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Die größten deutschen Fernsehmomente

Obwohl von Anfang an geschmäht, ist die Geschichte des deutschen Fernsehens eine Erfolgsgeschichte. Schon vor der Wiedervereinigung waren Deutsche aus Ost und West am Samstagabend ein einiges Fernsehvolk. Welche Fernsehmomente bleiben in Erinnerung? Welche waren wirklich bedeutend, spektakulär, einflussreich?

Beiträge

06.09.2008 | 13:19 Uhr

Jörg Thomann: Geliebtes Ekel

Originell ist das ja nicht: Eintrag Nummer zwei und schon der zweite über Wolfgang Menge. Aber wer hätte es verdient, wenn nicht er? Irgendwann in den achtziger Jahren muss ich erstmals auf "Ein Herz und eine Seele" gestoßen sein und es als ziemlich lustige Anti-Familienserie zu schätzen gelernt haben.

Erst viel später wurde mir klar, was diese Sendung 1973, als sie erstmals ausgestrahlt wurde, im Lande ausgelöst haben muss.

Inmitten der trotz Achtundsechzig noch weitgehend (schein)heilen Fernsehunterhaltungswelt waren die Tetzlaffs subversive, gefährliche Eindringlinge; allen voran Heinz Schubert als "Ekel" Alfred verkörperte wie ein böser Poltergeist aus der Vergangenheit alles, was man erfolgreich verdrängt zu haben glaubte. Ein Spießer, Prolet und Rassist, der offen aussprach, "was jedenfalls vom Bildschirm herab so nie gesagt wurde", wie der "Spiegel" damals in einer Titelgeschichte schrieb, der seine Frau "dusselige Kuh" und seinen Schwiegersohn "Arschloch" nannte, und bei alledem - und das war es, was die Serie überhaupt erträglich machte - eine überaus komische Figur und ein ewiger Verlierer.

1973 war das ein großer Skandal - und ein gewaltiger Erfolg. Das von einer britischen Serie und deren amerikanischer Adaption inspirierte, doch von Menge präzise den deutschen Verhältnissen angepasste "Ein Herz und eine Seele" war, jedenfalls in der ersten Staffel, eine scharfe Satire und zugleich beste Unterhaltung, zudem als erste gut gemachte Sitcom für die weitere Entwicklung des Mediums von größter Bedeutung. Vieles von dem, was später erfolgreich lief, haben die Tetzlaffs Jahrzehnte zuvor vorweggenommen. In den vielen dysfunktionalen Fernsehfamilien von den Simpsons bis zu den Bundys, in den geliebten Hassfiguren wie Dr. House oder Stromberg - überall kann, wer mag, Züge Alfred Tetzlaffs entdecken.

Und vieles von dem, was Alfred so trieb, wirkt in der heutigen Fernsehwelt nicht weniger fremd als damals. Welche Unterhaltungssendung, abgesehen von der drögen "Lindenstraße", würde es heute wagen, explizit politisch daherzukommen? In welcher modernen Sendung dürfte eine Ehefrau auftauchen, die so gefügig und beklagenswert unterbelichtet ist wie die arme Else Tetzlaff? Welche Familienserie würde man überhaupt noch in einem Reihenhaus im Ruhrgebiet ansiedeln? Wie wohltuend ist es da, dass Alfred nach wie vor hartnäckig in den Dritten Fernsehprogrammen herumspukt.

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05.09.2008 | 18:38 Uhr

Günter Platzdasch: Mauerbau 1961 und Millionenspiel 1970

Als bereits Ende der 50er Jahre in zartem Kindesalter noch legal aus der DDR nach Westdeutschland übergesiedelter Schüler verbrachte ich im Sommer 1961, wie jedes Jahr, die Ferien bei Verwandten in Thüringen. Sonntagvormittag, am 13. August, kommt die Tante hoch zur Oma, wo ich wohnte: Kommt runter - die machen die Grenze zu! Die Familie und Nachbarn (Fernseher waren noch Luxus) sitzen im Wohnzimmer heimlich vorm Westfernsehen - Jalousien zur Straße sind zugeklappt.

Angst, ob ich nun aus den Ferien zurück nach Hause kann. Und wenn: ob nächstes Jahr in den Ferien wiederkommen. Alles ging "normal" weiter in der deutschen Anormalität.

1970 wieder Fernsehen, in westdeutschem Familienkreis, in lippischer Provinz: es läuft "Das Millionspiel" von Wolfgang Menge und Tom Tölle. Ich bin schockiert zu erleben, wie neben mir man's inzwischen schon für möglich hält, dass live jemand im Fernsehen zu Tode gejagt wird. Daraufhin mein erster Leserbrief; dazu in der "Lippischen Landeszeitung".

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