Hans-Jörg Rother: "Der Aufenthalt" (1983) von Frank Beyer
Der Name Frank Beyer sollte in einer Liste der besten deutschen Filme seit 1949 nicht fehlen. Seine 1966, kurz nach der Premiere, verbotene bissige Komödie um den Maurerpolier Balla, "Spur der Steine", erlangte nach der Wiederaufführung, nunmehr in ganz Deutschland, rasch Kultstatus.
Nicht so populär konnte die Romanverfilmung "Der Aufenthalt" werden, die bei den Berliner Filmfestspielen 1983 viel Aussicht auf einen Bären gehabt hätte, wäre die Nominierung nicht unter polnischem Druck von der DDR-Seite zurückgezogen worden.
Silvester Groth gibt hier als junger Wehrmachtssoldat Mark Niebuhr, der 1945 in polnische Kriegsgefangenschaft geraten ist, wo man ihn mit einem Massenmörder verwechselt, sein Leinwanddebüt: ein tumber Tor, der langsam begreift, was zwar nicht er, aber dafür manche Mitgefangenen dem verwüsteten Land angetan haben.
Andrzej Pieczynski verkörpert, nicht minder beeindruckend, den gleichaltrigen polnischen Untersuchungsrichter, der und nach allem, was er gesehen und erlebt hat, schwer von der Unschuld auch nur eines Deutschen zu überzeugen ist. "Sie werden nicht erwarten, dass wir uns bei Ihnen entschuldigen", sagt er am Schluss der zermürbenden Verhöre, und Niebuhr hat es auch nicht erwartet.
Wolfgang Kohlhaase, einer der besten Autoren der Defa, schuf aus dem gleichnamigen Roman von Hermann Kant eine dramatische Vorlage voller Paradoxien: Nicht allein von den polnischen Wächtern droht dem Unschuldigen höchste Gefahr, sondern auch – und am Ende am meisten – von den deutschen Zellengenossen, die mit eiserner NS-Gesinnung jede Annäherung an "den Feind" niederzuschlagen versuchen. Fünfunddreißig Jahre nach der Entstehung des Films mag im öffentlichen Raum hinlänglich geklärt sein, was damals auf beiden Seiten der Oder-Neiße-Grenze Erregung auslöste – aber auch im privaten Bewusstsein? Ein Selbstversuch mit Frank Beyers "Aufenthalt" sei empfohlen.
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