petersen! Sie haben einen der besten deutschen Filme gemacht. Das lag vor allen Dingen an ihrer Besatzung. Die Jungs wurden - bis auf wenige Ausnahmen - allesamt beliebte und bekannte Schauspieler im deutschen Fernsehen. Allerdings konnte kaum jemand seine sensationelle Leistung wiederholen.

Es scheint also dieser Effekt eingetreten zu sein, den man häufiger in der Kunst erlebt und im Fußball seine Bezeichnung gefunden hat: Der Star ist das Team. Leider hat Wolfgang Petersen in Hollywood zu häufig auf talentierte Einzelspieler gesetzt, ohne eine echte Mannschaft aufbauen zu können , sodass "Das Boot" immer noch sein und Deutschlands bester Film bleibt. Und auch das tragische und deshalb mutige Ende des Films zeigt, dass es in Deutschland Produzenten gab, die sich etwas getraut haben. "Jawoll, Herr Kaleu!"

Kommentare


Beitrag schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Registrieren Sie sich hier.

Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008